Ohne das Pestwort

In der jungen Welt (die ich zwar abbestellt habe aber Online noch verfolge) lese ich, dass die Linkspartei eine „Woche der Zukunft“ veranstaltet. Da in dieser Woche „Frieden“, „Krieg“ und „NATO“ nicht vorkommen, haben einige Abgeordnete der Linken einen Artikel veröffentlicht, um „diese Lücke zu schließen“.

So aufmerksam gemacht, schaue ich mir das Programm der Zukunftswoche an. Es enthält über 80 Veranstaltungen, und wenn ich unbegrenzt Zeit hätte, würde ich sicher manche der interessanteren Angebote wahrhnehmen. Doch ich geize mit meiner Zeit.

Im Meer der brandheißen Neuigkeiten und mehr oder weniger geistvollen Anregungen paddelnd, die unsere „freie Geselllschaft“ im Überfluss offeriert, habe ich allmählich gelernt, streng zu sein. „Mensch, werd‘ wesentlich!“ sagten die alten Griechen, und so blicke ich kritisch auf das linke Zukunftsevent.

Auf den 40 Seiten des Programmhefts mögen 10.000 Wörter stehen. Der Begriff „Revolution“ findet sich nicht darunter. Während der dreitägigen Zukunftswoche  wird es viele Millionen Wörter geben. Wieviel Nennungen des Pestworts mag es geben, einstellige Zahl, zweistellige oder gar dreistellige Zahl?

Hier ist der Punkt, an dem Kreativlinke (schönere Selbstbezeichnung: „Tanzlinke“) laut auf den Opa schimpfen dürften. Der versteht nämlich nix von der braven neuen Transformationswelt. Er will das  Begriffgerümpel des 20., ja 19. Jahrhunderts, wiederbeleben und irgendwie in unsere digitalen Weiten der Zukunft katapultieren.

Wozu man heute den Begriff „Revolution“ braucht, das wäre wirklich eine intelligente Unterhaltung wert. (Ich leiste mir den unverschämten Optimismus zu erwarten, dass ziemlich bald ziemlich viele Leute auf das Thema neugierig werden werden.) Aber meinetwegen sei die direkte „Revolutionsphilosophiererei“ vorerst beiseite gelassen…, wenn das Beiseitelassen nicht auch noch solche sehr, sehr praktischen Probleme erfasst, wie : „Krieg“, „Frieden“, „Flucht“, „Macht“, „Faschismus“, „Ausnahmezustand“, aber auch ernstgemeint „Basisdemokratie“ und „Selbstorganisation“. All das wird auf der Zukunftswoche nicht „getanzt“ werden. Und kein Zeitungsartikel wird diese Lücke schließen.

Dieser Beitrag wurde unter ökologisch, Bewußtheit, bloggen, Demokratie, Krise, Lenin, Machtmedien, Materialismus, Realkapitalismus, Realsozialismus, Revolution abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

21 Antworten zu Ohne das Pestwort

  1. Albert A. schreibt:

    Karl Marx hat bereits zu seiner Zeit erkannt, dass die „Revolution“, also der gesellschaftliche Aufstand und Umbruch, eher aus einer grundlegenden Not herausbrechen kann als aus dem abgewogenen Intellekt. Deswegen hat er seine Erwartungen an das intellektuelle Deutschland begraben und seine Hoffnung auf Russland gerichtet, wo die Not sehr groß war.

    Unter „Revolution“ verstehen wir einen starken, schnell erfolgten Bruch in der festgefahrenen Realität oder eine schlagartige Entwicklung in der an sich öden Realität. Man erhofft sich von der „Revolution“ möglichst schnelle gesellschaftliche Veränderungen, oder man muss diese Veränderungen auch einfach so hinnehmen wie z.B. bei der digitalen Revolution. Und bereits am Anfang der digitalen Revolution gab es genug ernsthafte Warnungen von der ungenierten Entwicklung der an sich unberechenbaren Computer, weil sie den Menschen bald weit überlegen sein könnten. Nun ist es bereits geschehen, mein Computer ist mir in vielerlei Hinsicht deutlich überlegen und ich muss damit leben…

    Was hat die „Revolution“ mit der Evolution zu tun? Die „Revolution“ läuft vor allem rasend ab, sie schiebt uns sozusagen in die Zukunft, in eine schnell gewordene neue Realität. Natürlich geht es dem opa um eine Revolution, die die Menschen nicht herum schiebt, sondern die von den Menschen selbst angeschoben wird. Und genau an diesem Punkt erscheint es mir wichtig, die gestellte Frage auch irgendwie zu beantworten: „Was hat die „Revolution“ mit der Evolution zu tun?“

    Wir können die Evolution genauso voran schieben wie die „Revolution“, nur sind wir dabei nicht so ungeduldig oder wir stehen nicht so sehr unter dem Druck eines Notstandes, um die Geschwindigkeit der Evolution erhöhen zu wollen, damit sich möglichst schnell etwas ändert. So hat es auch Karl Marx gesehen. Also ist die Revolution nur ein aufregender Teil der Evolution, der unter großer Aufregung stattfindet und auch viel Aufregung verursacht.

