In eigener Sache und in Sachen Welt – mit Update zu den Herren Steins, Braun und Geppert

Das opablog schreibe ich mit großer Regelmäßigkeit nun schon bald zehn Jahre. Offenbar ist es mir wichtig. Es dient mir der Selbstvergewisserung (wie früher meine Tagebücher, nun aber auf offener Bühne), der Äußerung in die Öffentlichkeit hinein und – in geringerem Maße – der Bereicherung und Korrektur meines Wissens, Einsehens und meiner Parteinahme durch die erhaltenen Rückmeldungen.

Über die Jahre hat sich eine Akzentverschiebung ergeben (die ich manchmal bedauere) von der lebensweltlichen Breite der im Blog behandelten Themen zur Fokussierung auf wenige Themenkomplexe eher politischer Art. Das mag auch den Zeitläuften geschuldet sein. Typisch dafür war das Jahr 2013, in dem ich mich völlig auf den Mollathskandal konzentrierte und dabei bemüht war, seine politische Bedeutung in den Mittelpunkt zu stellen. Bemerkenswert war die Erfahrung, dass das sehr intensive Bloggen um ein bestimmtes Thema, also die virtuelle Aktivität, das Bedürfnis hervorrief, auch praktisch aktiv zu werden und zum politische Handeln überzugehen. Offensichtlich ging es vielen Anderen ebenso, was ja zu Mollath-Demonstrationen, -Mahnwachen, -Kundgebungen und anderen Aktionen führte.

Der Mollathskandal verlief im Sande. Weder die „Politprofis“ aller Schattierungen, noch die sog. „Organisationen der Zivilgesellschaft“ (NRO) interessierten sich dafür. Mir hat das, zumindest bezogen auf die Letztgenannten bleibende Erkenntnisse gebracht – RHO (=RegierungsHilfsOrganisationen). Das Blog aber hatte sich zu einer Art Wachraum entwickelt.

Das Jahr 2014 griff mächtig und direkt ins Bloggerleben ein mit dem NATO-/EU-Putsch in Kiew, der Ukrainekrise samt Krieg – und mit den spezifischen deutschen Reaktionsformen, wie Montagsmahnwachen, der offenen Krise der Friedensbewegung und den diversen nachfolgenden politische Aktivierungsereignissen oft zwiespältiger Art (Pegida u. A.).

Wie immer habe ich all das im Blog zunächst reflektiert und dann nach Möglichkeiten der praktischen Teilnahme gesucht. An der Berliner Mahnwache habe ich rund ein dutzendmal teilgenommen, konnte mich aber nicht zu einer direkten Einbindung entschließen. Diesen Schritt ermöglichte mir erst der „Friedenswinter 2014/2015“ ab der Anti-Gauck-Demo am 13. 12. 2014. Er ermöglichte diesen Schritt und baute zugleich erhebliche Barrieren dagegen auf – ein Phänomen!

Seit rund fünf Monaten nun bin ich in Formationen bzw. Diskussionen der Friedensbewegung engagiert, wobei Beziehungen zu den Freidenkern zunehmend Gewicht erlangten. Für mein Blog hat sich das, so scheint es mir, widersprüchlich ausgewirkt. Manches aktuelle Streitthema aus der Friedensbewegung ist dadurch vielleicht recht schnell im Blog aufgetaucht. Ich war eben nahe dran, Beispiel hier. Doch zugleich habe ich mich auf diversen Mailinglisten (und auch Facebook-Seiten) an Diskussionen beteiligt, was hier im Blog kaum einen Niederschlag gefunden hat. Es gelang mir nur höchst unbefriedigend, Diskussionsteilnahme dort und Diskussionsaufbereitung hier fürs Blog zu verbinden. Ja, selbst am Meinungsstreit im Blog teilzunehmen, habe ich vernachlässigt, wofür ich mich bei Kommentatoren, wie Lutz Lippke und Joachim Bode (stellvertretend für alle) entschuldige. Gar nicht zu reden, schließlich, von eigenen Diskussionslinien, die ich aufgemacht hatte (wie z. B. hier oder eine weitere hier), und die ich bisher nicht die Kraft hatte, sie stringent weiter zu führen.

