Vorwärts nimmer – Rückwärts immer!

Signale habe ich eingesammelt, solche wie diese:

* Zu einem Text (nicht auf diesem Blog), der sich mit der Herrscher-Rolle der Superreichen auseinandersetzte, wurde sinngemäß kommentiert: Der Kommunismus hat die schlimmsten Verbrechen begangen. Die Nazis kamen demokratisch an die Macht und haben die schlimmsten Verbrechen begangen. Da lobe ich mir doch die ausgewogene Herrschaft der Superreichen. Die achten auf Disziplin und ordentliche Arbeit. Vielleicht ist auch diese Gesellschaft nicht ideal aber allen geht es noch am besten.

* In einem anderen Kontext gab ein, nach eigener Sicht, Libertärer zu bedenken: „Ansonsten haben alte Eliten immer gewisse Vorteile für das Volk: Sie sind gesättigt, haben ihren Reichtum dazu benutzt, ihren Kindern die beste Bildung zu geben, weswegen diese Kinder nun weitaus gebildetere und damit erträglichere Herrscher sind als Neureiche, bei denen zur unbefriedigten Gier und Prunksucht auch noch fehlende Kultur hinzukommt. Sind die aber einmal weg vom Fenster, ist es sinnlos, auf die Wiederherstellung von ihrer Macht zu hoffen. Da ist die Hoffnung auf die nächsten, bereits gesättigten und gebildeten Generationen der heutigen Neureichen sinnvoller.“

* Noch ein anderer Kontext: „Bin zwar kein Monarchist wie er, aber erstaunlicherweise können Anarchisten mit Monarchisten durchaus was anfangen: Man lese Hoppe, “Demokratie, der Gott der keiner war”, wo erläutert wird, warum Monarchie das kleinere Übel es, wenn man schon einen Staat hat.
Ansonsten, wer ist denn heute noch “fortschrittlich”? Ich denke, die sind ausgestorben?“

* und weiter: „Na was war denn Ihrer Meinung nach schlimmer – die paar Kleinkriege, während denen Deutschland als Land der Dichter und Denker bekannt wurde, die von den Fürsten selbst bezahlt wurden und die die Bevölkerung (also die als Steuerzahler zu erobernden) in Ruhe ließen, oder die ideologischen Weltkriege der Demokratien?
Die Katastrophe für Deutschland war die Ausbreitung der Demokratie. Deutschland unter Bismark war ja durchaus schon zu einem deutlichen Anteil demokratisch – klar, der Kaiser hatte Macht, aber auch das Parlament war nicht machtlos. Es war jedenfalls keine klassische Monarchie mehr, sondern ein moderner Nationalstaat, also moderne demokratische Katastrophe. Und die Nazis waren ja eine klassische demokratische Bewegung, sind ja auch durch Wahlen an die Macht gekommen. Und das Einzige, was sie an der Demokratie störte, war die Möglichkeit, wieder abgewählt zu werden. Ansonsten blieb ja die Weimarer Verfassung bis zum Schluss in Kraft.
Monarchie funktioniert in Kleinstaaten auch besser, aber Demokratie ist nur in Kleinstaaten oder bei extremer Föderalisierung (wie in der Schweiz) brauchbar.
Ökonomisch gesehen ist das Hauptproblem der Demokratie der viel zu kurze Entscheidungshorizont. Man denkt nur an das, was in den nächsten vier Jahren sichtbare Erfolge zeigt. Was in fünf Jahren Erfolge zeigt, wäre die Katastrophe,…“

Das sind Meinungen aus einer (von zahlreichen) Diskussion beim Saker, die sich um „Strelkow“ dreht, den Schützen. Der Russe Strelkow, eigentlich Igor Girkin, spielte (spielt?) für den Aufstand in der Ostukraine eine bedeutende Rolle. Strelkow ist Monarchist, grossrussischer Nationalist, praktizierender orthodoxer Christ. Für ihn begann das tragische Chaos der russischen Geschichte 1917 mit der Oktoberrevolution. Einer wie er steht in der vordersten Linie des Kampfes gegen die atlantisch-zionistische Neuordnung der Welt.

