Das Volk ist beunruhigt… und schweigt

Lange verhielt sich das Volk ruhig, teils, weil es depressiv ist, teils, weil es bestochen ist.

Im Jahr 2014 begann sich das zu ändern. Das Volk fing an, sich zu beunruhigen. Hauptgrund ist wohl der Krieg in der Ukraine und das überdeutliche Bestreben der Herrschenden, das Volk erneut für einen Krieg gegen Russland scharf zu machen. Ich hoffe, dass auch die (dosierte) Reintegration des Faschismus in die deutsche Herrschaftspraxis 2014 eine Anzahl Deutscher beunruhigt hat.

Ausdruck der Beunruhigung waren die ab März 2014 auftauchenden Montagsmahnwachen für den Frieden. Es ist bedeutsam, dass eine solche Form entstanden ist, spontan bzw. von einem sehr kleinen Kreis initiiert, während doch zugleich alle traditionellen Formen des Protestes existierten – und so gut wie völlig aktions- und wirkungslos waren.

Dass die Montagsmahnwachen für den Frieden ein originärer Ausdruck eines Volksstrebens sind, ist zweifelsfrei daran ablesbar, dass die Herrschaftsmedien/Verblödungsindustrie sofort und konsequent mit einer Doppelstrategie antworteten: Totschweigen und punktuell aber massiv Denunzieren! Die Mahnwachen für den Frieden breiteten sich trotzdem aus, existieren bis heute und entwickelten sich weiter. Dabei kam es zu der Bewegung „Friedenswinter 2014/2015“. Sie sind (und bleiben vorerst) ein Zeichen der Beunruhigung und Wachheit der besten Kräfte des Volkes. Eine Volksbewegung sind sie noch nicht.

Die erfahrenen Herrscher Deutschlands, mit ihren derzeitigen operativen Beauftragten Heuchelmerkel und Heuchelmeier an der Spitze, reagierten intensiv auf die Gefahr einer Volksbewegung für Frieden (der auch darüber hinausgehende systemkritische Töne nicht fehlen). Zunächst wurden sowohl sog. radikale Linke (Beispiel Ditfurth), als auch sog Linke (Gysi und Co) in Stellung gebracht, jedoch mit ungenügendem Erfolg. Im Gegenteil: Es kam zu einigen kräftigen Diskussionsimpulsen gegen die zunehmend reaktionäre Rolle von Teilen der Traditionslinken.

Als sich in der zweiten Jahreshälfte die Weiterentwicklung der Mahnwachenbewegung hin zur Zusammenarbeit mit Teilen der traditionellen Friedensbewegung und Linken abzeichnete, startete das Herrschaftssystem ein komplexes Programm der Ruhigstellung durch Verblendung. Es läuft heute auf vollen Touren. Mir scheint, sein Wesen besteht in der Einrichtung eines gigantischen Spiegelkabinetts bzw. eines Irrgartens aus Spiegeln, Andere sagen „Matrix“. Konkret geht es um die Installierung von Protestformen „des einfachen Volkes“, die ständig zwischen offenkundiger Irrationalität und Elementen von Rationalität pendeln. Namen sind „HoGeSa“ (in gewisser Hinsicht die Generalprobe), PEGIDA, viele *GIDAs, Anti-PEGIDAS (mit sowohl tobenden Antifas als auch olivgrünen Bonzen an der Spitze), PEGADA oder EnDGAmE, seit jüngstem diejenigen, die NICHTS wollen. Alle diese „Bewegungen“ werden zugleich gepusht und demontiert. Das Ergebnis soll ein Zustand völliger Verwirrung des verzweifelt suchenden Bürgers sein. Eine „politische Kultur“ ist das Ziel, in der „unten“ nur noch gestammelt wird, während „oben“ einige Politikerinnen ALLER Deutschen mit exorbitanten Zustimmungswerten souverän die Fäden ziehen.