Die Erfahrung lehrt, dass Diskussionen in Gruppen und Organisationen ihre eigenen Gesetze haben. Es ist gut und richtig, sich an diesen Diskussionen zu beteiligen und mitzuwirken, dass die Gruppen und Organisationen gute Ergebnisse erzielen. Danach, nachdem die Gruppe oder Organisation ein – nach ihrer Verfasstheit – optimales Ergebnis erreicht hat, scheint mir eine zweieinige Haltung ganz besonders wichtig: Einerseits das Ergebnis nach Maßgabe meiner Überzeugung mitzutragen und zugleich, meine davon abweichenden Einschätzungen und Überzeugungen systematisch weiter zu vertreten bzw. zu entwickeln.

Wünschenswert (Nein, zwingender notwendig, denn je!) wäre es, die Gruppen und Organisationen würden ihre Ergebnisse auch dynamisch verstehen, als vorübergehend, Schritte auf einem Weg. Das würde sie befähigen, Diskussionen als Bemühungen nach größerer Vollkommenheit ununterbrochen weiter zu treiben. Ich glaube, dass mensch sich das bei Lenin abgucken kann. Neugierig bin ich, ob etwa die Freidenker-Organisation genau in dieser Richtung Schritte unternimmt.

Aber unabhängig davon, behält (und steigert) mein Blog seine Funktion zunächst als meine persönliche Stimme zu Fragen der Welt und dann auch als Diskussionsraum für alle diejenigen, die sich an den hier laufenden Diskussionen beteiligen bzw. selbst Diskussionen anstoßen wollen.

*

Nachtragen möchte ich an dieser Stelle zwei Texte, Antworten, die mir zugegangen sind, die zumindest die Chronistenpflicht zu veröffentlichen gebietet:

Zum einen betrifft das die Antwort von Stephan Steins auf mein Posting „Streit um „die richtige Friedensbewegung““ vom 15. Juli 2015. Die Antwort ging mir am 15. 7. 2015 per Mail zu und lautet:

„Sehr geehrter Herr Kurch vom „Opablog“,

Ihre Interpretation der internationalen Entwicklung sei Ihnen unbenommen, ich habe eine andere. Dass die BRD, 1949 gegen die Normen des internationalen Völkerrechts durch die USA gegründet, bis heute durch die USA kontrolliert wird und deren Vasallenstaat ist, wollen Sie offenbar nicht realisieren. Schauen Sie sich allein die Vorgänge um die NSA-Totalüberwachung und TTIP und Co. an und Ihre Annahme vom eigenständigen deutschen Imperialismus versus USA mutet absurd an.
Aus marxistischer Sicht ist aber noch entscheidender, mit welcher ökonomischen Grundlage und Struktur wir es in der Welt von heute zu tun haben. Offenbar haben Sie es, wie nicht wenige „Opabloger“ unserer Tage, versäumt, sich in den vergangen Jahrzehnten mit diesem Thema intensiv auseinanderzusetzen.

Das halte ich Ihnen aber auch nicht vor. In einer breiten Bürgerbewegung wie der Friedensbewegung kommen evidenter Weise Menschen mit ganz unterschiedlichen Realitätsinterpretationen und Weltanschauungen zusammen. Eine Friedensbewegung ist keine Partei mit einem umfassenden, komplexen Parteiprogramm.

Falls Sie sich tatsächlich für meine Arbeiten jenseits der Friedensbewegung interessieren, so empfehle ich als Einstieg bspw. diesen Artikel, den Sie Ihrer Intervention auf opablog.net gerne hinzufügen dürfen:
Wer die EU wählt, wählt den Krieg!
Die Front des imperialen Krieges verläuft jetzt mitten durch die Ukraine
http://RoteFahne.eu/2014/02/wer-die-eu-waehlt-waehlt-den-krieg/

Mit freundlichen Grüssen
Stephan Steins“

Ich kann keinen Grund erkennen, nach diesem Antwortbrief weiter mit Herrn Steins zu korrespondieren. Er hat es vermieden auf die von mir aufgeworfenen Probleme bzw. gestellten Fragen einzugehen und sich ins Allgemeine geflüchtet. Die LeserInnen mögen selbst entscheiden, was sie davon (sowie vom Internetprodukt „Rote Fahne“) halten. Der auf der „Nein zur NATO“-Seite zu findende Aufruf des Freidenkerverbandes und des Bundesverbandes Arbeiterfotografie enthebt uns erfreulicherweise des Grundes auf den von Herrn Steins maßgeblich initiierten Anti-NATO-Aufruf zurück zu greifen.

