Diskussionsebene: Antifaschismus und gegen Krieg

Sehr geehrter Monty Schädel,

bevor ich versuche, Deine Eingangsfrage zu beantworten, möchte ich mich in aller Form für die verflixte Falschschreibung Deines Namens entschuldigen und auch sonst für Deine vielen guten Hinweise danken. Wenn Du herausgefunden hast, dass ich „ohne Grundkenntnisse“ einen Kommentar „über organisatorische Zusammenhänge der Friedensbewegung“ schreiben wollte, habe ich mein Anliegen vielleicht wirklich unklar formuliert. Deinem warmen Ratschlag, mich zunächst mal in die „Stuktur- und Funktionslabyrinthe der etablierten Friedensbewegung zu begeben“ (was Du bitte als eine arglose Umschreibung auffassen mögest), werde ich wohl nur begrenzt folgen. Ich versichere Dir aber, dass ich meine Anstrengungen verstärken werde, eine kämpferisch-zielklare, antifaschistische, antimilitaristische und antiimperialistische (also radikal humanistische) Friedensbewegung auf der Strasse zu treffen und sie durch mein Mittun zu stärken.

Nun zu Deiner Frage „auf welcher Ebene soll ich denn mit Dir diskutieren?“. Die Antwort scheint mir einfach und schwierig zugleich zu sein:

Es ist die Ebene des wirklichen Antifaschismus.

Du erklärst (ausgerechnet in der „taz“ aber nicht nur dort), dass dieses Problem ein Problem des Friedenswinters sei und dass es Deine (nunmehr endgültig) negative Haltung zum Friedenswinter begründet. Ich bitte Dich sehr, Deine Beweise der faschistischen Unterwanderung des Friedenswinters offenzulegen. Dabei wäre es schön, wenn Du Dich auf die größten Aktionen des Friedenswinters konzentrieren würdest, darunter die große Demonstration gegen den Kriegstreiber Gauck am 13. 12. 2014 in Berlin (von der habe ich nämlich „einige Grundkenntnisse“). Dabei bin ich guter Hoffnung, dass wir das Problem der „unterschiedlichen Ausgangsstufen“ der Diskussion dadurch verringern können, dass Du auf Argumente verzichtest a la: „NPD-Fritze X hat neben Friedenswinter-Aktivist Y gestanden. Es gibt sogar ein Foto.“

Ich habe verstanden, dass Deine Position nicht mit der von Björn Kunter gleichgesetzt werden darf. Ich habe das auch nirgends getan. Wohl aber sehe ich eine Verantwortung des politischen Geschäftsführers der Organisation DFG-KV, die Mitglied der Friedenskooperative ist, wenn bei der Strategiekonferenz, die die DFG-KV auf ihrer Webseite bewirbt, unwidersprochen unhaltbare Positionen vertreten werden. Die Unhaltbarkeit der dort vertretenen (und schweigend mitgetragenen oder wie?) Position besteht darin, dass die entscheidende Rolle systematisch mobilisierter und bewaffneter Nationalisten-Faschisten beim gewaltsamen Sturz der (formal)bürgerlich-demokratischen Regierung Janukowitsch ignoriert wird. Die Unhaltbarkeit besteht auch darin, dass das faschistische Progrom von Odessa vom 2. Mai 2014, das in der Ukraine zwar nicht das einzige aber von einzigartiger Bedeutung war, völlig ausgeblendet wird. Für dieses Progrom trägt die nichtfaschistische aber von Faschisten mitbestimmte Kiewer Regierung eine Verantwortung; sowohl für sein Zustandekommen, als auch für seine Nichtaufklärung. Die Nichtaufklärung wird bekanntlich auch von internationalen Menschenrechtsaktivisten, wie denen des Auswärtigen Amts oder denen der „taz“ hingenommen (schrieb ich jetzt -aktivisten oder -imperialisten?).

Ich unterstelle, dass wir uns in einer antifaschistischen Grundposition einig sind. Ich meine, dass die in Europa drohenden weiteren Kriege nur, genau wie in der Ukraine, mittels Aktivierung von Faschisten in Gang gesetzt werden können. Wie faschistische Kräfte heutigentags aussehen – modern, untraditionell bis „gutbürgerlich“ – und wie nichtfaschistische Regierungen mit ihnen kooperieren, das aufzudecken ist jede Diskussionsanstrengung wert. Und letztere, selbstredend, rechtfertigt keine persönlichen Feindseligkeiten.

Übrigens – und damit noch einmal zu Deiner Ausgangsfrage zurück – möchte ich nicht beanspruchen, dass DU mit mir diskutierst. Vielleicht könnten WIR es gemeinsam tun.

