Gegen den Friedenswinter. Wenn ZEIT ONLINE das Geschäft „mit Überlegung“ betreibt…

Die üblichen Blödmaschinen, MSM, Systemmedien – wie soll man sie zusammenfassend nennen? – haben bei den Verschwörungstheoretikern, Rechts-Esoterikern, Alt-Linken, Antisemiten, Aluhüten, Spinnern – wie soll man sie zusammenfassend nennen? – einen schweren Stand. Diese Leute, ich sage mal: Die Friedenswinter-Aktiven, kennen ihren Krüger und ziehen sich nicht mehr leichtfertig die üblich-üblen journalistischen Strickwaren an. Nach der Demonstration vom 13.12. 2014 zum Amtssitz des Kriegspredigerpräsidenten haben viele der Medien das Bekannte abgesondert. Beispiele: hier, hier, hier oder hier. Auf einer der Facebook-Seiten der Mahnwachen ist dazu das Nötigste gesagt. Schwamm drüber. (Es sei aber nicht verschwiegen, dass es auch sachliche Berichte gab.)

Offensichtlich kommt der komplette Müll von einigen sozusagen „mittleren Medien“. Zugleich scheinen einige der „Haupt- und Staatsmedien“, etwa „Bild“, „Welt“, „FAZ“ oder „SPON“ die Kröte Friedenswinter möglichst ignorieren zu wollen. Und schließlich steht ziemlich einsam ein Artikel von Lenz Jacobsen, „Zeit Online“, in der Landschaft. Der weist deutlich gehobene Qualität dadurch auf, dass die bekannten Schmähworte von den Haupt- in die Nebensätze gewandert sind oder gar vermieden und durch Umschreibungen ersetzt werden. Auch ist der Artikel weniger ausgedehnt als die Elaborate der Eiferer. Wirklich interessant aber wird es, weil der Schreiber nicht nur vorgefertigte Hetze abliefert, sondern in einem gewissem Grade das Ereignis tatsächlich zur Kenntnis nimmt und offen an den ihm wichtigen Kriterien misst.

Worauf es ihm ankommt – das will ich ein wenig näher betrachten…, … was ein großes Vergnügen ist, denn alles beginnt mit der genialen Überschrift:

 „Dass man sie bis nach Moskau hört“

Selten, dass ein Schreiber die Katze mit dem ersten Wort aus dem Sack läßt:

Der Friedenswinter (dieses Vögelchen, das mal ein schöner Kranich werden will) ist eine schreckliche Gefahr, denn zielsicher stellt er sich dem glühendsten Wunsch aller Deutschen Macht seit mehr als hundert Jahren entgegen, der Expansion gegen Russland. Gegen dieses Ziel ist keine Kanone groß und keine Munition verseucht genug.

Überbreit und zugleich ganz schmal sei dieses Friedensbündnis, haben die Argusaugen des Schreibers entdeckt. Neben den üblichen Verdächtigen sind Mitglieder der GEW unüberseh- und unüberhörbar, Castor-Gegner haben sich eingereiht, Attack attackiert und, oh Schreck, neben ganz „normalen Menschen“ hat es sogar Naturfreunde ins unwirtliche Berliner Zentrum verschlagen. Scherz beiseite. Die Breite des Bündnisses beunruhigt unseren Schreiber außerordentlich. Wenn sich die Unterschiedlichsten ihrer Gemeinsamkeit in der Frage „Krieg – Frieden“ bewusst werden, wer läßt sich dann noch auf den Königsweg jeglicher Herrschaft: „Teile und herrsche!“ führen?

Und keiner (der nächste Schrecken!) aus dieser Breite macht die Hetze gegen Russland mit. So unterschiedlich die Meinungen im Einzelnen sein mögen, keiner hat Illusionen über die Politik der NATO und der Bundesregierung, und jeder verlangt ein Ende der Aggressivität des Westens und seiner Kooperation mit den ukrainischen Faschisten, jeder verlangt die Bereitschaft zum Interessenausgleich ohne Druck und auf dem Wege friedlicher Verhandlungen.

Dabei hat doch jeder Schreiber, jede Schreiberin, von ZEIT ONLINE in Monaten der Ukraineberichterstattung buchstäblich im Akkord verschwiegen und verzerrt und gelogen, um den Kunden das „richtige Bild“ zu verpassen. Und alles vergeblich. Ein Scherbenhaufen. In solcher Not sieht sogar unser Schreiber der „gehobenen“ ZEIT nur noch im Tiefschlag seine Waffe: „Die größte „Friedensdemo“ seit Jahren ist wohl auch deshalb so groß, weil sie sich auf die Seite einer Kriegspartei schlägt.“

