Trauriger Gärtner

Der Garten, der leuchtend in der Abendsonne wartet, ist ein guter Grund, sich manchmal das Politbloggen aus dem Kopf zu schlagen. Seit etlichen Tagen beschäftigt uns die Beerenernte – Erdbeeren, Johannis- und Stachelbeeren, Himbeeren. Im Gefrierschrank ist kein Platz mehr frei. Die Kulturheidelbeeren folgen und bald kommt eine Riesenernte bei den Brombeeren. Immer wieder kommt mir Hölderlins schöner Satz in den Sinn: „Und viel der frohen Mühe gewähret der Reichtum ihnen.“ (Aus einem der schönsten Gedichte deutscher Sprache: „Mein Eigentum“.)

Doch vor wenigen Wochen musste ich im Garten eine böse Überraschung hinnehmen und dieser Tage eine zweite. So sieht es am Pfirsichbaum aus:

Pfirsich P1190436Und so an unserer Minikiwi:kiwi P1190440

Die Krankheit heißt Verticillium-Welke und wird durch einen Pilz verursacht, der im Boden vorkommt. Die Lage ist hoffnungslos. Aus der Gartendatenbank erfahre ich:

„Ursache sind vor allem die Schadpilze Verticillium dahliae und Verticillium albo-atrum, die im Boden vorkommen und die Wasserleitungsbahnen der Pflanzen verstopfen.

Alle Mittel zum Bekämpfen sind normalerweise wirkungslos.

Die gesamte Pflanze einschließlich Wurzeln und umgebende Erde müssen vernichtet werden (Müll, nicht auf den Kompost).“

Man kann die verstopften Wasserleitungsbahnen an der Braunfärbung im Holz erkennen. Die Pflanzen müssen buchstäblich im Wasserüberfluss verdursten.

Vor einigen Wochen hat der Pilz meinen Pfirsich fertiggemacht, einen jungen Baum. Es war eine altertümliche Sorte, ein „Blutpfirsich“ mit durchgehend rotem Fleisch. Die Früchte sollen nicht sehr groβ aber besonders aromatisch sein. Der Baum hatte im vorigen Jahr zum ersten Mal geblüht, ohne Früchte anzusetzen. in diesem Frühjahr blühte er reichlich und wollte Früchte bringen.

Wenig später dasselbe Ereignis an meiner prächtigen Minikiwi. Sie ist in fünf oder sechs Jahren groβartig herangewachsen und würde jetzt einen üppigen Ertrag bringen. Auf dem Bild ist zu sehen, dass nicht das ganze groβe Gehölz komplett zerstört ist. Neben vertrockneten Blättern und Zweigen gibt es auch noch gesunde. Die überaus triebstarke Kiwi hat viele jüngere Triebe, auf die sich die Krankheit noch nicht ausgebreitet hat. Ich muss sie sehr weit zurückschneiden (50 cm ins gesunde Holz, lese ich gerade), um vielleicht noch etwas zu retten.

Mit den Nachbarn ins Gespräch kommend, höre ich mehrere über die gleichen Schäden in diesem Jahr klagen.

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2 Antworten zu Trauriger Gärtner

  1. peter heyn schreibt:

    Abwarten, wie es im nächsten Jahr aussieht. Dies Jahr war bisher extrem trocken, vielleicht hat das den jungen Bäumen zugesetzt.
    Dann gibt es noch Wühlmäuse, Hallimasch und viele andere Feinde des Gärtners.
    Leseempfehlung: Karel Capek: Das Jahr des Gärtners

    • kranich05 schreibt:

      Hallo,
      ich habe darüber hinaus noch mit einem ganz besonderen „Feind“ zu tun. Nämlich mit einer großen Schwarzpappel, die mitten im Garten steht. Ich habe sie immer toleriert, aus Nostalgie, weil eigentlich Pappeln und Birken die „Urbewohnr“ meines Gartens waren. Damals (vor Jahrzehnten) bin ich in ein dichtes Wäldchen von Pappeln und Birken geschlüpft, wenn ich an den Wochenenden auf’s Grundstück kam. Inzwischen ist das alles verschwunden und „gärtnerisch kultiviert“. Nur diese jetzt riesengroße Pappel steht noch, erfreut sich bester Gesundheit, wird immer größer und setzt allen umgebenden Kulturen unglaublich zu. Pappeln scheinen ein besonders aggressives Wurzelwerk zu haben.
      Von Jahr zu Jahr habe ich, orientiert an Salzingers „Der Gärtner im Dschungel“, http://zabriskie.de/katalog/naturkunde/der-gartner-im-dschungel/
      die Entscheidung aufgeschoben. Aber ich werde eine Entscheidung fällen müssen. Und sie wird anderen Gesetzen des Gartens folgen – „Hinter Mauern ein Paradies“. http://www.suhrkamp.de/buecher/hinter_mauern_ein_paradies-_19184.html

      Übrigens scheinen zwei größere Äste, fast Sekundärstämme, der im Posting erwähnten Minikiwi tatsächlich durchzukommen.

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