Mit freundlichem Gruß

Klaus-Peter Kurch

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10 Antworten zu Diskussionsebene: Antifaschismus und gegen Krieg

  1. Albert A. schreibt:

    Wer die Wurzeln des „Faschismus“ in den Religionen nicht erkennen kann, der muss sich lange in der Erkenntnisspirale drehen…

    Der „Faschismus“ braucht immer irgendwelche Ideologie, ist selbst aber keine. „Faschismus“ ist einfache Selbstüberschätzung und Menschenverachtung eines ausgewählten Gegenüber. Die Selbstüberschätzung und Menschenverachtung müssen dann irgendwie BEGRÜNDET werden, um anständig zu erscheinen. Und genau dazu braucht man dann die Ideologie, mit der prinzipiellen Idee: „Wir sind die guten, die anderen sind die schlechten…

    Selbst in der weiblichen Emanzipation-Bewegung fanden sich solche Züge…

    Wer es aber kompliziert mag, der kann sich mit anderen Denkern austauschen. Und wenn eine Friedensinitiative nach Gegnern sucht, dann fühlt sie sich wohl irgendwie alleine, klein und bedeutungslos. Der David braucht dann einen Goliath, um seine Bestätigung zu finden. Und als der Goliath die Szene verlassen musste, gab es immer noch keinen Frieden – bis heute nicht…

    • kranich05 schreibt:

      Na ja, wem das Problem Faschismus Anlass für ein (geistiges) Fingerschnipsen ist, der möge hier mitlesen oder überblättern, wie’s ihm gerade angesagt erscheint.
      Antifaschisten, die bekanntlich sehr unterschiedliche Begriffe haben können, mögen auf dem (allzu kleinen) Minimum bestehen, dass es die Straftatbestände Mord, Totschlag, Körperverletzung und einige weitere gibt, von denen Faschisten zu keiner Zeit und in keinem Land befreit sein dürfen. Auch jede Verschleierung oder Relativierung dieser Tatbestände, durch wen auch immer, ist unzulässig.

      • Albert A. schreibt:

        Ja, richtig, es geht auch um die Antifaschisten, die dank der grundgesetzlich garantierten Meinungsfreiheit unterschiedliche Vorstellungen über den Faschismus haben können, gegen den sie ankämpfen wollen. Und wenn die Faschisten irgendwelche eindeutige Abzeichen tragen, wie in der Ukraine, dann ist die Sache mit dem Kampf leicht gemacht.

        Wenn sich aber die grundsätzliche Haltung der Selbstüberschätzung und Menschenverachtung dank irgendwelchen Abzeichen nicht so leicht identifizieren lässt uns sich trotzdem vor unseren Augen massenhaft entwickelt, wie z.B. bei manchen Fußballfans, dann bleiben die Antifaschisten eher passiv. Erst wenn sich bewiesen hat, dass manche Fußballfans eindeutig rechten Gruppierungen angehören, klingelt es bei dem Einen oder Anderen. So lange dies aber nicht bewiesen ist, dürfen die Fußballfans bei ihren Raufereien scheinbar die gleichen Straftatbestände ausüben wie die Nazis, ohne dass ein eingefleischter Antifaschist entsprechend reagiert.

        Nun ist es aber so, dass sich die Fußballfans durch ihre eigene Propaganda erst einmal zum Hass und Gewaltbereitschaft gegenüber den anderen Fußballclubs aufputschen, die eigentlich sehr ähnliche Entwicklung durchmachen.

        „Wehre den Anfängen!“ habe ich irgendwo mitgekriegt, aber ehrlich gesagt, ich weiß immer noch nicht genau, wo das Eine anfängt und das Andere endet. Deswegen würde ich wenigstens den Antifaschisten manche unnötige Auseinandersetzungen ersparen. Wenn es aber nicht anders geht…

        „Die Straftatbestände Mord, Totschlag, Körperverletzung“ usw., einschließlich der vielfältigen Unterdrückung, dürfte auch bei den „religiös“ motivierten Handlungen nicht verschleiert oder relativiert werden. Schließlich entspringen sie der gleichen Haltung: Selbstüberschätzung und Menschenverachtung, die nur noch nach einem Adressaten sucht. Welche Abzeichen dann angebracht werden, hängt dann nur noch von der ideologischen Anleitung ab…

        • kranich05 schreibt:

