Klingeling – Epilog im Mollath-Drama

Mit dem Prolog schien alles klar. Frau Gabriele Wolff hatte es erschöpfend beschrieben: Rosenkrieg. Das war zwar zu 97% Nonsens aber, wer wollte es bestreiten, zu 3% wahr.

Im ersten Akt kegelte Mollath (oder passt das harmlose „kegeln“ nicht zum „Katz und Maus“-Spiel?) mit der Bankenmafia. Obwohl einfach und groß „MAFIA“ zu schreiben treffender wäre. Denn immer ging es um die ganze Verfilzung – der Bankster mit den Politiciens von da und dort und noch höher, mit den Justitians, mit den Polizeiern, mit irgend ’nem Waffenclan mit all den braven AnschafferInnen aus dem Mittelstand (die SeelendoktorInnen nicht vergessen). Egal die Einzelheiten, jedenfalls stürzte sich Mäuschen Mollath auf drei, vier fette Katzen. („Genug Sicherheitsspeck hab‘ ich zu Hause im Aktenschrank“, wird er gedacht haben. Doch wie gut die KatzenMatzenMasken mausen, das hat er unterschätzt.)

Die erste Runde ging nicht ans Mäuslein. Das fand sich, zweiter Akt des Dramas, in einer Falle wieder, ohne Speck aber mit drohend gespanntem Bügel. Unser Mäuslein blieb die Kämpfernatur, auch wenn der ganze Kampf jetzt ums Überleben ging. Nun kriegte es, vielleicht zum ersten und letzten mal in seinem Leben, ’ne Ahnung von dem Spruch: „Allein machen sie dich ein“. Aber wo war’n die Katzen? Alle grau in der Nacht im Straubinger Verließ? Ich versichere hoch und heilig, außer dem schmutziggrau von Creme-Kroeber dort keine Katz‘ gesehen zu haben (schweig mir vom Kätzlein Haderthauer). Selbst, wenn im verschwörungstheoretischsten Fall dort ’nen Milliardenkater hingeseicht hätte, keiner hätt’s bemerkt. Des Dramas zweiter Akt, schier endlos, ging erstaunlich unentschieden aus. Mäuslein Mollath, obwohl drei Jahr‘ in Eisen, war immer noch „beisamm'“, und die Großkatz‘? Das Spiel hatte seinen Ernst und sie die Lust verloren.

Doch die Müllhalden der Republik halten genügend räudige und auch prächtige Katzen und Kätzlein bereit, die nicht genug kriegen, Mäusleins festes Fell zu „kämmen“. Dritter Akt in Mäusleins Kampf. Der geht immer mehr in Richtung „große Zeit“. Mäuslein steht aufrecht und pfeift vernehmlich. Der hört’s. Die hört’s, du, ich, er, sie, es. Die paar Hörer werden mehr. Schon machen sie „Diskurs“, sogar auf WWW. Segel, segel, flitter, flatter, nun schickt auch noch der Liebe Gott ein altes Papierchen aus’m Safe; 17 Seiten. Sogar die Freie Pressewelt in Gestalt von zweieinhalb JournalistInnen (oder sind es tatsächlich fünf?) hat’s aus dem Tiefschlaf auf die Bühne gewuppt. Wunder über Wunder! Wär’n die Katzen Spatzen würden sie jetzt flattern im Schwarm. Aber die Berliner Katze plinkert nur mal verschlafen, mal in die Zeit, mal in den Spiegel, und die bayerischen, die fauchen und buckeln ganz schrecklich und dann… eine nach der anderen naschen sie von der Kreide, dass es den bösen Wolf erbarm‘. Runde drei, RatzKatz hat die Wiederaufnahme auf den Weg gebracht, geht ans eingesperrte Mäuslein. Hosianna!

