„junge Welt“ – Ken Jebsen. Es geht um sehr viel.

„Ich sah im Fernsehen illustrierte Ausschnitte aus dem Tagebuch des Tyrannen FRANK, der während der HITLER-Zeit Polen beherrschte…. Andererseits zeigte mir diese Dokumentation, was es einem 1945 so leicht machte, dem Sozialdemokratismus aufzusagen und Kommunist zu werden.“ 

(Erwin Srittmatter, Tagebuch am 31. Juli 1974)

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Ich will lieber unter- als übertreiben, deshalb schreibe ich nicht, dass es um Leben oder Tod gehe. Es geht um dreierlei:

1. Die Kriegspartei des Westens, verkörpert vom amerikanischen Imperialismus aber mit ihm im Gleichschritt der deutsche Imperialismus, arbeiten systematisch auf einen großen Krieg hin, der Russland zerstören soll. Dieser Krieg kann nur ein faschistischer sein.

2. Die Völker Europas und Amerikas, die weitgehend paralysiert wurden, um ALLES zu bezahlen, zunächst mit ihrem Geld, dann mit ihrem Blut, beginnen sich spontan zum Widerstand zu regen.

3. die besten Kritik-, Widerstands-, Friedens- und Befreiungskräfte der Völker, traditionell im weiten Sinne als „Linke“ und „Progressive“ und „radikale Demokraten“ bezeichnet, sind weitgehend machtlos, weil derzeitig völlig isoliert, desorientiert und desorganisiert.

Dass sich alle Kriegsfeinde und Friedensfreunde, alle Linken und Progressiven ihrer Lage bewusst werden und daraufhin den gemeinsam Kampf organisieren, ist heute DIE Aufgabe höchster Dringlichkeit. Das ist der Rahmen, in dem ich den Konflikt „junge Welt“ – Ken Jebsen ernst nehme. Zu den Fakten des Konflikts  hierhier, hier und hier.

Ken Jebsen ist ein unabhängiger Journalist, der sich mit außerordentlicher Energie, hoher Intelligenz und Sachkenntnis für die Befreiung aller Menschen, für radikale Demokratie mit antikapitalistischer Stoßrichtung und seit mehr als einem Jahr mit besonderem Nachdruck für Frieden und gegen Krieg einsetzt. Er agiert hochprofessionell, streitbar, mit einem kleinen Team, vor allem internetbasiert mit inzwischen großer Resonanz. (Seine Facebook-Seite gefällt derzeit mehr als 188.000 Besuchern.) Alle seine Äußerungen verantwortet er als Person, nicht als Sprachrohr irgendeiner Organisation oder Bewegung. Das gibt allen seinen Äußerungen – so empfinde ich es – eine besondere Authentizität und unmittelbare Glaubwürdigkeit, führt aber gelegentlich auch zu Fehlern oder Verzeichnungen, die oft aber nicht immer unkorrigiert bleiben.

Im Laufe des Jahres 2014 hat sich Ken Jebsen als hervorragender Aktivist und Propagandist der Montagsmahnwachen für den Frieden erwiesen, und er hat offenkundig (Ich bin kein Insider.) einen großen Anteil daran, dass diese spontanen und z. T. auch diffusen Friedenstreffen Klarheit und Orientierung gewannen. Gemeinsam mit Teilen der traditionellen Friedensbewegung und einzelnen Prominenten der Linkspartei konnten so mit den Demonstrationen des „Friedenswinters 2014/2015“ am 13. 12. 2014 die größten und zielklarsten Friedensdemonstrationen im Deutschland 2014 durchgeführt werden.

