Die unbekannte Friedensbewegung

Wer ist die Friedensbewegung?

Wikipedia nennt die Namen von etwa 40 Organisationen. Aber Wikipedia informiert zum Thema extrem oberflächlich. So hat der Abschnitt zur Gegenwart ganze fünf Absätze und endet um das Jahr 2006.

Immerhin hält W. einige Weblinks bereit, so auch auf das Lebenshaus Schwäbische Alb, wo eine Linkliste zu finden ist, die weit über 400 Organisationen und Einrichtungen auflistet mit mehr oder weniger Bezug zur Friedensarbeit.

Ich habe jetzt einen ganzen Sack voll Namen. Aber ich finde nichts Strukturiertes. Wer interessiert ist, könnte nun nach „Friedensforschung“ suchen. Die ist ja mit der Friedensbewegung eng verflochten. Vielleicht liefert mir die Forschung eine bündige Antwort auf die oben gestellte Frage? Ein Meer von Institutionen tut sich auf, nun suche Antworten. Ich muss es mir sparen, mit meinem 1-Mann-Boot hinauszupaddeln.

Ich wage freche Behauptungen:

NIEMAND weiss, wer genau die Friedensbewegung ist. (Natürlich, Beispiele, wer dazu gehört, die kann Jeder nennen.)

NIEMAND weiss, wie viel Menschen in welchen Einrichtungen ihr Brot mit Friedensarbeit verdienen. Sind es Hunderte?

NIEMAND weiss, wie groß die Summe ist, die dafür bezahlt wird. Sind es viele Millionen Jahr für Jahr?

NIEMAND WEISS, wer diese bezahlt. Vielleicht zu 80 % der deutsche imperialistische Rechtsstaat?

Leute, die sich zur Friedensbewegung zählen, hört mensch oft klagen. Sie sei „in die Jahre“ gekommen. Sie sei „lahm“ geworden. Sie kriege nicht viel „auf die Reihe“. Auch namhafte Funktionäre, man denke an Herrn Schädel, räumen das ein. Aber von einem Versuch, den beklagten Zustand gründlich zu analysieren, ist mir nichts bekannt.

Wie wäre es denn mit der Hypothese, dass bedeutende Gliederungen der selbständigen deutschen Friedensbewegung vom Staat mit seinen vielen Tentakeln systematisch unterwandert und zersetzt worden sind? (Könnte es nicht sein, dass unser imperialistischer Rechtsstaat hier ein bedeutendes Einsatzgebiet immer sah und bis heute sieht? Oder ist der Gedanke abwegig, liebe Freunde?) Könnte es nicht sein, dass Organisationsleerformen geblieben sind (gepflegt werden), gut nutzbar als altbewährte Geschirre, die man heute für die in Freie drängenden Friedens-„Fohlen“ bereit hält, um sie dann brav durch die Manege zu führen?

Aber wie kann mensch so etwas denken! Das ist alles Verschwörungstheorie. Das würde ja Misstrauen in unsere friedensbewegten Reihen tragen. Nein, wir fragen nicht. Wer Transparenz will, hat kein Urvertrauen. Nur Spalter fragen.

Wir legen den Finger KEINESFALLS auf jeden Posten, denn die Rechnung macht jetzt schon schwindlig.

Dieser Beitrag wurde unter Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Demokratie, Krieg, Krise, Lenin, Machtmedien, Realkapitalismus, Widerstand abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Antworten zu Die unbekannte Friedensbewegung