    Natürlich hat jeder aufgeregte Mensch das Recht, sich nach einer Revolution zu sehnen, die ENDLICH eine Realität schafft, welche den aufgeregten Menschen ENDLICH zufrieden stellt und seine Aufregung stillt. Nur ist aber die Revolution nicht das ENDE der Welt, höchsten das Ende der Aufregung kann die Revolution herbeiführen, wenn sie im Gleichschritt mit der Aufregung irgendwann wieder abflacht. Und dann müssen wir wieder mit der langweiligen Evolution leben, von der wir nicht wissen, welche Enttäuschungen sie uns demnächst bereiten wird, so dass wir irgendwann wieder GEZWUNGEN werden, über eine Revolution nachzudenken…

    Wenn aber das eigentliche Problem unserer Enttäuschungen die Evolution ist, dann sollten wir vielleicht gerade der Evolution viel mehr Aufmerksamkeit schenken. Ganz gleich, wie langweilig uns die Evolution erscheint. Weil es die Revolution halt nicht schafft, mit der unausgegoren Evolution ENDLICH ein ENDE zu machen, sollten wir uns die Evolution doch etwas näher anschauen…

    • kranich05 schreibt:

      Danke für Ihre ausführlichen Erwägungen, denen ich gleich einen Hinweis auf meinen Gebrauch der Begriffe zur Seite stellen möchte. „Evolution“ wird gern in zwei verschiedenen Bedeutungen gebraucht. Einmal als anderes Wort für „Entwicklung“ und zum anderen als Bezeichnung einer allmählichen Entwicklung. Entwicklung=Evolution gilt mir in guter alter Manier als eine Dialektik von quantitativen und qualitativen Veränderungen. Auf die Gesellschaft bezogen als Dialektik von allmählichen und abrupten, die Allmählichkeit abbrechenden Momenten oder eben evolutionären (in der engen Bedeutung) und revolutionären Ereignissen. Entwicklung/Evolution auf Allmählichkeit zu reduzieren, gilt den bösen Marxisten-Leninisten als ein wenig, hm, flach.

      • Albert A. schreibt:

        Wenn wir die „Revolution“ auf menschliches Tun und Handeln beschränken wollen, dann können wir das Gleiche auch mit der „Evolution“ tun…

        Und wenn wir die Entwicklung eines einzigen Menschen betrachten, dann stellen wir fest, dass die ERZIEHUNG nur selten basisdemokratische Züge hat, dafür aber sehr belehrend bis autoritär ist. Und weil die Eltern und manchmal auch die Lehrer Vorbildpersonen sind, erscheinen sogar manche Auftritte bei den Mahnwachen eher belehrend zu sein als basisdemokratisch. Es liegt aber gleichzeitig an der Meinungsfreiheit und der Freiheit des Wortes, warum mir niemand, nicht einmal basisdemokratisch, vorschreiben kann, was ich so alles herunter faseln soll…

        Es wäre sicherlich ein revolutionäres Ereignis, sollte sich die Basisdemokratie durchsetzen. Doch die Basisdemokratie kann nicht so einfach durch eine Revolution herbeigeführt werden. Sie muss sich entwickeln, damit sie auch tragbare Basis für das Zusammenleben bilden kann…

        Sonst gehen sich die Menschen lieber aus dem Weg – prophylaktisch…

        • kranich05 schreibt:

          Tatsächlich, mit der Basisdemokratie könnte man janz allmählich beginnen, während die Revolution noch hinter sieben Bergen schlummert. Man tut es aber nicht, komisch.

          • Albert A. schreibt:

            Sollten sich die vielen Menschen basisdemokratisch für die Revolution entscheiden, dann schafft es nicht einmal der opa, die Revolution zu verhindern oder sie in eigene Richtung zu lenken. Trotz seinem reichlichen und reifen Wissen…

          • kranich05 schreibt:

            Ja, das ist ein interessanter Gedanke: Die Basisdemokratie ist die Revolution innerhalb der Evolution, soll heissen: der qualitative Bruch INNERHALB des weiter herrschenden quantitativen Gewürges. Das würde vieles erklären, besonders auch, dass ALLE linken, „zivilgesellschaftlichen“, „progressiven“, demokratischen usw. Organisationen (Parteien sowieso) nichts So sehr fürchten, wie B.