Die Friedensmahnwachen, einschließlich der Friedenswinter wurden von allen bürgerlichen Medien, soweit nicht totgeschwiegen, auf das Heftigste und Unsachlich-Übelste angegriffen, auch indem traditionslinke „Ikonen“ in Stellung gebracht wurden. Die „junge Welt“ hat die Mahnwachen/Friedenswinter mühsam toleriert, oft mit einer Tendenz der Ablehnung. Sie hat nie eine klare und differenzierte Parteinahme für den Friedenswinter 20214/2015 erarbeitet und öffentlich vertreten und auch nie – ersatzweise – ihre kostbaren Seiten einer notwendigen Diskussion geöffnet. Damit hat die „junge Welt“ als zwar kleines aber doch einflussreiches Blatt der Linken eine bedeutende politische Aufgabe verfehlt. (Andere Irritationen durch jW muss ich jetzt nicht diskutieren, es reicht vorerst, sie abzuspeichern. Etwa, wenn jW von den „Antifaschisten“ berichtet, die gegen den Endgame-Auftritt in Erfurt (24.1.) protestieren, während auf Videos zu sehen ist, dass diese „Antifaschisten“ ihre USA- und Israel-Fahnen schwenken.)

Die hier skizzierten Zusammenhänge sollten bekannt sein, um den Übergriff der „jW“-Verantwortlichen gegen Ken Jebsen in Form des Hausverbots zur Rosa Luxemburg-Konferenz im Januar 2015 richtig zu werten.

Mir springt ins Auge, dass das Verbot nicht politisch begründet wird. Man mißbilligt „die Art und Weise, mit der Sie Veranstaltungen der Tageszeitung junge Welt nutzen, um Referenten, Autoren und andere Gäste des Verlages für Ihre Zwecke zu kontaktieren„. Mir verschlägt es die Sprache. Vermutlich ist der Journalist in die Gesindestube der jW eingedrungen und hat einige der dort befindlichen Leibeigenen zum Selbstgebrannten verführt. Denn er ist ja „rechter Kleinunternehmer“, wie Koschmieder rüffelt.

Man denkt: „Kindergarten“. Ist es aber nicht. Ich bin irritiert, und ich will darüber mit meinem Genossenschaftsvorstand sprechen. So steht es in meiner Mail und dem gleichlautenden Postbrief an die jW-Genossenschaft: „Darüber hinaus frage ich mich und Euch: Habe ich als Genossenschaftsmitglied eigentlich Rechte/Methoden/Instrumente/Regeln, um solche Diskussion aus aktuellem Anlass anzustoßen und an ihr teilzunehmen, meinetwegen auch in einem internen Rahmen? Klärt mich bitte diesbezüglich mal auf.“ Offensichtlich denkt mein Vorstand: „Mitreden? Was soll denn das nun wieder? Genossen sollen stolz darauf sein, gezahlt zu haben.“ Jedenfalls bekomme ich auch vom Vorstand keine Antwort. Mir fällt mein länger zurückliegender, kurzer Wortwechsel mit Chefredakteur Schölzel ein, der auch antwortfrei blieb. (Nein, den breite ich jetzt und hier nicht aus.)

Habe ich endlich begriffen, dass die jW nicht mit X-beliebigen spricht? jW – so vermutlich das Selbstbild – ist eine kleine kampferprobte Phalanx (Genossen, „die stark einander halten und heben“). WIR haben es drauf. Und wir sind erstaunlich offen – für Leute, die wir uns ausgesucht haben. Deswegen ja auch unser streckenweise so respektables Blatt. Die See geht schwer. Schotten dicht! So kommt die Nußschale bis zum Nordpol und zurück. Kommt Ihr nicht, liebe Nußschalenkapitäne.

Habt Ihr mit den Schotten auch noch gleich den Ausguck zugemacht und alle Bullaugen zugeschraubt? Und Euch alle unten in der Messe versammelt, um den dicken Kompass ‚rum? Wie 89 die Ritter der Tafelrunde? „WIR doch nicht!“ Ihr doch nicht?

Mrs Tapir sage ich, dass da einfach Neid im Spiel ist: „Der Jebsen macht da (scheinbar) spielend seine Videos, und 30-, 50-, 80-tausend Leute gucken zu. Und die anderen klägen täglich sauer genug und kriegen gerade mal 15-, 18-tausend Exemplare los.“ „Das kann doch nicht sein.“, entgegnet Mrs. Tapir. „Doch“, sage ich, „Jebsen versteht Einiges und ahnt noch mehr vom Internet, der jW aber ist das nach wie vor (Relaunch hin und her) verschlossenes Land“.

