Freundliche Aussichten bei Schloss Belleview

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Die Friedensdemo der 4000 gestern zum Präsidentensitz im Tiergarten war ein schöner Erfolg; nicht so sehr wegen der respektablen aber doch viel zu geringen Zahl.

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Erster Pluspunkt: Es war FriedensBEWEGUNG. Es war nicht Friedensesoterik, nicht Friedensberatung, nicht -grübelei, nicht -kunstevent, nicht -besserwisserei, nicht -moralaufwallung, nicht -expertengespräch, nicht Präsentation friedenswissenschaftlicher Studienergebnisse. Nein, es war eine politische Demonstration für den Frieden und gegen klar benannte Kriegskräfte.

Zweiter Pluspunkt: Aktivisten für den Frieden aus allen den verschiedenen Lagern und Szenen, die so raffiniert aufeinander gehetzt werden, haben sich vereinigt und gemeinsam überlegte politische Friedensforderungen, Minimalforderungen, vertreten.

Dritter Pluspunkt: Dabei haben sich viele namhafte Akteure (Es geht nun einmal nicht ohne bekannte Namen.) unabhängig von den Organisationen verhalten, denen sie angehören, haben sich tendenziell gegen die Spalter der Friedensbewegung innerhalb ihrer eigenen Organisationen gestellt.

Vierter Pluspunkt: Inhaltliche Qualität und Elastizität. In der Auseinandersetzung mit Gauck wurde der schwere Säbel aber auch das Florett (Daniela Dahn) gezogen. Die (nicht unkritische) Solidarisierung mit dem Appell der 60 bewies das Fehlen von Sektierertum.

Fünfter Pluspunkt: Die Demo vom 13.12. versteht sich als Teil des Friedenwinters 2014/2015, d. h., sie weiss, dass sie ein Anfang ist, nur ein Anfang aber ein gelungener. Diese Demo kann und muss ein starker Impuls sein, für die notwendigen Klärungsprozesse unter allen Friedenbewegten, allen Linken, allen Demokraten, unter uns Allen für einen wirksamen Kampf gegen die Friedens- und Demokratiefeinde in all ihren Verkleidungen.

Möglich und notwendig ist ein kommender großer Friedensfrühling.

Impressionen von der Demo:

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9 Antworten zu Freundliche Aussichten bei Schloss Belleview

  1. Albert A. schreibt:

    Das Miteinander lässt sich nicht „durchsetzen“, Herr Lippke:
    https://opablog.net/2014/12/13/demonstration-13-12-2014-in-berlin-zum-amt-des-bundesprasidenten-schloss-bellevue-2/#comment-65361
    Selbst in einer verordneten Ehe muss das Miteinander entstehen – wenn man Glück hat…

    Diese Demonstration hatte wohl ein großes Glück. Es tut mir Leid, dass sich die Teilnehmer als zu wenige fühlten, doch auch an diesem Punkt lässt sich nichts durchsetzen.

    In den USA wurde der Rüstungsetat feierlich noch vor dem gesamten Haushalt verabschiedet, man konnte dazu folgendes erfahren:
    „Der Vorsitzende des Militärausschusses im Oberhaus, Carl Levin, betonte, die Rückendeckung der Abgeordneten für die US-Armee habe zu überparteilicher Zusammenarbeit geführt – trotz der politischen Spaltung in Washington. Die Soldaten „schützen uns nicht nur, sie einen uns“, sagte der Demokrat.“
    http://www.tagesschau.de/ausland/us-militaeretat-101.html
    Also kann auch in den USA endlich innere Einigkeit gefeiert werden…

    Wir haben irgendwie vergessen, dass in Friedenszeiten die Rüstungskonzerne schrecklich leiden müssen. Und niemand zeigt Mitleid mit ihnen. Doch dann drohe „der bekannte Verlust an Arbeitsplätzen, das Absenken der technischen Entwicklung usw…“
    Daher müssen die Rüstungskonzerne an Spannungen und kriegerischen Auseinandersetzungen ein großes Interesse haben. Wahrscheinlich noch ein größeres Interesse als die Faschisten oder die Islamisten. Diese Fanatiker werden für die Interessen der Rüstungskonzerne nur ausgenutzt, vor allem dann, wenn sie massenhaft Waffen einkaufen…

    Irgendwie sind wir schon aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten auf den Frieden gar nicht vorbereitet, auf den Krieg schon…

    Gustl Mollath hat zielgerichtet gegen einen Rüstungskonzern demonstriert. Und dann verschwand er in der Psychiatrie. Doch irgendwann haben viele andere Menschen für Gustl Mollath demonstriert. Mit Erfolg.

