Gianfranco Belli – eine Nachricht aus dem Werner-Fuß-Zentrum

Gianfranco Belli – 18 Jahre in Terrorhaft

Seit 18 Jahren wird Gianfranco Belli in der Berliner Forensik festgehalten und durch Psychodrogen terrorisiert. Dabei hatte er sich 1997 nur die Straftat einer Sachbeschädigung in Tateinheit mit einer Bedrohung zuschulden kommen lassen, für die man im Regelvollzug im Höchstfall 2 Jahre seine Freiheit verlieren kann.

Weil er allerdings unbedachter Weise vertrauensvoll mit einem psychiatrischen Gutachter sprach, konnte dieser ihm eine Schuldunfähigkeit andichten, die bei Herrn Belli zu einer Verurteilung mit dem berüchtigten, aus der Nazi Zeit stammenden, § 63 StGB führte – also zu einer unbefristeten Verknastung in der Forensischen Psychiatrie.
Darüber hinaus wurde Herr Belli unzählige Male gefoltert, indem ihm zwangsweise Psychopharmaka gespritzt wurden. Resigniert stimmte er schließlich der Psychodrogengabe zu und erklärte wunschgemäß, dass er „psychisch krank“ sei. Diese sog. „Krankheitseinsicht“ führte aber nicht zu einem Ende der Foltermaßnahmen: Statt dass ihm daraufhin auf der Grundlage von informierter Zustimmung Medikamente angeboten wurden, wurde ihm kurzerhand unterstellt, er habe nur „Krankheitseinsicht vorgetäuscht“, müsse entsprechend weiter zwangsweise behandelt, also gefoltert werden.
So kann jederzeit jeder Terror willkürlich begründet werden, das Kennzeichen jeden verbrecherischen Regimes.

Herr Belli ist inzwischen 62 Jahre alt und wird im Hochsicherungsknast der Karl Bonhoeffer Nervenklink in der Station 5a festgehalten.
Besuche sind von ihm erwünscht, müssen aber zwei Tage vorher namentlich angemeldet werden:
Telefon: (030) 90198-5245.
Wir bitten darum, Protestnoten mit der Forderung der sofortigen Freilassung von Herrn Belli an die Strafvollstreckungskammer beim Landgericht Berlin, Turmstraße 91, 10559 Berlin und den Senator für Gesundheit und Soziales Mario Czaja, Oranienstraße 106, 10969 Berlin, zu senden.

Bitte eine Kopie an uns:
Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.
Greifswalder Str. 4
10405 Berlin
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Dies ist eine Weiterleitung des Werner-Fuß-Zentrums
im Haus der Demokratie und Menschenrechte
Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin
http://www.psychiatrie-erfahrene.de

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5 Antworten zu Gianfranco Belli – eine Nachricht aus dem Werner-Fuß-Zentrum

  1. Lutz Lippke schreibt:

    Das mit der Zwangspsychiatrisierung Missbrauch bis hin zur Folter betrieben wird, hat sich ja nun in mehreren Fällen als Tatsache herausgestellt (siehe u.a. Fälle Mollath, Arnold).
    Trotzdem fällt es mir schwer, ohne konkretes Wissen zum Einzelfall dem Aufruf und ganz allgemein dem gewählten Sprachduktus zu folgen. Selbst wenn alles so zutrifft, wäre es für das Gewinnen von Unterstützung wohl hilfreicher, wenn in der Sache klar, aber in der Rhetorik zurückhaltender formuliert würde. Das ist bei direkter Betroffenheit fast unmöglich. Aber Unterstützer sollten berücksichtigen, dass Außenstehende ohne eigener Detailkenntnis der Darstellung Vertrauen entgegen bringen müssen. Wir kennen den Pathos, mit dem große und kleine Schweinereien vernebelt werden. Gegenpathos macht mich im Urteilsvermögen aber nicht sicherer.

    • Dian schreibt:

      Nein, Lutz Lippke, Zwangspsychiatrisierung ist immer Folter, der Entzug von Menschenrechten. „Die Psychiatrie ist im Kern Zwangspsychiatrie“ : http://www.heise.de/tp/artikel/38/38466/1.html oder aus berufenem Munde des Sonderberichterstatters über Folter des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte: http://www.folter-abschaffen.de/
      Und Ihre Worte: „Das ist bei direkter Betroffenheit fast unmöglich.“ grenzt zu weit ein. Manchmal ist „nur“ die eigene Empathie oder auch die Wut über die fehlende Anderer im Wege. Ihr Vorwurf des unangebrachten Pathos scheint mir hier ungerechtfertigt.

      • Lutz Lippke schreibt:

        Ich wollte keinesfalls belehren oder Vorwürfe äußern, sondern habe nur meine Unsicherheit im Umgang mit dem Fall und der Rolle der Psychiatrie ausgedrückt. Ich werde versuchen, da sattelfester zu werden.

        • Stresstest schreibt:

          … „Ich werde versuchen, da sattelfester zu werden.“

          @Lutz Lippke, hierzu ist die Lektüre des BVerfG-Beschlusses vom 26. August 2013 über die Verletzung des Grundrechts auf Freiheit der Person (Art. 2 Abs. 2 Satz 2 GG) in Verbindung mit dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz (Art. 20 Abs. 3 GG) als erster Schritt zu empfehlen.

          Die „Kurzversion“ unter:

          https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2013/bvg13-056.html

          Dies haben wir hier im Opa Blog bereits vor zwei Jahren gelernt und ausführlich besprochen. Deswegen ist der etwas harsche Ton von Dr. Kurch durchaus verständlich und nachvollziehbar. Diese Entscheidung des BVerfG war weg- bzw. richtungweisend und sollte nicht nur für Bayreuth/Bayern, sondern bundesweit gelten.

          Stresstest – „Großraum Krefeld“

  2. Breitenbach schreibt:

    Auch ich wer­de ei­ne Pro­test­no­te ab­sen­den.

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