Heute vor acht Monaten, am 2. Mai 2014 … oder: Wollen wir uns um Tatsachen und Begriffe kümmern? Mit Update 3.1.2015

Um den Jahreswechsel herum waren wir mit einem befreundeten Paar auf einem Mecklenburger Ferienbauernhof. Ausgiebige Gespräche – auch um Politik.

Wir streiten über Sozialismus. Ein „völlig verbrannter Begriff“? Nach langer Auseinandersetzung merken wir, dass wir mit demselben Wort „Sozialismus“ völlig verschiedene Dinge meinen.

Dasselbe mit dem Begriff „Faschismus“. Die Meinungen wogen hin und her. Es stellt sich heraus, dass Faschismus mit Rassismus gleichgesetzt wird.

Krieg lehnen wir alle ab. Doch was ist Krieg? Ist der am Ehrlichsten, für den ein Krieg das Verabscheuungswürdige schlechthin ist und der deshalb über Krieg nicht reflektieren und differenzieren kann? Muss ein Friedenskämpfer sich mit dem Kriegsvölkerrecht auskennen, einigermaßen genau mit dem humanitären Kriegsvölkerrecht?

Neben den Begriffen ging es um Fakten. Keiner wusste, was am 2. Mai 2014 geschehen war. Hier Im Blog erinnere ich allmonatlich daran, hier und hier. Hunderte Meldungen stürmen täglich auf uns ein. Müssen wir sie nicht schnellstens vergessen, um gesund zu bleiben?

Was macht eine Meldung zu einer Information? Welches Ereignis ist der Schlüssel, um ganze soziale Zusammenhänge zu versehen?

Opablog wird sich bemühen, noch mehr bedeutsame Tatsachen zu beschreiben und den Begriffen noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

 

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Update 3.1.2015:

Ich füge hier einen Mailtext von Egbert Scheunemann ein, der mich am 29.12. 2014 erreichte, weil er sich ebenfalls mit dem Thema „Begriffklarheit“ befasst:

Liebe politisch Interessierte,

die Zeit zwischen den Jahren hat es in sich. Sie ist bekanntlich die Zeit der Besinnung – aber nicht selten auch der Besinnungslosigkeit. Ein Dokument des Scheiterns klaren Denkens samt Kommentars findet sich als jüngster Eintrag in meiner „Chronik des (nicht nur) neoliberalen Irrsinns“. Ich wollte es Ihnen nicht vorenthalten:

„„Juden in Deutschland werden oft mit Israel (der Re­dakteur meinte wohl Israelis; E.S.)gleichgesetzt. Doch haben viele Juden ein distanziertes oder auch kritisches Verhältnis zu Israels Regierung. Über das Verhältnis von Deut­schen und Juden zu Israel sprach Richard C. Schneider mit der Programmdirektorin des Jüdischen Museums Berlin, Cilly Kugelmann.“

      (www.tagesschau.de; 29. Dezember 2014)

(Es ist grotesk. Noch im ersten Satz wird der Kategorienfehler vermieden – die Gleichsetzung von Juden und Israelis. Gleich danach wird wieder ein fundamentaler Kategorienfehler be­gan­gen – die Setzung einer kategorial ausschließenden Differenz zwischen „Deutschen und Juden“ – wie wenn das nicht zwei völlig verschiedene, aber kompatible Kategorien wären, wie wenn das eine nicht eine Staatsangehörigkeit, das andere eine Religionszugehörigkeit bezeichnen würde, wie wenn es keine deutschen Juden oder jüdische Deutsche gäbe. Würde einer for­mulieren, das Ver­hältnis zwischen Deutschen und Christdemokraten oder Liberalen oder gar Frauen oder Schnurrbärtigen müsse untersucht werden, fiele der Katego­rienfehler jedem sofort auf. Sobald es um Juden geht, setzt aber die Denkfähigkeit aus – Denkfähigkeit als das geistige Vermögen, Begriffe, also Kategorien, klar zu bilden und sie mehr oder minder logisch, also grammatisch-syntaktisch korrekt miteinander zu verbinden. Der Antisemitismus, die schlimmste Geisteskrankheit aller Zeiten, hat sich über die zweieinhalb Tausend Jahre, seitdem sie gras­siert, anscheinend so tief in die Hirnwindungen eingefressen, dass selbst viele grund­sätzlich Gutmei­nende immer wieder den gleichen Fehler begehen – den kategorialen Aus­schluss der Juden aus welcher wie auch immer definierten Gemeinschaft, außer ihrer eigenen. Die Folgen sind bekannt. E.S.)“

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Eine Antwort zu Heute vor acht Monaten, am 2. Mai 2014 … oder: Wollen wir uns um Tatsachen und Begriffe kümmern? Mit Update 3.1.2015

  1. Joachim Bode schreibt:

    Danke für die Erinnerung an diesen Tag, der als ein weiteres Schandmal in die Geschichte Deutschlands und der ganzen EU eingehen wird. Zu den Verbrechen in Odessa schweigt die Bundesregierung mit der EU-Administration genau so wie zu den verbrecherischen Vorgängen in Nahost (Gaza/Israel).
    Stattdessen müssen wir uns von der Bundeskanzlerin bei ihrer Neujahrsansprache alternativlos dummes Geschwätz zum angeblich verletzten Völkerrecht bei der Krim-Angliederung anhören.
    Die sie beratenden Juristen-Stäbe sind offensichtlich wegen Arbeitsüberlastung noch nicht dazu gekommen, die Bundeskanzlerin zutreffend über diese rechtlichen Fragen aufzuklären, sind sie doch noch vorrangig damit beschäftigt, den von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder freimütig eingeräumten Völkerrechtsbruch wegen des Angriffskriegs Deutschlands gegen Jugoslawien (1999) aufzuarbeiten. Die daraus folgenden Sanktionen (Strafmaßnahmen) wird die Bundesregierung gegen sich selbst verhängen müssen.

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