  1. Lutz Lippke schreibt:

    Na vielen Dank für die entmutigenden Recherchen. An den Vermutungen ist sicher auch etwas dran. Über den Hang zum Negieren und Ausbremsen mache ich mir auch so meine Gedanken. Manches geschieht wahrscheinlich wirklich systematisch, überlegt und mit intriganter Energie. Aber überall und flächendeckend? Das erscheint mir zu pessimistisch und die sichtbare Intrilligenz (intrigante Intelligenz) der Obrigkeiten zu fade. Warum sollten die wirklich fähigen Leute im Hintergrund ihr Können so sinnlos und versteckt hinter den öffentlichen Dumpfbacken vergeuden? Für das Zählen von Spielgeld, das Sammeln von Uhren und/oder Frauen?
    Ein wahrscheinlich größeres Problem ist doch der Umstand, dass absichtsloses Unvermögen, schlechte Kommunikation oder eben ein falscher Fuffziger ein großes, gutes Vorhaben und die beteiligte Menge wie der kleine Spritzer Gift oder ne Prise Salz zuviel den bestgemachten Cocktail kompromittieren kann. Wir müssen wohl im Miteinander und Austausch einfach besser werden. Das ist wohl das beste Mittel gegen den wirklichen Hinterhalt und dem wohl oft unbegründeten Argwohn. In der Kommunikationstechnik nennt man so etwas Fehlertoleranz. Die verbraucht bei erheblichen Kommunikationsstörungen auch schon mal mehr als 50 % des Aufwandes, damit man sich versteht. Also wo liegen die Angriffsflächen, welche Störungen können üblicherweise auftreten und wie werden sie am Besten erkannt? Transparenz zur Förderung und Finanzierung ist da ganz sicher ein wichtiger vertrauensbildender Punkt.

    • kranich05 schreibt:

      Ich lege eigentlich Wert darauf, bei aller feststellbaren Intransparenz, keine Wertungen abzugeben. Selbst was oben im Beitrag als „Behauptung“ daherkommt, sind eigentlich zugespitzte Sachaussagen. Ich mache sie in der Hoffnung auf qualifizierten Widerspruch.
      Und eine geäußerte Hypothese ist selbstverständlich keine Tatsachenbehauptung.
      Unbefriedigend ist es, an Hand von Indizien diese und jene Meinung zu vertreten. Für soviel Unverbindlichkeit ist das Thema zu wichtig. Deshalb mein Ruf, sich rückhaltlos den Tatsachen zuzuwenden.
      Es wäre wünschenswert, massgebliche Bereiche der Friedensbewegung (Wenn mensch sie denn identifizieren konnte) mit den Mitteln der Netzwerkanalyse abzubilden. Dazu fehlen mir einige fachliche Voraussetzungen, ich fange aber schon mal mit dem Aufbau einer Datenbank an.
      ÜBRigens glaube ich mich zu erinnern,dass Sie in einem früheren Kommentar Ideen zu weiteren Kriterien geäuβert haben (über Kriterium „Transparenz“ hinaus), mit deren Hilfe vertrauenswürdige Organisationen/Initiativen zu identifizieren wären.

      • Lutz Lippke schreibt:

        Ich bin leider derzeit in Kommentaren eher affektiv unterwegs. Teilweise nur um ein bisschen dranzubleiben und mich abzulenken. Entschuldigung. Das bedauere ich sehr, da ich damit zur Zeit nicht wirklich Substanz und aktuelle Erkenntnisse besteuern kann. Wenn es eben ans Eingemachte, ans Persönliche geht, muss man sich unweigerlich aufs Kleinteilige und gerade Lähmende fokussieren. Ich hoffe es löst sich bald ein gordischer Knoten und ich bekomme dann den Kopf wieder frei.
        Wenn ich in einem früheren Kommentar eventuell in der Sache klüger war, dann hätte ich die Ideen gerne wieder hervorgeholt.

        • kranich05 schreibt:

          Ich glaub‘, dass ich den Kommentar wiederfinde
          und Ihnen selbst drücke ich die Daumen.
          kpk

        • kranich05 schreibt:

          Hier https://opablog.net/2015/06/05/rechts-und-extrem-im-kampf/
          hatte ich das Thema schon einmal beim Wickel, besonders in den Update-Texten, den Antworten an Michael Böhner. Leider ist dort aber Ihr gesuchter Kommentar nicht zu finden. Nun vermute ich zumindest, dass er im zeitlichen Umfeld des damaligen Beitrags, also um den 5.6. herum, abgegeben wurde.

