Einfache Verhältnisse

Wir haben alle gelernt, dass das Leben („die Gesellschaft“, „die Politik“, „der Mensch“, was auch immer) komplex ist. Die Wissenschaft, die selbst natürlich auch komplex ist, hat inzwischen „überkomplex“ und „unterkomplex“ definiert, und es sind weitere Neuigkeiten bei der Erforschung der Komplexität des Komplexen zu erwarten.

Besonders der Marxismus-Leninismus, der ja nur mit ein bissel Dialektik und Materialismus hantierte (vielleicht noch mit wenigen Versatzstücken Religion), wurde von der neuen Wissenschaftlichkeit an die Wand gedrückt.

Einfache Leute hierzulande übersetzten sich den Spruch: „Das ist alles ist viel komplexer; ist hochkomplex“ oft mit: „Ich versteh‘ rein gar nichts mehr.“ Gleichgültig, ob sie das gern taten oder mit einem miesen Gefühl, neuerdings vereinfachen sich die Verhältnisse wieder. Seit die Ukrainekrise rollt und aus heiterem Himmel fünfeinhalb tausend Nachbarn (oder mehr) unter die Erde gebracht wurden, zerflattern auch in den Nebeltälern unserer gesegneten Heimat die Komplexitätsschleier und Altbekanntes kommt zum Vorschein: Es geht um Leben oder Tod.

Der Sonntag liefert aber noch mehr als nur die Unerbittlichkeit dieser Alternative (die wir eigentlich seit Jugoslawien, Afghanistan, Pakistan, Irak, Libyen, Mali, Syrien längst gelernt haben sollten). Er sagt auch, was die Unerbittlichkeit dieser Alternative hervorruft. Es ist das Profitstreben des GGG, des Ganz Großen Geldes (genau genommen: „der am meisten reaktionären, chauvinistischen und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“), das so eine Art Weltzentrum in Wall Street, New York, hat. Und noch ein Drittes sagt der Tag: „Es muß nicht immer Krieg sein, damit es um Leben oder Tod geht. Schaut nach Griechenland, schaut zum Mittelmeer! inzwischen geht es auch in Friedenszeiten genau darum“.

Oje, wenn die Verhältnisse so klar werden, wie teuer wird es dann, sich immer weiter Verdrängung zu leisten?

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3 Antworten zu Einfache Verhältnisse

  1. Breitenbach schreibt:

    Was die »am mei­sten re­ak­tio­nä­ren, chau­vi­ni­sti­schen und im­pe­ria­li­sti­schen Ele­men­te des Fi­nanz[?­]ka­pi­tals« an­geht:

    So wie jener Zitierte (i. e. Geor­gi Di­mi­troff) dem selbst­er­nann­ten kri­ti­schen Kri­ti­ker (sie­he: »Was ei­ne Kri­tik der Kri­tik be­ach­ten muss«) im Um­feld der ›AG Frie­dens­for­schung‹ zu­fol­ge der For­mel­haf­tig­keit sei­nes viel­leicht des­halb län­ge­re Zeit im öf­fent­li­chen Ge­dächt­nis haf­ten­ge­blie­be­nen Dik­tums nur schein­bar zum Trotz, dem Ver­neh­men nach »auch im Schluss­wort des [letz­ten KI-]Kon­gres­ses nicht auf die Fra­ge ein­[ging], wie der Fa­schis­mus zu de­fi­nie­ren sei«, so drückt sich die­ser gleich­falls um sei­ne in qua­si-»über­zeit­li­cher« Per­spek­ti­ve auf­ge­stell­te Fra­ge­stel­lung, was Fa­schis­mus ist, he­rum, die nicht zu­letzt im Hin­blick auf die qua Glot­ze und Lü­gen­pres­se nicht nur mög­lich, son­dern längst üb­lich ge­wor­de­ne mas­sen­psy­cho­lo­gische Fern­steue­rung des In­di­vi­du­ums durch sog. Spin doc­tors ge­gen­über sei­nem erst­ma­li­gen welt­hi­sto­ri­schen Auf­tritt da­mals un­ge­ahn­te Di­men­sio­nen ge­won­nen hat.

  2. Wolfgang schreibt:

    bissel tüchtig verschwurbelt, breitenbach

  3. Pingback: Was oder wer bremst die Friedensbewegung? | opablog

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