Was oder wer bremst die Friedensbewegung?

1. Die Friedensbewegung, gemeint ist die traditionelle, bremst sich selbst. Sie glaubt nicht an sich.

Sie ist für den Frieden und leidet am Krieg. Sie ist tätig für den Frieden aber sie glaubt nicht an eine Welt ohne Krieg. Sie reagiert auf die Kriege mit Mahnungen, Erklärungen, auch mit Reflexionen/Analysen, mit Ritualen und Protesten (die eher Rituale sind). So begleitet sie (mit viel Abneigung) den Krieg. Sie ist überzeugt, das Menschenmögliche zu leisten. Sie ist höllisch aufmerksam, dass der Friedenskampf (falls das Wort erlaubt ist) von den „Richtigen“ „richtig“ geführt wird.

Diese Friedensbewegung weiss schon alles. Da sie nicht siegen will, weiss sie, dass sie niemals siegen wird. Aber sie gibt nicht auf.

2. Die Friedensbewegung erörtert zwar Kriegsursachen, vermeidet aber den Aggressor im Gegensatz zum Angegriffenen zu definieren. Sie beschreibt Verhältnisse, die Krieg produzieren, führt diese aber nicht auf materielle Interessen und entsprechend aktive Interessenten zurück. Sie ist keinesfalls parteilich, sondern liebt es, alle Kriegsseiten gleichmäßig zum Frieden zu mahnen. Sie hasst die „Reduktion“ der komplexen Verhältnisse der Menschen auf sozialökonomische Grundwidersprüche. Die Friedensbewegung begreift also nicht den atlantischen Imperialismus (vermutlich korrekter: „atlantisch-zionistischen Imperialismus“) als die entscheidende Kriegskraft unserer Zeit.

2a. Den folgenden Text füge ich aus gegebenem Anlass Stunden nach der Veröffentlichung des vorliegenden Postings zusätzlich ein: Friedensbewegung und Faschismus. Natürlich ist mir der nachdrücklich verkündete Antifaschismus der traditionellen Friedensbewegung bekannt. Friedensfreunden, die nicht genehm sind (z. B. Montagsmahnwachen), wird häufig rechte Gesinnung unterstellt. Mir ist aber im Moment nicht klar, ich habe es nicht speziell analysiert, wie sich die Vertreter der traditionellen Friedensbewegung zur staatstragenden Rolle der Faschisten und extremistischen Nationalisten heute in der Ukraine stellen sowie zu der systematischen Kooperation der BRD-Regierung mit diesen Kräften. Eine Feststellung zu dieser Frage muss hier noch erfolgen.

3. Irgendwann irgendwie gibt es vielleicht tiefe inhaltliche Diskussionen in der Friedensbewegung über Krieg und Frieden. Es gibt jedoch keine Kommunikations- und Organisationsstrukturen, die es allen, die einen Bezug zu den Fragen von Krieg und Frieden haben, (nämlich ALLE!) erlauben würde, an einem effektiven Diskussions- und Entscheidungsprozess teilzunehmen. Moderne Kommunikationsmöglichkeiten des Internets werden mißachtet oder schematisch verwendet, also verschenkt.

4. Die Krise der Friedensbewegung ist verbunden mit und z. T. verursacht durch die Krise der Linken. Diese wiederum ist Ausdruck der Krise des Denkens der sozialen Revolution.

5. Die (traditionelle) Friedensbewegung (und ebenfalls die Traditionslinke) hat im Jahr 2014 Impulse durch die Montagsmahnwachen, sowie andere spontane Bewegungen (bzw. Bewegungen mit deutlich spontanen Elementen) bekommen. Diese wurden zwar massiv abgewehrt, haben aber doch mit dem „Friedenswinter“ zur Keimform einer Neubelebung geführt. Ob es zu einer solchen Neubelebung kommt, hängt meiner Ansicht nach stark davon ab, ob ein offener, fruchtbarer Diskussionsprozess zustande kommt. Ich hoffe, dass die Aktionskonferenz des Friedenswinters am 14.3.2015 eine Gelegenheit dafür bietet.