          • Albert A. schreibt:

            Oder andersherum:
            So lange man die Menschen in eine Revolution hineintreiben kann, dann kann man die Menschen genauso in jeden anderen beliebigen Krieg treiben…

          • kranich05 schreibt:

            Werter Albert A.,

            indem Sie dasselbe Wort „hineintreiben“ für höchst verschiedene Dinge verwenden, machen Sie die Verschiedenheit, ja Gegensätzlichkeit von Krieg und Revolution umso deutlicher.
            Von der historischen Vielfalt absehend, also verallgemeinernd, ist Krieg ein Instrument der herrschenden Politik, eine Fortsetzung der Politik der Herrschaft. (Welche Klasse herrscht, erklärt Ihnen Warren Buffet freimütig.) Revolution hingegen ist der Umsturz der herrschenden Verhältnisse, möglichst der allergewôhnlichsten. Marx meinte, Dass dazu „ein enormes Bewusstsein“ nötig sei.
            Deshalb sind Revolutionen so selten und kostbar, im Gegensatz zum Krieg.
            Schön, Dass mensch in revolutionsfreier Zeit doch etwas für ein „enormes Bewusstsein“ tun kann. Wenn auch wohl kaum bei den Zukunftstagen der Linkspartei.

          • Albert A. schreibt:

            Das Bewusstsein könnte uns irgendwann bewusst machen, dass auch bei den Zukunftstagen der Linkspartei ein großer Freiraum für das “enorme Bewusstsein” vorhanden und daher auch zu finden ist. Das Bewusstsein braucht keine Nische, es muss sich auch nicht abschotten, um “enorm” zu werden. Das Bewusstsein bezieht sich auf die ganze Welt wie auch auf sich selbst. Das Bewusstsein braucht nur die FREIHEIT, um sich zu erweitern. Die äußeren Einschränkungen, die uns an der Erweiterung des Bewusstseins hindern wollen, können wir leicht identifizieren. Die inneren, die eigenen Einschränkungen zu überwinden oder auch nur zu identifizieren, das kommt uns oft wie Selbstverrat vor.

            Es könnte sein, dass es bei der Basisdemokratie und der Revolution vor allem darum geht, die anderen Menschen zu verstehen. Da bei den Autisten das emphatische „Verständnis“ für andere Menschen sehr unterentwickelt ist, versteht ein Autist das „Verstehen“ als rein sachliches Verstehen, ohne durch Sympathie oder Antipathie besonders gelenkt zu sein. Das ist sehr anstrengend, weil unfiltriert, deswegen schotten sich die meisten Autisten lieber ab.

            Trotzdem könnte es ein Vorteil sein, den Warren Buffet, Reiner Braun, Ken Jebsen, Gustl Mollath oder die Beate Merk gleich zu betrachten um alle gleich gut zu verstehen. Bei Reiner Braun haben Sie sich bereits verraten mit der eindeutigen Aussage: „Ich schätze Reiner Braun, auch wenn ich ihn persönlich nicht kenne, außerordentlich.“ Beim Gustl Mollath waren sie zuerst unsicher, weil er sich mit Luxuswagen beschäftigte, obwohl das mit seinen Problemen mit Frau Beate Merk und der Bayerischen Justiz nichts zu tun hatte. Gustl Mollath lebte nach seiner Entlassung von Spenden, genauso wie Ken Jebsen von den Spenden lebt. Aber auch bei den Spenden waren Sie sich nicht von Anfang an ganz sicher, wie sie eigentlich verwendet werden sollten. Die bereits geformte, subjektive Betrachtung schränkt das Bewusstsein ein, sie gibt ihm feste Formen. Doch diese festen, oft verfahrenen Formen sind kein gelebter Materialismus, sonder die uralte Ikonenbildung.

            Wenn die „Revolution“ endlich die allumfassende Basisdemokratie und ein soziales Zusammenleben herbeiführen sollte, kann ich dann Warren Buffet immer noch verachten und am liebsten wegsperren lassen? Oder gehört dann auch Warren Buffet zu der Basis einer Basisdemokratie? Ich will schon gar nicht die Frage stellen, ob ein wirklich psychisch kranker Mensch nach der Revolution auch zu der Basis gehören wird oder lieber weggesperrt bleibt. Es sind aber Fragen, die man auch bei den Zukunftstagen der Linkspartei stellen kann. Und falls der eine oder andere aufrichtig Fragende das Gefühl haben sollte, dass seine Fragen bei den Zukunftstagen der Linkspartei nicht „zielführend“ oder „zufriedenstellend“ beantwortet werden können, dann bleiben diese Fragenden wohl noch einsamer als ein Autist.