Vierter Akt: Die große Bühne öffnet sich. Mäuse wuseln überall, suchen Krümchen zusammen, spenden. Bald werden sie demokratische Republik spielen. Sie fangen frech zu singen an, in aller Öffentlichkeit. Die berühmte, liebenswerte Nina ist dabei. Manche denken gar an die Carmagnole. Hohe Zeit für den Auftritt des Großen Ratte; vertraulich mit Piech und Maschmeyer, ein Geborener „von Ehrenamt“, bis an die Manschettenknöpfe hinan. Die beiden Internetjungfrauen sind entzückt. Lob und Preis dem Staranwalt, dem Begnadeten, dem Edelratz mit dem langen, dicken, nackten, prächtigen Schwanz. Schwager Ratz stürzt sich in den Kampf. Er richtet seine juristischen Kanonen, eine polierter als die andere, auf die zitternde bayerische Justiz. Bei 30 habe ich aufgehört zu zählen. Das Mäusevolk ist hingerissen. „Wenn’s drauf ankommt, stürmen wir den Europäischen Gerichtshof“, sagen die Mutigen. Der Schwager lächelt fein. Katzen, Ratten, Mäuse sowieso, alle wollen sie endlich den Beschluss des Wiederaufnahmeverfahrens und Mollaths Befreiung. Der glückhafte Tag im August anno 2013. Nach siebeneinhalb Jahren Mollath in Freiheit. Die Katzen kriegten keine Bilder. Doch auch die Triumphbilder „Ratz befreit Mollath“ oder „Duett der Internetdamen mit befreitem Mollath“ gibt es nicht. Einige Mäuse waren es, die dem Mollath bei seinen ersten taumeligen Schritten die Hand reichten. So erzählen es die Bilder. Mollath geborgen beim Freund. O schöne Zeit! O Abendstunde!

Fünfter Akt: Die Mäuse reiben sich die Äuglein: „Ziel erreicht. Wat nu?“. Der Eine will dies, die Andere das. Mollath will auch etwas. „Schwager Ratz, was meinst?“ Schwager Ratz von Ehrenamt blickt ernst: „Schreckliches geht vor mit Eurem Mollath-Geld“. Ratz kann nicht nur Platzpatrone, er kann auch Stinkbombe. Getöse tost. Die Einen treibt der Knall davon, die Anderen der Gestank. Der Rest strampelt in giftigem Nebel. Als der sich verzogen hat – sind die Tatsachen Tatsachen geblieben. Mollath-Geld blieb Mollath-Geld, Lobjungfrauen blieben Lobjungfrauen. Schwager Ratz von Ehrenamt blieb immer noch Schwager Ratz von Ehrenamt. Nur die Mäuserepublik ist verschwunden, war wohl eh nur ’nen Traum. Kompetente Auskunft zu allen interessierenden Fragen künftig beim Großen Schwager. Der fünfte Akt endet ähnlich trostlos, wie er begann, nämlich, indem der vereinigte Chor der Juristenkatzen und Juristenratten skandiert:

„GM, Du darfst jetzt leben.

Wir tun’s Dir schriftlich geben.

Doch halt nun endlich stille.

So lautet Gottes Wille.“

Einen sechsten Akt gibt es nicht, wohl aber einen Epilog. Das hängt damit zusammen, dass nicht wahr ist, was war, sondern, was verkündet wird. Längst hat sich die Journalistenmeute, Kommentatorenmeute, Expertenmeute, Herausgebermeute ins Rennen geworfen und produziert und festgeschrieben, was ab jetzt gewußt werden muss: Finanzmafia, Politikermafia, tiefer Staat – nie erwähnt, nie gehört, nie gesehen. Erlaubt ist, messerscharf und folgenlos, etwas Kritik an Justiz und Psychiatrie. Und immer noch nicht genug: Es reicht nicht, dass die Medien eine Wahrheit etablieren. Sie muss für immer in den Köpfen kleben. Dazu ist Kunst vonnöten. Edelratz und Kunsthure im Geschäft.

Ein Beobachter mit, wie es heisst, „bösartigem Charakter“ sieht es so:

1. Der Anwalt sonnt sich im Ruhme der ehrenamtlichen Arbeit für seinen Mandanten und geizt auch nicht damit, das in alle Welt zu posaunen.

2. Er sichert sich die Rechte an dem Film, was – wenn er es richtig gemacht hat – bedeutet, dass GM null Mitspracherecht hat.

3. Er verdient an den Filmrechten mehr, als er jemals für seine Anwaltstätigkeit bekommen hätte.

4. Er kann über Einflussnahme auf das Drehbuch den Film so gestalten, dass seine Rolle noch besser im Lichte der Großartigkeit beschienen sein wird, während die Rolle von Mollath und weiterer beteiligter Personen beliebig interpretierbar ist.

5. Die Rolle der Schwarzgeldverschieber lässt sich beliebig kleinschreiben bzw. ausblenden, wofür diese sich evtl. mit einem diskreten Extra-Honorar bedanken werden.

