total, dynamisch, bewusstlos

TOTALITÄT

Das gesellschaftliche Denken der Zeit („Zeitgeist“) hat EINE Wahrheit. Sie durchdringt alles. Wer ihr nicht zustimmt, ist daneben. Inthronisiert wurde sie mit 09/11. Ihr Name ist „Krieg gegen den Terror“. (Der ursprüngliche, sprechendere Name „Kreuzzug gegen den Terror“ wurde zurückgezogen.)

Der Zeitgeist (bekanntlich „der Herren eigner Geist“) ist total. Ich nenne ihn nur deshalb nicht „totalitär“, weil die Gewalt, mit der er bei uns herrscht, vergleichsweise sanft ist.

DYNAMIK

Als die Wahrheit total geworden war, wurden alle Antworten leicht. Z. B. zweifelte niemand mehr an der Behauptung, dass Deutschland auch am Hindukusch verteidigt würde. Eigentlich beansprucht die totale Wahrheit ewige Geltung. Dazu steht es im Widerspruch, wenn in hohem Tempo neue Wahrheiten geschaffen werden und alte verschleiβen. Vor einem Jahr war ISIS Eine heroische Kampfgruppe gegen den Schlächter Assad. Heute wurde aus ISIS die Verkörperung des Bösen. Vor einem Jahr war Janukowitsch geschätzter Verhandlungspartner. Heute ist er vergessen. Vor einem Jahr bildete Saudi-Arabien Terroristen aus, heute trainiert es Kämpfer gegen den Terrorismus. Deutschland verweigerte sich dem Libyenkrieg, heute erschallt der Ruf: Kein Krieg ohne Deutschland!

Die neue Dynamik der Wahrheitsproduktion setzt die grenzenlose Definitionsmacht ihrer Erzeuger voraus. Wahrheitsüberprüfung, die noch zu 9/11 erfolgte (wenn auch widerwillig und in engen Grenzen), kann (und muss) unterbleiben. Tendenziell wird die Wahrheit von Ereignissen bereits VOR deren Eintritt verkündet. Depressionen aller Art des naiven Erkenntnisglaubens sind die Folge, bis hin zu seinem völligen Absterben.

BEWUSSTLOSIGKEIT

Ergebnis so „designeter“ Gesellschaftsprozesse ist ihre Bewusstlosigkeit. Je schneller sie ablaufen und je komplexer sie sind (um den soliden Begriff „widersprüchlich“ zu vermeiden), umso unbegriffener und unbegreiflicher werden sie. Die Spontaneität des Geschichtsprozesses wird absolut und identisch mit der Logik der (bemühten) Weltherrscher.

Auch heute ist es keineswegs so, dass es nicht viele kluge Menschen mit vielen klugen, systemsprengenden Einsichten gäbe. Spätestens seit dem Untergang des Realsozialismus (vermutlich aber schon früher) sind sie von realer Geschichtsmacht ausgeschlossen. Nicht ausgeschlossen und nicht ausschlieβbar sind sie von der objektiven Erkenntnis der Zeit und ihrer systemüberwindenden Kritik. Das erfordert aber ihre planmäßige, wirkliche Zusammenarbeit.

Dieser Beitrag wurde unter ökologisch, Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Demokratie, Krieg, Krise, Lenin, Machtmedien, Materialismus, Realkapitalismus, Revolution veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

14 Antworten zu total, dynamisch, bewusstlos

  1. fritzletsch schreibt:

    Hat dies auf Theater macht Politik rebloggt und kommentierte:
    Die planmässige, wirkliche Zusammenarbeit wurde uns schon in der Schule ausgetrieben, und nur Wenige haben sie trotz alle dem für sich und mit FreundInnen entwickelt: Alternative politische Gruppen brauchten zwar auch viel Energie, brachten aber auch die Tugend der regelmässigen Reflexion. Heute nacht im Cafe entstanden wieder mit bunter Runde die Pläne für die Revolutionsfeiern 2018: Wenn der Krieg zu Ende war, wie ging das los mit der Demokratie? Futurum II wird mir Gegenwart … und das wünsch ich auch euch, fritz

