Die „Friedensinitiative namenlos“ will eventuell weiter existieren und auch aktiv sein

Bei der namenlosen Friedensinitiative handelt es sich um die Nachgeburt des Friedenswinter 2014/15. Der war bekanntlich am 13. Dezember 2014 mit einer bundesweit beachteten Demonstration in die Öffentlichkeit getreten. Sie war politisch und eindeutig gegen den Kriegspräsidenten Gauck gerichtet, und sie hatte 4000 Teilnehmer. Am 10. Mai 2015 trat der Friedenswinter 2014/15 vielleicht (?) als Mitveranstalter einer Demonstration aus Anlass des 70. Jahrestages der Befreiung (2000 Teilnehmer) in Erscheinung  und beendete damit sein Dasein.

Am Abend des 10. Mai trafen sich 26 Teilnehmer bzw. Aktivisten des Friedenswinters, um über die Zukunft und also eine Nachfolgeinitiative zu beraten. Dazu lagen einige Vorschläge auf dem Tisch. Einige eminent politische Themen, wie „Austritt Deutschlands aus der NATO“ und „US-Stationierungsverträge kündigen“ brauchten nicht beiseite gewischt zu werden, weil sie gar nicht erst zur Kenntnis genommen wurden. Dabei mag eine Rolle gespielt haben, dass kein lautstarker Vertreter dieser Themen anwesend war bzw. sich nicht zu Wort meldete. Das schien die Diskussion zu entschärfen, befreite sie zumindest von garstig-politischen Themen. In zweieinhalb Stunden wurden, neben den unvermeidlichen Redundanzen, gute Ideen geäußert. Freude herrschte über die Einigkeit, Ende August eine kämpferische Aktion vor Ort gegen die Steuerung der Drohnenmorde von Ramstein aus durchzuführen.

Begrüßt und bestätigt wurde auch die Idee, zur vertieften Diskussion von Streitfragen ein Sommercamp durchzuführen. (Einige hatten Bildungscamps der SDAJ in guter Erinnerung.)

Zum Schluss waren etliche TeilnehmerInnen der Diskutiergruppe des Lobes voll über die Qualität der Diskutiergruppe. Einer nur – ich gebe zu, dass es der Opa war – fragte gegen Ende der Debatte „naiv“, ob er sich verhört habe oder ob tatsächlich in langen zweieinhalb Stunden nicht einmal das Wort „Ukraine“ gefallen war. Die Naivität war gespielt, denn zu Beginn hatte Opa nachdrücklich verlangt, den Krieg in der Ukraine und die Aufgaben nach Minsk2 ins Zentrum der Friedensarbeit der nächsten Monate zu rücken. Wenn das Thema vermieden wurde, war das nicht mit einem kollektiven „black out“ zu erklären, sondern es handelte sich um ein konsequentes „Wegbügeln“. Die Gruppenmitglieder, besonders Einige, vermochten in diesem Sinne ergebnisorientiert zu arbeiten. Dass bei manchen sogar eine Art Wohlfühlstimmung aufkam, ist wohl das besondere Verdienst des Vorsitzenden, dem Opa, in Anlehnung an ein literarisches Vorbild, gern den Ehrennamen „Reineke Braun“ verleihen würde.

Dass man nach so viel Erfolg keinen Gedanken an eine neue Qualität demokratischer Kommunikation und Entscheidungsfindung verschwendete, von Transparenz ganz und gar zu schweigen, versteht sich von selbst.

Das Ergebnis der illustren Runde wird bald klar hervortreten. Die Initiative Friedenswinter ist totgemacht. Die damit geweckten Hoffnungen sind es auch. Jetzt ist weniger die Polemik angebracht als die Reflexion. Dieser Akt ist zu Ende. Der Vorhang senkt sich. Und offen sind die wichtigen Fragen, quälend offen.

Zur weiteren Entwicklung vergl. hier.

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4 Antworten zu Die „Friedensinitiative namenlos“ will eventuell weiter existieren und auch aktiv sein

  1. Wolfgang schreibt:

    Was heist denn das nun konkret?

