Infobrief über die Zulassungs- und Gesinnungsvoraussetzungen zur Teilnahme an der Friedensbewegung (nicht nur spaßig zu einem ernsten Thema)

Lieber Gutwilliger, liebe Gutwillige!

1. Wenn es Dir plötzlich in den Kopf kommt, dass Du etwas für den Frieden tun willst, dann kapiere erst einmal eins: Darauf sind Andere schon lange vor Dir gekommen. Es gibt eine lange Liste. Stelle Dich erstmal hinten an. Dann lernst Du Regel zwei.

2. Die Friedensbewegung führt den Friedenskampf; zumindest hat sie eine imposante Festung errichtet. Über der flattern ruhmreiche Banner. Es sind die guten Banner der „DFG-VK“, „VVN-BdA“, „AGF-Kassel“, „Friedensratschlag“, „Friko“, „IMI“, „BSV“ und viele andere. Als erstes lerne mal all diese Namen. Wenn Du vor dieser Festung mit Deinem Friedenswimpel rumspazierst, dann ist das verdächtig. Und einfach eine Friedensmahnwache schräg gegenüber der Festung einzurichten, das ist beleidigend. Das Mindeste was verdiente Festungskommandanten (Schädel, Strutynski, Pflüger aber auch viele andere) von Dir erwarten, ist eine höfliche Anfrage. Danach lernst Du Regel eins.

3. Du neigst zu Ungeduld? Du willst gar auf der Strasse demonstrieren? Du meinst, die Regeln eins und zwei gehören abgeschafft? Angeblich hast Du da draußen Kriegshorden gesichtet, die immer näher kommen? Du führst sogar laute Rede auf der Strasse und im Internet? — Wir stellen fest, Dein Fall verlangt Maßnahmen. Zunächst bieten wir Dir eine Schnellhilfe an. Andernfalls Exkurs und Regel drei.

4. Schnellhilfe gegen Ungeduld: Einbeziehung des Probanden in die Erarbeitung eines Antrags an das Amt Steinmeier zur Förderung unserer Friedensarbeit nach dem „Win-Win-Win-Prinzip“: Steinmeier legt sein Geld nutzbringend an. Wir mehren unser „FBO-know how“ (FBO – FriedensBewegungsOrganisation). Junge Friedensbewegte lernen geschmeidig kooperieren.

5. Auf junge Friedensbewegte, die Schnellhilfe ablehnen und unbeherrscht an sämtliche Festungstore hämmern, müssen wir Regel drei anwenden. Zu ihrem Verständnis dieser Exkurs: Der anderweitig bekannte Aktivist Henryk M. Broder hat sich seit Längerem Verdienste erworben bei der Implementierung des Political CorrectnessSpeaking in den deutschen Sprachraum, also bei der Bewertung sprachlicher Äußerungen auf Zulässigkeit. Unsere ewig junge Veteranin Jutta Ditfurth hat erfolgreich bei ihm studiert und übertrifft ihn inzwischen mit ihrer Fähigkeit, Sprachliches auf Zulässigkeit zu bewerten noch bevor es geäußert wird. Auf dieser Basis fußt Regel drei (Entscheidungsregel).

6. Entscheidungsregel:

A. Sie artikulieren sich laut auf der Strasse und haben bei uns noch nie ein Friedensseminar belegt.

B. Nazis artikulieren sich laut auf der Strasse und haben bei uns noch nie ein Friedensseminar belegt.

C. Sie sind Nazi („Antisemit“, „Rassist“, „Neurechter“, „Rechtsoffener“, „Verschwörungstheoretiker“ usw), und wir lehnen jeden Kontakt mit Ihnen ab.

7. Erweiterte Entscheidungsregel: Wir ächten darüber hinaus jede Zusammenarbeit mit Leuten, die jemals Kontakt zu einem Menschen nach 6. C. hatten.

 

Der vorliegende Infobrief ist Opa leider erst jetzt bekannt geworden. Damit, dass er hier unbekümmert seit Jahren für den Frieden schreibt, hat er Regel eins gravierend verletzt. Und viel schlimmer: Opa hat einmal auf Elsässers Website verlinkt und fällt damit unter die erweiterte Entscheidungsregel nach Punkt 7. Opa schien es trotzdem angemessen, auf den Infobrief hinzuweisen, weil er in Kürze zwei weitere Regelverletzungen begehen wird und bei dieser Gelegenheit vielleicht explizit auf die Regelfrage zurückkommt.

Schöne Ostern!

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Eine Antwort zu Infobrief über die Zulassungs- und Gesinnungsvoraussetzungen zur Teilnahme an der Friedensbewegung (nicht nur spaßig zu einem ernsten Thema)

  1. Helmuth schreibt:

    Opa, wenn es nicht so tragisch wäre, könnte man schallend lachen.Dieser „Infobrief“ ist eine echte Punktlandung.

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