* In einer anderen Diskussion wurden die folgenden Meinungen einander entgegengestellt: „Ich beharre trotzdem auf Ratio, Verstand und dem Fundus der “ollen”, von der Wirklichkeit abgezogenen Begriffe. Um es anders zu verdeutlichen: Wer auf Goethe/Hegel, Marx und Lenin verzichtet, der muss bis weit vor 1789 zurückgehen.“

versus

weil ich … die zerfranste, instabile “Frontlinie” angerissen habe, die nicht nur klaren rationalen Interessen, sondern vielen Dimensionen folgt. Mein Problem ist, dass ich diese Gemengelage nicht mittels einem Parteibuch, einem ideologischen Bekenntnis, dem Rückgriff auf Klassiker oder Idole, einer Schicksalswahl oder einer kategorische Entscheidung aufdröseln kann.“

Schnell entsteht der Wunsch zu argumentieren, zu polemisieren. Ich möchte ihn ein wenig zügeln. Der Milliardär Berggruen, der jüngst vorbeikam, um den Karstadt-Konzern auszuschlachten, hinterließ ein Büchlein, in dem er die „gute Regierung“ eines Rates alter reicher (natürlich weiser) Männer empfahl. Vor Jahr und Tag schadronierte Sloterdijk, dass man die Besteuerung der Reichen abschaffen solle. Mit ihrer Wohltätigkeit ließe sich viel besser leben. Mein Morgenradio sendet am ersten Advent gefühlt stundenlange Interviews die die Freuden des Spendens für die Tafeln, der Sammelns und Verteilens der Spenden und schließlich ihres Genusses als „Tafelnder“ preisen. Jede zweite U-Bahnfahrt beschert die demütige Stimme eines „ärmlich aber sauber“ gekleideten Bittstellers, der ein Obdachlosenmagazin zum Kauf feilbietet.

Ich mag immer noch nicht argumentieren. Zumal die von Tag zu Tag mehr regierende Linke reichlich Antworten vorhält:

Eine Revolution sei vor 25 Jahren gewesen. Dem „Stalinismus“ sei der Garaus gemacht worden. Damals glaubten einige Träumer, es gehe zurück zu Lenin. Heute ist man entschieden weiter. TräumerInnen heute (es können aber auch DemagogInnen sein) erkennt man daran, dass sie noch das Wort „Sozialismus“ in den Mund nehmen. Von Großdenkern dagegen wird berichtet: „… der »große Akt der Revolution« sei nicht zu erwarten und ein Übergang vom neoliberalen Kapitalismus in den Sozialismus nicht wahrscheinlich. Deshalb solle man den heutigen Kapitalismus in einen »anderen, sozialeren, ökologischeren, friedensorientierten Kapitalismus transformieren«.

Unter den Scharen der heftigen Kritiker heutiger Verhältnisse scheint es eine große Einigkeit über die Richtung zu geben: „Nach hinten, los!“ Nur über die Schrittweite gibt es geteilte Meinungen. Die Bescheidenen begnügen sich mit Bismarck. Bei der Linken möge es mindestens jenseits des Kommunistischen Manifests sein. Aber auch zu sagen: „vor 1789“ geht nicht mehr als Kühnheit weg.

Wie wär’s denn mit F zwo? Nein, nicht den. Ich meine den Staufer. Oder gleich den Kaiser Barbarossa?

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2 Antworten zu Vorwärts nimmer – Rückwärts immer!

  1. Lutz Lippke schreibt:

    Ich finde zwar meinen „zerfransten“ Kommentar, der hier u.a. auch zitiert wird, missverstanden und das Zitat demzufolge fehlplatziert, aber der Blogbeitrag ist trotzdem gut und wichtig.

    • kranich05 schreibt:

      Ich entschuldige mich, falls ich durch oberflächliches Lesen etwas missverstanden habe und bedanke mich für die Dennoch-Würdigung meines Beitrags. 🙂

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