vornehme Zurückhaltung

Wieder einmal eine kleine Meldung, die eigentlich recht vielsagend ist: Israel schenkt dem jordanischen Königreich 16 Hubschrauber. Dass in Jordanien der böse Islam Staatsreligion ist, stört Israel offenbar nicht. Wie ja überhaupt Israels öffentlich zelebrierte Todfeindschaft bei gleichzeitiger kaum verdeckter Kooperation mit islamistischen Dynastien, die zugleich mittelalterlich und neoimperialistisch sind, mittlerweile eine unendliche Geschichte ist.

Den deutschen Michel hat das möglichst gar nicht zu interessieren. Es genügt, wenn in seinem Kopf ein einziges Lämpchen glüht: Israel=Staatsräson. Alles darüber ist von Übel. Dank, oh Dank, unseren Medien für die Fürsorge, uns Meldungen zu ersparen, die bewährtes Schemadenken stören könnten!

Eine andere Methode, störende Diskussionen zu vermeiden, schätzt besonders die Frau Bundeskanzlerin. Gleich, ob Bankenprofite mit Steuermilliarden garantiert werden, Israel und Saudi-Arabien, die beiden „Stabilitätsanker im Nahen Osten“, modernste deutsche Waffen erhalten oder die Vorschläge eines palästinensischen Immigrantenmädchens vom Tisch gewischt werden – die Antwort lautet: TINA. Knapp, zurückhaltend, wenn auch wenig vornehm: Da gibt es keine Alternative!

Manchmal scheint mir, das TINA-Denken habe auch auf manche Kritiker der Merkel-Politik übergegriffen. Oder haben sie die gelegentlich so vornehme Zurückhaltung unserer Medien verinnerlicht? Welche Scheu, die unsägliche Politik der Syriza-Granden beim Namen zu nennen. Sie hatten es doch so schwer! Dass der Imperialismus seine Krallen zeigt, wer konnte es ahnen? Statt Verrat Verrat zu nennen, wird ihm Würde bescheinigt. Verkehrte Welt!

Hüter der wohlerworbenen Unfähigkeit in der Friedensbewegung, Schafe, von denen es einige längst zu gehorsamen HetzHunden (beiderlei Geschlechts) gebracht haben, gelten als unverzichtbare BundesgenossInnen. Irgendwie, heißt es, haben sich die Einen wie die Andern irritierend verhalten, nun lasst uns „die taktischen Differenzen“ vergessen.

Wir leben in einer Jetztzeit vornehmer Zurückhaltung. Kriege heißen jetzt „humanitäre Einsätze“. Aus Pfeffersäcken sind „Leistungsträger“ geworden. Linke tanzen den Regen nach oben. Nur das Unwort der Jahrhunderte, nicht erst seit achtzehnhundert vierzig und acht, ist immer gleich geblieben. Es heißt… … … Pst.

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