Dass die Herrschaftsmedien ihre PEGIDA-Themen setzen, ist nicht zu verhindern. Dass sie es damit schaffen, alle lebenswichtigen Themen zu verdrängen, ist nicht ausgemacht. Die demokratische Gegenöffentlichkeit, vor allem gestützt auf das Internet, wird laut und lauter. Mir scheint es ein wichtiges Ergebnis zu sein, dass aller Propagandaaufwand bisher nur wenige zehntausend Menschen mobilisiert hat. Das Volk in seiner Masse registriert Vieles. Seine Beunruhigung ist nicht verschwunden.  Warum müssen Tausende in der Ostukraine sterben? Werden tausende Polen sterben müssen und dann tausende Deutsche? Noch schweigt das Volk.

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7 Antworten zu Das Volk ist beunruhigt… und schweigt

  1. Helge schreibt:

    „Alle diese “Bewegungen” werden zugleich gepusht und demontiert. Das Ergebnis soll ein Zustand völliger Verwirrung des verzweifelt suchenden Bürgers sein. Eine “politische Kultur” ist das Ziel, in der “unten” nur noch gestammelt wird, während “oben” einige Politikerinnen ALLER Deutschen mit exorbitanten Zustimmungswerten souverän die Fäden ziehen.“

    Super – Analyse!

    Allerdings erhebt sich die Frage: WEM dient die Ditfurth wirklich? Verbal trampelt sie alles nieder außer Gegendemos. Sie bewirtschaftet einen Kindergarten. Die wirklich gefährlichen Themen interessieren sie gar nicht. Überwachung,TTIP,TISA,Krieg, was soll’s! Von links betrachtet sind das doch Kinkerlitzchen!

    Also: Wem dient sie?

  2. Protest, ich will ein anderes Symbol! schreibt:

    Nicht uns!

  3. Lutz Lippke schreibt:

    „Lange verhielt sich das Volk ruhig, teils, weil es depressiv ist, teils, weil es bestochen ist.“
    Das ist sicher wahr und kann jeder in unterschiedlicher Ausprägung an sich selbst wahrnehmen.
    Was meiner Meinung nach dazu kommt, ist das Fehlen von Methoden sich der Manipulation zu erwehren und sich in dem informatorischen Chaos zurechtzufinden.
    Also selbst wenn eine Wut und auch ein gewisser Mut zur Artikulation vorhanden ist, führt die Verwirrung zum Zögern und zur berechtigten Sorge bei den Falschen mitzulaufen. Was ist Ursache, was ist Wirkung? Wer meint es ehrlich und wer will mich hinter die Fichte führen? Wir haben alle gelernt zu helfen, dass die Wirtschaft und der Handel brummt, indem wir das rationale 1 x 1 des Arbeiten und Konsumieren beherrschen. Selbst wenn wir als unbrauchbar ausgestossen werden, verstehen wir die Notwendigkeit unserer Nützlichkeit. Denn davon hängt ja die physische und soziale Existenz ab. Auch können wir mit dem Nächsten sinnvoll kommunizieren und Vereinbarungen treffen. Ein Zusammentreffen an gleichberechtigter Kreuzung wird meist ohne staatliche Anleitung nach einfacher Regel und mit Toleranz gelöst. Wir können im täglichen Leben fair und sogar vollkommen Unbekannten gegenüber ohne Gewinnorientierung fürsorglich sein. Selbst unangenehme Zeitgenossen zu respektieren oder zumindest tolerieren ist nicht unmöglich.
    Sobald sich jedoch der Fokus aus dem unmittelbar Erlebbaren entfernt, hängen wir wie Marionetten an den manipulativen Strippen der Informations- und Wegweiser-Mafia. Der Wunsch sich davon zu befreien ist deutlich spürbar, die Gegenoffensive der Manipulatoren auch. Wir müssen das 1 x 1 dieser scheinbar irrationalen Cliquen erkennen lernen, ohne uns selbst in deren Denken zu verlieren. Ich frage mich seit längerer Zeit häufiger, was ich dafür in der Schule gelernt hätte. Welche rationalen Methoden kann ich direkt anwenden oder aus anderen Kontexten übertragen? Kann ich dem Gefühlten mit erlernten, analytischen Methoden Unterstützung leisten? Kann es sein, dass wir hierzu dumm gehalten wurden oder müssen eigentlich alle erst ein neues Bewusstsein und passende Methoden für die Zukunft entwickeln?