    Dabei fällt mir ein, dass sich der Erfolg nicht an der Größe der Demonstration messen lässt. Es sei denn, die Selbstbefriedigung der Demonstranten war der eigentliche Ziel…

    • Lutz Lippke schreibt:

      @Albert A.
      „Das Miteinander lässt sich nicht “durchsetzen”, Herr Lippke“

      Damit hätten Sie zwar grundsätzlich recht, im Konkreten aber gerade nicht. Der Wunsch zum Miteinander wurde bereits von vielen Seiten im Herzen und in den Gedanken getragen. Allein die Demagogie und Drohung der Spalter innerhalb der Organisationen und in vielen Medien machte Vielen zu schaffen, irritierte und verängstigte. So konnte ich einige Geistesverwandte nicht davon überzeugen, dass sie bei dieser Aktion nicht mit Rechtsdadikalen oder Deutschnationalen demonstrieren werden. Wer vor Ort war, wird aber bestätigen, dass die Demonstranten äußerst friedfertige und vernünftige Menschen aller Altersgruppen waren, wie sie auch in ihren Alltagsrollen miteinander zu tun haben. So waren mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW) vermutlich auch Lehrer und Wissenschaftler und mit den „jüngeren“ Bewegungen deren Schüler und Studenten auf der Strasse. Bestellt wurde niemand. Es ist höchtens die Frage, wer hat da wen abgeholt?
      Albert A. das Leben ist voller Risiken und Widersprüche, aber genauso voller Chancen und lebensfroher Selbstverständlichkeiten. Dieses Miteinander bei der Demo habe ich als Chance und lebensfrohe Selbstverständlichkeit wahrgenommen.

      • Albert A. schreibt:

        In Köln gab es gestern auch eine Demonstration, die wahrlich nur einen demonstrativen Charakter hatte – die Menschen demonstrierten damit ihre Weltoffenheit gegenüber Ausländern. Angeblich waren es an die 15 Tausend. Und sie mussten ihr miteinander nicht durchsetzen, schon gar nicht gegen „die Demagogie und Drohung der Spalter innerhalb der Organisationen“…

        Nach Ihrer Erklärung erscheint mir der Frieden als eine sehr komplizierte Angelegenheit…

        • Lutz Lippke schreibt:

          Lieber Albert A.
          Ihre Querdenker-Mentalität ist mir sympathisch. Aber Sie sollten auch drauf achten, nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Ausländerfeindlichkeit und Randale, wie sie sich vorher in Köln beim Hooligan-Großaufmarsch offenbarte, wird in den meisten deutschen Städten zum Glück noch nicht hingenommen. Ich kenn mich in Köln nicht aus, aber es gibt wohl eine gut vernetzte, etablierte Bürgerschaft, die nach diesem Schock zügig Flagge zeigen konnte und wollte. Es hängt immer vom Willen ab. Es hat also eine etablierte Bürgerschaft ihren Protest gegen Ausländerfeindlichkeit und ihre Weltoffenheit demonstriert. Wer sollte sie daran hindern? Zum Glück traut sich das derzeit noch Niemand!
          Die etablierte Friedensbewegung in ganz Deutschland wurde in den letzten Jahren dagegen in Nischen zurückgedrängt bzw. begab sich mehr oder weniger freiwillig dort hin. Es schien ja insgesamt alles friedlich, mit dem Ende des Kalten Krieges wurde offiziell auch das Ende der Geschichte ausgerufen. Niemand wollte mehr wirklich Krieg, so dachten Viele. Die ewig Wachsamen hatten sich auf Podien, intellektuelle Kreise, internationale Themen und ihre im Friedenskampf erworbenen Lorbeeren und Besitzstände zurückgezogen. Die politische Welt war von den Themen Globalisierung, Terrorismus, Islamisierung und Überwachung beherrscht. Wirtschaftskriege, Krisen und Bombenanschläge sind kein gutes Aktivierungsthema für Friedensbewegungen. Die zügige Eskalation auch zur deutschen Kriegstreiberei kam dann doch ziemlich überraschend, auch wenn die Anzeichen einer Neuorientierung der Nato, EU und Deutschlands bereits seit den 1990-ziger Jahren nachweisbar ist. Auf das schnelle Anwachsen der konfrontativen und militaristischen deutschen Aussenpolitik unter Einschluss von SPD und Grünen hatte die etablierte Friedensbewegung nicht sofort das ädäquate Mobilisierungspotential und verharrte noch in den eingeschliffenen Zirkeln. Aber auch die Jüngeren, Internetaffinen und Ungebundenen hatten nun neue, noch lose Strukturen geschaffen, sich aus individuell, unterschiedlichen Richtungen an politische und gesellschaftliche Themen herangepirscht und spätestens mit der Ukrainekrise sich selbst mobilisiert. Die anfangs dort durchaus verbreitete Vorstellung die einzige Friedensbewegung zu sein, war falsch aber nicht bösartig, sie entsprach der eigenen Wahrnehmung der Situation in den neuen Medien und auf der Strasse. Die Ausrichtung, Themen und Aktionen wurden adhoc und nach persönlichen Interessen mit learning by doing entwickelt. Für die etablierte Friedensbewegung war das zunächst ein Affront und eine Ehrverletzung. Durchaus verständlich aber in der Sache eben unbegründet. Die auf Kriegsmobilisierung fokussierte Politik und Medienlandschaft hatten mit Demagogie und Denunziation zunächst leichtes Spiel und die irritierte Linke auf ihrer Seite. Querfront, Neurechte, Spinner und Verschwörungstheoretiker waren die gemeinsamen Schlagworte, keine Handbreit den Schmuddelkindern aus den Mahnwachen. Persönliche Denunziation analog eines Scharfschützeneinsatzes wurde zur bevorzugten Zersetzungswaffe selbst von manch angeblich linken Aktivisten. Schon das Aufwecken der Lebensgeister, die interne Diskussion und Neuorientierung in der etablierten Friedensbewegung ist zu großen Teilen ein Erfolg der Mahnwachen und weniger Vermittler zwischen den „Fronten“. Auch die Mahnwachen schärften ihr Profil und ihre Überlebensfähigkeit trotz und wegen der massiven Angriffe.
          Ja, der Einsatz für globalen Frieden ist eine kompliziertere, umfassendere Angelegenheit als der Protest gegen lokale Ausländerfeindlichkeit. Gerade weil sich die Mächtigen zur globalen Expansion hochrüsten und mit dem Völkerrecht, den Menschenrechten und den Ängsten der Menschen ein demagogisches Spiel treiben.

    • kranich05 schreibt:

      Werter Herr A.,
      Sie haben es unterlassen, Ihren Beitrag oder Teile davon als Ironie zu kennzeichnen, also nehme ich ihn ernst, was möglicherweise zur Klarheit beiträgt.
      Dass den Demonstranten ein „großes Glück“ beschieden war, wage ich eher zu bezweifeln. Ein Glück kam eindeutig von unzuverlässiger Seite, nämlich dem Wettergott. Alles andere, was wir schließlich wohlgefällig registrieren, wurde sauer erarbeitet, in harten Anstrengungen (nicht gleichbedeutend mit „gewalttätigen“ oder „tumben“) errungen. Von mehreren Seiten wurden den Demonstranten möglichst viele und möglichst große Steine in den Weg gelegt. Das alles war aber am Ende vergeblich, doch es macht den Wortgebrauch „durchgesetzt“ verständlich.
      Vielleicht einigen wir uns darauf, dass da die Tüchtigen sich (und uns allen) ein Stückchen Glück geschmiedet haben. (Und selbstredend macht das Lust auf mehr.)
      Ihr gedanklicher Ausflug in die USA, die manche auch „Großer Bruder“ nennen, scheint mir gefährlich kurz geraten. Ich erlaube mir zu ergänzen:
      In der Tat scheinen sich die Jungs und Mädels von der einen volks- und völkerzertretenden Partei, genannt Demokraten, mit Jungs und Mädels von der anderen volks- und völkerzertretenden Partei, genannt Republikaner, geeinigt zu haben. Darüber hinaus ist ja gerade eine High-PR-Aktion im Gange, die zur Einigung der Folterer mit den Folterverabscheuern führen soll. Insoweit läßt man sich die „innere Einigkeit“ tatsächlich viel kosten. Mir freilich ist es nicht gegeben von gewissen Unfreundlichkeiten abzusehen, die anscheinend zwischen Mörderpolizisten und ihren Opfern im weiteren Sinne (die Opfer im engeren Sinne äußern sich ja nicht mehr) ausgetauscht werden. Da kann ich nicht viel Feier von Einigkeit entdecken (wenn ich davon absehe, dass es auf Friedhöfen auch feierlich zugeht).

      Ihre Sätze über Rüstungskonzerne und Friedenswirtschaft unterschreibe ich gern, wenn sie mit einer kleinen Korrektur einverstanden sind: DIE müssen leiden, DIE sind auf den Frieden gar nicht vorbereitet, DIE brauchen Faschisten. Auf MICH und UNS trifft das genaue Gegenteil zu. Vermutlich ist das ja auch Ihre Meinung.

      Noch eine (nur teilweise ernst gemeinte) Randbemerkung zu mehr oder weniger befriedigenden Teilnehmerzahlen. Ob Sie’s glauben oder nicht, ich hab‘ mir das Gedankenspiel erlaubt, dass ich dem Gauck 40.000 Demonstranten nicht gegönnt hätte. Zum Rücktritt hätten auch die ihn nicht zwingen können, aber er in seiner obszönen Eitelkeit hätte darin wohl einen Negativbeweis seiner persönlichn Bedeutsamtksit erblickt. Wenn es schon eine ordentliche Zahl sein soll, dann bitte 400.000, und nicht nur einmal im Jahr. Auch dann denkt zwar eine Herrschaft des GGG, des Ganz Großen Geldes, nicht daran aufzugeben. Aber sie kommt wenigstens ins Grübeln. Eigentlich ging es ja nur vordergründig um Gauck, im Wesen ging es um das Leben im Frieden. Und da bekanntlich die Opfer von Atombomben in Megatoten gezählt, pardon kalkuliert, werden, kann es nur um Demonstrationen mit vielen hunderttausend Teilnehmern gehen.
      Daraus mag man einen Schluß ziehen auf den Optimismus der 4000 Demonstranten und ihren unbändigen Willen zur Sinngebung ihres Lebens in ihrer (unser aller) Welt.
      MfG
      der Opa.

      • Albert A. schreibt:

        Mit der Korrektur „DIE“ bin ich einverstanden, wir wollen uns aber von dieser Problematik doch nicht distanzieren, weil es auch UNSER Problem ist. Eine Demonstration für Frieden ist automatisch eine Demonstration gegen Rüstungskonzerne, Rüstungsgeschäfte und intrigantes Anzetteln von Konflikten seitens der Rüstungslobby. Weil die Konflikte den Anschein wecken, dass die Kriegs-Ausrüstung immer noch notwendig sei. Siehe Ukraine-Konflikt. Und daher die Einigkeit im US-Parlament.

        Wer die Rüstungskonzerne nicht vordergründig ins Visier nimmt, der kann nur noch symbolisch für den Frieden demonstrieren.

        Schließlich könnte diese Fixierung auf Rüstungskonzerne auch eine große Einigkeit hervorrufen. Brauchen wir noch Rüstungskonzerne??? Wenn wir doch Frieden haben wollen…?

  2. Wolfgang schreibt:

    Sicher lässt sich ein miteinander nicht durchsetzen. Dafür sorgt schon die allseitige Häme.

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