Krieg und Friedensbewegung

Der Krieg ist wohl das größte Investment der herrschenden Klassen. Jahr für Jahr – auch im tiefsten  Frieden – werden immense Mittel aufgewendet, damit Krieg allzeit führbar bleibt. Und in normalen Zeiten, also „wenn der Feind droht“, stecken die Herrscher das letzte Hemd (der Beherrschten) in die Verteidigung. (Wem fallen da nicht die Rüstungsanstrengungen Griechenlands ein.)

Alle Mittel werden eingesetzt, nicht nur Geld. Besonders wichtig ist auch die Zeit. Es dauert lange, bis ein großer Krieg gar ist. Hitler z. B. brauchte 10, 15 Jahre. Und 40 und mehr Jahre Traditionspflege der Gebirgsjäger waren nötig, bis sich nicht nur Generale der Bundeswehr auf einen neuen „Waffengang“ mit den Russen freuen, sondern auch der Gefreite dem Gedanken Reiz abgewinnt.

Gegen die allgegenwärtige Kriegskultur neigen aufgeklärte Menschen zu Widerspruch. Sie protestieren mit Bittschriften und Forderungskatalogen. Sie demonstrieren auf der Strasse und bilden somit eine Friedensbewegung. Hier glimmt ein Widerstandspotential. In Gesellschaften mit hochqualifizierter Meinungssteuerung wird es zum sportlichen Ziel, die Aktivitäten der Friedensbewegung auf Beweise für Meinungsfreiheit zu reduzieren. Je näher der Krieg rückt, umso mehr soll die Friedens- zur Meinungsfreiheits- und Meinungsvielfaltsbewegung umprofiliert sein; bis sie im Idealfall den Krieg (unmittelbar bevor er „ausbricht“) als humanitär feiert und fordert.

Dieser Idealfall wurde für alle Kriege des 20. Jahunderts erreicht und wird es heute zweifellos auch, wie es das Fehlen einer politischen Antikriegsbewegung einerseits und die rasanten Fortschritte der Faschisierung andererseits, einer postmodernen, versteht sich, zeigen. Angesichts der heute erreichten Qualität der Bewusstseinssteuerung ist daran nichts verwunderlich.

Soweit ich zurückdenken kann, hatte eine gesellschaftliche Bewegung für Frieden niemals etwas mit der Entscheidung zu tun, ob ein Krieg begonnen wird oder nicht. Das ist eine deprimierende Erkenntnis für Leute mit Friedenswunsch. Aber es ist eine notwendige Erkenntnis. Ja, erst mit Anerkenntnis der größten Not wird Not-Wendung möglich. Denn es gab sie, die machtvollen Bewegungen von unten, die den Krieg beendeten. Heute sehe ich sie weit und breit nicht. Und ich weiss auch nicht, wie sie entstehen kann. Aber den Funken kann unsereins hüten. So fängt immer alles an.

Gerne auch mit Musik.

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