Im Dickicht der Städte

Da las ich, ein bayerisches Gericht habe ein überraschend mildes Urteil gefällt. Es war gegen einen Banker, einen von der Bayern LB/Hypo Alpe Adria. Immer wenn solche Information durch’s Dickicht schimmert, sind die Namen bayerischer Politiker nicht weit, steht mir, ob ich will oder nicht, der Mollathskandal vor Augen.

Oder ich las, dass die Bundeswehr eine komplette Großstadt zum Üben von Krieg aufbaut. Sie heißt Schnöggersburg, kostet hunderte Millionen. Ein Stück U-Bahn wird sie haben. Oder sogar hundert Meter Gaza-Tunnel? Sicher gibt es dort Bankfilialen und Anwaltskanzleien und eine Forensik. Am Bankpalast wird ein Sondereinsatzkommando üben, die Forensik deckt schweres Mörserfeuer ein, nur die Anwaltskanzlei wird geschont, denn sie ist exterritoriales Gebiet. Wer Bilder von Falludscha kennt oder von Homs, Aleppo sieht, dass die Bundeswehrmacht über das Dickicht der Städte hinausgeht – zur Ruinenwüste.

Auch anderswo baut man Modellstädte. Hypotopia in Wien ist zu nennen. Dort heißt es „Klotzen nicht Kleckern!“. Neunzehn Milliarden ist der Einsatz. Das ist der Betrag, den die „Rettung“ der Hypo Alpe Adria verschlingt. Uns geht das Dickicht der Stadt Wien oder das in Kärnten nichts an. Oder?… Hoppla! – die Bayern LB ist mit 3 bis 4 Mrd. dabei. Auch von Streumunition ist die Rede (einst ein lukratives Geschäftsfeld der Rüstungsfirma Diehl), deren Produktion die Bank noch im Jahr 2010 finanzierte. Und es fallen die christlichen Namen Faltlhauser und Beckstein. 2010 ist plötzlich auch der investigative Anwalt des Rechts Strate aus Hamburg am Set: Strafanzeige gegen die in den Jahren 2004-2008 tätig gewesenen Mitglieder des Vorstandes sowie des Verwaltungsrates der Bayerischen Landesbank. Mit der Aufdeckung von, etwas salopp gesagt, Schweinereien im Finanzsektor  (auch mit amerikanischen Connections?) kennt sich Strate aus, wie diese Seite (unvollständig) dokumentiert.

Mollath im schönen Nürnberg, Stadt des Friedens und der Menschenrechte, ahnt nichts vom Dickicht der Städte, nichts von Beckstein, nichts von Strate. Vertrauensvoll flattert der Paradiesvogel den Bankenchefs an die breite Brust – weil da paar klitzekleine, ihn dennoch ernsthaft störende Unregelmäßigkeiten zu klären waren. Faltlhauser und Beckstein traten da noch nicht in Aktion. Traten sie überhaupt in Aktion? Nein, denn der hartnäckig nervende Kerl hatte „nicht alle Tassen im Schrank“, und das Einzige, von dem er etwas verstand, waren Reifen. Deshalb wurde er zu Recht weggesperrt, in die Hochsicherheitsforensik!

Jetzt (Ironie der Geschichte: Nach einem Fingerzeig aus Bankkreisen in Form des Revisionsberichts) war erst einmal für die Freiheit von Gustl zu kämpfen. Hunderte begannen sich zu engagieren. Wieder und wieder wurden dämliche Juristenentscheidungen zerpflückt, PolitikerInnensprüche dem Hohn preisgegeben, wurden die Absonderungen von Journalistennutten akribisch widerlegt und die wieder und wieder inszenierten Märchenopern von Psychiatrieprofessoren ausgebuht. Volle Kanne Fight im Dickicht! Doch dann: Finale mit Ritter Strate. Keiner, so die Legende, konnte diesem juristischen Präzisionsfeuer widerstehen. Der Enthüller so mancher Bankenschweinerei hat, so die Legende, schließlich den Gustl ‚rausgehauen; in anderthalb Jahren hochkarätigen juristischen Ringens; in denen NICHT EINMAL das Wort „Bank“ fiel (!).

Und „Hypotopia Deutschland“? Hat bislang keiner gebaut. Bedauerlich, denn bei einem Bürgschaftsvolumen des Steuerzahlers von 125 Mrd für die Hypo Real Estate, HRE (+ amerikanische Connections?) hätte man gleich ein echtes deutsches „Hypertrophia“ errichten können.

Die Kraftlinien des Ganz Großen Geldes (GGG) waren ein wenig entblößt worden, einige der fleißigen Helferlein (Funktionseliten) entlang dieser Linien waren in Aktion zu bewundern. Der Stoff, aus dem gute Geschichten zu machen sind oder die Netzstrukturbilder des Mark Lombardi oder die neuen Städte ohne Dickicht. Frage an die Passanten: Soll gelten: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“?

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Das passt auch hierher.

 

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