6. Schlimmstenfalls fühlt sich GM durch die Darstellung der Geschehnisse im Film schlimmer missbraucht, als mit den 7,5 Jahren Psychiatrie- und Justizunrecht.

Chapeau!

Schwager Ratz: „Trara, ich bin Ruhm! Klingeling, ich bin Kasse!“ Oscarnominierung folgt.

———————————————

Und Mäuslein Mollath?

„Hat nicht verstanden“. Das zu sagen ist nicht Schimpf, ist nicht Schande. Das hat selbst der große Kurt Tucholsky am Ende gesagt. Mollath, nach allem Leid, möge Ferraris schrauben und Motorenöl riechen. Ich wünsch‘ ihm, dass er nicht hadert, sondern friedlich träumt. Wie wir auch.

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9 Antworten zu Klingeling – Epilog im Mollath-Drama

  1. Wolfgang schreibt:

    Das ekelhafte an der Sache ist doch eigentlich, dass hier, wo wir nun eingemeindet sind, alles, aber doch auch alles erlaubt ist, wenn’s Geld bringt und der Mensch dabei einen Dreck wert ist.

    • eschff@t-online.de schreibt:

      Es stellt sich die Frage:Wurde der Osten in den Westen, oder der Westen in den Osten einverleibt? Zwei unterschiedliche System zusammen gehauen auf die Schnelle, dabei kann nichts Gescheites rauskommen! Weggelobte aus dem Westen bauten im Osten Mist und die beiden Regierenden Bürgermeister des Jahres 1990 hatten keinen Durchblick! Nach Erichs Rücktritt ließen die es zu, dass zwischen 0,50 bis 12,– Mark der DDR Grund & Boden verkauft wurde. Nach der Einheit hat der Staat für das zwanzigfache zurück erworben für Straßenbau! Es gibt bis heute März 2015 keine stimmige Bestandsaufnahme. Gartenlauben+ Datschen wurden zu Wohnhäusern umgebaut. Baugenehmigungen waren nicht erforderlich. Volkseigene Betriebe der Kommunalen Wohnungswirtschaft wurden geplündert; dafür wurden zusätzliche Schichten in jedem Amt für Liegenschaft eingerichtet. Besitz wurde mit Eigentum verwechselt und das ist heute noch so in den Amtsgerichten! Auf jeden Fall in Köpenick. Grunderwerbssteuer und Absicherung von Baukrediten Aufbau Ost blieben Fremdwort.
      Altlasten die mit der Einheit auflebten übernahm vorerst die Bundesregierung, es sei denn ein berechtigter Antrag war über das Vermögensgesetz fristgerecht eingegangen. Erst mussten die Archivarischen Lasten bereinigt werden, dann kamen die Berechtigen wieder in ihre Grundbücher. Aber dann fing die Hölle an! Nur Gewerbefirmen bekamen ohne Ende nicht zurückzahlbare Bauzuschüsse.Haften mussten dafür die Grundeigentümer! Niederträchtiger als zu DDR Zeiten wurden die Eigentümer entmachtet mittels falschen Versprechungen und sittenwidrigen dinglich beschränken persönlichen Dienstbarkeiten für die Investitionsbank Berlin. Das Miethaus Baujahr 1903/2000 Bauantrag 2051/1995 hatte im Jahr 2009 einen Ertragswert von 426.000,– EURO (m²/Wfl/ 3,91€). Widerrechtlich wurde es von Besitzern aus nichtigen Verträgen überschuldet in Höhe von weit über 5.500.000,– Euro in Worten fünf Million und fünfhunderttausend Euro Bankbürgschaft. Steuerbefreite Kredit-Einnahmen zum Zwecke der Umänderung von Privateigentum in Juristisches Eigentum für Immobilienhaie! Schneeballsystem der Überschuldung eines Staates nenne ich das!

  2. Wolfgang schreibt:

    Ja! Und wen juckts wirklich? Die „Geschichte“ der Treuhand ist doch eine einzige Kotze und trotzdem werden Merkel und Co gefeiert. Oder doch nicht?

  3. Elisabeth Schwabe schreibt:

    Lieber Wolfgang, das stimmt. Aber wen haben wir denn sonst zurzeit, der es besser machten könnte?