        • kranich05 schreibt:

          Dieser hier, Herr Lippke, könnte der gesuchte Kommentar gewesen sein:
          https://opablog.net/2015/06/27/ein-gespenst-geht-um-ein-gespenst-aus-der-friedensbewegung/#comment-97163
          Es ging Ihnen also um Methoden und Verfahren zur Prüfung der Ernsthaftigkeit von politischen Aussagen/Forderungen/Positionen.
          Wenn Sie daran anknüpfend mehr ausführen wollen… Gerne.

          • Lutz Lippke schreibt:

            Vielen Dank für die Erinnerung! Das zwingt mich zur Aktivität 😉
            Mit dem Kommentar stehe zumindest ich aber noch ziemlich am Anfang der Erkenntnis.
            Mir fehlt konkret der tiefere Einblick in die Geisteswissenschaften, insbesondere in deren Methodik. Ich gehe davon aus, dass es wohl in der Philosophie ausgereifte Methoden gibt, die aber in den anwendungsorientierten Sparten (Politik, Journalismus, Recht, Volkswirtschaft) immer mehr verflachen, bis hin zur Beliebigkeit. Das gilt wohl nicht nur für die Praxis. Zumindest die öffentlich herumgereichten Prof.-Experten offenbaren nicht selten ideologische Schmalspur-Konzepte ohne tiefere Substanz, Überprüfung und Allgemeingültigkeit. Ist das wirklich so und wenn ja, warum ist das so?
            Ein entscheidender Punkt könnte m.E. die Frage der (fehlenden) Lösungs- bzw. Ergebnisorientierung, bezogen auf echte Lösungen des Problems sein.
            Grundlage für Erfolg durch Lösung sind klare Begriffe, Analyse des Problems und des Lösungsraums, strukturierte und überprüfbare Modelle, sowie Abschätzungen von Grenzen (z.B. untere/obere Schranken, best/middle/worst case). Bei komplexen Problemen geht das nicht ohne Systematik, Modellierung, Visualisierung und regelmäßiges Hinterfragen. Wenn das gut gemacht ist, kommt man zu einem strukturellen Durchblick, der viel tiefer und weiter reicht, als es das bloße Bedenken oder sequenzielle Beschreiben vermag. Besser gesagt, kann das Denken dann immer tiefer und weiter Erkenntnisse gewinnen, statt sich in Wiederholungen und Vergewisserung des Vorhandenen zu verbrauchen.
            Ich versuche das zunächst primitiv in Frageform und nur skizzenhaft auf die „Bewegung zum Frieden“ (Friedensbewegung) anzuwenden und dann einen Sinn darin zu finden.

            1. Klärung der Begriffe:
            Welcher Frieden ist gemeint? Gibt es für Frieden verschiedene, gültige Erscheinungen? Ist Frieden ein Zustand? Ist Frieden stabil oder fragil? Sind Frieden und Krieg Antonyme? Was ist Krieg?
            Was bedeutet Bewegung zum Frieden? Ist Frieden Passivität, also das Ausbleiben von kriegerischen Handlungen oder eine aktiv herzustellende Balance oder sogar zwingend das Erreichen von Gleichmass und Interessenverschmelzung? Kann Krieg zum Frieden führen? Was bedeutet Friedenskampf?

            2. Analyse des Problems und des Lösungsraums
            Was ist mit Frieden unvereinbar (Negativliste)? Was ist zwingende Voraussetzung / zwingender Bestandteil von Frieden (Positivliste)?
            Kann eine „Bewegung“ zum Frieden führen und wie? Wer muss, wer kann beteiligt werden? Wer oder was muss ausgeschlossen werden? Welcher sachlichen/ideellen Voraussetzungen bedarf es für Frieden? Kann Frieden qualitativ/quantitativ differenziert werden oder gibt es zu Frieden nur eine Ja/Nein-Aussage?