  2. Lutz Lippke schreibt:

    „total, dynamisch, bewusstlos“
    Eine gute Beschreibung der Situation.
    Ich greife wegen der Vertrautheit gern auf technische Erfahrungen zurück.
    Die „sanfte“ Gewalt entspricht dem Konzept der fuzzy-logic, eine adaptive Steuerung, bei der statt genauer Aktionsvorgaben die gewünschten Ziele vorgegeben werden und das Erreichen von der Steuerung selbstlernend optimiert wird. Die interne Logik einer solchen Steuerung ist komplexer, die Bedienung i.d.R. aber deutlich einfacher und die (selbsttätige) Anpassung an komplexe Bedingungen besser als bei strikten (totalitären) Steuerungen. Die Ziele sind nur für den Vorgebenden offensichtlich, die innere Logik des Systems nur für den Entwickler. Es kann auch viele Vorgebende, viele Teilsysteme, viele Entwickler und verteiltes Wissen geben. Ein durchgehendes Verständnis des gesamten verteilten Systems ist damit oft ausgeschlossen,
    Damit ist auch die hohe Dynamik erklärbar. Wenn eine einfach zu bedienende Steuerung zur Verfügung steht, können ohne Tiefenverständnis Ziele jederzeit angepasst, verworfen, als auch die Änderungen wiederum widerrufen werden. Die Systemlogik wird nur teilweise und als Blackbox verstanden. Das Ziel wird eingegeben und das gewünschte Ergebnis kommt (hoffentlich) heraus. Systembedingte Verzögerungen und Fehlfunktionen werden nicht wirklichj erfasst, sondern durch „Spielen an den Knöpfen“ beobachtet und affektiv adaptiert. Es entsteht ein virtuelles Systemverständnis, dass mit der realen, technischen Funktionalität gar nichts mehr zu tun hat. Dieses funktionale Unwissen gepaart mit der Macht jederzeit „Spielen“ zu können und zu müssen (Sucht), spiegelt sich als Bewusstlosigkeit wieder. Wer Kinder an Spielekonsolen beobachtet, die ein Spiel bedienen, dessen Logik sie nicht verstehen, erkennt alle genannten Merkmale.
    Es gibt in der Technik auch Erfahrungen, wie man solche verteilten, hochdynamischen Systeme analysiert, ohne alle Parameter zu kennen (Blackbox-Betrachtung). Sind jedoch die Zielvorgaben vollkommen willkürlich (unsinnige Eingaben) oder die innere Logik des Systems fehlerhaft (falsche Ausgaben), ist diese Analyse schwierig bis teilweise unmöglich. Ein System aus menschlichen Interaktionen birgt schon grundlegend gewisse Besonderheiten. Trotzdem könnten die Erfahrungen im Umgang mit komplexen, verteilten, dynamischen Techniksystemen nützlich sein. Die Soziologen und Psychologen (Techniker menschlicher Systeme) neigen bei Technik-Analogien aber auch heute noch dazu, das menschliche Denken wie bei einem Heimcomputer (PC) und die menschliche Interaktion als Nachrichtenkommunikationsnetz zu definieren. Das ist Stand von 1970 und längst überholt. Abgesehen von den grundsätzlichen Differenzen (Mensch vs. Maschine) gibt es mit dieser Herangehensweise kaum eine Möglichkeit verteilte, komplexe Steuerungen wirksam zu analysieren. Man bleibt im dem Wirrwarr der inneren Logik stecken.

  3. Lutz Lippke schreibt:

    Seit einiger Zeit werden viele Kommentare vom Mülleimer verschluckt. Wie gerade eben.

  4. Lutz Lippke schreibt:

    total, dynamisch, bewusstlos
    Hatte heute hier kommentiert. Meine Kommentare kommen seit einiger Zeit häufiger nicht an.
    Hier mal der Test von einem anderen Rechner.
    Vielleicht kann der im Erfolgsfall durch den von heute mittag ersetzt werden.

