PEGIDA. Genau hinschauen!

Man muss sich die Videos der Reden ansehen.

Darin geht es darum, Stimmung zu machen und so größer zu werden. Es geht nicht um rationale Forderungen. Es geht darum, sich machtvoll in der großen Menge zu erleben, unausgesprochen einig im: „Deutschland den Deutschen! Ausländer raus!“

Nicht die diversen Berichte über solche Demos sind wirklich informativ. Informativ sind die Subtexte, die den Kommentaren zu entnehmen sind. Ein Kommentarstreifen im Gelben Forum (das sich in der Regel gehoben-ideologisch gibt) offenbart Ausländerfeindlichkeit, Rechtsextremismus, Gewaltbereitschaft. Noch aber ist es dieser klar ausgerichtete Bewegung wichtig, über Bande zu spielen. Man will schwer einordenbar sein. (Beachtlich: Auch PI fehlt nicht.)

In anderer Weise höchst informativ sind die Kommentare zu einem Videobericht im Elsässer-Blog. In etlichen von ihnen kommt ein bedeutendes rationales Kritikpotential am herrschenden Realkapitalismus zum Ausdruck – Kritik nicht an den Kriegsflüchtlingen, sondern an den Waffenexporten der BRD. Eine Hauptfunktion von PEGIDA ist offensichtlich die Irreleitung dieses Potentials.

Die Krisen des Realkapitalismus werden PEGIDA und verwandten Aktionen Lebenskraft zuführen. Dagegen müssen radikale Humanisten aufstehen.

Sie müssen unbedingt:

Genau hinschauen! Präzis differenzieren! Humanistisch und demokratisch aber vor allem aufklärend (und Einzelnen gegenüber dialogisch!) dagegenhalten.

Dieser Beitrag wurde unter Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Demokratie, Faschismus alt neu, Krise, Widerstand abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu PEGIDA. Genau hinschauen!

  1. Frieder Kohler schreibt:

    Wer trauert mehr?

    Leserzuschrift (http://www.schwaebische-post.de/regional/leserartikel/776993/)
    Zum Umgang mit zwei mutigen Todesopfern:
    Die junge Frau mit Migrationshintergrund ist an den Folgen der Prügelattacke verstorben. Tuce hat vorbildich reagiert, Mut bewiesen und ist für die Werte unseres Landes eingetreten. Bezahlt hat sie es mit dem Tod. Der junge (deutsche?) Mann, der sich dem Kaufhausräuber entgegengestellt hat, hat ebenfalls seinen Einsatz mit dem Tod bezahlt. Bloß war das Interesse der Medien schnell erloschen, während Tuces Schicksal tagelang Zeitungen, Nachrichten und Internet dominiert hat.
    Welcher Tod macht betroffener, welche Mutter trauert mehr?
    Das Credo in unserer Mainstreamgesellschaft ist bedenkenlose Ausländerfreundlichkeit. Eine andere Meinung zu haben, ist nicht statthaft, zu schnell wird man in die rechtsradikale Ecke einsortiert. Wenn immer mehr Bürger ihre Ängste vor einer Islamisierung kundtun, sind das sicherlich nicht nur Rechtsradikale.
    U.K.

    Ist der folgende Kommentar ausreichend? Habe ich genau,mit Hirn und Herz, hingesehen, also geschaut!?
    Frieder Kohler

    10.12.2014 | 13:59 Uhr
    Wer trauert mehr?

    Ihr „Credo“, Herr K., ist leider ein Glaubensbekenntnis für eine wachsende Zahl von (Mit-?) Bürgern geworden, die sich im Schwarm sicher fühlen und nicht merken, daß sie auf oder an den Leimruten von Faschisten hängen bleiben. Im „Schwarm“ befinden sich nicht nur Singvögel, sondern auch viele sog. schräge Vögel, deren Biografie (Flugrouten und Käfige) auch die Christenmenschen interessieren sollte! Da Liebe sprichwörtlich auch durch den Magen geht, empfehle ich Ihnen aus der heutigen SchwäPo „Sieben Kulturen – 60 Rezepte in einem Kochbuch“

    http://www.schwaebische-post.de/regional/schwaebisch-gmuend/777019/

    Von Köchinnen unterschiedlicher Herkunft des DRK Schwäbisch Gmünd vorgestellt – ab sofort im Handel!