            3. Modellskizzen
            Hypothese: Die Natur ist grundsätzlich friedlich. Der Mensch ist natürlicher Herkunft. Friedlichkeit ist natürliches Verhalten. Frieden ist bei natürlichen Bedingungen ein stabiler Zustand.
            Schlussfolgerung: Krieg ist unnatürlich und wird durch unnatürliche Bedingungen erzeugt. Krieg ist fragil. Werden die unnatürlichen Bedingungen korrigiert, entsteht Frieden.
            Prüfung: Welche Lösungen/Probleme schafft Frieden? Welche Lösungen/Probleme schafft Krieg? Sind natürliche Lebensformen bekannt, die zugleich kriegerisch sind? Wäre die Welt ohne den Menschen friedlich?

            Hypothese: Im Krieg entladen sich ungelöste Spannungen, die sich im Frieden aufbauen und nicht gelöst werden (können). Krieg ist für die Menschheit also rational und funktional.
            Schlussfolgerung: Frieden ist fragil. Krieg kann nur durch aktives Abbauen von Spannungen vermieden werden. Es besteht im Prinzip immer Kriegsgefahr, die nur vorsorglich gedämpft werden kann.
            Prüfung: Welche Probleme, Zuspitzungen sind nicht friedlich lösbar? Für welche Probleme ist Krieg eine einfache, naheliegende, effektive oder sogar zwingende Lösung?

            4. Abschätzungen zum Frieden
            best case: keine Waffen, keine Interessengegensätze, …
            middle case: Verteidigungsfähigkeit, Interessenausgleich, Machtbalance, Kommunikation
            worst case: Aggressionsfähigkeit, Übermacht, ungelöste Spannungen, fehlende Kommunikation

            Fazit:
            Wenn wir über Frieden und die Friedensbewegung reden, ist unklar ob wir das Gleiche meinen. Frieden ist mindestens ein natürlicher Wunsch (best case). Es gibt aber auch die Haltung, das Krieg als ultima ratio eine „notwendige“ Funktion erfüllt. Die Alternative ist vorsorgliches, aktives Abbauen von Spannungen (middle case). Wie das aus dem „worst case“ – Zustand effektiv möglich ist, muss geklärt werden (Migrationsstrategie). Wir befinden uns wohl im worst case-Zustand.
            Durch Modellierung und Visualisierung kann man das Problem und den Lösungsraum besser strukturieren und damit Bedingungen, Widersprüche und Schlüssigkeit sichtbar machen. Hierfür bieten sich Ontologien, Funktionsmodelle, formale Logik und auch Mengenoperationen an.
            So könnte z.B. die Forderung „Raus aus der Nato!“ durch objektiven Nachweis der Unmöglichkeit eines stabilen Friedens durch Streben nach Vorherrschaft belegt werden. Ebenso können Strategien und Verhaltensweisen auf ihre Tauglichkeit für die Bewegung zum Frieden überprüft werden und Fehlentwicklungen u.a. in Friedensorganisationen destilliert und aufgezeigt werden.

        • Lutz Lippke schreibt:

          Ist Theoriebildung wichtig? Ja.
          Ist das in der jetzigen Situation angemessen? Wann sonst, Im Paradies?
          Kleine Recherche zu „Friedens“-Theoretikern
          https://docs.google.com/spreadsheets/d/1KTDc7QFva2RZ_YxOW1L2Cd4TZyVqcjL6j1GZ6ps7_oU/edit#gid=0
          wo ich zu meiner Fragestellung (Anwendung von Methoden der Logik/Mengenlehre) keine oder zumindest nur marginale Spuren finden konnte. Das soll nicht heißen, dass die Themen oder Angebote schlecht wären. Aber es gibt eine methodische Lücke, die nicht begründet wird. Daher hier als Unbeholfener ein Mini-Entwurf zu dem was ich meine
          https://docs.google.com/document/d/1rXFtD_I9SX77IO4jWikrHE9-sYwJx_0GJsy6muBxz3E/edit?usp=sharing
          Was kann man damit anfangen? Vermutlich das, was Logik in anderen Bereichen bewirkt. Oft schon instinktiv, von Kinderbeinen an erlernt, z.B .sortieren, vermessen, tauschen, verkaufen, schenken. Vor allem diskutieren, überprüfen und verbessern. Wissenschaftler durchdringen und beweisen mit diesen Methoden Gesetzmäßigkeiten, die sich sonst der menschlichen Vorstellung vollständig entziehen und beweisen Trugschlüsse, die wir uns regelmäßig einbilden oder anerzogen werden.