          Hallo Herr A.
          wahrscheinlich entwickelt Ihr Angebot in heutiger Zeit Charme. Für die Mehrheit unserer Zeitgenossen hat deutscher Faschismus einfach nie existiert oder er erscheint als ein großer, ferner, prall mit Luft gefüllter Ballon oder als jährliche Ablieferung zunehmend bizarrer Rituale – oder alles zugleich. Da erscheint Ihr Angebot patent: Man nehme diese oder jene, mehr oder weniger schwerwiegende, allzumenschliche Häßlichkeit + einen Adressaten, dreimal schütteln, und man hat die Katze im Sack, sprich: hat den Faschismus erledigt (oder gar „bewältigt“). Wenn Sie in dem Spiel keinen Anfang und kein Ende finden, was ist daran schlimm? Mancher mag darin gar den eigentlichen Reiz erblicken (doch das will ich Ihnen nicht unterstellen, Sie haben’s ja mit dem Fussball). Ihnen unterstelle ich gar nichts, bestätige Ihnen aber gern, dass augenscheinlich für Sie Faschismus drei leere Blätter neuester deutscher Geschichte (von 1900 bis 2015) bedeutet – ein Blatt Geschichte imperialistischer Politik, ein Blatt Geschichte imperialistischer Ökonomie, ein Blatt der dazu passenden Ideologien(n).

          • Albert A. schreibt:

            Wenn der Faschismus für mich (augenscheinlich) drei leere Blätter bedeuten würde, (mit genauen Überschriften), dann würde ich mich wohl NICHT mit den WURZELN dieser Leere beschäftigen. Ich beschäftige mich aber eher mit der Lehre, der Ideologie, der PROPAGANDA, die zum aufheizen und aufhetzen der gewalttätigen, menschenverachtenden, faschistischen Handlungsweisen führt.

            Versuchen Sie zu unterscheiden:
            Zwischen der „allzumenschlichen Häßlichkeit“ – Gehässigkeit, die Sie ansprechen und die an sich alltäglich ist, wenn sich z.B. zwei Nachbarn wegen dem Maschendrahtzaun streiten, die Probleme in der Ehe eskalieren, die Bayer mit ihrem Stolz allzu lange Einem auf die Nerven gehen oder Ähnliches, halt wo sich Menschen lange Zeit REAL auf die Nerven gehen und allein dadurch die negative Stimmung aufgeheizt wird. Diese Entwicklung braucht keine Ideologie oder irgendwelche Anweisungen vom Himmel aus.

            Und dann bleibt uns die Gehässigkeit und Menschenverachtung übrig, die durch PROPAGANDA aufgeheizt wird und Anhänger sammelt, welche der Propaganda BEREITWILLIG folgen. weil sie sich dazu irgendwie ausgewählt fühlen und vermeintlich besser seien, als die vermeintlich verachtungswürdigen Menschen, also die Adressaten der bereitwilligen Verachtung.

            Ich Danke Ihnen für Ihre Wertschätzung…

          • kranich05 schreibt:

            Wer sich (erfreulicherweise) mit den Wurzeln beschäftigt, gerät leicht in die Gefahr, von allem (scheinbar) Unwichtigen absehend, als „tiefste Wurzeln“, „letzte Wesenheiten“ immer dünnere Abstrakta zu fixieren. Bei Ihnen: „Selbstüberschätzung“, „Menschenverachtung“. Das mögen Faserwürzelchen sein, um im Bild zu bleiben. Unbegriffen bleibt, ob diese Faserwürzelchen einer Sonnenblume, einer Haselnuss oder einer Eiche zugehören. Will sagen: Verallgemeinerung, die die historische Konkretheit (mit den „genauen Überschriften“: Machtverhältnisse, Ausbeutungsverhältnisse, diverse Ideologeme, nationale Tradition und Kultur und weitere) nicht in sich aufnimmt, taugt nicht dafür, dass die lebendigen Menschen ihre Interessen harmonisieren können.

          • Albert A. schreibt:

            Dazu war ich schon immer untauglich – „dass die lebendigen Menschen ihre Interessen harmonisieren können.“

            Was die „Machtverhältnisse, Ausbeutungsverhältnisse, diverse Ideologeme, nationale Tradition und Kultur“ betrifft: Da ich kein Nationalist bin, schaue ich genauso wie Sie bis nach Ukraine, bis in die USA oder bis in die islamischen Länder. Schließlich sind wir uns bei dem Bild: „Drei Faschisten“ einig, ohne unsere Interessen harmonisieren zu müssen…

            Also – die „Machtverhältnisse, Ausbeutungsverhältnisse, diverse Ideologeme, nationale Tradition und Kultur“ scheinen bei den drei lebendigen Menschen auf dem Bild teilweise zu übereinstimmen und teilweise verschieden zu sein. Und trotz den Unterschieden scheinen die drei lebenden Menschen auf dem Bild ihre Interessen vorzüglich harmonisieren zu können. Ohne meine oder Ihre Hilfe. Deswegen mache ich mir wegen meiner Untauglichkeit keine Vorwürfe – die Menschen schaffen es auch ohne mich zu harmonisieren oder zu streiten…

  2. Wolfgang schreibt:

    Der Text sitzt, Albert A. !

  3. Pingback: Durfte der böse Ken den heiligen Monty attackieren? Update am 22.3.2015 | opablog

  4. Pingback: Solidarisierungseifer | opablog

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