  2. Lutz Lippke schreibt:

    „Genau hinschauen! Präzis differenzieren! Humanistisch und demokratisch aber vor allem aufklärend (und Einzelnen gegenüber dialogisch!) dagegenhalten.“
    Genauso sehe ich das auch. Ich habe fast täglich mit kurzlebigen politischen Meinungen und mitunter auch vertieften Haltungen zu tun, die mir eher fremd sind. Die Bild-Zeitung ist dabei immer irgendwo in der Nähe. Aber auch kein Grund für Fremdenfeindlichkeit.
    Oft steht aber auch die geäußerte Stammtisch-Parole im Widerspruch zu durchaus akzeptablen Handlungsweisen und angenehmen Charakterzügen. Manchmal ist es auch umgekehrt.
    Einfaches Dagegenhalten oder Überzeugen ist oft fruchtlos. Mit Geduld und einem guten Riecher lassen sich aber auch auf ganz freundliche Art Widersprüche in den Äußerungen aufdecken und der Blick des Gegenüber weiten. Auch man selbst erweitert dabei sein Blickfeld, übt sich in der Argumentation und gewinnt sogar manchmal neue Einsichten. Im direkten Kontakt kann man auch mal die Kontrolle durch Dritte ausblenden und sich auf eine widersprüchliche Diskussion und fragwürdige Argumente einlassen. Erst bei hoffnungslosen Fällen ist je nach deren Ausprägung zwischen Tolerierung, Abgrenzung und Zurückweisung ein geeigneter Weg zu finden.
    In der Menge funktionieren solche feinen Differenzierungen natürlich nicht. Trotzdem sollte man sich davor hüten, politisch Andere vorsorglich pauschal und aggressiv auszugrenzen. Besser ist es wohl sich sachlich und argumentativ abzugrenzen und inhaltliche Schwachstellen ohne Überheblichkeit aufzuzeigen. Vorausgreifende Unterstellungen und Zuspitzungen liegen einem zwar schnell auf der Zunge, sollten aber sparsam und überlegt erfolgen. Gegenüber menschenfeindlichen Haltungen ist alles richtig, was die Zivilcourage hergibt.
    Noch viel besser als der Blick auf die Anderen, ist es wohl die eigenen und nahen Vorstellungen zu entwickeln und zu pflegen, um Substanz zu gewinnen und damit zu überzeugen. Ein gut argumentiertes Pro-Etwas ist für die Seele gesünder und für die aufmerksame Umwelt auch attraktiver als ein aggressives Anti-Irgendwas. Nach meinem ersten Eindruck von PEGIDA würde ich mich Diskussionen mit Einzelnen nicht entziehen, aber von organisierten Aufläufen fernhalten. Interessant ist auf jeden Fall die Beobachtung des Umgangs der offiziellen Politik mit dieser Bewegung, deren geistigen Väter und Mütter sie ja sind.