            Gehören all die hier erwähnten Menschen zu der Basis einer Basisdemokratie? Oder müssen wenigstens einige von ihnen nach der Revolution hingerichtet werden, und andere isoliert, eingesperrt werden??? Ist die Sympathie und Antipathie die tragende Regel einer Basisdemokratie?

          • kranich05 schreibt:

            Hallo Albert A.,
            danke für Ihre ausführliche bzw. komplexe Antwort, in der ich mich erstmal „orientieren“ muss.
            Ich hoffe, dass Sie, wenn Sie vom Autisten sagen, dass er Empathie nicht kann und deshalb alles mit „sachlichem Verstehen macht, nicht zugleich das Umgekehrte sagen oder suggerieren wollen: Eener, der sich um’s „sachliche Verstehen“ bemüht, sei Autist. Falls Sie Letzteres meinen, könnten Sie’s ja sagen.
            Sehr wichtig scheint Ihnen „das Verstehen“ zu sein. Mir auch. Doch mir ist klar, dass der Begriff sich gut zum Mogeln eignet. Um dem vorzubeugen, versichere ich Ihnen, dass ich die Gurken in meinem Gewächshaus besser „verstehe“ als meine Mitdorfbewohner fünf Häuser weiter, und auch, dass ich das gut und richtig finde. vielleicht könne Sie mir Auskunft geben, wie viel Menschen Sie „verstehen“ und welche das sind. Wenn sie damals Oberst,jetzt General Klein verstehen oder Herrn Parubij aus der Ukraine oder Frau Klatten, dann lassen Sie mich doch bitte teilhaben.
            Ich setze mich mit solchen Menschen, Personen,Typen durchaus auseinander, jedoch nicht ohne Begriffe für’s Soziale.
            Dass Sie die FREIHEIT des Bewusstseins ansprechen, könnt eigentlich neugierig machen…. Leider hat Herr Gauck in seinem Priestertum für’s Neudeutsche Reich den Freiheitsbegriff ganz und gar versehrt, so dass es aufwändiger Reinigungsprozeduren bedarf, um ihn wieder zu verwenden.
            Sie fragen mich oder sich, welche Strafprozeduren künftige Revolutionäre welchen Menschen gegenüber anwenden werden. Wo man die Erörterung der Revolution überhaupt vermeidet, wird man kaum bereit und fähig sein, Ihre spezielle Frage zu beantworten. Auch ich kann Ihnen da nicht weiterhelfen. Aber zweifellos gehört das Problem der Gesetzlichkeit und ihrer Einhaltung zur Revolution dazu, und ich hoffe sehr, dass den Leuten dann mehr einfällt als ein Ranking auf Sympathie-/Antipathieskalen.
            sie bestätigen mich unerwartet stark in meinem Ahnen, dass es an der Zeit ist, Revolution zu denken (und dass es also viel sagt über die (sog.) Linken, wenn sie das vermeiden).

            Schließlich möchte ich Ihnen meine Hochachtung oder so ausdrücken, dafür, dass Sie mein Blog derart systematisch verfolgen. Falls ich einmal eine Autobiografie verfasse, würde ich gern auf Ihren Fundus gespeicherter Informationen zurückgreifen. (Letzteres sollte ein Scherz sein.)

          • Lutz Lippke schreibt:

            Lieber Albert A.
            Ihre Gedanken sind immer wieder eine Anregung und der Hinweis auf beschränkte Wahrnehmung durch unbewusste / bewusste Vorurteile auch sehr wichtig.
            Aber dabei darf man 2 Dinge nicht verdrängen
            1. Die materiellen Voraussetzungen und Interessen sind wesentliche Grundlage für Machtverhältnisse und Interessen. Materiell Mächtige und Erfolgreiche sortieren Ihresgleichen weniger nach Symphatie als nach Nützlichkeit und Korpsgeist. Nicht Erfolgreiche oder Mächtige haben i.d.R. in dieser Hinsicht „Defizite“ und orientieren sich im Zweifel an Gewohnheiten und ihren Sympathien. Das ist vermutlich der wesentliche Grund für „Erfolg“ und „Misserfolg“ nach herrschender Norm. Solange wir in dieser Systematik von Herrschenden jeder Coleur gefangen gehalten werden, kann im Herrschenden nicht der einfache Mensch gesehen werden, sondern vor allem die aufgeblasene Mutation eigener Kreation. Mal ein bisschen Luft ablassen reicht auch nicht, die Maskerade muss unbrauchbar werden. Dann müsste sich der Blick auf den vom Ballast der Selbstüberhöhung Befreiten auch hinsichtlich Fürsorge und Integration wandeln.
            2. Muss für Gerechtigkeit m.M.n. nicht die Realität des instinktiven Vorbehalts, der Sympathie/Antipathie oder Verfolgung von Eigeninteressen abgeschafft werden. Vielmehr geht es um Fairness, Toleranz, Übereinkünfte und ausgleichende Regeln.
            „Alle haben sich immer und überall gleich lieb“ wäre nicht nur unrealistisch, sondern vermutlich auch verlogen und ätzend.

