deutschnational

Vor unseren Augen erleben wir, in meisterhafter Inszenierung, den deutschnationalen Aufschwung. Seine Namen sind HoGeSa, *gida und, dialektisch zugeschaltet, (zumindest in Teilen) Anti-Pediga. Zugleich verkünden die selbsterklärten WortführerInnen der Nation, dass Deutschland Speerspitze ist, und die muss gehärtet werden.

Überall, nicht nur in Deutschland, gewinnen nationale Stimmen an Einfluss, ich nenne nur Frankreich, Russland. Das Nationale hat in jedem Land seine Eigenarten; ein Grund mehr, darüber nachzudenken. was eigentlich das Deutschnationale ist. Die Frage ist nicht akademisch. Ich fange nicht bei Tacitus an oder bei Karl dem Großen, sondern bekenne im Interesse der Konzentration den „Mut zur Lücke“.

1789, 1815 – die besten deutschen Geister sind auf der Höhe der Zeit. Wenn auch nur Einzelne revolutionär sind, nationale demokratische Regungen sind populär. Doch die Fürsten behalten die Dinge im Griff und nach dem Wiener Kongress liegt für mehr als drei Jahrzehnte Metternichs Schweigeregime über den Völkern.

Unter der Decke werkelt aber nicht nur das Biedermeier. Deutsches Denken artikuliert sich frank und freier, Heines Stimme ist weit zu vernehmen. Und erst der Donnerschlag des „Kommunistischen Manifests“! Der kommenden deutschen Revolution ist die Frage gestellt: Deutschnational oder Menschheitssozial? Die Antwort, wie wir wissen, fiel kläglich aus, trotzdem eindeutig: ab 1851 Kommunistenverfolgungen. Schluss mit diesem ganzen „Gewebe der Befreiungsverschwörung“ forderte der preußische König. Danach mochte mancher vom demokratisch geeinten Deutschland noch träumen; was wirklich zum Deutschnationalen wurde, bestimmten jetzt die Fürsten mit Blut und Eisen, sekundiert und später getrieben von den immer mächtigeren Pfeffersäcken und Schlotbaronen. Mit Waffengeklirr, mit dem Stiefel auf dem Nacken des Gegners, mit der Beihilfe beim Abschlachten der Pariser Kommune – so trat das Deutschnationale ans Tageslicht der Neueren Geschichte. Und diese Schandgestalt hat es bis heute, trotz des heroischen Widerstands so vieler humanistischer Kämpferinnen und Kämpfer und trotz der zeitweiligen Alternative DDR, nicht nur beibehalten, sondern krasser und krasser ausgeprägt. Der Kaiser kannte keine Parteien mehr, das EINE Volk und das EINE Reich hatte den EINEN Führer, und wir heute haben eine Kanzlerin ALLER Deutschen. Zwei Zivilisationsbrüche hat das Deutschnationale mit herbeigeführt, im ersten Weltkrieg und im zweiten Weltkrieg. Mit Stolz führte es sein besonders destruktives Wüten nicht zuletzt auf die Leistungsfähigkeit seiner modernen Industrie zurück.

Seit 1945 ist das Deutschnationale im Vasallenmodus. Die Superwaffen der Gegenwart und wohl auch der überschaubaren Zukunft liegen nicht in seiner Hand. Doch wer wagt zu behaupten, dass der Vasall ein Schäfchen geworden sei? Der Vasall ist zugleich in einer Angriffs- und in einer Schutzstellung. Seine Abhängigkeit von der größeren Macht aber zugleich sein lange nicht gekühltes eigenes Mütchen machen ihn auf Beute scharf, besonders auf die Riesenbeute im Osten.

Die gewaltige gemeinsame Willensanstrengung, das Gefühl trunkener Freiheit, der „Ansporn“ zur Freude, „das Höchste“ willig zu geben – solches Dürsten soll das Deutschnationale hinausschreien. Hört ihr sie schreien?

„Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen!“

(Copyright: Bärgida)

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Eine Antwort zu deutschnational

  1. walterfriedmann schreibt:

    Hat dies auf Forum Politik rebloggt und kommentierte:
    Deutschnational oder Menschheitssozial?

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