—————————————————–

Ergänzung zu vorstehender Passage am 29.7.2015:

Festzuhalten bleibt, dass Herr Steins sorgfältig die gebührende Wertung des deutschen Imperialismus vermeidet. Er verdreht meine Fragestellung. Mit seiner Formulierung vom „eigenständigen deutschen Imperialismus versus USA“ weckt er den Anschein, ich hätte die Gleichrangigkeit und die direkte Konfrontation beider imperialistischer Mächte behauptet. Das ist selbstverständlich nicht der Fall aber sein Manöver erleichtert es ihm, auf meine Argumentation nicht einzugehen. All das ist besonders pikant, angesichts dessen, dass er nicht genug die „Rote-Fahne-Backen“ aufblasen kann. Fast scheint es, Liebknecht und Luxemburg hätten ihm persönlich die Redaktionsschreibmaschine übergeben. 

Ich halte es trotzdem für ungerechtfertigt (und in der Argumentation für ungenau), wenn selbsternannte Gralshüter des Antifaschismus der Friedensbewegung, wie Reiner Braun (die sorgfältig Äquidistanz zum faschistisch grundierten Putsch in der Ukraine wahren), die Anti-NATO-Position des Herrn Steins ablehnen, weil er „faschistoid“ sei, wenn er „germanische Entitäten“ in Gefahr sieht. Eher trifft zu, dass Herr Steins eine GEGEN den USA-Imperialismus  aber PRO Deutsch-Imperialismus gerichtete Position vertritt. Letzteres geschieht nicht demonstrativ, nicht auftrumpfend aber mit zäher Beharrlichkeit. Zwischen deutschem Imperialismus und Faschismus gibt es viele enge Verbindungen aber trotzdem nicht einfach Identität. (Und das Wort „faschistoid“ ist genauso nichtssagend, wie „rechtsoffen“.)

Diese ganze Problemstellung muss meiner Ansicht nach auch mit „Endgame“ soweit diskutiert werden, dass alle Unklarheiten ausgeräumt sind. Das betrifft somit auch Herrn Geppert, der im unten folgenden Brief für meine Begriffe allzu nonchalant über „einzelne Unterzeichner oder alte Artikel eben dieser“ hinweggeht.

Ende der Ergänzung.

————————————————

Bei dem zweiten Text handelt es sich um einen Mailwechsel mit Frank Geppert:

Ich mailte ihm am 16.7. 2015:

„Hallo Frank Geppert,

persönlich kennen wir uns nicht.

Irgendwie „kenne“ ich Sie aber doch. Immerhin habe ich zweimal in meinem Blog über Sie geschrieben. (hier: https://opablog.net/2015/04/09/army-go-home-vom-deutschen-protest-gegen-dragon-ride/ und hier: https://opablog.net/2015/06/05/rechts-und-extrem-im-kampf/) 

Ins Auge fällt und mir ist bewußt, dass ich Ihre verschiedenen politischen Handlungen auch deutlich verschieden bewerte/einschätze. Nun gehören Sie genauso wie ich zu den Erstunterzeichnern des Grundsatzpapiers „Friedensbewegung 2015“. Zu diesem Papier hat sich eine höchst kontroverse Diskussion entwickelt, besonders nach der Beratung der AG „Zukunft“ des ehemaligen Friedenswinters am 12.7. in Kassel. Insbesondere geht es um Positionen, die Stephan Steins vertritt. 

Ich habe gestern Herrn Steins eine Mail geschrieben. Diese leite ich Ihnen weiter, zu Ihrer Kenntnisnahme aber vor allem, weil ich gern von Ihnen, also „aus erster Hand“, Ihre Haltung dazu erfahren möchte. Ich meine, dass verschiedene Protagonisten der Friedensbewegung viel zu viel ÜBER einander reden als MITEINANDER, deshalb mein Vorstoß. 