  4. Horst schreibt:

    Interessant, wie auf andere Themen umgelenkt werden kann.
    Die Fragen:
    1. Wer ist die öffentlich bekannte Person von S. 7?
    2. Warum musste die Justizministerin mehr oder weniger gezwungen werden, die Staatsanwaltschaft anzuweisen, einen Wiederaufnahmeantrag zu stellen?
    3. Wieviele Revisionsberichte gibt es noch zu dem Thema?
    und andere mehr geraten einfach immer wieder in den Hintergrund.
    Positiv ist, dass die psychiatrische Unterbringung unter die Lupe genommen wurde. Aber wird die Diskussion folgen haben? Es steht doch jetzt schon im Gesetz, dass nur bei Allgemeingefahr die weitere Unterbringung gerechtfertigt ist.
    Im Untersuchungsausschuss wurde jetzt davon gesprochen, die Untergebrachten würden „arbeiten“. Weiss jemand, ob die BKHs Geld in die Arbeitslosenversicherung einzahlen?

  5. Timothyus Grassi schreibt:

    Der wichtigste Punkt ist doch der, dass in hunderten von „Diskussionsveranstaltungen“ in den Massenmedien zum Thema die wichtigsten Personen grundsätzlich aussen vor blieben:

    Die Antagonisten der psychiatrischen Inquisition.

    Es wurden ausschliesslich Protagonisten eingeladen, sodass die Millionen unfreiwilligen Insider der Psychiatrieszene wieder einmal mehr zusehen mussten, wie die Scheinheiligsten der Zunft vermeintliche „Selbstkritik“ exzessivst übten. Wenn so ein „Psychiater“ die Abgründe seiner Zunft nebst seiner persönlichen Verantwortung tatsächlich realisieren würde, dann würde er niemals einer „Diskussionsveranstaltung“ beiwohnen bei der kein einziger „Patient“ frei zu seinen tatsächlichen Erfahrungen vor einem Millionenpublikum äussern kann.

    Wäre alles nur halb so schlimm, wenn es wenigstens ein umfassendes Hausverbot wäre, also einschliesslich der geschlossenen Abteilungen…

  6. michabalser schreibt:

    Unter welcher Brücke schläft wohl Mollath im Eigenheim aus Kartonagen ?

    Während sein Staranwalt die Tantiemen für das Mollath-Buch einstreicht.
    Das allerdings nicht unter den Bestsellern und bei Hubel Dubel schwerlich zu finden ist.

    Während nach einem für den Oskar verdächtigen Filmstar für die Rolle Mollaths
    gesucht wird.
    Der Mollath doublen muss, weil Mollath die Hauptrolle vorenthalten wird wegen
    unbekannten Aufenthalt unter unbekannter Brücke mit unbekannter Karton-Haus-Nummer.

    Für die Rolle des Schand-Psychiaters ist der Frankfurter Psychiater Dr. Thomas Holzmann
    ausersehen, der die hessischen Steuerfahnder + Anwaltnotar wegen querulatorischer
    Entwicklung zu so Geistesgestörte wie Mollath verzaubert hat, weil die den ExMinisterpräsidenten
    Koch und die Justiz angefeuert haben, statt lahmer Steuerhinterziehungsverfolgung und Rechtspflege ein paar Beschleunigungs-Gänge zuzulegen.

    Ob der Staranwalt Strate sich im Mollath-Film auch doublen lässt von einem aalglatten Filmstar
    oder sich lieber selbst darstellt als Anwalt, dem keiner das Wasser reichen kann, während Mollath Pfand-Wasserflaschen sammeln muss.

  7. Lutz Lippke schreibt:

    Zum aktuellen Meineidsprozess mein Kommentar im beckblog
    Lutz Lippke kommentiert am Fr, 2017-03-24 23:41 PERMANENTER LINK