    • kranich05 schreibt:

      Danke Lutz Lippke für Ihren Hinweis. Ich habe daraufhin gezielt gesucht und zwei ihrer Kommentare im Spamfilter gefunden.
      Wie es dazu kommen kann, ist mir unklar und wie es auszuschliessen wäre demzufolge auch. Bei weit über 100 Spamkommentaren pro Tag weiss ich keinen Weg, echte Kommentare, die da hineingerutscht sind, herauszufischen. 😦

  5. Lutz Lippke schreibt:

    Totalität, Dynamik, Bewusstlosigkeit

    Diese Begriffsfolge hat mich zu einer Assoziation verleitet, die scheinbar losgelöst vom Thema ist, aber ich denke nicht wirklich.
    Man stelle sich ein Kind mit einer Spielekonsole vor, dass ein Spiel entdeckt hat, dass wegen seiner Möglichkeiten, der Darstellungsqualität und Dynamik einerseits fasziniert,
    aber gleichzeitig in seiner Logik und Zielsetzung das Kind intellektuell überfordert.
    Das Kind spielt versessen und entwickelt eine eigene dynamische Spiellogik und die entsprechenden wechselnden Zielsetzungen dazu, die eine Mischung aus den eigenen Fähigkeiten und Ideen, den Steuerungsmöglichkeiten des Spiels und der eigentlich im Spiel vorbestimmten Logik ist. Es entwickelt sich eine Spielnutzung, die nicht den Regeln des Spiels entspricht, aber auch nicht vollkommen unabhängig davon ist.
    Betrachtet man das Geschehen von außen, kommt man als Charakterisierung leicht auf die oben genannte Begriffsfolge Totalität, Dynamik, Bewusstlosigkeit.
    Verallgemeinernd geht es um die wenig koordinierte, wechselhafte Steuerung eines komplexen, dynamischen Systems, dessen Ausgaben wiederum die Eingaben und den weiteren Verlauf und damit die Zielsetzung mitbestimmen. Grundsätzlich eine Fehlbedienung, die aber nicht unmittelbar als solche bewusst wird und eine eigenständige, sich durchsetzende aber meist reduzierte Systemlogik schafft, die teilweise unabhängig von der inhärenten Logik des Systems ist. Würde man die Bedienschritte und die Ausgaben der Konsole aufzeichnen, um diese eigenständige Spiellogik des Kindes zu erfassen, könnte man zwar bestimmte Handlungsmuster erkennen, aber die wechselnden Intuitionen nicht. Das Gleiche kann man sich verteilt mit vielen Nutzern und vernetzten Teilsystemen vorstellen. Jeder Nutzer kennt nur seine eigene Steuerlogik, die innere Logik des Teilsystems kennt nur der Entwickler des Teilsystems und die Gesamtlogik verschließt sich der vollständigen Erfassbarkeit.
    Wesentlicher Kern einer solchen Konstellation ist eine verteilte Fuzzy Logik (unscharfe Logik), die im Gegensatz zur starren Steuerung keine feste Zuordnung Steuerbefehl – Reaktion kennt.
    In der Technik benutzt man heute solche Systeme häufiger, weil sie bei richtiger Anwendung flexibel, komfortabel und weitgehend adaptiv auf veränderte Bedingungen reagieren kann. Die Erfassung der Funktion und eine Fehlerprüfung ist jedoch nicht mehr mit den herkömmlichen Methoden möglich. Es fehlen die festen Zuordnungen und originär messbaren Zustandsparameter. Es gibt jedoch 2 grundsätzliche Herangehensweisen und davon abgeleitete Mischformen, die in der Technik zur Analyse verwandt werden. Die eine geht bei dem System grundsätzlich von einer Blackbox aus und betrachtet nur die Ein- und Ausgaben und analysiert diese äußere Funktionalität. Die andere Herangehensweise analysiert das innere System in seinen Teilen und leitet daraus Teilfunktionen und funktionale Zusammenhänge ab. Mischformen davon erweitern die Möglichkeiten.
    Als mir diese Gedanken kamen, suchte ich im Internet nach Fuzzy Logik in Geisteswissenschaften. Ich wurde fündig, aber sofort ziemlich enttäuscht. Was als Fuzzy Logik ausgegeben wurde, entpuppte sich als rudimentäre Boolsche Algebra (digitale Logik) erweitert um Gewichtungen. Nach erstem Draufblick sah ich klassische Grundschulmathematik angereichert mit modernen Begriffen.
    Nun sind menschliche, gesellschaftliche Systeme i.d.R. deutlich komplexer als technische Systeme. Wenn nun komplexe, technische Systeme ingenieurtechnische Analysemethoden bedürfen, ist es kaum vorstellbar, dass die gesellschaftlichen Systeme mit den Grundrechenarten erfasst werden könnten. Daher scheint mir eine Adaption technischer Herangehensweisen, auf dem heutigen ingenieurtechnischen Niveau eine Möglichkeit zu sein, das Gesellschaftswissenschaftliche methodisch zu bereichern. Das wäre aber mehr, als nur die Übernahme von Begrifflichkeiten und unbedarftes Spiel mit Methoden.
    Mir fehlt bisher ein Anknüpfungspunkt an vorhandene Erkenntnisse dazu. Wer weiß etwas?