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3 Antworten zu Was oder wer bremst die Friedensbewegung?

  1. Hunsrücker schreibt:

    Hallo Opa,
    Du hast ja recht, aber, versteh doch bitte die Situation der alten Friedensbewegung.
    Ich erinnere mich noch an die gute alte Zeit, als man im Hunsrück die Leute im 6 stelligen Bereich mobilisieren konnte. Damals ging es um den sogenannten Nato-Doppelbeschluß.
    Bei mir um die Ecke sollten Pershings stationiert werden, die sind gottseidank weg.
    Damals waren die Organisatoren jung, motiviert, sorgenfrei, nix Familie, Karriere und so weiter.
    Was ist aus diesen Menschen geworden?
    Der Alltag kehrte ein, man mußte ja leben, manche haben Tagungshäuser aufgebaut, manche irgendwelche abgefahrenen Öko-Projekte, Alternative eben. Man hat sich im Laufe der Zeit eingerichtet, viele ham richtig Karriere gemacht, kurz gesagt, das System hat sie gefressen.
    Diese Leute ham viel zu verlieren, die alte Friedensbewegung ist tot.
    Da nützt es auch nichts, wenn die a.F. mit so Sprachrohren wie „Lebenshaus schwäbische Alb“ oder ähnlichem im Internet per Copy and Paste die dollsten Texte veröffentlichen, die Leute der a.F. halten sich schadlos, die ham Angst, ihren mühsam aufgebauten existenziellen Status zu verlieren, deshalb eiern die so rum.
    Hier mal ein Link, schon etwas älter, aber voll gut:
    http://einarschlereth.blogspot.se/2014/03/ukraine-deeskalation-statt-marsch-in.html#more

    Ja, so ist das, vergessen wir einfach, daß es die a.F. noch gibt.
    Die dort handelnden Personen machen nur noch ein bisschen Wind wegen dem Image, da ist nix hinter.
    Wie ich schon sagte, die Leute der a.F. heben ihren Arsch nicht mehr für Frieden, die kümmern sich eher darum, sich selbst zu beweihräuchern, die wissen genau wo sie landen, wenn sie noch mal Gas geben.
    Deshalb ziehe ich meinen Hut vor „Mütter gegen den Krieg“, sind keine Kerle, sondst würde ich sagen, die ham noch Eier.
    Die Montagsdemos sind auch akzeptabel, und wenn die a.F. nicht so gegen die neue Friedensbewegung rumkacken würde, statt sie aktiv zu fördern, wenn nicht Teile der Linken (Israellobby, Bac Shalom, Transatlantiker) so übelst rumhetzen würden, dann gäb es auch wieder eine Massenbewegung.
    Ist aber nicht, deshalb nehme ich auch keinerlei Rücksicht mehr auf diese parasitären Gestalten der a.F.
    Die kotzen mich an, das kannste mir glauben.

    • kranich05 schreibt:

      Danke für den Link!

    • Joachim Bode schreibt:

      So einfach ist das nicht.
      Die sogen. „a.F.“ bestand zu ihren aktiven Zeiten aus zumeist jungen Leuten, die heute in den Renten- bzw. Pensionierungsbereich einrücken. Da tun manchen die Knochen schon weh, wenn sie an die früher üblichen Sternmärsche u.ä. nur denken…
      Der Streß in Schule und Universität hat inzwischen enorm zugenommen. Wieviel Zeit habe ich damals in der Uni-Bibliothek beim Zeitunglesen verbracht – heute undenkbar!
      Die Generation der „a.F.“ war damals viel persönlicher betroffen durch die verkrusteten Gesellschaftsverhältnisse, die noch mehr oder weniger direkt von ewig gestrigen Alt-Nazis geprägt waren. Heute führen u.a. zahlreiche Reise- und Konsummöglichkeiten dazu, sich der von Kanzlerin Merkel gepredigten „Uns geht es gut“-Illusion unter zu ordnen.
      Die Spielräume sind in mancherlei Hinsicht enger geworden.

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