Die Enttäuschung über den rasant schwindenden Einfluss der bisher unangefochtenen Meinungsführer, des eigenen Mediums, sitzt tief. Schreiber droht die Haltung zu verlieren, wenn doch tatsächlich diese Friedenswinterlinge sich einen „vermeintlich aufklärerische(n) Gestus“ anmaßen. Die entgegnen ungerührt den selbst ernannten HeldInnen der „objektiven Berichterstattung“: „Ihr möget keine Kaiser sein, aber dennoch seid ihr nackt.“ Ins eigene ZEIT ONLINE-Haus frisst sich der Zweifel: Mehr als 60% der ersten hundert Kommentare auf Herrn Jacobsens Artikel sind negativ, ablehnend. Nur knapp 25% stimmen ihm zu. Da muss der nächste Tiefschlag her: „Dieser neue Medienhass, der gleich alle Journalisten in Sippenhaft nimmt…“ Herr Objektiv spekuliert auf die Unkenntnis seiner LeserInnen. Denn die wissen nicht, dass alle Redner der Mahnwachen, wie der traditionellen Friedensbewegung, immer wieder hervorheben, dass es, wenn auch allzu selten, auch mutige, sachlich-informative Beiträge in manchen Medien gibt.

Einen letzten Haken muß unser Schreiber noch schlagen. Sahra Wagenknecht hat es ihm angetan. Sie hatte den Aufruf zur Demo unterschrieben, ihre Teilnahme dann aber (aus „terminlichen Gründen“) abgesagt. Andere Abgeordnete der Linkspartei aber nahmen an der Demo teil. „Habt ihr nicht einen Beschluss Eures Bundesvorstandes, der jede Gemeinsamkeit mit den Montagsmahnwachen verbietet?“ – gibt der ZEIT-Autor den Mahner für die „Einheit und Reinheit“ der Partei. Vielleicht (die Hoffnung stirbt zuletzt) überrascht diese Partei ja eines Tages mit der Neufassung eines alten Liedes: „Die Partei, die Partei, die hat NICHT immer recht…“.

Danke Herr Jacobsen, Ihre Ausführungen bestätigen, dass das Friedensbündnis auf dem richtigen Weg war und ist, und danke, Sie haben einige lohnende Stossrichtungen der weiteren  Arbeit für den Friedenswinter und -frühling herausgearbeitet.

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3 Antworten zu Gegen den Friedenswinter. Wenn ZEIT ONLINE das Geschäft „mit Überlegung“ betreibt…

  1. Lutz Lippke schreibt:

    Der Beitrag arbeitet die verdruckste Manipulationstechnik gut heraus.
    Es stellt sich mir immer wieder die Frage, wie man sicherstellt, dass das „Geschäft mit Überlegung“ in späterer Zeit, also hier auch in späteren Zeit-Artikeln, nicht mit „das wussten wir nicht besser“ oder „was sollten wir denn tun, wir wurden genötigt“ entschuldigt und verdrängt wird. Das kennen wir aus der ferneren und jüngeren Geschichte zur Genüge. Wie kann man einem Jacobsen deutlich machen, dass er so oder so mit seiner beruflichen Existenz spielt und auf längere Sicht verkehrt im Sattel sitzt. Wie nimmt man ihm die Zuversicht, dass er sich später schon noch herausreden kann und vorerst nur an sein Gehalt, seine Privilegien und die Nestwärme der Unterwürfigkeit denkt. Nicht jeder ist ein Held, aber man kann ja auch mit überschaubaren Folgen über die Kirmes berichten, mit schlechtem Gewissen und Husten im Bett bleiben oder was auch immer tun, um sich der Verheizung als Propaganda-Knecht zu entziehen.
    Die „Zeit“ wirbt mich unentwegt mit vielen Geschenken wieder ihr Leser zu werden. Vor Jahren hatte ich sie abbestellt, nicht aus Protest, sondern weil mir die Zeit zum Durcharbeiten fehlte. Keine Frage, die „Zeit“ war auch damals schon eher für bürgerliche Leser gemacht, aber eben auch informativ und vielschichtig. Ich weiß nicht, wann der qualitative Niedergang auf Bild-Zeitung für demente Intellektualien-Sammler bei der Zeit durchschlug. War der „Doppelbeschluss zur EU-Wahl“ von Di Lorenzo Start- oder Endpunkt dieser Entwicklung? Wer liest diesen intellektualisierten Schund von Journalisten, die Nachhilfe in demokratischen Grundregeln brauchen, denn noch? Es sei denn, um sich die ständige Manipulation vor Augen zu führen oder die kläglichen Reste eines Qualitätsmediums aufzuspüren. Wirklich schade.

  2. walterfriedmann schreibt:

    Hat dies auf Forum Politik rebloggt und kommentierte:
    Friedenswinter – Kommentar

  3. Krysztof Daletski schreibt:

    Hoppla, es hat sich herausgestellt, dass in dem Lied der Ton der Medien so perfekt getroffen ist, dass mancher gar nicht die karikierende Überspitzung bemerkt. Deshalb habe ich noch einmal eine neue Version hochgeladen, in der das durch einen Untertitel klargemacht wird. Kannst Du bitte den vorherigen Link (oder wenn das nicht geht: den vorherigen Kommentar) löschen?
    Hier ist die neue Version:

    Sorry für die Umstände.

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