  2. Lutz Lippke schreibt:

    Der Bericht hinterlässt ein ungutes Gefühl. Es spricht Enttäuschung daraus, vohergesehen und dagegen erfolglos angekämpft. Was läuft schief?
    Mangelndes Interesse der Allgemeinheit? Die Ignoranz der verführbaren „Doofmichel“? Das glaube ich nicht. Ich hatte mich z.B. in letzter Zeit selbst rar gemacht, wenig informiert und bin derzeit faktisch inaktiv. Das ist ein Problem, zumindest für mich. Ohne mich herausreden zu wollen, ist es aber Folge einer massiven Inanspruchnahme in anderen Dingen.
    Sind die wichtiger? Ganz klar: NEIN. Aber sie sind so wichtig, dass ich nicht an diesen Problemen vorbeikomme.
    Nun kann man sagen: „Das kann ja jeder sagen.“ Genau, richtig. Aber viele gestehen sich und anderen nicht einmal ein, dass sie mehr oder überhaupt etwas tun müssten, obwohl sie es sicher spüren. Nur was tun? Mit wem zusammenarbeiten? Woran glauben? Was kann man gewinnen und vor allem was verlieren? Wie kann es gehen, ohne manipuliert und für falsche Zwecke ausgenutzt zu werden?
    Ist es also nicht besser, sich auf das eigene kleine Glück und Fortkommen zu beschränken?
    Sicher muss jeder für sich entscheiden, was er für notwendig hält, was er leisten kann und will.
    Leider sind wir aber dabei oft nicht ehrlich zu uns selbst. Die anstehenden Herausforderungen werden kleingeredet, Fatalismus einstudiert, die Bemühungen anderer abgewertet und so die kognitive Dissonanz scheinbar aufgelöst. Das ist das Ziel jeder Manipulation und Propaganda.
    Es wird immer schwerer, Solidarität zu üben in einem unsolidarischen System mit verwirrenden Absicherungen, Ablenkungen und manchen Freiheiten als Beruhigungspille. Es wird immer schwerer, sich über Tatsachen und Absichten ein reales Bild zu machen, in einer vor Kommunikation und Information berstenden Gesellschaft. Wir können mit riesigen Zahlenkolonnen umgehen, große Räume und kleinste Partikel vermessen ohne über das Ergebnis in unlösbaren Streit zu geraten. Daraus können wir Regeln und Rechte ableiten, sogar dann anerkennen, wenn sie für uns nachteilig sind. Aber wir können gleichzeitig gesellschaftliche und politische Fakten nicht ohne Meinen, Glauben und Vorurteil erfassen und ebenso vernünftig als Grundlage für gemeinsame Entscheidungen nutzen. Warum ist das so? Liegt es in der Natur der Sache, wie gern behauptet wird?
    Die Mahnwachen und später der Friedenswinter haben aufgezeigt, dass es doch geht. Man kann mit grundlegenden Regeln aus der Fülle der Nachrichten und Propagandameldungen wichtige Informationen ziehen, sich aus verschiedenen Blickwinkeln miteinander austauschen und zu gemeinsamen Entscheidungen und Aktionen kommen. Substanz und Verbindlichkeit sind also möglich. Bei aller Frustration, das war und bleibt ein kleiner Etappensieg gegen die Meinungsmacht der herrschenden Manipulatoren. Sieht und hört man sich die derb-dreisten Argumente, Ränkeleien und Untaten der selbsternannten Obrigkeiten und ihrer Vollstrecker an, dann wäre es beschämend, wenn die gar nicht dumme Zivilgesellschaft dem nicht zukünftig noch mehr entgegenzusetzen hätte.
    So wie das naturwissenschaftliche 1 x 1 in der Zeit der Aufklärung für die Allgemeinheit entwickelt, z.T. auch nur wiederentdeckt und gegen die Dogmen der Herrschenden durchgesetzt werden musste, müssen wir heute das gesellschaftspolitische 1 x 1 einer fairen und funktionierenden Gemeinschaft entwickeln, wiederentdecken und durchsetzen. Das ist kein Selbstläufer und es gibt dafür keine Bonuspunkte für eine Beförderung. Ganz im Gegenteil.
    Es dient aber der Bewahrung und Fortentwicklung all der Erkenntnisse und Errungenschaften, die die Rastlosen der Aufklärung für die Allgemeinheit erst möglich machten und die von den Herrschenden nur mühevoll mit neuen Dogmen und Manipulationen eingezäunt und zum eigenen Machtausbau umgenutzt wurden. Die Ziele der Aufklärung sind also unvollendet!
    Wie ein solcher Aufklärungskampf gegen das geistige Mittelalter des Meinen, Glaubens und den Deutungsvorbehalt der Mächtigen früher geführt wurde, beschreibt Philipp Blom eindrucksvoll in „Das vernünftige Ungeheuer“. Die „Tools“ sind heute andere, aber das Prinzip bleibt.

    • kranich05 schreibt:

      Eine Situations- und Problembeschreibung, der ich weitgehend beipflichte.
      Ich ziehe zwei Schlüsse für mich:
      – wo keine Breitenmobilisierung erreichbar ist, Konzentration auf Vertiefung und Qualifizierung der Aufklärung (dazu gehört auch Selbstvergewisserung) durch Einzelne und ihre (zu schaffenden) stabilen Gruppen.
      – Nicht erhoffen, dass man ALLES erreichen könne. Den jungen Leuten sagen: „Scheitern ist möglich. Und wenn Ihr Euch darauf verlaßt, dass Andere es für Euch zum Besten regeln, dann müßt Ihr die Folgen tragen. (Es ist Euer Ding, ich habe mein Leben gelebt.)“

  3. Pingback: Was ein nicht fertiggestelltes Protokoll lehrt | opablog

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