  2. Horst schreibt:

    http://www.eldh.eu/fileadmin/user_upload/ejdm/publications/2014/Paech__Topcuoglu_-_Minderheitenschutz.pdf

    Veröffentlicht wurde der Bericht im Herbst letztes Jahr. Ist von der darin beschriebenen „Zukunft“ schon manches Gegenwart?

  3. Lutz Lippke schreibt:

    Auch mal wieder. Bin leider momentan sehr eingespannt.
    Aus meiner Sicht zum Thema passend, lief gerade im ZDF Precht: „Wann kommt der Kommunismus?“
    http://www.zdf.de/precht/precht-23803722.html
    Fehlt die positive Vision einer digitalen Revolution zum Kommunismus 2.0 als Gegenmodell zum virtuellen Turbokapitalismus? Welche (moderne) Vision hat die Linke derzeit? Sarah Wagenknecht hat es mit den Fragen und Ideen von Precht nicht ganz leicht. Precht gibt eine wesentliche Anregung. Um das schlummernde Potential der Masse zu heben, bedarf es einer positiven, glaubwürdigen Vision des Fortschritts. Diese muss von heutigen Üblichkeiten ungebunden, wie aber auch konkret umsetzbar sein. Vielleicht ist die Asymmetrie der Machtverhältnisse wirklich so stark ausgeprägt, dass nur ein Wandel der Wahrnehmung helfen kann, wenn man nicht auf einen Zusammenbruch und größte Not warten will. Also weniger dagegen kämpfen, als die Alternative leben. Ignoranz statt Assistanz. Denn mir scheint jede Gegenwehr, jeder positive Ansatz wird sofort aufgekauft, sobald er in größeren Dimensionen gedacht wird.
    Passend zum Er(Leben) von Alternativen lief auf Arte eine Doku über die Gypsy Kings. Sehenswert, hörenswert und eigentlich auch visionär. Leider ist die in der Mediathek nicht zu finden.

    • Lutz Lippke schreibt:

      Berichtigung: es sollte im letzten Satz „(Er)Leben“ werden
      Kleine Anfrage:
      Als juristisch Unterwanderter verweise ich dazu auf § 319 ZPO, nachdem offensichtliche Unrichtigkeiten jederzeit berichtigt werden können. Eine Unrichtigkeit ist ein Auseinanderfallen des zum Zeitpunkt der Entscheidung vom Entscheidenden Gewollten zum tatsächlich Verkündeten. Die Unrichtigkeit ist dann offensichtlich, wenn sich dieser Fehler und das Gewollte für unbeteiligte Dritte eindeutig und ohne Beweisermittlung aus den Umständen der fehlerhaften Entscheidung ergibt.
      Die Berichtigung nichtoffensichtlicher Unrichtigkeiten ist ein Verstoss gegen § 318 ZPO (Bindung des Gerichts an Entscheidungen), der als Grundsatzparagraph die Rechtskraft von Endentscheidungen sichert.
      Handelt es sich um eine offensichtliche Unrichtigkeit im Sinne von §§ 318,319 ZPO und warum oder warum nicht?

    • kranich05 schreibt:

      Ich hatte den Eindruck, Dass Frau Wagenknecht ihre sozialistische Position ganz intelligent vertreten hat. Eine Visionärin ist sie tatsächlich nicht. Sogar ein So elementares menschliches Bedürfnis, wie das nach Frieden kam ihr gegen die Silicon Valley-Verheißungen von Herrn Precht Nicht in den Sinn (oder wurde weggeschnitten).
      Ich glaube, dass zur kommunistischen Vision gehört die harmonische Einfügung des Menschen, der ganzen menschlichen Gesellschaft in den Kreislauf der Natur. Und zwar unter den „würdigsten Bedingungen, wie Marx sagt.
      Viel Stoff und Bedarf fürs Gespräch.

  4. icke schreibt:

    Ein weiteres Pestwort oder Tabu wäre „Imperialismus“, „antiimperialistisch“ etc.
    Linkspartei, Antifa u.v.a. meiden das streng. Ja nicht an den Wurzeln rühren.

