Durfte der böse Ken den heiligen Monty attackieren? Update am 22.3.2015

Der folgende Text, der Gedanken aus diesem Post weiterführt, wurde ursprünglich am 19. März 2015 veröffentlicht.

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Das kommt drauf an.

Er hat ja auch die Jutta angegriffen. Aber Jutta ist nicht mehr Heilige. Spätestens seit sie von ihrem damaligen antideutschen Kampfgefährten Elsässer mit Hilfe der bundesdeutschen Klassenjustiz einen juristischen Nasenstüber bekam, ist ihr öffentlicher Status wacklig geworden.

Aber der Monty? Wenn die Totalverweigerer- und Friedenskampf-Ikone, die auch der Opa seit Jahren achtet und ehrt, knapp als „Querfront“ tituliert wird – ist da nicht Schluß mit lustig? Was ist los, wenn sich sogar meine „junge Welt„, nicht eben für subtile KenFM-Interpretation bekannt, herbeilässt, einige gleichsam atemlose Sätze von Ken Jebsen zu kolportieren? (Sie tut das übrigens unter der unzutreffenden Rubrik „Abgeschrieben“. Jebsens Äußerungen aber geschahen in freier Rede und erst die jW hat sie aufgeschrieben.)

Keine Frage, dass auch das gesprochene, zumal öffentlich gesprochene Wort, gilt. Und wenn der Ken Jebsen verkündet: „Und wo ist der Feind in diesem Land? Ich möchte es euch sagen: Unser Feind ist die sogenannte linke Presse. Das ist der Feind.“ – dann verkündet er etwas, was einer, wenn er strenger Richter wäre, durchaus als bösartigen Blödsinn bezeichnen dürfte. Ich bin dieser Scharfrichter nicht. Ich habe in meinem Leben wahrlich genug schädlichen Unsinn geredet (und zwar, soweit ich mich erinnere, immer im besten Glauben). Doch ich trage auch bei K. J. nicht mit, was ich als falsch und überspitzt einschätze. (Da mag die Leidenschaft des Augenblicks eine Rolle gespielt haben und mehr noch tiefsitzende Verbitterung über systematisch-bösartige Angriffe (auch von „meiner“ jW, ausführlicher dazu hier); doch das sind Erklärungen, keine Entschuldigungen.) Im übrigen bestätigen solche Auftritte für mich das Motto meines Blogs: „Kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun!„. Wir müssen alles selber tun – und das genau fordert auch Ken Jebsen.

Die Frage nach dem „heiligen Monty“ ist nun ganz in den Hintergrund gerückt. Zu Unrecht, wie mir scheint. Letztens hat Monty Schädel dafür gesorgt, dass auf der jüngsten Aktionskonferenz des Friedenswinters eine geplante Arbeitsgruppe gestrichen wurde. (Ich Außenseiter habe das erst im Nachhinein kapiert.) Das war die Aktionskonferenz einer großartigen Friedensinitiative, der Monty Schädel zwei Tage vorher im taz-Interview das komplette Scheitern und den Exitus gewünscht hatte. Auch dieses Interview kannte ich während meiner Teilnahme an der Aktionskonferenz nicht. Sich schlauer zu machen, ist es aber nie zu spät, und so habe ich mir die „Friedensposition“ in der Ukrainefrage der Organisation angesehen, deren Geschäftsführer Monty Schädel ist. Es ist eine Position, die der Friedenswinter nach meiner Wahrnehmung ablehnt und grundsätzlich ablehnen muss. Hier habe ich das begründet. Der Referent Björn Kunter ist übrigens auch auf youtube zu bewundern mit einer die USA- und EU-hörige ukrainische Kriegspartei (die bekanntlich nicht ohne die Integration von Faschisten auskommt) systematisch unterstützenden antirussischen Position.

Ja, lieber Ken, was Manche/Viele im Namen der traditionellen Friedensbewegung und traditionellen Linken verkünden, bedarf der prinzipiellen Kritik. Aber bitte einer sehr präzisen Sachkritik und nicht der bloßen Schmähung.

———————————————- Update 22.3.

Auf diesen Text erhielt ich am 20.3. eine Antwort von Monty Schädel über die öffentliche Mailingliste des Friedenswinters, die ich ursprünglich nicht veröffentlicht habe. Die Veröffentlichung hole ich jetzt nach, a. weil meine darauf folgende Antwort sonst z. T. unverständlich ist, vor allem aber b., weil Monty Schädel und „junge Welt“ mit ihrem Interview vom 21.3. zu weiteren Diskussionen zwingen.   

„Lieber Klaus-Peter Kurch,

auf welcher Ebene soll ich denn mit Dir diskutieren? Weder hast Du, obwohl Du mir schon soviel Zeit gewidmet hast herausgefunden wie mein Name richtig geschrieben wird, noch hast Du durchschaut, dass die Strategiekonferenz der Kooperation für den Frieden keine Veranstaltung der DFG-VK (weil die DFG-VK nicht die Kooperation für den Frieden und die Kooperation nicht die DFG-VK) ist, noch hast Du verstanden, dass Björn Kunter für sich spricht und vom BSV ist und dieser auch weder die DFG-VK noch die Kooperation für den Frieden ist.