    Ich denke, dass in dem Prozess eigentlich nur Chancen für den Rechtsstaat liegen. Wenn kein echter Beweis für eine Lüge des Zeugen B. vorliegt, dann kommt es auf die Glaubwürdigkeit des Handelns und die Glaubhaftigkeit der Aussagen der geladenen Zeugen und eine korrekte Würdigung der Tatsachen durch das aktuelle Gericht an. Zur Glaubwürdigkeit der Zeugen gibt es viele Fragen. So z.B. die Überlieferung der Aussage eines OStA vor dem Untersuchungsausschuss, dass je nach Auftrag und Zielstellung ein Antrag von der „objektivsten Behörde der Welt“ so oder gegenteilig begründet werden kann. Die Expertise des OStA und seines Chefs zur „Untersuchung“ der Echtheit des plötzlich und unerklärbar spät aufgetauchten Attests wäre ebenso zu klären. Weiterhin wurden erhebliche Widersprüche in den Aussagen der Belastungszeugen im WAV eliminiert, u.a. auch mit einer offensichtlich verfälschenden Beweiswürdigung zu angeblichen Inhalten der Backup-CD. Waren die einzelnen Richter etwa zu einer ordnungsgemäßen Würdigung der tatsächlich festgestellten Beweismittel nicht in der Lage oder waren sie nicht willens? Wer beeinflusste oder überstimmte konkret wen? Die Fragen müssen von den Zeugen wahrheitsgemäß beantwortet werden. Mit „ich kann mich nicht erinnern“ wird weder der Angeklagte überführt, noch die Zeugen in ihrer Profession entlastet. Nachweislich waren StA und Gericht sowieso insgesamt nicht in der Lage, die für erforderlich gehaltenen Beweise zum Praxissystem korrekt zu erheben. Die fehlende Kompetenz war offensichtlich und musste den Zeugen auch ohne Fachkenntnisse bewusst sein. Die Vorstellung, dass die Datenbank des Praxissystems auf irgendwelchen vagabundierenden Worddateien basiert, obwohl die Inhalte nicht mit den Einträgen in der Systemmaske übereinstimmten, musste jeder halbwegs verständige und willige Geist also auch ohne Technikkenntnisse merken. Denn es liegt darin ein unlösbarer logischer Widerspruch. Damit war auch klar, dass die Einträge der Systemmaske des Praxissystems nicht aus Worddateien kommen konnten, sondern tatsächlich woanders abgespeichert waren. Diese Tatsache hätte auch jeder Datenbank-Techniker bestätigt und Hinweise zur Auswertung dieser speziellen Dateien in Bezug auf die gerichtlichen Fragestellungen geben können. Warum wurde dazu richterlich gewertet, obwohl offensichtlich die eigene Kompetenzfehlte und diese aber bereits durch telefonische Nachfragen z.B. beim Hersteller zu klären gewesen wären. Ebenfalls offensichtlich war, dass die Verwaltung und Nutzung des Praxissystems durch die Belastungszeugen nicht dem Stand der Technik und den Herstellervorgaben entsprach. Offensichtlich waren dadurch erhebliche Dokumentationsmängel und Manipulationsmöglichkeiten gegeben, die der Hersteller bei ordnungsgemäßer Nutzung des Produkts gerade ausschloß. Einige Artefakte wurden von der Polizei sogar dokumentiert, aber der Zusammenhang mit Nutzungsmängeln oder Manipulationen durch die Belastungszeugen von der damaligen Kammer vollständig übergangen. Hierzu wurde von StA und Gericht alles falsch gemacht, was falsch gemacht werden konnte. Insgesamt stellt sich also auch die Frage an den OStA, warum angesichts der Mängel im Verfahren und im Urteil von der StA nicht Revision eingelegt wurde. Nicht zuletzt muss sich das Gericht an seiner Dokumentation der Zeugenaussage von B. im Urteil und die aktuelle Erinnerung messen lassen. Die Ausführungen im Urteil sind viel zu dürftig für ein 3 Stunden Fragespiel, so dass die Zeugen schon ihre selektive Auswahl im Urteil begründen müssen. Auf die Protokollierung in der Strate-Doku als Erinnerungsstütze durften sich die Zeugen wohl nicht verlassen, so dass nun jede Differenz, aber auch Übereinstimmung, für die Frage einer glaubhaften eigenen Erinnerung an die tatsächlich erfolgte Zeugenaussage relevant ist. Wenn auch im jetzigen Verfahren von irgend jemand die Aussagen der Zeugen möglichst wortwörtlich protokolliert werden, dann können diese für alle Ewigkeit aussagepsychologisch von Fachleuten und der Allgemeinheit überprüft werden. Das wird auch belastbare Ergebnisse dazu bringen, was die Zeugen und das nun zuständige Gericht mit den üblichen richterlichen Überzeugungsbildungsmethoden sich zu Glaubwürdigkeit und Glaubhaftigkeit so zusammenreimen. Reflektierte Methodenfragen, halt das was den Unterschied zu Willkür und Beliebigkeit ausmacht.
    https://community.beck.de/2017/03/16/anklage-wegen-meineids-fortsetzung-des-falls-mollath?page=1#comment-75327

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