14. 09. 2014 – Jüdische Stimme: „… Israel drängen, die Palästinenser für jahrzehntelang ihnen angetanes Unrecht um Verzeihung zu bitten.“

Für übermorgen, 14. 9. 2014, ruft der Zentralrat der Juden in Deutschland zu einer Kundgebung am Brandenburger Tor auf unter dem Motto: „Steh auf! Nie wieder Judenhass!“

Merkel wird sprechen. Gauck und viele, viel Andere, ja sogar Kai Diekmann(!), werden anwesend sein; eine richtige Haupt- und Staatsaktion ist zu erwarten. Es geht bei dieser Kundgebung am wenigsten um Antisemitismus und Judenhass. Darauf habe ich mir erlaubt hinzuweisen.

Die Gruppe „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ wird auf der Kundgebung gemeinsam mit der Gruppe „Nicht-zionistische Juden und Jüdinnen“ ein Flugblatt verteilen und hat die folgende Erklärung abgegeben:

Es geht nicht um Antisemitismus. Es geht um die Frage: Sympathie mit Menschenrechten oder mit Israels Politik?

„Israels maßloser Versuch, die Hamas als Vertretung Palästinas ein für allemal zu liquidieren, treibt in Deutschland einen schon lange schwärenden Widerspruch auf die Spitze: Sympathie für Menschenrechte oder für Israel? Unsere Politiker reagieren schablonenhaft, und die jüdische Gemeinschaft wirkt ratlos; gemeinsam rufen sie »Hilfe, Antisemitismus!«.

Aber wenn heute der Begriff »Antisemitismus« verwendet wird, vernebelt er mehr als er erklärt. Denn die »antisemitische« pseudowissenschaftliche »Rassenkunde« – im »Dritten Reich« an allen Schulen gelehrt –, der viele unserer Angehörigen und fast das ganze europäische Judentum zum Opfer fielen, ist heute kein Thema mehr.

Trotzdem gibt es weiter Haß gegen Juden. Dabei geht es nicht um Überlegenheit der »arischen« gegen die »semitische Rasse«, sondern um allgemeine Vorurteile gegen Minderheiten und speziell um Angst vor einer »jüdischen Weltverschwörung«. Wenn aber in unserem wohlhabenden und lange von Krieg verschonten Land Menschen Juden hassen, weil sie sie als Teil einer »Weltverschwörung« ansehen, so ist das offensichtlich unangemessen. Jedoch bei Menschen, deren Familien vor 67 Jahren enteignet und vertrieben wurden und die bis heute in Lagern, als Bürger zweiter Klasse in Israel, als ungern Geduldete in Jerusalem, als Ghettoisierte in der Westbank und als hilflos Gefangene in Gaza leben, ist Wut auf Israel äußerst verständlich. Kann man es diesen Menschen verdenken, wenn sie »Israel« mit »Juden« gleichsetzen? Es ist doch Israel selbst, das als »jüdischer Staat« anerkannt werden will!

Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland und unsere Politiker müssen deutlich machen, daß Israel nicht mit Juden gleichzusetzen ist. Europa, dessen Judenhaß zur Gründung Israels in Arabien führte, bekommt nun durch Israels Starrsinn diesen Haß auf Israel hierher zurückimportiert. Und wenn wir nicht dagegen angehen, kann daraus neuer Haß gegen Juden werden.

Aber wie kann man dagegen angehen? Diese verständliche Wut auf Israel wird man eben nicht durch »Antisemitismus«-Rufe zum Verschwinden bringen, sondern indem man die Ursachen dieser Wut behebt: Enteignung, Vertreibung, Besatzung, Diskriminierung. Da Israel nicht freiwillig Kompromisse sucht, muß es durch Sanktionen dazu bewegt werden. Deutsche Politiker sollten das an führender Stelle in der EU tun, denn sonst setzen sie eine deutsche Tradition fort: Mitläufer, die gegen besseres Wissen nichts gegen Unrecht tun.

Diejenigen Deutschen, die heute die palästinensische Position unterstützen (und laut Umfragen weniger Vorurteile gegen Juden haben als die Unterstützer Israels), setzen dagegen die Tradition der Menschlichkeit fort, die sich vor 75 Jahren im Widerstand gegen Unrecht zeigte. Entsprechend dieser Tradition der Menschlichkeit sollten wir Israel drängen, die Palästinenser für jahrzehntelang ihnen angetanes Unrecht um Verzeihung zu bitten.“

via: „junge Welt“.

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2 Antworten zu 14. 09. 2014 – Jüdische Stimme: „… Israel drängen, die Palästinenser für jahrzehntelang ihnen angetanes Unrecht um Verzeihung zu bitten.“

  1. Stresstest schreibt:

    … eine tolle Idee diese Veranstaltung. Mutti könnte den Brief israelischer Elite-Soldaten an Netanjahu vorlesen. Die Zeit schrieb heute Nachmittag darüber:

    „Israelische Elite-Einheit verweigert Spionage gegen Palästinenser

    In einem Brief an den Ministerpräsidenten schreiben 43 Soldaten, sie wollten nicht länger die Rechte von Millionen Menschen verletzen. Sie verurteilen Israels Politik […]“

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-09/israel-elite-einheit-brief-netanjahu

    Der ganze Brief unter:

    http://www.theguardian.com/world/2014/sep/12/israeli-intelligence-veterans-letter-netanyahu-military-chiefs

    Stresstest – „Großraum Krefeld“

  2. walterfriedmann schreibt:

    Hat dies auf Europapolitik rebloggt und kommentierte:
    Israels Politik und die Menschenrechte

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