Noch einmal zum Thema „gesellschaftliche Bewußtlosigkeit“

Eine Beobachtung in Fortführung meines Postings „total, dynamisch, bewußtlos“:

Dort sagte ich sinngemäß, dass bei aller Übermacht der Herrschenden und Ohnmacht der Linken (und aller Systemveränderer) „objektive Erkenntnis der Zeit und ihre systemüberwindende Kritik“ nicht unmöglich sei, dass das aber systematische Zusammenarbeit erfordere. Das soll ruhig als Erinnerung verstanden werden an eine alte Tugend (oder zumindest Forderung) der revolutionären Parteien, dass der Kampf wissenschaftlich geführt werden müsse, also auch wissenschaftliches Studium, Analyse, Kritik usw notwendig sei. Lassen wir die Diskussion darüber beiseite, wie unvollkommen dieser Forderung entsprochen wurde. Heute hat die sog. Linke jedenfalls das Kind mit dem Bade ausgeschüttet und jegliches wissenschaftliche Fundament, jegliche wissenschaftlich begründete Achse ihrer Politik liquidiert. Die durchaus zahlreichen linken Hanseln rennen herum, wie „Hühner ohne Kopp“, wie die Bauleute des Turmbaus zu Babel. Die Orientierungslosigkeit der Linken ist phänomenal, und beim Sichten/Filtern der geistigen Ströme des Internet habe ich manchmal den Eindruck, dass heute eine bürgerliche Kritikposition (mittelstandsbürgerliche, durchaus auch mit Ausflügen zum rechten Rand) nicht nur mehr Vielfalt und Lebendigkeit in die Waagschale wirft, sondern sogar dabei ist, bestimmte Grundpositionen  und tendenziell einen einheitlichen Willen herauszuarbeiten, der politisches Gewicht ermöglicht.

Die Beobachtung, die ich mitteilen will, betrifft mich selbst und wurde angeregt durch die Ausführungen des russischen Außenministers Lawrow vor der UNO„Der Westen nahm Kurs auf eine »vertikale Strukturierung der Menschheit« unter seine eigenen, bei weitem nicht harmlosen Standards.“ Damit (und an weiteren Stellen) trifft Lawrow durchaus dezidierte Aussagen zur „Neuen Weltordnung“ – „Neue Weltordnung“ (NWO) ein notwendiger und solider, ein unverzichtbarer Begriff, um zu beschreiben, was heute in der Welt geschieht. Die theoretische Reflexion des Kampfes um diese Weltordnung erlaubt die Identifizierung des entschiedensten Akteurs, des atlantisch-zionistischen Imperialismus. Ohne theoretische Identifizierung ist keine effektive Gegenwehr möglich.

Ich erinnere mich noch genau, wann ich den Begriff „NWO“ für mich entdeckte und zu verwenden begann. Das war im Laufe des ersten Halbjahrs 2013. Vorher hatte ich mich davor gescheut, weil der Begriff einen „verschwörungstheoretischen“ Stallgeruch hatte. Mitte 2013 hatte ich einen kleinen Mailwechsel mit einem anderen Mollathunterstützer, der darüber stolperte, dass ich nun ungehemmt von „NWO“ sprach…

Es ist unglaublich, dass auch ich diese Begrifflichkeit vermieden habe, obwohl die entsprechenden Konzepte seit 15 Jahren praktiziert werden! Und auch heute, das machen auch Lawrows Ausführungen deutlich, sind wir von einer tiefgründigen Kritik des Konzepts „NWO“ und vor allem einer angemessenen Gegenstrategie noch weit entfernt.

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5 Antworten zu Noch einmal zum Thema „gesellschaftliche Bewußtlosigkeit“

  1. Albert A. schreibt:

    Wer sich mit der Geschichte nur eingeschränkt beschäftigt, der kann leichtfertig zu dem Schluss kommen, dass die „Neue Weltordnung“ etwas neues sei. Doch die verschiedene Machtspiele und Intrigen sind uralt, sie wurden nicht erst durch die deutschen Kaiser oder den Vatikan erfunden sondern waren bereits in altem China alltäglich vorhanden und konnten sich bis in die heutige Zeit erhalten. Es ist daher überflüssig, zu befürchten, dass die Macht über die ganze Welt von irgendwelchem geheimen Clan übernehmen werden könnte. Das ist bereits längst geschehen und zwar nicht nur in Italien sondern überall auf der Welt.
    Zitat:
    „Dort sagte ich sinngemäß, dass bei aller Übermacht der Herrschenden und Ohnmacht der Linken (und aller Systemveränderer)…“
    Es ist witzig, über die „Ohnmacht der Linken (und aller Systemveränderer)“ nachzudenken und dabei die Ohnmacht der Millionen, ja Milliarden Menschen in der Ukraine, in Indien, in den USA oder in Afrika zu übersehen.

    Es ist die Macht, die uns ohnmächtig macht und so war es schon immer… Ganz gleich wie ekelhaft uns diese Macht vorkommt. Wenn ich solche Macht hätte, dürften sich viele Menschen über mich auch ekeln…

    • kranich05 schreibt:

      Es spricht manches dafür, dass „alles schon da war“, dass es nichts Neues gibt. Ich meine, genausoviel spricht dafür, dass „jeder Tag Neues bringt“, jeden Tag das Leben neu beginnt.
      Das Interesante ist es gerade, diese Spannung, dieses Gegensatzverhältnis, diese Dialektik anzunehmen.

  2. Wolfgang schreibt:

    Deine Schreibe möchte ich lieber nicht zu ende denken, Albert A.

  3. rheinlaender schreibt:

    Statt in Diskusionen verschwommen, intellektuell, kleinbürgerlich rumzueiern, hab ich SEHR gute Erfahrung mit Ehrlichkeit gemacht. Ich sage den Leuten DIREKT und OFFEN Ohne verlogene Enschuldigungen, dass ich die DDR (wirtschaftlich, sozial, Freiheits-, Party-, Sex – und friedensmässig) für einen der besten Staaten der Welt halte und die USA nebst Verbündeten für imperialistische Mörder, die ihren kurzfristigen Wohlstand seit dem WK2 nur Raub und der Ermordung von über 20 MIO Menschen verdanken. Mal von den Militärputschen in den ärmsten Ländern und verfaulten CIA Oragenrevolutioinen (ja auch DDR 1953 / 1989, Ungarn / Iran 1956, Tschecheslowakei 1968, Chile 1973, Polen 1980, China 1989, Jugoslawien, grüne Iranbewegung, Libyen, Syiren, Venezuela oder permanent die Ukraine und aktuell HongKong … ) abgesehen.
    Selbst aus westlichen Quellen / Statistiken lassen sich beide Standpunkte leicht erklären. In Punkto DDR würde ich zusätzlich die Bücher von Blessing ( die Schulden des Westen an die DDR) bzw. Hartmann (die DDR unterm Lügenberg) empfehlen oder einfach den sascha313blog..

  4. walterfriedmann schreibt:

    Hat dies auf Weltpolitik rebloggt und kommentierte:
    Neue Weltordnung

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