Weitsicht

Georg Fülberth lieferte mir heute einen willkommenen Beleg für ein Stichwort, dass mir seit geraumer Zeit unter der Zunge lag (wenn ich mich mal so ausdrücken darf).

Gegen den Vorwurf er würde nichts tun, alles nur aussitzen (ein Vorwurf der inflationär gegen Kohl und inflationärer gegen Merkel vorgebracht wird aber leider nur die politisch-geistige Schlichtheit der Vorbringer beweist), entgegnete Adenauer der SPD 1952:

„Aber ich denke mir die Entwicklung folgendermaßen: Wenn der Westen stärker ist als Sowjetrussland, dann ist der Tag der Verhandlungen gekommen. Dann wird man auf der einen Seite Deutschland die Furcht nehmen müssen, die es hat. Dann wird man auch Sowjetrussland klarmachen müssen, dass es so nicht geht, dass es womöglich halb Europa in Sklaverei halten kann, und dass im Wege einer Auseinandersetzung, nicht einer kriegerischen Auseinandersetzung, sondern im Wege einer friedlichen Auseinandersetzung, die Verhältnisse in Osteuropa neu geklärt werden müssen. Ich bin auch der Auffassung, dass Sowjetrussland zu solchen Verhandlungen alsdann bereit sein wird, denn glauben Sie mir, auch Sowjetrussland hat schwere innere Probleme, sogar außerordentlich schwere innere Probleme, nämlich das Nahrungsmittelproblem.“ zitiert nach Fülberth hier.

Ich muss das nicht kommentieren, mensch kann gerne den verlinkten Artikel weiterlesen.

Heute ist das Lamento groß, die Bundesregierung betreibe eine ganz unverständliche Politik. Sie schade den deutschen Interessen und sei zum sklavischen Vasall der USA herabgesunken. An dieser Kritik ist Manches berechtigt, und so habe auch ich sie geäußert. Das sollte aber nicht blockieren, auch anderes Naheliegendes zu denken:

Ein Blick auf die Osteuropakarte lehrt, dass die deutsche Macht, exekutiert von der Bundesregierung, gerade zielstrebig und friedlich in exakt den Raum eindringt bzw. sich in ihm etabliert, den deutsche Macht vor ungefähr genau 70 Jahren schon einmal umfasste. (Ich denke unwillkürlich an die Weisheit eines zeitweilig namhaften Schwaben: Was damals richtig war, kann heute nicht falsch sein.) Genau genommen dringt die deutsche Macht nicht selbst ein, sondern übt sich wieder im „System der plausiblen Bestreitbarkeit“. Hat den Vorteil, dass man vorerst nicht selbst faschistisch sein muss, sondern sich bis auf Weiteres mit Faschistenkooperation begnügen kann. Doch solche Aspekte führen schon in die Einzelheiten.

Dieses DEUTSCH-OSTEUROPA schließt noch tatsächlich das schöne Land Georgien am Ostufer des Schwarzen Meeres ein. (1962 als Tourist in der Sowjetunion habe ich die Reste deutscher Maschinengewehrstellungen am „Kluchorski Perewal“, deutsch: „Kluchor-Pass“, besichtigt.)

Wenn Sie mich fragen: Heute ist ein deutscher Weg zur Weltmacht halbwegs realistisch.

A Eindringen in DEUTSCH-OSTEUROPA, mit ALLEN Mitteln, ausdrücklich auch kriegerischen in zweckmäßiger Dosierung. (Die Zweckmäßigkeit hofft man unter Kontrolle zu behalten.)

B Durchdringen von DEUTSCH-OSTEUROPA, eine Sache von Jahrzehnten, fragen Sie Ischinger; ausschließlich „friedlich“ bzw. „raubtier“ökonomisch bzw. strukturell gewaltförmig

C Weltmacht Europa unter deutscher Führung.

Falls Sie mich immer noch fragen: Die deutschen Mächtigen haben manches gelernt. Ein Schönheitsfehler leider bleibt: Sie machen immer noch die Rechnung ohne den Wirt.

Dieser Beitrag wurde unter Bewußtheit, Blödmaschine, Demokratie, Faschismus alt neu, kein Witz, Krieg, Krise, Machtmedien, Materialismus, Realkapitalismus, Widerstand abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Weitsicht

  1. Wolfgang schreibt:

    Zu Weitsicht: Oder wieder ohne den Wirt? Das würde mich ein bisschen „beruhigen“. Weil, sonst sieht es so aus, als ob die nie aufgehört hätten. Oder doch nicht?

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  2. Joachim Bode schreibt:

    Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch….

    B. Brecht

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    • kranich05 schreibt:

      Soweit der Schoß ein deutscher ist, sollte uns seine Fruchtbarkeit konkret beschäftigen. Es hat sich sehr eingebürgert, auf die anglo-amerikansch-zionistischen Bösen einzuschlagen, deren Opfer „der Deutsche“ wurde.
      Von allen imperialistischen Kotzbrocken stinkt mich immer noch der deutsche am meisten an, einfach deshalb, weil ich zu ihm in größter Nähe stehen muss.

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