Im Zentrum

Nichts Besonderes; einfach mal einige Stunden im Zentrum der deutschen Hauptstadt. Demokratische Manifestationen waren heute angekündigt, und ich wollte teilnehmen.

18.15 Uhr, am Brandenburger Tor. Ich komme aus dem U-Bahnschacht: Polizisten, Wannen, Blaulicht. Auf den zweiten Blick: Fiaker, Touristen, Kaffeehausgäste.

Eine Demonstration der Solidarität mit den Verteidigern Kobanes findet statt, getragen hauptsächlich von Kurden. Ich schätze 150 Leute.

Vorbei am Stand der Reichsbürger, 3 oder 5 Leute (davon 2, 3 ausländische Touristen).

Vorbeifährt eine lautstarke Fahraddemo von „NoWare“ (lautstark gegen den Imperialismus ist es aus dem begleitenden Lautsprecherwagen) gegen die Konferenz für Kriegsführung in Städten. Ich schätze 80 Teilnehmer. Hier ist die Polizei massiv vertreten.

Auf der anderen Seite des Brandenburger Tores die „traditionelle“ Montagsmahnwache. Fast keine Polizei. Ich schätze 80 bis 100 Teilnehmer, dann sind es vielleicht 120. Es werden Abgrenzungen gegen Reichsbürger, UFOs und Chemtrails vorgetragen. Es folgt ein längerer Vortrag über das GeldSystem und Zinseszins. Neues ist nicht zu hören, Gründliches ebenfalls nicht. Politisches sowieso nicht. Etliche Teilnehmer haben sich auf Klappstühlen niedergelassen. Es sieht aus, als würden sie sich ihre wöchentliche Ration Mahnwachenfeeling abholen.

19.30 Uhr, Friedrichstraße, Hotel Maritim, Abschluβkundgebung der NoWare-FahrradDemo. Martialisches Polizeiaufgebot, mindestens 30 (erkennbare) Polizeibeamte, 13 Einsatzfahrzeuge, Blaulicht, manchmal Martinshorn. 30 Kundgebungteilnehmer. Der laute Lautsprecher spielt laute, kämpferische Musik. Die RednerInnen (die unbedingt „Redner*nnen“  zu schreiben sind) sagen laut das, was alle wissen. Dünner Sprechchor:“Hoch-die-internationale-Solidarität!“.u

Was also aus dem Zentrum melden?

Es wimmelt von Leuten, die ihre guten Tage (und das demonstrative Treiben) genießen. Für sie stehen zauberhaft beleuchtete Fahrradrikschas bereit oder Fiaker, deren Pferde einen hier unerwartet natürlichen Duft verströmen.

Nicht Wenige hasten vorbei, starr geradeaus, Pflichten im Blick.

Die Demonstranto-Grüppchen wie Splitterchen im zähen Teig (der nicht gären will). Mit Verkündigungen, die ziemlich laut sind. Laut aber irgendwie halbschläfrig. Bekifft von welchem Stoff?

Die Repressionskräfte in reichlicher Zahl und Pracht und Herrlichkeit. Sie haben zweifellos den vollen Durchblick. Jedenfalls sind sie hellwach, die schrankartigen Männer und kecken Damen. Schlagfertigkeit dezent ausgestellt. Keine Schutzschilder, hinter die sie sich ducken, weil Demokraten mit Stangen und Ketten oder auch nur Regenschirmen auf sie einschlagen. Hier ist nicht Maid. oder Hong., hier ist Berlin.

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2 Antworten zu Im Zentrum

  1. Breitenbach schreibt:

    Im Zentrum deutlich wurde klar:
    nowhere is nowar.

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