  3. ErnstThählmann schreibt:

    Lieber Herr Lippke,

    seit 40 Jahren beobachte ich persönlich,
    1) dass die deutschen (pseudo) LINKEN gegen die DDR / Stalin / Kommunisten hetzen und sich an bürgerlich liberalen Positionen wie Feminismus, freies Kiffen, Ausländer über alles, Gendermainstream, Individualismus einen runterholen. Also Randgruppenthemen. Der westliche Imperialismus kann sich keine besseren kapitalfreundlichen Kronzeugen gegen eine bessere Welt wünschen.
    Die „linken“ verachten also kleine Leute, die Angst vor ausländischen Lohndrückern haben. Die verachten auch Kuba, wenn sie dort irgendwelche Menschenrechtsverletzungen vom CIA vorgegaukelt bekommen.
    2) Es ist leider nur objektive Konsequenz, dass die Rechten (Braunen) in die Lücke soziale Gerechtigkeit und USA-Imperialismus springen. Einen auf Arbeiterfreund haben ja schon die deutschen Faschisten mit Decknamen NSDAP gemacht. Aber nur 20 Prozent Arbeiter haben dem braunen Gesocks geglaubt, während sogenannte Intellektuelle (Lehrer, Schreiberlinge, Ärzte, Ingenieure) zu den faschistischen Hauptwählern gehörten.
    3) Jürgen Elsässer hat wirklich grösste Verdienste hinsichtlich Antiimperialismus, aber in seinem BLOG posten mittlerweile nur noch braune Idioten. Die sind sogar so doof und sicher, dass sie ihre anfangs getragene SOZIALE Maske fallen gelassen haben. Ob es die unterbelichteten Kommentatoren Dr Kümel, Aristoteles, Wahrsager, Heider sind, kann ja jeder selbst rausfinden.
    3a) hier sind Kommunistenhasser, Arbeiterfeinde und Menschenrechtsverachter tragende Säule
    des Blogs geworden (Mensch Jürgen, schmeiss die Heuchler endlich raus ! Bevor die Deine super gute Arbeit ruinieren.)
    3b) AKTUELL In der Praxis als ehrenamtlicher Sozialarbeiter (Ruhrgebiet, Düsseldorf, Wuppertal, Köln) erlebe ich LEIDER viele Benachteiligte, die auf die BRAUNEN Lügen reinfallen, JA diesen alten Betrug selbst unwissentlich verbreitern. Wie von Geisterhand setzen sich auf einmal verkommene Nazis für deutsche Obdachlose, alte Omis ein, Behinderte ein. Dabei waren es seit Jahrzehnten ausschliesslich feige Nazis, die deutsche Obdachlose zu Tode prügelten. Mit ihrer Faschoideologie vom nutzlosen Fresser. An türkische oder jugoslawische Gangs trauten sich diese Angsthäschen nie ran.
    4) Ich wünsche mir,
    a) dass die zum Beispiel Linken / DKP endlich mal versucht ehrliche Patrioten zu integrieren.
    b) dass die ehrlichen Rechten endlich mal ihren BOSSEN die Frage stellen, ob wir wirklich DEUTSCHE Grosskapitalisten und Multimillionäre brauchen

    • Lutz Lippke schreibt:

      Dass ich einmal mit Ernst Thä(h)lmann auf einem Blog kommunizieren würde, konnte ich mir als ehemaliger Thälmann-Pionier nicht vorstellen. Aber im Ernst:
      Zur Symbolpolitik, den Tabus und der Missachtung der Sorgen der „kleinen Leute“ kann ich Einiges gut nachvollziehen und verstehen. Deswegen mein Ansatz: Diskussionen mit Einzelnen, keine Überheblichkeit, keine Ausgrenzung und keine aggressive Zuspitzung der Fronten. Es ist ziemlich logisch, dass die vielen unbearbeiteten Sorgen der ganz normalen Bürger zu erheblichem Unmut und Unzufriedenheit führt, die sich verschiedenste Wege sucht. So wie der Druck im Kessel an jeder Ritze rauszischt, wenn krampfhaft der Deckel zugehalten wird. Der Druck steigt und bringt die Sache zum Platzen. Wer hat etwas davon? Sicher nicht der normale Bürger.
      Es ist ein Versagen der gesamten Politik und gleichzeitig auch Kalkül der Obrigkeiten.
      Welches Element davon wann und in welchem Umfang zum Tragen kommt, ist kaum festzumachen. Unvermögen und Strategie gehen wohl gerade heute eine unheilvolle und undurchschaubare Liason ein.
      Trotzdem und gerade deshalb ist es notwendig, sich über die Interessenlagen und Ursachen klar zu werden. Flüchtlingsströme sind mindestens zum erheblichen Teil Folge der militärischen, politischen und wirtschaftlichen Interventionen in den Herkunftsländern bereits aus der Kolonialzeit und bis heute. Die Einzigen, die noch als Partei gegen diese wieder verstärkten Interventionen angehen, sind die Linke. Selbst da bröckelt es leider schon. Die Führungsriege der Grünen beteiligt sich bereits eifrig bei der Genesung der Welt an nur zur Schau gestellten „westlichen Werten“ und ignorieren traditionell unter dem Motto der kulturellen Vielfalt die lokalen Konflikte um Flüchtlingsheime und soziale Brennpunkte hierzulande. Die werden vorzugsweise in zuvor stillgelegten Objekten und Wohnhäusern in den noch bezahlbaren Wohngegenden angesiedelt. Dort sind die innergesellschaftlichen, sozialen Konflikte sowieso schon überpräsent und verschärfen die Sorgen um Wohnung, Arbeit und Lebensqualität zusätzlich. Die oberflächlich weltoffene Mittelschicht wird dagegen in ihrem Wohn- und Arbeitsumfeld deutlich weniger beeinträchtigt. Die Wohlhabenden und Reichen sowieso nicht.
      Es ist daher absolut falsch und menschlich verwerflich den Frust an den stärksten Opfern dieser Vorgänge auszulassen, nämlich den Flüchtlingen selbst. Diese sind nicht besser oder schlechter als alle Anderen, aber in den allermeisten Fällen auf Hilfe angewiesen und hoffen auch nur auf ein wenig Lebensglück und Sicherheit für ihre Familien. Wenn selbst Arbeits- und Integrationswillige ausgegrenzt, sowie in Abhängigkeit und Unsicherheit gehalten werden, sind illegale Geschäfte und Kriminalität kein allgemeiner Wesenszug sondern Überlebensstrategie und Selbstermächtigung.
      Adressaten des Aufbegehrens können also nur Diejenigen sein, die diese politische und gesellschaftliche Lage organisieren, sie zum eigenen Vorteil nutzen und die Belastungen der Allgemeinheit überbürden. Ich kenne keine Rechten, Patrioten oder konservativen Bewegungen, die solche Überlegungen strukturiert anstellen. Es geht dort doch meist um Ausgrenzung, Forderungen an Obrigkeiten zur Einschränkung von Solidarität und Menschenrechten und einen rigorosen, hierarchischen Staat. Der deutsche Untertan als Lebensmodell, Stärke, Führung, Normierung, Fleiß und Gehorsam als Lebensmaxime. Alles Abweichende wird ausgeschlossen. Nein danke.
      Dabei ist es eigentlich ziemlich einfach, wer hier angekommen ist, hat nach dem Grundgesetz und der europäischen Menschenrechtskonvention Anspruch auf eine menschenwürdige Behandlung durch Staat und Bevölkerung. Wer das infrage stellt, ist kein Menschenfreund. Um sich diesen Pflichten zu entziehen, bauen Konservative und Rechte hohe Mauern auf und lassen Flüchtlinge lieber im Mittelmeer ersaufen. Das große Geld für Hilfeleistungen wird ohne Aufhebens aus dem Gemeinschaftstopf abgezweigt. Die noble Geste des wohltätigen Spenders aber mit großem Getue und Bauchpinseln präsentiert. Gleichzeitig zündeln die ansonsten Unbehelligten in der ganzen Welt und verbrüdern sich aus wirtschaftlichen Interessen auch mit jeder Art von Diktatur, Paramilitärs und Ausbeutern, solange es für die honorigen Investoren und Geschäfte der deutschen Wirtschaft vorteilhaft ist.
      Es muss also einen Stopp der Interventionen und Einmischung in andere Gesellschaften, den Vorrang der friedlichen Diplomatie, gegenseitige Kooperation, die bedingungslose Hilfe zur Selbsthilfe und nicht zuletzt eine Wiederbelebung der demokratischen Errungenschaften im eigenen Land geben. Denn nur eine demokratische Zivilgesellschaft die Konflikte und Probleme ernsthaft und friedlich klären kann, wird nachhaltig mit menschlichem Antlitz bestehen können.

      • ErnstThählmannFan schreibt:

        Vielen Dank für Ihre Antwort. Ursprünglich habe ich Ihre Seite durch die Verbrechen in der Psychiatrie und an Gustl Mollath entdeckt (Peter Lehmann lässt grüssen). Ich finde die Kombination aus Menschenrechte und kommunistische WISSENSCHAFT / Klassiker optimal. Ich denke, dass Ihr Blog deshalb sehr gut mit dem von Einar Schlereth harmoniert. Werde bei Einar gleich mal anfragen, ob er Sie in seiner Feedliste aufnehmen darf oder kann. Der Feed vom Elsässerblog wurde übrigens entfernt.
        Ich bin richtig stolz, wenn ich es schaffe durch ehrliche Kommentare die Aufrufzahl eines BLOGS, Videos zu verdoppeln. Noch mehr freue ich mich, wenn sich Blogs verlinken, oder bei Google automatisch die Aufrufkombination Ukraine Nazis kommt. Beim ASR-, oder jjahnke Blog konnte ich schon kommunistische Beiträge mit positiver Resonanz unterbringen. Liebe Grüsse, und, Wir haben nicht mehr so viel Zeit.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s