  4. Carmen Mischwitz schreibt:

    Lieber Opa, lies doch mal diese dpa-Meldung heute bei MSN von mir gelesen. Also ich werde immer verwirrter, blicke überhaupt nicht mehr durch. Wieso sind Gewerkschaften und Antifa jetzt für Amerika und diese Pegada-Leute, die vor einem 3 Weltkrieg warnen und mit russischen und syrischen Fahnen demonstrieren, sind Rechte? Müßte das eigentlich nicht umgekehrt sein? Ehrlich gesagt, man mag mich für naiv und dumm halten, aber ich blicke nicht mehr durch:

    Die Stimmung ist angeheizt beim ersten Aufeinandertreffen von Pegada-Anhängern und Gegnern in Erfurt. Rund 1000 selbst ernannte Amerika-Gegner stehen 600 Verteidiger für ein weltoffenes Deutschland gegenüber.
    Beim ersten Aufmarsch der selbst ernannten „Patriotischen Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlandes“ (Pegada) in Erfurt sind Anhänger und Gegendemonstranten aggressiv aufeinandergetroffen. Die Polizei sprach von 1000 Pegada-Anhängern und 600 Gegendemonstranten, die sich am Samstagnachmittag am Hauptbahnhof gegenüberstanden. „Wir können nicht auseinanderhalten, wer Gegner, wer Befürworter ist“, hatte ein Polizeisprecher zum Auftakt gesagt. Nach hitzig geführten Debatten zwischen beiden Seiten hatte es ein Gerangel gegeben. Ein gellendes Pfeifkonzert unterbrach immer wieder die Versuche von Pegada-Rednern, sich Gehör zu verschaffen. Ob es Festnahmen gegeben hatte, konnte der Polizeisprecher kurz nach Ende der Demos noch nicht sagen.
    „Kruder Zusammenschluss“
    Nach Ansicht von Kirchen, Parteien, Gewerkschaften und antifaschistischen Gruppen steckt hinter Pegada ein „kruder Zusammenschluss“ von Verschwörungstheoretikern, Neonazis, gewaltbereite Hooligans. Pegada ist kein offizieller Ableger der Dresdner Pegida („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“). Der ähnliche Name sei aber bewusst gewählt worden.
    Wie breit und verwirrend für Außenstehende das Spektrum der Pegada-Demonstranten war, zeigten neben Deutschlandfahnen mit herausgeschnittenem Reichsemblem auch Flaggen von Syrien und Russland. Auf Spruchbändern wurde vor den USA als Terrormacht, einem Bruch mit Russland oder einem dritten Weltkrieg gewarnt. Selbst der Schwur der Buchenwald-Häftlinge nach ihrer Befreiung 1945 zur Ausrottung des Faschismus mit seinen Wurzeln musste herhalten. Sitzblockaden von Antifa-Gruppen zwangen später die Pegada-Demonstranten, ihre ursprünglich geplante Marschroute durch die Innenstadt zum Domplatz aufzugeben. Im weiten Bogen mussten sie mit Polizeieskorte zum Bahnhof zurückzukehren, um dort ihre Kundgebung abzuhalten.
    (dpa)

    • kranich05 schreibt:

      Hallo Carmen,
      Wenn Du mein Posting gelesen hast, kennst Du meine Meinung: Zweck all dieser Polit-Events ist die Verwirrung. Was dort rumrennt ist eine Mischung aus VS-IMs, Verwirrten und Fanatisierten/Eiferern. Die Anführer sind Sprücheklopfer. Nichts, womit mensch sich beschäftigen sollte, von sich damit identifizieren zu schweigen. Die nächste wichtige Aktion startet das Bündnis Friedenswinter am 7. 2. gegen die Münchner (sog.) Sicherheitskonferenz.
      Schöne Grüsse.

  5. Wolfgang schreibt:

    Schöne Texte von Opa und Lutz Lippke. Kann ich nachvollziehen.

  6. Pingback: Noch einmal HOGESA | opablog

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