    • kranich05 schreibt:

      Ich mit meiner unchristlichen und überhaupt areligiösen Auffassung von Gesellschaft sehe natürlich keinen aparten „Entwickler des Gesamtsystems“. Für mich ist das Gesamtsystem nichts anderes als die Dialektik aller seiner Teile; unbegriffen oder in bestimmtem Maβe begriffen aber jedenfalls dem Begreifen zugänglich
      Überhaupt hat die anregende technische Analogie zu berücksichtigen, dass in der Gesellschaft all die Elemente und Teilsysteme Bewuβtsein haben können und interessengeleitet agieren. (Das spricht nicht gegen die Anwendung anspruchsvoller Mathematik, sondern entschiedenst dafür.) Ich bin zwar Philosoph/historischer Materialist, habe mir aber zeitlebens ein weitgehendes Unverständnis von Mathematik (gewisse Ausnahmen bei Statistik) bewahrt. Leider!
      Aus früheren Zeiten meiner philosophischen Bildung sind mir erinnerlich die modernen (wahrscheinlichkeitstheoretischen) Ansätze zur Determinimusproblematik. Dafür steht der Name Herbert Hörz. Bekannt ist mir auβerdem, dass sich Rainer Thiel (nicht der Politiker gleichen Namens) sehr um die Verbindung von Dialektik und Mathematik bemüht hat.

      • Lutz Lippke schreibt:

        Herzlichen Dank für die Hinweise auf Herbert Hörz und Rainer Thiel. Sehr interessant. Es wird aber mit meinem Zeitbudget schwierig, die Quellen eingehend zu studieren und zum „Fuzzy-Logik“-Ansatz sinnvoll zu selektieren.
        Zur Kritik
        Einen „Entwickler des Systems“, der außerhalb steht, hatte ich in meinem „Gedankenentwurf“ nicht vorgesehen. Sicherlich wäre eine bildliche Darstellung hilfreich, aber ich habe viel zu wenig Zeit und hoffe noch auf weitere Anknüpfungspunkte, um mich zu sortieren. Auch die Frage des Bewusstseins und der Interessen ist in der technischen Analogie gerade nicht ausgeklammert. Die Kritik hilft mir aber diese Dinge zu fokussieren und irgendwann besser herauszuarbeiten. Wenn nicht der Mangel an Zeit wäre.
        Vielleicht noch einmal zur Frage, was könnten uns solche Analogien bringen?
        Technik ist überprüfbar erfolgsorientiert, Evaluation also elementarer Bestandteil der Entwicklung. Wer sich z.B. die politische Gesetzgebung anschaut, muss erkennen, dass Gesetzesinitiativen zwar üblicherweise konkrete Erfolgsorientierung vorgeben, aber seltenst eine Evaluation beabsichtigt ist. Eher wird ein Reformgesetz nach gleichem Prozedere auf den Weg gebracht.
        Verteilte Technik automatisiert verteilte Abarbeitungsprozesse, wie sie auch in gesellschaftlichen Systemen „quasi“-automatisiert z.B. in Behörden, Firmen und unzähligen Vertragsverhältnissen ablaufen. Während miserable Ergebnisse eines technischen Arbeitsprozesses und deren Ursachen meist eindeutig als Ausschuss identifiziert werden, behaupten die Teilstationen im gesellschaftlichen Arbeitsprozess schon die Tätigkeit selbst als Erfolg und das Ergebnis häufig als alternativlos.
        Technik versagt mitunter strukturell, durch Teilausfälle und durch falsche Anwendung. Dieses Versagen lässt sich aus technischer Sicht methodisch sicher ermitteln und abstellen. Die technischen Methoden zur Prüfung und Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit sind streng erfolgsorientiert, da Technik keine Eigeninteressen verfolgt und die grundsätzliche Funktionalität Voraussetzung für Akzeptanz ist.
        Technik wird aber vom Menschen auch interessengeleitet eingesetzt, so dass die Interaktion System – humane Interessen ein wichtiger Bezugspunkt für technische Systeme sind. Vernetzte Technik ist strukturell sowohl streng hierarchisch, als auch förderalisiert bis hin zu Peer-to-Peer (also lose) organisiert. Alle Formen gesellschaftlicher Vernetzung und Kommunikation finden sich also auch im Bereich der Technik wieder. Technik unterliegt schon seit vielen Jahrzehnten einer Globalisierung, Flexibilisierung und Standardisierung, die im Gesellschaftlichen faktisch erst nachvollzogen wird, teilweise sogar durch Technikevolution bedingt bzw. befördert wurde.
        Aus dieser Sicht sind technische Systeme nahe den idealisierten Systemen, wie sie in gesellschaftlichen Zusammenhängen ideell gedacht und auch wirksam werden.