  5. Albert A. schreibt:

    Ich fange mit dem Ende an, weil es mit dem Anfang so gut übereinstimmt:
    „Schließlich möchte ich Ihnen meine Hochachtung oder so ausdrücken, dafür, dass Sie mein Blog derart systematisch verfolgen. Falls ich einmal eine Autobiografie verfasse, würde ich gern auf Ihren Fundus gespeicherter Informationen zurückgreifen. (Letzteres sollte ein Scherz sein.)“
    https://opablog.net/2015/04/24/ohne-das-pestwort/#comment-92158
    Wenn ich mich irgendwie dazu gezwungen fühle oder dazu angeregt bin, jemanden zu verstehen, dann kann ich es nicht oberflächlich machen, sozusagen „auf den ersten Blick“. So was reicht angeblich nur zum Verlieben aber nicht zum sachlichen Verstehen…

    Das hat wirklich etwas mit dem Autismus zu tun. Die erste und DURCHGEHENDE Erkenntnis eines Autisten besteht darin, dass er die anderen Menschen nicht versteht, ihm die anderen Menschen sogar fremd und daher auch befremdlich vorkommen. Und mit dieser Erkenntnis muss der Autist leben. Ein Großteil der Autisten versucht mit dieser Erkenntnis im Frieden zu leben, diese Tatsache halt zu akzeptieren, manche andere widerstreben dieser Tatsache, sie versuchen trotz allen Schwierigkeiten zu verstehen… Und falls diese trotzigen Autisten über eine sogenannte Hochbegabung verfügen, dann verwenden sie halt diese Hochbegabung dazu.

    Daher ist Ihr Gedanke:
    „Ich hoffe, dass Sie, wenn Sie vom Autisten sagen, dass er Empathie nicht kann und deshalb alles mit “sachlichem Verstehen macht, nicht zugleich das Umgekehrte sagen oder suggerieren wollen: Eener, der sich um’s “sachliche Verstehen” bemüht, sei Autist.“
    ein Blödsinn. Die Autisten haben einfach keinen anderen Ausweg, als sachlich (mathematisch) die Welt und andere Menschen zu verstehen, ich sehe darin aber ein Vorteil, trotz der großen Anstrengung, welche das SACHLICHE „Verstehen“ praktisch immer verursacht. Daher können Sie auch Ihre Hoffnung als erfüllt betrachten… Ich benutze den Begriff „Autismus“ nicht als Beleidigung, Beleidigungen haben mit dem Verstehen wenig zu tun, sie sind eher ein schmerzvolles URTEIL, sehr subjektiv und ohne den Versuch, zu verstehen…

    Und nun zu Ihrer bescheidenen Bitte:
    „vielleicht könne Sie mir Auskunft geben, wie viel Menschen Sie “verstehen” und welche das sind. Wenn sie damals Oberst,jetzt General Klein verstehen oder Herrn Parubij aus der Ukraine oder Frau Klatten, dann lassen Sie mich doch bitte teilhaben.“

    Es ist unumgänglich, JEDE mathematische Aufgabe zu verstehen, es ist nicht ratsam, dabei nach dem Muster vorzugehen: Dich kann ich gut verstehen, Dich mag ich, und Dich kann ich gar nicht verstehen, deswegen mag ich Dich nicht… Wenn es um mein Verstehen anderer Menschen geht, dann versuche ich halt diejenigen Menschen zu verstehen, mit denen ich gerade konfrontiert bin, also genau so wie bei den Aufgaben in der Mathe. Ich habe mir die Aufgaben nie ausgesucht, sie wurden mir vorgelegt. Daher habe ich von General Klein oder Herrn Parubij aus der Ukraine oder Frau Klatten keine Ahnung, ich nehme es auch nicht als eine von Ihnen vorgelegte Aufgabe, um die Menschen, die sich hinter diesen Namen vor mir verstecken, jetzt auf Anhieb analysieren zu müssen, um sie zu verstehen.

    Als ich mein Problem, dass ich andere Menschen sehr schlecht verstehen kann, als schwerwiegend erkannte, (ungefähr mit achtzehn) habe ich mich ohne Abitur oder die Erlaubnis des Politbüros in die Psychologie vertieft. Von den Pawlowschen Reflexen habe ich aber schon früher erfahren, einfach so…

    • Lutz Lippke schreibt:

      Lieber Albert A,
      Ihre Offenbarungen finde ich sehr interessant. Ich hoffe Sie kokettieren nicht nur mit dem behaupteten Unvermögen zur Empathie.
      Dass ein ausgeprägter Autist dem Fremden, dem Nicht-Faktischen eher ausweicht, erscheint mir logisch 😉 Dass Sie sich sachliche Kompetenz durch Psychologie verschaffen, um trotz der Einschränkungen einen logischen Zugang zum Verstehen des Anderen zu bekommen, zeigt zumindest, dass Sie die Barriere überwinden wollen und nicht als unverrückbar akzeptieren. Ist das nicht schon wieder Empathie? Vermutlich ist Autismus auch keine Entweder/Oder-Diagnose. Hat sie überhaupt Alleinstellungsmerkmale? Ich weiß dazu sehr wenig.
      Das Bemerkenswerte ist, dass ich die weitverbreitete Verweigerung des logischen Verstehens ebenfalls als empathielos wahrnehme. Schließt sich da womöglich ein Kreis?
      Ich nehme Politik und Gesellschaft derzeit überwiegend als moralisch aufgeladen und manipuliert wahr. Das Leben der Menschen in Gemeinschaften regelt sich grundsätzlich instinktiv und überwiegend kooperativ, steht aber unter hohem Druck durch einen geistigen Überbau, mit dem Konkurrenz, Wettbewerb und Pflichten gepredigt wird. Versucht man das logisch zu verstehen, scheitert man zunächst unweigerlich. Denn der Druck kommt von gesellschaftlichen Schichten, die sich nach herrschender Logik jederzeit zur Ruhe setzen könnten und trotz grenzenlosem Genuss im Übermaß bis über viele Generationen hinweg nicht verarmen würden. Also woher kommt deren Antrieb ? Ist er irrational? Nur empathisch zu verstehen? Stell Dir vor, Du wärst reich, das verlockt doch zu mehr. Äh, aber zu was mehr?
      Oder gibt es doch ganz logische Gründe, die sich bereits tief ins Unterbewusstsein hineingegraben haben und daher selten klar artikuliert werden.
      Sarah Wagenknecht erinnerte in dem genannten Gespräch mit Precht daran. Sinngemäß erinnerte sie u.a. daran, dass Erfindergeist und Unternehmersinn nicht logisch zum Besitz von riesigen Unternehmen und derer Gewinnen führt. Denn es sind die Leistungen vieler Beschäftigter ohne die eine Erfindung nur eine Idee oder ein kleines Nischenprodukt bleibt. In der Mitsprache und Gewinnverteilung spiegelt sich eine solche Logik schon in diesem engen Rahmen kaum wieder. Aber auch die gesamte Gesellschaft ist mit Investitionen, Infrastruktur und sozialem Leben unmittelbar beteiligt und kann erwarten, dass die Unternehmung einen gesellschaftlichen Nutzen erbringt. Das ist reine Logik.
      Eigenartigerweise werden Zuwendungen von Reichen und Unternehmen an die Gesellschaft i.d.R. als Empathie, als emotionale, soziale Verantwortung ausgegeben, selbst dann wenn einfach nur Steuern gezahlt oder Kundenbindungsprogramme umgesetzt werden. Auch gesellschaftlicher Nutzen wurde mittlerweile dadurch ersetzt, dass das Anrecht auf exorbitante Gewinne und Riskolosigkeit allein zur Vermeidung von noch größeren Schäden zugestanden wird.
      Ebenso eigenwillig „empathisch“ verhält sich Deutschland in der Welt. Dabei sprechen z.B. die Exportüberschüsse und Unternehmensgewinne klar dafür, dass hier eine ähnliche Manipulation der allgemeinen Wahrnehmung erfolgt.
      Nicht zuletzt stellt sich die Frage, womit faktischer Reichtum überhaupt begründet ist. Im Grunde sind das ja nur Zahlenstände eines Kontos, riesige Barrieren (Zäune, Mauern, Wachen), Gewohnheitsrechte und der in viele Menschenhirne induzierte Glaube an diese Art des Rechteerwerbs und Besitzes. Ich kann mit vielen Anderen eine gleichrangige Straßenkreuzung gefahrlos und gleichzeitig nutzen, aber ansonsten bedarf das Leben scheinbar strenger Hierarchien und Besitzansprüche, die zudem weitgehend undurchlässig und festgenagelt sind Welcher Logik folgt so etwas? Wie würden wir logisch reagieren, wenn wir alle um die Antworten wüssten und keine Angst vor den Folgen eines konsequenten Handelns hätten? Ist Angst vor den Offenbarungen, der Bewusstwerdung und die folgenden Konsequenzen logisch oder irrational? Es droht in der Regel Krieg und Unrecht, so ist die allgemeine Erfahrung. Aber ist das irgendwie logisch, wenn Krieg und Unrecht an der Tagesordnung sind? Ist das alles irrational? Die Trennung fällt mir sehr schwer.
      In jedem Fall ist es komplex. Ich neige zur Auffassung, dass Gespür und Empathie eine Möglichkeit zur Reduktion der Komplexität ist. So wie es auch ganz nützlich und angenehm ist, jemanden einfach die empfundene Liebe erklären zu können, ohne dazu erst alle Ursachen und Begründungen ermitteln zu müssen. Handelt es sich dabei aber um eine Lüge, gerät das Zusammenspiel zwischen Emotionen und Rationalität vollkommen durcheinander. Wer daraus wiederum rational Gewinn zieht, die ihm letztlich zu irrationalen Vorteilen und Vorrechten verhilft, kann nur in dieser verworrenen Komplexität verstanden werden. Ein Spiel der Manipulation und Intriganz. Ganz kurz kann man aber auch empfinden und ehrlich feststellen, man will das gar nicht im Detail verstehen, man will nur, dass es aufhört.