Du hast jetzt schon soviel Zeit da rein gesteckt und noch nicht einmal Grundkenntnisse über organisatorische Zusammenhänge der Friedensbewegung, obwohl Du meinst Kommentare dazu schreiben zu können. Doch die Grundkenntnisse sollten schon wenigstens da sein, denn ich habe im Moment leider nicht ganz so viel Zeit, diese zu vermitteln. Und sonst findet die Diskussion ja auf eine Ebene der unterschiedlichen Ausgangsstufen statt und würde ja noch nicht einmal das Talkrundenniveau des öffentlich rechtlichen Fernsehens haben. Aber vielleicht erklärt Dir Reiner Braun als Sprecher der Kooperation für den Frieden und in der Vorbereitung der Strategiekonferenz der Kooperation und Verfechter des „Friedenswinter“ ja die Zusammenhänge der unterschiedlich agierenden Organisationen der Kooperation für den Frieden. Der kann das sicher auch viel besser, da es zwischen Euch dann weniger emotionale Spannungen gibt. Und wenn Du das dann aber alles hast, glaube nicht, dass Du auch nur einen kleinen Teil der Friedensbewegung kennen würdest. Dann kommt noch der Friedensratschlag dazu und dann kommen noch die unterschiedlichen Verantwortungen und Zuständigkeiten der Gliederungen und Vereinsvorstände und und und … . Nimm Dir ruhig einwenig Zeit.

Irgendwann wirst Du es dann haben und feststellen, dass das, was uns als Vertreter_innen unterschiedlicher Strukturen und Organisationen der Friedensbewegung von den Organisationen im „Friedenswinter“ die nicht Friedensbewegung sind unterscheidet ist, dass selbst wenn wir zu unterschiedlichen Ergebnissen in der Analyse kommen und die Auseinandersetzungen hart sind, verbietet es sich die politische Auseinandersetzung in persönliche Anfeindungen überlaufen zu lassen. Der Humanismus, die Achtung des Menschen und der einzelnen Person stehen über allem. Dass es nach rechts keine Tür gibt ist so selbstverständlich, dass wir erst gar nicht darüber reden müssen was rechts ist. Selbstverständlichkeiten sind in der Friedensbewegung eben Selbstverständlichkeiten. Wer das nicht will oder nicht versteht, ist ja nicht gehindert woanders hinzugehen.

Ich kann gut damit Leben, dass nicht alle bei der Friedensbewegung mitmachen, denn mit allen, egal unter welchen Vorzeichen, will ich gar nicht zusammen etwas machen. Und ich habe die Freiheit dann zu sagen, ich will nicht mit Euch. Schade, dass ihr diesen nicht so hinnehmt, sondern meint nachtreten zu müssen. Ich habe gesagt, und weiß mich mit meiner Organisation dabei überein, dass der Friedenswinter gescheitert ist und wir in den Organisationen in denen wir wirken dieses vertreten werden.

Für den Bundesverband der DFG-VK hat der BundessprecherInnenkreis heute beschlossen:

Die DFG-VK zieht ihre Unterstützung des „Friedenswinters“ zurück.

Macht Ihr Euren „Friedenswinter“ wir machen unsere Arbeit.

Herzliche Grüße

Monty Schädel“

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Meine Antwort auf vorstehenden Brief steht hier.

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4 Antworten zu Durfte der böse Ken den heiligen Monty attackieren? Update am 22.3.2015

  1. Gernot schreibt:

    Mal optimistisch. Seit einem Jahr ist Ken reifer geworden. Sein kindlicher, antikommunistischer Individualismus (kleinbürgerlicher Boykott, um die Welt zu verbessern) WAR unerträglich. ABER: Heute sind WIR stolz, dass die Mainstreammedien oft KO geschlagen werden. Durch kleine BLOGS wie dieser.
    Da TAZ, Jutta Dithfurt, Alice Schwarzer als systemstabilisierende Hofnarren entlarvt sind, hetzen die die logischerweise nur noch rum. Wer interessiert sich für pseudokritische Hofnaren, wenn die anderen Kritiker raidkaler sind, Freund und Feind nennen und echte Beweise / Fakten / Zahlen statt intellektuelles Rotwein Geschwafel liefern ? Die Herrschenden nebst politschen, journalistischen Anhängsel in Europa, haben jetzt doch Angst vor nem Atomkrieg. Friedensdemos sind also in deren Sinne.
    Mal pessimistisch : Wenn ich beim elsaesserr blog frage, wie sie es mit dem Deutschen Grosskapital halten, hört man nichts. Für die – und anderen Blogs – scheint der Kapitalismus ganz in Ordnung. Da wird nur der längst widerlegte angelsächsisch / jüdische Zinseszinssystem verurteilt und der deutsche produktive Kapitalist gelobt. Eigentlich sind es rechte Sekten, die weder M/E Kapital 3 (Zins), noch BWL gelesen haben. Selbst jeder Häuslebauer betrachtet Zins als Mittel zum Wohnen in den eigenen vier Wänden. Ich bezahl lieber 4 % Zinsen bei der Bank, als 8 % Miete.

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