Das Internet ist nämlich dialogisch, und die „junge Welt“ ist kein bisschen dialogisch.

Ist vielleicht die Dialogfähigkeit oder Dialogunfähigkeit heute überhaupt das Schlüsselproblem der Linken und Friedensbewegten?

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5 Antworten zu „junge Welt“ – Ken Jebsen. Es geht um sehr viel.

  1. fritzletsch schreibt:

    Hat dies auf Theater macht Politik rebloggt und kommentierte:
    War da mehr als „das Sprachrohr der Linken Partei“ zu sein? Für die Zukunft zu wenig. Die liegt in Bewegungen, nicht in Parteifestungen.

  2. Blub schreibt:

    Quark! Es gibt kein links oder rechts! Aber mit diesem Dogma lassen sich Idioten in Gruppen pressen! Anscheinend auch Ken!
    Mal Klartext, der Mensch wird nackt geboren und ist allem offen was nicht seine eigene Existenz bedroht, der Gruppenzwang entsteht erst später und Leute, die es aus dieser Phase nicht heraus schaffen eine eigene Meinung zu bilden, tun mir echt leid!
    Sollte es eine rein linke Friedensbewegung sein, wird diese scheitern! Eine wirklich effektive Friedensbewegung kann nur aus der Mitte des Volkes heraus entstehen!
    Zu 2 gehe ich mit, allerdings müsste es heißen langsam anstatt spontan …
    2. Die Völker Europas und Amerikas, die weitgehend paralysiert wurden, um ALLES zu bezahlen, zunächst mit ihrem Geld, dann mit ihrem Blut, beginnen sich spontan zum Widerstand zu regen.
    Und sollte die Linke sich anschicken die Friedensbewegung zu annektieren, hat die Masse keine Lust mehr und schon hat die Elite gewonnen!
    Ja, die Linke ist so kreativ wie Gysi der einfach auf einfache Fragen aufs Klo läuft …
    Schade Ken

  3. Thaelmann Fan schreibt:

    Schon verwunderlich, dass die Staatslinken für Hartz Armut und Natokriege sind. DGB, SPD, Grüne, „Die Linke“, teils auch DKP werden heute von Willy Wimmer (CDU) links rasant überholt.
    Die schaffen und wollen nicht, den Kontakt mit der Bevölkerung und starren wie gelähmt auf die Gefahr eines WK3, eines Polizeeuropas und noch mehr Massenverelendung. und noch mehr . Zu Helmut Kohl Zeit gab es keine Kriegseinsätze oder große Sozialkürzungen. Trotz seiner Propagandasprüche um einen auf Rechts zu machen und pseudolinke Kritiker zu provozieren und denen ein Wohlgefühl zu geben.
    Im Gegensatz zu Helmut Kohl (ok: er hatte genug Fehler) sind die Staatslinken ganz labile Zivilversager und haben nicht mal politisch irgendwelche Fähigkeiten. Die sind selber latente H4 Empfänger. Die können noch nicht mal selbständig korrupte Netzwerke wie Kohl oder Strauss knüpfen und gründen, sondern nur nachplappern. Selbst von guter Rhetorik null Spur.
    Diese staatslinken Halbstarken sind zudem grössere Antikommunisten als die NPD.
    Wenn ich als kranker, labiler H4 Empfänger einen super Posten bei DGB, Linken, Grünen … kriegen würde ! Dann würde ich höchst wahrscheinlich auch die Nato Fahne schwenken, Kommunisten aus den Gewerkschaften schmeißen und Demos gegen Sozialabbau verbieten.
    Einen erfolgreichen Mensch mit starken Charakter wird man wohl kaum in der Politik – erst recht nicht bei den Staatslinken – finden.

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