„junge Welt“ gegen Ken Jebsen

Habe gerade mitgekriegt, dass die „junge Welt“ Ken Jebsen zur Rosa Luxemburg-Konferenz Hausverbot erteilte. Jetzt zu dem Konflikt, der sich vermutlich hinziehen wird, nur wenige kurze Bemerkungen von mir.

Ich bin langjähriger Abonnent der „jW“ und auch Mitglied ihrer Genossenschaft. Ebenso habe ich seit mehreren Jahren die Interviews und anderen Sendungen von KenFM intensiv verfolgt und unterstütze sein Projekt monatlich mit einer Spende.

Beide leisten qualifizierte Arbeit für die radikal-progressive Veränderung der gegenwärtigen  Gesellschaft und zwar unabhängig davon, ob sich die eine dezidiert als links versteht und der andere eben nicht. Ich darf sagen, dass ich beide in ihrer Verschiedenartigkeit außerordentlich schätze. Ich könnte auch gelegentlich ernsthaft störende Schwächen beider (ebenfalls in Verschiedenartigkeit) benennen.

Mir scheint, dass der gegenwärtige Konflikt eher von der „jW“-Seite ausgeht. Insofern er darin eingebettet ist, dass die „jW“ von Anfang an bis heute kein politisch-solide begründetes Verhältnis zu den Montagsmahnwachen findet (ja noch nicht einmal zum „Friedenswinter“), glaube ich schon, dass er tiefere Wurzeln hat. Noch stärker aber spüre ich, dass in diesem Konflikt enorm personalisiert wird und vermute, dass auf Seiten „jW“ Neid und Platzhirschgebaren eine besondere Rolle spielen.

Ich werde mich als Mitglied der „jW“-Genossenschaft nicht einfach  mit dieser äußerst schädlichen Situation abfinden, werde mich melden und bin sehr gespannt darauf, ob eine demokratische Beratung mit dem Ziel zur Konfliktlösung beizutragen darüber zustande kommt.

Denn ich glaube, beide werden gebraucht. Und im übrigen gibt es schon heute ungenutztes Potential einer bewußten Zusammenarbeit.

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Weiteres hier.

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18 Antworten zu „junge Welt“ gegen Ken Jebsen

  1. Nonner schreibt:

    100% Zustimmung. Danke.

  2. Wolfgang schreibt:

    Dem Text kann ich nur zustimmen.

  3. Helge schreibt:

    Auch von mir volle Zustimmung. Jebsen leistet wichtige Arbeit und das macht er sehr gut. Wir hatten durch ihn Gelegenheit, Leute und deren Position kennenzulernen, die im Mainstream nie auftauchen würden, aber wirklich was zu sagen haben. Der ist voll unterstützungswürdig!

  4. eschff schreibt:

    Neutralität ist das O u. A.
    Bravo

  5. Tass schreibt:

    Links oder rechts?
    Christ oder Moslem?
    Europäer oder Araber?

    Jeder, der sich selbst als links oder rechts positioniert, kann nicht zur Lösung der Probleme beitragen, sondern nur zur Verbreitung einer Ideologie, was weitere Probleme nach sich zieht.
    Die Lösung liegt darin, die URSACHE von Problemen mit LOGIK und GESUNDEM MENSCHENVERSTAND zu erkennen. Linkes oder rechtes Gedankengut sind dabei nur hinderlich.

    Und so lange sich „links“ und „rechts“ bekämpfen werden beide Lager keine grundlegenden Erfolge erzielen können.

    Ich sage nicht, dass „links“ und „rechts“ am gleichen Strang ziehen sollten. Im Gegenteil, ALLE sollten ihre Links-Rechts-Denkmuster ablegen und statt dessen mit gesundem Menschenverstand und mit Herz Lösungen der Probleme erarbeiten.

    Und plötzlich werden die Menschen feststellen, dass sie eigentlich doch alle das gleiche wollten:

    Freiheit, Gerechtigkeit, Liebe, was zu Essen und ein Dach über dem Kopf.

  6. Udo schreibt:

    Ich konnte es kaum glauben, als ich heute von dem Hausverbot erfahren habe. Auch ich bin jW-Abonnent und regelmäßiger KenFM-Unterstützer. Ich weigere mich, beide auf unterschiedlichen Seiten zu sehen und hoffe, dass dieser Konflikt bald beiseite gelegt wird.

  7. AbisZ Herbstbuche schreibt:

    Ich bin sehr zufrieden mit Ihrer Analyse!