Ich erwähne noch einmal, dass ich blogge und also Fragen von öffentlicher Bedeutung (auch Ihre etwaige Antwort) u. U. veröffentliche. Wenn Sie das nicht wünschen, bitte ich Sie, das ausdrücklich zu vermerken. 

Mit freundlichem Gruß 

Klaus-Peter Kurch“

Am 24. 7. erhielt ich von Herrn Geppert die folgende Antwort:

„Sehr geehrter Herr Kurch,

eine anti-imperialistische und NATO-kritische Bewegung ist notwendig und füllt eine Lücke, die entstanden ist, als sich Gewerkschaften und Parteien immer mehr dem Weg der Macht und der “politisch korrekten” Sprech- und Denkverbote unterworfen haben.

Ich muss ihnen sicherlich nicht die Fakten nennen, wie 800 Militärbasen, Totalüberwachung, Folter und die größte US-Militärbasis im Ausland, die sich in Ramstein (Deutschland) befindet, von der aus mit Drohnen Menschen getötet werden.

Es gibt eine internationale Mehrheit und laut einigen Umfragen mittlerweile auch eine deutsche Mehrheit von US-kritischen Bürgern, die nichts gegen die US-Bürger, aber gegen die Politik haben, die von Lobbyisten und vom Militärisch-Industriellen Komplex gesteuert wird.

Diese Kräfte zu bündeln ist eine sehr wichtige Aufgabe und muss verantwortungsvoll geschehen. Ablenkungsdebatten über einzelne Unterzeichner oder alte Artikel eben dieser dienen weder der Sache, noch sind sie konstruktiv. Sie schwächen lediglich die Sache, um entweder bewusst oder unbewusst zu sektieren. Viele Bewegungen sind arg zersplittert und dadurch machtlos.

Überwacht und mit Krieg überzogen werden aber alle Menschen, unabhängig ihrer Ideologie. Dabei spielen eher Rohstoffe, Währungen und strategische NATO-Basen eine Rolle. Sich hier in links und rechts unterteilen zu lassen, dient dem Imperium und schadet unserer Kritik.

Ich rate als Volkswirt dazu, die Froschperspektive zu verlassen und die Adlerperspektive zu wählen, um Geopolitik einzuordnen und den Schaden zu erkennen, den ideologisch verfahrene Debatten immer wieder auslösen.

Viele Grüße,
Frank Geppert“

Ich habe Herrn Geppert bisher nicht geantwortet und bin auch schwankend. Jedoch werde ich ihm vermutlich antworten.

Damit beende ich dieses überlange Posting mit dem Gefühl, das Nötigste gesagt, das Thema aber längst nicht ausgeschöpft zu haben.

Dieser Beitrag wurde unter Bewußtheit, bloggen, Demokratie, Krieg, Krise, Lenin, Machtmedien, Materialismus, Realkapitalismus, Widerstand abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu In eigener Sache und in Sachen Welt – mit Update zu den Herren Steins, Braun und Geppert

  1. fritzLetsch schreibt:

    Lieber Opa Kurch,
    dein Beitrag entspricht grade meiner schlechten Laune, die gestern im Umfeld einer brutal-lauten Asyl-Demo entstand und in einem Arbeitsforum nicht besser wurde:
    Dass das BMZ (Bundesmin. für Zusammenarbeit?) mit einer Organisation wie Engagement global & nur scheinbarer Beteiligung der Initiativen vor Ort mit den Ministerpräsidenten der Länder auf einer http://www.Zukunftstour.de die eigene Inszenierung von Zivilgesellschaft erzeugt, ist sicher nur eine der neuen kapitalen Marketing-Politstrategien.

    Das Gefühl, dass alles, was wir machen, missbraucht werden kann (Zukunftswerkstatt nennt nun jeder ein paar aneinander gereihte Workshops oder Vorträge) und die allseitige Propaganda lauter und stärker wird als unsere Kommunikationsfähigkeit, bringt mir das wirkliche Gefühl der Postdemokratie, in dem sich eine Hoffnung auf Friedensbewegung so banal anfühlt wie eine Hoffnung auf die SPD.