      • Albert A. schreibt:

        Lieber Lutz Lippke,
        wenn ich „Lieber Lutz Lippke“ schreibe, dann ahme ich Sie nur nach, spiegele Sie sozusagen wieder, in Wirklichkeit habe ich keine Ahnung, ob Sie wirklich lieb sind. Es handelt sich also um pure Formalität, die ein Gefühl der Lieblichkeit vortäuscht. Wie ist es bei Ihnen? Damit ich Sie SACHLICH verstehen kann, müsste ich wissen, was wirklich SACHE ist…

        Sie schreiben:
        „Dass Sie sich sachliche Kompetenz durch Psychologie verschaffen, um trotz der Einschränkungen einen logischen Zugang zum Verstehen des Anderen zu bekommen, zeigt zumindest, dass Sie die Barriere überwinden wollen und nicht als unverrückbar akzeptieren. Ist das nicht schon wieder Empathie?“

        Tja, es kommt darauf an, was Sie unter Empathie VERSTEHEN. Mich stören die verschiedenen Probleme, in erster Reihe die eigenen Probleme, was man auch als egoistisch bezeichnen könnte. Ich gehe also meine eigenen Probleme nicht deswegen an, weil sie mir sympathisch wären, oder weil ich mit meinen Problemen Mitleid hätte, sondern weil sie mir unsympathisch sind, sodass ich diese Probleme ohne jedes Mitleid BESEITIGEN will. Wenn sie darin „Empathie“ erkennen, dann werden wir wohl noch lange aneinander vorbei reden.

        Die anderen Menschen, die ich versuche zu verstehen, sind nicht die MOTIVATION meiner Anstrengungen. (Ausgenommen einige wenige Frauen.) Die Motivation wird bei mir durch die Probleme geweckt, die ich mit diesen Menschen bekomme. Doch der Ärger mit diesen Problemen reicht alleine nicht aus, es muss auch die Neugier entstehen und die Hoffnung, das ich den einen oder anderen ärgerlichen Menschen doch irgendwie verstehen kann.

        Wenn sich dann aber der andere Mensch über „Politik und Gesellschaft“ so breitbandig auslässt, wie Sie es gemacht haben, dann entsteht bei mir der Verdacht, dass dieser Mensch gar nicht verstanden werden will… Oder er stellt die Intelligenz seiner Leser indirekt in Frage: „Entweder Du verstehst das, was ich hier schreibe, oder Du bist halt nicht ausreichend intelligent.“

        Die Empathie gegenüber der Intelligenz, vor allem der eigenen, ist bekanntlich sehr groß, es gibt aber auch Menschen, die anderes Hobby haben. Sie wecken jedenfalls keine Neugier bei mir…

    • kranich05 schreibt:

      Ich habe natürlich nicht erwartet, dass Sie meiner „bescheidenen Bitte“ entsprechen würden oder es könnten. Ihr ganzes Verstehensbemühen setzt ein, wenn Sie mit Menschen in bestimmter Weise konfrontiert sind. Menschen gegenüber, auf die das nicht zutrifft, die aber mächtig auf Ihr „Schicksal“ einwirken können, sind Sie mit Ihrem Verstehenstrip hilflos. Hilfreich könnte dagegen Eine Ahnung von Klassenkampf sein, um auf mein Ursprungsposting zurück zu kommen.
      Der Begriff „Klassenkampf“ wurde übrigens nicht von Marx oder „Marxisten“ erfunden, von Revolutionen zu schweigen.

  6. Albert A. schreibt:

    Bei „Freitag“ beschäftigt sich auch jemand mit den Pawlowschen Reflexen:
    https://www.freitag.de/autoren/berlino1010/rus-deutsche-massenmedien-am-feindlichsten
    Es geht dabei um die feindliche Haltung deutscher Medien gegenüber Russland…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s