  8. Pingback: Sehr geehrte RedakteurInnen und GenossenschafterInnen der “jungen Welt”, | opablog

  9. walterfriedmann schreibt:

    Hat dies auf Walter Friedmann rebloggt und kommentierte:
    “junge Welt” gegen Ken Jebsen

  10. Schlüter schreibt:

    Sehr kluger Kommentar! Das sehe ich sehr ähnlich! Herzliche Grüße

  11. Pingback: Europaweiter Aufmarsch der „Je sius Charlie“- Kriegsverbrecher und ihrer Marionetten | barth-engelbart.de

  12. Pingback: (Noch) keine Antwort von der “jungen Welt” | opablog

  13. hcs schreibt:

    Naja, nachdem Jebsen um Verständnis für PEGIDA wirbt und Elsässer für gestern bei der Leipziger LEGIDA -Demo zusammen mit Götz Kubitschek als Redner vorgesehen war, scheint mir die Position der jW zu den Montagsmahnwachen nicht nur richtig, sondern auch „solide begründet“ und weitsichtig. Jebsen ist objektiv Propagandist von Ideen, die den deutschen Imperialismus verharmlosen. Seine Ansätze sind auch in neu-rechten Kreisen anschlussfähig. Sein Verhältnis zu tatsächlichen Antisemiten (Mährholz zur Rolle der „Privatbank“ FED) und Gsellianern wie Popp ist unklar bis freundschaftlich. Die Haltung der jW ist heftig zu begrüssen.

    • Udo schreibt:

      Mährholz hat die FED kritisiert und damit das System der Zentralbanken (die übrigens auch schon in Artikeln der jW als Finanziers von Kriegen und Ursache für viele der heutigen Probleme beschrieben wurden). Dass er dabei eine der größten Zentralbanken hervorhebt, ist zwar eine etwas eingeschränkte Sicht. Ich kann mich nicht erinnern, dass Mährholz dabei selbst was über Juden gesagt hat. Dieser Zusammenhang wird immer von anderen Kreisen unterstellt, was dann gern von anderen Kritikern aufgegriffen und wiederholt wird.

      https://www.jungewelt.de/2014/11-17/015.php

      Wenn dieser Artikel korrekt ist, warum soll man dann nicht auch die FED kritisieren dürfen, die in diesem System genauso mit drin steckt? Ich bleibe dabei, dass die jW und Jebsen im wesentlichen die gleichen Ansichten vertreten, sich nur unterschiedlich ausdrücken oder unterschiedlich fundiert argumentieren.

      Elsässer spielt im übrigen bei den Montagsmahnwachen keine Rolle mehr, da auch dort seine Ansichten auf Gegenwind stoßen.

      Und zu Jebsen Meinung über Pegida sollte man sich lieber anhören, was er selbst sagt (auch wenn man sich dafür etwas Zeit nehmen muss), und nicht, was andere schreiben, was er darüber gesagt hat.

    • kranich05 schreibt:

      Hallo, Herr Stoodt,
      ein Kommentar, wie ich ihn nicht mag. Nicht weil Sie anderer Meinung sind als ich, sondern, weil Sie nur mit Versatzstücken, „Hausnummern“ um sich werfen. Irgendwie wird schon alles zusammenpassen, Hauptsache am Schluß eine heftige Wertung, der Leser mag sehen, wo er bleibt.
      Ich erinnere daran, dass es um ein Hausverbot gegenüber Jebsen geht, samt unsäglicher Begründung. Es geht auch darum, soviel möchte ich heute sagen, dass die „jW“ anscheinend den Streit verhindert.
      Sie meinen, es gehe darum, dass Jebsen für Pegida werbe. Das mag Ihre Einschätzung sein, sie einfach als Tatsache hinzustellen, die keiner Begründung bedarf… wie soll ich das nennen? Sie erzählen etwas von Elsässer und einem Kubitschek, was die Position der „jW“ zu den Montagsmahnwachen als weitsichtig qualifiziere. Geht es vielleicht etwas weniger „von oben herab“? „Jebsen ist objektiv Propagandist…“ Ich gestehe Ihnen, dass Verdikte dieser Form – die Sünden, die mensch objektiv auf sich lädt – mir einen ganz besonderen Geruch in die Nase treiben….
      Ob Jebsen schon mal irgendwie den deutschen Imperialismus verharmlost hat? Hab gerade keine „Stellen“ parat. Halte ich aber gut für möglich. Wenn ich mir so die Liste der Linken (einschließlich „jW“) ansehe, die schon mal „den deutschen Imperialismus verharmlost haben“ – ohje – ist mir bestimmt („objektiv“) auch schon passiert.

      Ich habe auf Ihr Blog geschaut und bemerke, dass Sie sehr wohl kenntnisreich und differenziert zu Schreiben vermögen. Z. B. war mir Ihr aktueller Artikel über Syriza nützlich. Anscheinend hielten Sie es für nötig und angebracht, eine unübersehbare Duftmarke zu setzen.
      Ich darf Sie informieren, dass Redaktion und Genossenschaft der „jW“ inzwischen meinen Schreibebrief haben. So oder so ist das Thema für mich noch nicht beendet.
      Mit freundlichen Grüßen
      Klaus-Peter Kurch

  14. Pingback: “junge Welt” – Ken Jebsen. Es geht um sehr viel. | opablog

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