    Dass die Mollath-Sache im Sande verlaufen wäre, teile ich für den öffentlichen Part: Der Film hat im Stil der jungen Generation so viele Fragen nebeneinander gestellt, dass kein Anfang mehr entsteht, eher breite Hoffnungslosigkeit.
    Der einzig sichere Nebengewinn war die erstmals laut gewordene Kritik an Forensik und Staatsanwaltschaften, sowie der Blick die mangelnde Unabhängigkeit der Justiz, die in Deutschland noch nicht einmal einen Berlusconi beseitigen könnte … geschweige denn Seehofers und Merkels.

    „Zivilgesellschaft“ höre ich hier ständig von Leuten aus der Verwaltung, und meine ehrenamtliche Mitwirkung in städtischen Projekten wird einerseits gelobt, andererseits sehe ich uns so nahe am jeweiligen Missbrauch durch die politischen Akteure, vor allem, wenn wir Arbeitsplätze und die Integration von Innovationen besser verwalten als die Stadtbürokratie …

    Meine Hoffnung, dass durch Podemos und Syriza wieder mehr Bewusstsein für die Kritische Theorie entstehen könnte, wie sie in den Lateinamerikanischen Ländern umgeht, bleibt noch schmal, zu viele persönliche Interessen und Künste polarisieren zwischen kleinen Themen und den grossen Zusammenhängen, und sofort quatscht wieder jemand von Querfront oder Verschwörungstheorien, und ich muss mich verabschieden: Solche Altlinke sind auch unerträglich, wie Fernsehgläubige.

    Bleiben mir die jungen Hippies in den nächsten Tagen, die zwischen Foodsharing und Brauchbar, Internet-Startnext und Crowdhelp neue Projekte starten, da wird zwischen Vollmond-Tanz und Monopteros-Picknick die Laune sicher wieder besser … schon seltsam, diese Politik …

  2. fritzLetsch schreibt:

    Hat dies auf soziale gestalt rebloggt und kommentierte:
    Lieber Opa Kurch,
    dein Beitrag entspricht grade meiner schlechten Laune, die gestern im Umfeld einer brutal-lauten Asyl-Demo entstand und in einem Arbeitsforum nicht besser wurde:
    Dass das BMZ (Bundesmin. für Zusammenarbeit?) mit einer Organisation wie Engagement global & nur scheinbarer Beteiligung der Initiativen vor Ort mit den Ministerpräsidenten der Länder auf einer http://www.Zukunftstour.de die eigene Inszenierung von Zivilgesellschaft erzeugt, ist sicher nur eine der neuen kapitalen Marketing-Politstrategien.

    Das Gefühl, dass alles, was wir machen, missbraucht werden kann (Zukunftswerkstatt nennt nun jeder ein paar aneinander gereihte Workshops oder Vorträge) und die allseitige Propaganda lauter und stärker wird als unsere Kommunikationsfähigkeit, bringt mir das wirkliche Gefühl der Postdemokratie, in dem sich eine Hoffnung auf Friedensbewegung so banal anfühlt wie eine Hoffnung auf die SPD.

    Dass die Mollath-Sache im Sande verlaufen wäre, teile ich für den öffentlichen Part: Der Film hat im Stil der jungen Generation so viele Fragen nebeneinander gestellt, dass kein Anfang mehr entsteht, eher breite Hoffnungslosigkeit.
    Der einzig sichere Nebengewinn war die erstmals laut gewordene Kritik an Forensik und Staatsanwaltschaften, sowie der Blick die mangelnde Unabhängigkeit der Justiz, die in Deutschland noch nicht einmal einen Berlusconi beseitigen könnte … geschweige denn Seehofers und Merkels.

    „Zivilgesellschaft“ höre ich hier ständig von Leuten aus der Verwaltung, und meine ehrenamtliche Mitwirkung in städtischen Projekten wird einerseits gelobt, andererseits sehe ich uns so nahe am jeweiligen Missbrauch durch die politischen Akteure, vor allem, wenn wir Arbeitsplätze und die Integration von Innovationen besser verwalten als die Stadtbürokratie …

    Meine Hoffnung, dass durch Podemos und Syriza wieder mehr Bewusstsein für die Kritische Theorie entstehen könnte, wie sie in den Lateinamerikanischen Ländern umgeht, bleibt noch schmal, zu viele persönliche Interessen und Künste polarisieren zwischen kleinen Themen und den grossen Zusammenhängen, und sofort quatscht wieder jemand von Querfront oder Verschwörungstheorien, und ich muss mich verabschieden: Solche Altlinke sind auch unerträglich, wie Fernsehgläubige.