  2. Friedensforscher schreibt:

    Friedensbewegung. Ja, unbekannt, weil nicht vorhanden. Siehe Rosa-Luxemburg-Stiftung: Friedensforschung? Fehlanzeige. ..
    Und sonst? HSFK (http://www.hsfk.de/Stiftungsrat.55.0.html) eine regierungsamtliche Veranstaltung mit viel Geld und Mitarbeitern. Was machen die eigentlich?
    Der einzige der mir einfällt als wirklicher aktiver Friedensforscher in der BRD ist Krysmanski:
    http://www.uni-muenster.de/PeaCon/global-texte/g-m/krysmanski-a&k-mai2011.htm

  3. Friedensforscher schreibt:

    Ja einer noch: Dieter S. Lutz, schrieb oft im alten Freitag von G. Gaus, war kritisch und engagiert:
    http://ifsh.de/pdf/publikationen/hifs/HI28.htm
    http://ifsh.de/pdf/publikationen/hifs/HI29.htm

    Zur Verleihung des Aachener Friedenspreises sagte er (Zitat Dr. Lutz):
    “ Vor­aus­setzung von Friedensfähig­keit ist die Existenz unabhängi­ger Po­litiker und Politikerinnen, de­ren Aufgaben darin bestehen, frie­densfähige Strukturen zu bauen und frei vom jeweiligen Ta­gesgeschehen, von parteipoli­ti­schen Interessen oder von son­sti­gem taktischen Kalkül am Funk­tionieren zu halten. Auf dem Weg zur Friedensfähigkeit und zur Machbarkeit von Frie­den sollte deshalb begonnen werden mit einer parteiübergreifenden öf­fent­lichen Diskussion und Neu­be­wertung der Qualitäten von Po­litikern und Politikerin­nen und deren Profil inklusive deren Aus­wahlverfah­ren, ferner der Über­windung des Prinzips der po­li­ti­schen Allzustän­digkeit und des Generalistentums und schließ­lich und vor allen Dingen der Einrichtung von Experten­mandaten für Friedens- und Zu­kunftspolitik und der Schaffung eigen­ständiger ordnungspoli­tischer Institutionen, die dem Druck kurz­fristiger In­teressen entzogen sind.

    Warum eigentlich gibt es keinen „Zukunftsrat“ zusätzlich zu dem Generalistenparlament, das wir haben und das wir wohl auch weiterhin benötigen? Einen „Zukunftsrat“ ausschließlich für existentielle Fragen, einerseits gewählt und damit demokratisch legitimiert, andererseits zusammengesetzt aus Experten und Expertinnen und damit ausgestattet mit dem Wissen, Alternativen zu suchen und zu finden, ferner nicht wiederwählbar und damit möglichst frei von sachfremden Interessen, und schließlich versehen mit einem Vetorecht und damit mit der Kompetenz, notfalls Politik, Forschung, Medien und Kapital in den Arm zu fallen?

    Oder ist der Zeitpunkt auch für diese Chance bereits verpaßt? Möglicherweise kann selbst ein solcher Zukunftsrat oder eine vergleichbare Institution den rasenden Zug nicht mehr aufhalten. Wer weiß es mit Sicherheit?“ (Auszug: http://ifsh.de/pdf/publikationen/hifs/HI28.htm)

