zerlegte Friedensbewegung

Gestern und vorgestern habe ich an der Antikriegskonferenz (AKK) im Haus der Demokratie und Menschenrechte in Berlin teilgenommen. Dort gab es (größtenteils) informative Vorträge und (jeweils knappe) Diskussionen zu einem breiten Themenspektrum des Friedenskampfes. Zu tieferen Diskussionen über Streitfragen, wie etwa die Montagsmahnwachen, war keine Zeit.

Zur gleichen Zeit gab es weitere friedensbewegte Aktivitäten. Mir wurden bekannt (meine Aufzählung beansprucht keine Vollständigkeit):

– Ossietzky-Matinee am 3.10. in Berlin

– wiederholte Demonstrationen der Solidarität in Berlin mit den gegen IS kämpfenden syrischen Kurden

– eine maßgeblich von Elsässer betriebene Manifestation am 3.10. vor dem Reichstag, deren Ursprung zumindest teilweise in den Montagsmahnwachen liegt

– ein globaler Aktionstag gegen Kampfdrohnen

– eine Petition der Friedenskooperation Berlin gegen Kriegspropaganda und Kriegsvorbereitung

– die wöchentlichen Montagsmahnwachen nicht vergessen.

Ich sehe eine erstaunliche Anzahl von Aktivitäten. Jede für sich genommen ist frustrierend klein. Das politische Gewicht jeder einzelnen ist minimal.

Eine zerlegte Bewegung!

Zu glauben, dass sich hier vornehmlich organisatorisches Unvermögen zeigt, wäre oberflächlich. Es gibt bedeutende inhaltliche Differenzen. Über die man nicht ernsthaft streitet! Mir scheint, dass jedes der friedensbewegten Grüppchen seine ganz eigenen Vorzüge und seine ganz eigenen Schwächen hat und beides eifersüchtig hütet.

Während die deutsche Regierung (in der Formulierung von „Bild“ (!)) Bundeswehr-Kampftruppen in die Ukraine schicken will.

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9 Antworten zu zerlegte Friedensbewegung

  1. AlterKnacker schreibt:

    Genau so uneinig, wie die Friedensbewegung, so völlig unsolidarisch ist auch eine ganz andere Bewegung … http://freies-in-wort-und-schrift.info/2014/10/05/ein-jubilum-steht-vor-der-tr/

  2. Dian schreibt:

    Die Friedensfrage ist unweigerlich mit der sozialen Frage verbunden, die eine ist nicht ohne die andere lösbar. Oder anders herum: z. B. „Die Linke“ verkommt genau in dem Maße zum Etikettenschwindel, wie sie sich in der Friedensfrage wankelmütig bis Kompromiss erheischend und damit opportunistisch zeigt.
    Frieden durch Sozialismus – da trennt sich Spreu von Weizen. Im Interesse der Verhinderung von Kriegen müssen die „echten“ Linken, die Verfechter des Sozialismus das Bündnis mit allen friedliebenden Menschen suchen – und führen. Dazu gehört ein starkes Selbstbewusstsein als Teil der Bewusstheit, die zum Führen befähigt. Die Wiedererlangung dessen entgegen den reaktionären Lehren der Schulen und ebensolchen Lügen der Medien ist nach dem Sieg der Konterrevolution in den sozialistischen Ländern der sowjetischen Hemisphäre die aktuelle Aufgabe.

    Zwischen Sozialist und Kleinbürger ist es nur ein schmaler, jedoch entscheidender Grat im Handeln bedingt durch die Weltanschauung.

    Lieber Opa, dem Ort und meinem daraus resultierenden Vorurteil nach war der Charakter der AKK im Haus der Demokratie eher kleinbürgerlich als sozialistisch. Ich freute mich, Du wolltest und könntest(!) dagegen argumentieren.

    • kranich05 schreibt:

      Ich will und kann; dagegen und dafür. 😉

      • Dian schreibt:

        Dein „dagegen und dafür“ lese ich so, dass Du willst aber nicht kannst – ohne Einbuße an Ehrlichkeit. Auch (meine) Vorurteile bringen uns nicht weiter. Was war denn sozialistisch?

        • kranich05 schreibt:

          „Dagegen“ meine Ich in Deinem Sinne als Auseinandersetzung mit der kleinbürgerlichen Beschränktheit. „Dafür“ Im Sinne der dennoch notwendigen Zusammenarbeit (und Wertschätzung) mit kleinbürgerlichen Friedensfreunden.

          • Dian schreibt:

            Na, lieber Opa, nun aber mal Butter bei die Fische: waren (revolutionäre) Arbeiter zugegen, gab es sozialistische Wortführer, eine derartige Programmatik; gab es Ideen, die von Mehrheiten aufgegriffen wurden?
            Hier mal ein Bericht von einer „Gegenveranstaltung“: „In den Gewerkschaften bewegt sich was. 600 Aktivisten diskutierten in Hannover über neue Streikformen, notwendige Politisierung und den Kampf gegen Prekarisierung“ (Daniel Behruzi, https://www.jungewelt.de/schwerpunkt/keine-windstille ) Und vom gleichen Autor: „Empörung über die Kollegen des Berlin-Brandenburger Gewerkschaftsbundes“ https://www.jungewelt.de/schwerpunkt/dgb-und-fl%C3%BCchtlinge

  3. Pingback: Wieviel bewegt “die Bewegung”? | opablog

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  5. walterfriedmann schreibt:

    Hat dies auf Forum Politik rebloggt und kommentierte:
    Friedensbewegung

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