        Bevor mir jedoch weltfremde Technikgläubigkeit unterstellt wird, möchte ich aber noch betonen, dass ich die natürliche Vielfalt in seiner Großartigkeit bewundere und Technik dagegen nur als nützliches Vehikel betrachte (hier im Zusammenhang mit Möglichkeiten der strukturellen Analyse). Der Mensch ist ein analoges Wesen. Um einfachste Sinneswahrnehmungen eines analogen „Systems“ durch die heutigen digitalen Systeme verarbeiten zu können, benötigt das digitale System mindestens die doppelte Verarbeitungsgeschwindigkeit. Ein hörbarer Ton von z.B. 16 kHz muss das System 2 x abtasten (Abtastfrequenz mindestens 32 kHz), um es digital kodieren und weiterverarbeiten zu können. Aber sind die grundlegenden Funktionsvoraussetzungen in gesellschaftlichen Systemen ebenso einfach, klar und überprüfbar bekannt?
        Ein digitales System ist aus meiner bisherigen Sicht nicht lernfähig, sondern nur zur rasanten Abarbeitung normierter Prozesse geeignet. Die digitale Simulation von Lern- und Entwicklungsprozessen ist äußerst aufwendig und steckt bisher in den Kinderschuhen. Sollten überhaupt in absehbarer Zeit menschliche Denk- und Lernfähigkeiten technisch gleichwertig simuliert werden können, wird es ein analoges System (Analogrechner) sein oder als digitales System eine extrem hohe Arbeitsgeschwindigkeit, ausgeprägte Rückkopplungseigenschaften und virtuelle Fehlertoleranzen (Simulation analoger Prozesse) aufweisen.
        Das digitale Gehirn eines Supercomputers benötigt nach derzeitigem Stand 1.000.000.000 Watt, das menschliche Gehirn begnügt sich mit 20 Watt.
        Ab 12. Minute die Petaflops der digitalen Lobby
        http://www.phoenix.de/thema_das_gehirn_projekt/868915.htm
        Analogrechner gelten als veraltet und problematisch. Ich tippe darauf, dass der Eintrag bei Wikipedia irgendwann die brandaktuelle Wiederentdeckung melden wird.
        http://de.wikipedia.org/wiki/Analogrechner

        • kranich05 schreibt:

          „Technik ist überprüfbar erfolgsorientiert, Evaluation also elementarer Bestandteil der Entwicklung. Wer sich z.B. die politische Gesetzgebung anschaut, muss erkennen, dass Gesetzesinitiativen zwar üblicherweise konkrete Erfolgsorientierung vorgeben, aber seltenst eine Evaluation beabsichtigt ist. Eher wird ein Reformgesetz nach gleichem Prozedere auf den Weg gebracht.“

          Diese Einschätzung ist meines Erachtens zutreffend.