  4. Lutz Lippke schreibt:

    Wie unbefriedigend sich die Friedensforschung als geistiges Fundament einer Friedensbewegung eignet, kann man aus erster Hand bei Krippendorff nachlesen. Der Text ist zwar von 1999, aber dass es seither besser wurde, kann bezweifelt werden.
    http://userpage.fu-berlin.de/~kpdff/texte/unzufrieden.htm
    Es fehle der wissenschaftlichen Forschung an Lebendigkeit, Innovation und kritischen Austausch mit der Gesellschaft. Krippendorff fokussiert sich bei seiner Kritik auf den fehlenden politischen Willen zur Einflußnahme, die Flucht der Forscher in den Elfenbeinturm, der sich damit eher als geistiger Hungerturm erweist. Statt Substanz und mutige Kritik setzt sich der Hang zur Prostitution durch, Für Geldgeber, denen aufgrund ihrer Machtfülle und ihrem Einfluss auf die öffentliche Meinung gerade besonders kritisch begegnet werden müsste.
    Das ist alles gut nachvollziehbar und die Ehrlichkeit auch im Hinblick auf eigene Illusionen und eigenes Versagen beeindruckend.
    Was mir jedoch fehlt, ist die Bereitschaft zur Erkenntnis, dass es neben der fehlenden Moral auch an fundierten wissenschaftlichen Grundlagen und Methoden fehlt. Es ist gerade ein Vorzug von Wissenschaft, dass sie trotz verschiedener Interessen oder auch Moralvorstellungen den Beteiligten ein übereinstimmendes Basiswissen zu Begriffen, Grundregeln (Axiomen, Dogmen) und Ableitungen (logische Folgerungen) schaffen kann und nicht faktisch in Allem auf individueller Religionszugehörigkeit, Ideologie, Meinung, den aktuellen Zwängen und Nützlichkeiten basiert. Billigstes Beispiel: 1 + 1 ergibt 2, egal ob mir das passt oder nicht. Ich muss mich schon ein bisschen mehr anstrengen, um gegen diese methodisch sicher bewiesene Aussage anzukommen., Wie weit komme ich mit der Behauptung, dass das Ergebnis heute ausnahmesweise mal 3 sein muss? Also 1+1 = 3! Wer unterstützt das? Welcher Linke, Rechte, Herrscher oder Beherrschte lässt sich davon einlullen und widerspricht nicht sofort?

    • Friedensforscher schreibt:

      Krippendorf hat die auf ihn gesetzten Hoffnungen nicht erüllen können und ist aus der Zeit.

      Die aktuellen Fragen sind nicht gelöst nicht einmal ansatzweise bearbeitet:
      Bsp:“Humanitäre militärische Interventionen zählen seit den 1990er Jahren zu den zentralen Kontroversen der Friedenspolitik. Gleichwohl mangelt es an Studien, die eine große Zahl von Fällen betrachten, und an Arbeiten zu den Effekten solcher Interventionen. Diese Lücke ist auch dem Umstand geschuldet, dass bisher keine verlässlichen Daten hierzu vorliegen.“ schreibt ein Mitarbeiter auf der HSFK-Seite:
      http://www.hsfk.de/Humanitaere-militaerische-Interventionen.915.0.html

      Als gäbe es nicht Bundestag, BMdVerteidigung, die OSZE oder andere Organisationen „kollektiver Sicherheit“ (so die Deutung des BVerfG) auf deren Daten und Erkenntnisse Wissenschaftler zurückgreifen könnten.

  5. Friedensforscher schreibt:

    Grundsätzlich möchte ich anregen, solche wichtigen von L.L. aufgeworfenen Fragen zwischen echten Menschen in Arbeitsgruppen und von Angesicht zu Angesicht zu behandeln.

  6. Joachim Bode schreibt:

    Dr. Krüger zum Verhältnis Leitmedien zur Friedensbewegung:

  7. Steffen schreibt:

    Was die Ursachen bestimmter Denk- und Verhaltensweisen der deutschen Linken (nicht nur der Friedensbewegung) betrifft, halte ich den folgenden Artikel für sehr aufschlussreich. Natürlich handelt es sich geradezu um ein ganzes Bündel von Ursachen, objektiv strukturellen und subjektiv individuellen. Der Ansatz ist trotzdem interessant weil es zeigt, wie relevante Teile der Linken die Ideologie des Imperiums übernommen haben und damit praktisch aufgehört haben, Linke zu sein.

    http://vineyardsaker.de/analyse/das-totalversagen-von-syriza-die-linke-grexit-debatte-und-der-neue-europaeische-sozialchauvinismus/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s