Gegen Äquidistanz, wenn es um Krieg und Frieden geht!

Äquidistanz bedeutet lt. Wikipedia in der Politik: gleicher Abstand (ideologisch, im Hinblick auf die Interessensgewichtung) zu zwei oder mehreren anderen Staaten, Blöcken oder Bündnissen;

Bezogen auf den Krieg in der Ukraine bedeutet Äquidistanz: Der Westen und Putin haben beide Schuld, jede Seite provoziert und heizt den Krieg durch ihre Propaganda an, beide sollen sich mäßigen, „verbal abrüsten“.

Äquidistanz in der Frage Krieg und Frieden läuft auf die Liquidierung der Friedensbewegung als politische Kraft hinaus.

Alle Kriege, meine ich, lassen sich letztlich auf zwei Interessenkonstellationen zurückführen.

Erster Fall: Die Mächte, A, B, C usw. = alle beteiligten Mächte, wollen den Krieg. Das ist das Modell 1914-1918. Die Friedenskräfte hatten in dieser Lage bekanntlich nur eine Möglichkeit: Den Hauptfeind bekämpfen, die eigene imperialistische Regierung.

Zweite Variante: Die Macht A will den Krieg, die Macht B will den Krieg nicht. Das ist das Modell 1939-1945. Die Friedenskräfte bekämpfen den Hauptfeind, die eigene imperialistische Regierung UND sie solidarisieren sich zugleich mit der Macht B. Sie „verstehen“ diese Macht und unterstützen sie mit aller Kraft in ihrem Streben, den Krieg zu vermeiden oder wenigstens einzudämmen oder, wenn das nicht gelingt, ihn siegreich zu beenden.

Das Wesen des Krieges um die Ukraine (der oft als „Ukrainekonflikt“ umschrieben wird), ist der Angriff der USA/NATO/EU (mit Israel im Hintergrund) auf die Großmacht Russland zur Beseitigung ihrer außerordentlichen geopolitischen Rolle und zu ihrer Zerstörung als eigenständige Großmacht.

Die Aggressivität dieser anderen „Troika“, die seit 25 Jahren Kriege einschließt, ist ständig angewachsen und erreichte ab 2013/14 mit dem direkten Angriff auf existentielle Sicherheitsinteressen Russlands eine neue Qualität. Neben der Tatsache, dass realitätsferne atlantische Raubbeuter und Strategen es erstmals wagten, eine atomar und konventionell hochgerüstete Großmacht direkt herauszufordern, besteht die neue Qualität ihres Angriffs im „robusten“, d. h. in wichtigen Etappen kampfentscheidenden Einsatz bewaffneter faschistischer Kräfte.

Damit ist eine völlig neue Qualität entstanden – sowohl der Kriegsgefahr, als auch der Bedingungen des Friedenskampfes. Imperialistischer Krieg heute schließt ein das Ausagieren faschistischer Potentiale. Jeder Linke oder Friedensbewegte, der jetzt Äquidistanz angemessen findet, die manchmal verschämt als Sprachkritik, als Appell zu beidseitiger „verbaler Abrüstung daherkommt (Reiner Braun beim Ostermarsch) ist in der Pflicht, sich hierüber Rechenschaft abzulegen.

Das sowjetische/russische Volk ist das Volk, dass den Becher des faschistischen Vernichtungswillens bis zur Neige leeren musste und dass unter furchtbaren Opfern die Kraft fand, die faschistische Bestie restlos zu zerschlagen; dabei unterstützt von den Kräften der Antihitlerkoalition. Kein anderes Volk der Welt verkörpert diese Menschheitserfahrung in vergleichbarer Weise. Kein anderes Volk der Welt ist so bereit, wie das russische, den Faschismus auch heute zu schlagen. Und mehr noch: Dieses geprüfte Volk teilt mit, durch den Mund seines Präsidenten, dass es entschlossen ist, sich von Anfang an mit aller Entschlossenheit und Macht zu wehren. Russland bedroht niemanden aber es erklärt, dass es Angriffe erforderlichenfalls mit aller Macht zurückschlagen kann und zurückschlagen wird.

Wer meint, Putin bedrohe Dänemark atomar, weil dieses brave NATO-Land doch „nur“ einen gegen Russland gerichteten Raketenschirm aufbaue, ist vielleicht nur grenzenlos naiv, auf jeden Fall ist er auf die doppelten Standards des Imperialismus hereingefallen: Die Überrüstung der USA garantiert Frieden und Freiheit. Die Rüstung Russlands (oder wahlweise Chinas) bedroht die Menschen.

USA/NATO/EU (einschließlich Israel) einerseits und Russland/China (und weitere) andererseits sind alle kapitalistische Mächte. Aber sie sind hinsichtlich ihrer imperialistischen Aggressivität und damit in der Frage „Krieg-Frieden“ systemisch gegensätzlich. (Weiter Erhellendes zu diesem Punkt hier.) Die Friedensbewegung muss für die angegriffene Seite eindeutig Partei nehmen. Oder sie gibt sich als Friedensbewegung auf.

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5 Antworten zu Gegen Äquidistanz, wenn es um Krieg und Frieden geht!

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  2. nils schreibt:

    DANKE! DANKE! DANKE! Besser kann man die Sache nicht benennen. Genau dieser Punkt, nämlich die Frage “ Sag mir wo Du stehst? “ hat jeder Mensch und zwingend jeder Linke und „Friedensbewegte“ sich in der momentanen welthistorischen Situation zu beantworten. Ein Dazwischen kann es nicht geben . Gleichzeitig liegt im Opportunismus der Linken, denn nichts anderes bedeutet Äquidistanz auf den politischen Begriff gebracht, der Schlüssel für ihre Bedeutungslosigkeit. Wenn Welt nicht in adäquate Begriffe gefasst werden kann, kann sie nicht verändert werden. In diesem Sinne, lieber Genosse, schlage ich Dich schon mal dringend für einen Sitz im ZK des Bundes der Kommunisten vor : )

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