    Bleiben mir die jungen Hippies in den nächsten Tagen, die zwischen Foodsharing und Brauchbar, Internet-Startnext und Crowdhelp neue Projekte starten, da wird zwischen Vollmond-Tanz und Monopteros-Picknick die Laune sicher wieder besser … schon seltsam, diese Politik …

  3. Friedensforscher schreibt:

    Was hieße denn: „Die Friedensforschung auffordern ihre Arbeit zu machen“?

    Anhand eines Beispiels – Syrien:

    „Die Sichtweise die in Syrien jetzt überhaupt Konjunktur hat – und zwar nicht nur unter Extremisten beider Seiten, ist, dass der ganze Syrienkonflikt eben doch ein Komplott der USA und Israels war um Syrien zu zerschlagen und in mehrere schwache Staaten aufzuteilen“ (Petra Becker, SWP-Newsletter Hintergrund Syrien vom 17.7. 2015, Seite 10)
    http://www.swp-berlin.org/fileadmin/contents/products/sonstiges/Hintergrund_Syrien_20150717_Sonderausgabe_Sunniten.pdf

    Türkei – Hinterland des IS-Terrors oder: Wie man aus fünf Staaten vierzehn macht. Karin Leukefeld, Journalistin und Nahost-Expertin, im Gespräch mit weltnetz.tv, 13.10.2014
    http://weltnetz.tv/video/590

    Tony Cartalucci: Die internationale Deutsche Welle (DW) veröffentlichte ein Video mit immensen Implikationen – es ist wahrscheinlich der erste nationale Sender im Westen, der zugibt, dass der sogenannte „Islamische Staat“ (ISIS) nicht durch „Öl vom Schwarzmarkt“ oder „Geisel-Erpressungsgelder“ versorgt wird, sondern durch Milliarden Dollar-Lieferungen, die nach Syrien gelangen via Nachschublinien durch das NATO-Land Türkei und hunderte LKWs täglich.
    Der Report mit dem Titel „Nachschublinien der IS durch dieTürkei“ bestätigt, was von geopolitischen Analytikern seit mindestens Anfang 2011 berichtet wurde: dass das NATO-Mitglied Türkei eine Flut von Versorgungsgütern, Kämpfern und Waffen über seine Grenzen lässt, um die Stellungen der ISIS in Syrien zu versorgen
    http://einarschlereth.blogspot.se/2014/12/nachschublinien-der-isis-laufen-durch.html

    Saudische Regierung finanziert ISIS
    http://www.theatlantic.com/international/archive/2014/06/isis-saudi-arabia-iraq-syria-bandar/373181/

    Freigegebener US-Report beweist: Obama beauftragte die CIA die Terrortruppe ISIS aufzubauen
    https://parseundparse.wordpress.com/2015/06/08/freigegebener-us-report-beweist-obama-beauftragte-den-cia-die-terrortruppe-isis-aufzubauen/#more-17417

    Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), die einen bedeutenden Teil des irakischen Territoriums unter ihrer Kontrolle hält und jetzt auch die Sicherheit der ganzen Welt bedroht, ist laut dem stellvertretenden Stabschef der iranischen Streitkräfte, Brigadegeneral Massoud Dschazayeri, eine Kreatur der CIA.
    http://de.sputniknews.com/militar/20141204/270145602.html

    ISIS / IS entschleiert: US-General Wesley Clark erklärt das schmutzige Geheimnis (ehemaliger Supreme Allied Commander Europe der NATO, 1990 NATO-Oberbefehlshaber im Kosovo): „ISIS wurde gestartet durch die Finanzierung unserer Freunde und Verbündeten“
    http://becklog.zeitgeist-online.de/2015/02/23/isis-is-entschleiert-us-general-wesley-clark-erklart-das-schmutzige-geheimnis/