          „Während miserable Ergebnisse eines technischen Arbeitsprozesses und deren Ursachen meist eindeutig als Ausschuss identifiziert werden, behaupten die Teilstationen im gesellschaftlichen Arbeitsprozess schon die Tätigkeit selbst als Erfolg und das Ergebnis häufig als alternativlos.“

          Das mag auf manche „Teilstationen“ zutreffen. Andere „Teilstationen“ bestreiten vehement gerade die behauptete Alternativlosigkeit. Es scheint sich im gesellschaftlichen Bereich viel mehr abzuspielen zwischen den „Teilstationen“ als bei der Ausschußermittlung bei der Lampenproduktion.

          „Technik versagt mitunter strukturell, durch Teilausfälle und durch falsche Anwendung. Dieses Versagen lässt sich aus technischer Sicht methodisch sicher ermitteln und abstellen. Die technischen Methoden zur Prüfung und Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit sind streng erfolgsorientiert, da Technik keine Eigeninteressen verfolgt und die grundsätzliche Funktionalität Voraussetzung für Akzeptanz ist.“

          So sehr ich gewisse Analogien zur Technikphilosophie im gesellschaftlichen Bereich für angemessen halte (Erfolgsorientierung, wertende Rückkopplung), so sehr muß betont werden, dass, sobald es um Menschen und ihre Beziehungen geht, die von der Technik bekannte „methodisch sichere Ermittlung“ nicht gegeben ist. Im kritischen Fall muss vielleicht gerade von der Nichtfunktionalität der Elemente und ihrer Beziehungen zueinander ausgegangen werden. Die unsäglichen Versuche der formalisierten Qualitätsmessung in der Sozialen Arbeit, deren Verbetriebswirtschaftlichung, sprechen eine klare Sprache.

          • Lutz Lippke schreibt:

            „Im kritischen Fall muss vielleicht gerade von der Nichtfunktionalität der Elemente und ihrer Beziehungen zueinander ausgegangen werden.“

            Genau darum geht es.
            1. Beruht die Nichtfunktionalität auf einem planerischen Mangel?
            1.1. könnte bei fehlerfreiem Ablauf der beabsichtigte Erfolg überhaupt eintreten?
            1.2. sind bekannte Scwächen bei der Planung nicht berücksichtigt worden?
            2. Beruht die Nichtfunktionalität auf Ausführungsmängeln?
            2.1. handelt es sich um zufällige oder beabsichtigte Fehler?
            2.2. können die Fehler abgestellt werden und wenn ja wie?
            Das hört sich vielleicht betreibswirtschaftlich und unmenschlich an. Wenn aber z.B. ein Herr Mollath auf die Funktionalität eines Strafprozesses oder Wiederaufnahmeverfahrens angewiesen ist, sind diese analytischen Fragen doch sehr menschliche Fragen. Wer den Fall etwas beobachtet hat, erkennt auch die Mängel der üblichen „nichttechnischen“ Arbeitsweise, bei der sich Substanz in Schriftsätze, Vermutungen, Meinungen und viel Manipulation im Müll verlieren und Betrug Tür und Tor öffnen.
            „unsägliche Versuche der formalisierten Qualitätsmessung“ sind also ganz gewiss nicht meine Intention. Vielmehr die Substanziierung und Professionalisierung der Aufdeckung von unsäglich formalistischer und gemeinsinnfreier Herrschaftsmethoden.

          • kranich05 schreibt:

            Hier gerade mal ein etwas besonderer kritischer Fall von Mensch-Technik-Systemen:
            http://segelreporter.com/panorama/crash-video-container-riesen-kollidieren-im-suez-kanal/

  6. walterfriedmann schreibt:

    Hat dies auf Forum Politik rebloggt und kommentierte:
    Bewusstlosigkeit des Zeitgeistes

  7. Pingback: Noch einmal zum Thema “gesellschaftliche Bewußtlosigkeit” | opablog

  8. Pingback: Noch einmal zum Thema “gesellschaftliche Bewußtlosigkeit” | ONLINE CASINO NEWS

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s