    Der in Pakistan gefangen genommene IS-Kommandant Yousaf al Salafi hat nach pakistanischen Geheimdienst-Angaben ausgesagt, dass seine Organisation über die USA finanziert werde. Für jeden Kämpfer den er für den IS in Syrien rekrutieren konnte, habe er 600 US-Dollar bekommen.
    http://tribune.com.pk/story/828761/startling-revelations-is-operative-confesses-to-getting-funds-via-us/
    http://www.rtdeutsch.com/10557/international/is-anfuehrer-im-verhoer-finanzierung-kommt-aus-den-usa/
    Ein syrischer Menschenschmuggler der für den Islamischen Staates (IS) arbeitet, soll gleichzeitig als Doppelagent für den kanadischen Geheimdienst CSIS tätig sein.
    http://www.rtdeutsch.com/14495/international/tuerkei-is-menschenschmuggler-ist-zugleich-agent-des-kanadischen-geheimdienstes/

    Der US-amerikanischen Bürgerrechtsgruppe Judical Watch ist es gelungen vom militärischen Geheimdienst DIA die Herausgabe eines Geheim-Berichtes gerichtlich zu erzwingen. Der Bericht belegt, dass die Entstehung des Islamischen Staates (IS) den US-Amerikanern frühzeitig bekannt war und von diesen sogar gewünscht wurde, um den Druck auf den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu erhöhen.
    http://www.rtdeutsch.com/20831/international/terroristisches-watergate-freigegebener-us-geheimdienstbericht-belegt-foerderung-des-is-durch-die-usa-und-ihre-verbuendeten/

    Am Beispiel des islamischen Staates und der Förderung bzw. wohlwollenden Duldung dieser kriminellen Organisation wird sichtbar, wie wenig im Westen die Zusammenhänge der Probleme betrachtet werden. Wir regen uns auf über die IS-Mörderbanden und die Zerstörung wichtiger Denkmäler der Menschheitsgeschichte im Nahen Osten, betrachten aber nicht den Zusammenhang zwischen unserer eigenen Politik und diesen Folgen. So wird zum Beispiel nicht gewürdigt, dass der Irakkrieg, der von den USA mutwillig vom Zaun gebrochen worden ist, zu ähnlich massiver Zerstörung von Menschen und von historischen Zeugnissen geführt hat.
    Wir regen uns auf über das Leid der betroffenen Menschen und mit Sorge betrachten wir die Flüchtlingsströme. Aber den Konnex zwischen der Politik des Westens einerseits und den Folgen andererseits stellen wir nicht her.
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=26247

    Anhand der strategischen Waffe „Dschihad ohne Grenzen“ versuchen die USA, die Kontrolle über Zentralasien zu gewinnen, das sie als „Hinterhof“ Russlands und Chinas auffassen. Dies schreibt der Politikwissenschaftler Nazanin Armanian in einem Gastbeitrag beim Nachrichtenportal Publico.es
    http://de.sputniknews.com/politik/20150722/303392887.html

    Ist der ganze “War on Terror” ein Betrug?
    In diesem Exklusiv-Interview spricht Lars Schall ausführlich mit J. Michael Springmann, dem ehemaligen Leiter der US-Visastelle in Dschidda, Saudi-Arabien. Thema: Springmanns jüngst veröffentlichtes Buch “Visas for Al Qaeda: CIA Handouts That Rocked the World”
    http://www.larsschall.com/2015/05/29/ist-der-ganze-war-on-terror-ein-betrug/

    Fazit oder wie ist das alles zu verstehen und einzuordnen?
    Sascha Pommrenke hat hier einige Hinweise gegeben:
    http://www.heise.de/tp/artikel/45/45422/6.html
    Für mich heißt das aber, Friedensforschung, Partei-Stiftungen und Bundestags-Abgeordnete machen ihre Arbeit nicht.

  4. mal wieder da schreibt:

    http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.arbeit-bayerische-metallindustrie-stellt-kraeftig-ein.6e38cbfd-e99b-4f52-b936-7cb8933f8731.html

    Als ich den Artikel gelesen habe, fielen mir Opas immer wiederkehrenden Kriegswarnungen ein. Was produzieren die da eigentlicht?
    Und die Metallindustrie ist meiner Erinnerung nach auch sehr großzügig bei Parteispenden, die die an der Regierung sind haben am meisten bekommen …

  5. Pingback: Meine Vorstellung einer Grundsatzerklärung der neuen deutschen Friedensbewegung – mit Update 29.7.2015 | opablog

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