Wer sind die wirklich Geistesgestörten?

… fragt Joachim Bode.

Jetzt ist es amtlich:

Der Einsatz für den Frieden spricht für Geistesstörung.

Dies soll nach einer Meldung der Mittelbayerischen Zeitung die Vorsitzende Richterin am LG Regensburg Elke Escher als Begründung für einen möglichen Schuldausschluss bei der Mollath unterstellten Körperverletzung der Ex-Frau angeführt haben:

Für eine Störung Mollaths würden viele Punkte sprechen: Der Angeklagte sei geprägt von einer einer hohen Empfindsamkeit, davon zeuge auch sein vehementer Einsatz für Frieden, „er kann nicht wegschauen“.

http://www.live.mittelbayerische.de/Event/Der_Fall_Mollath

Ihre Deutungshoheit wird von den ´Verantwortlichen` dieses Landes dazu missbraucht, diejenigen als verrückt abzustempeln, die sich für den Frieden einsetzen. Sie schrecken nicht mal davor zurück, solches im Rahmen einer streckenweise erbärmlichen Beweiswürdigung als „Begründung“ für ein Urteil zu missbrauchen.

Den Politikern in diesem unseren Lande wird das gut gefallen, und sämtliche „Qualitätsmedien“ werden Beifall klatschen.

Und sie merken dabei nicht mal, wie verrückt sie sind.

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43 Antworten zu Wer sind die wirklich Geistesgestörten?

  1. AlterKnacker schreibt:

    Ich denke mal, dass war schon immer so … wer gegen Aggression und Gewalt ist, MUSS ja bekloppt sein …

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    • Ja, alter Knacker, so könnte man denken! Mich wundert es immer wieder, wie wenig sich manche Richter mit der Gesetzeslage befassen. Vergewaltigen die ihr eigenes Gewissen, oder ist ihres unterentwickelt in der Richtung Rechtsempfinden?
      Wenn ich mir vorstelle, sieben Jahre von Wächtern als Irrer behandelt zu werden, bewundere ich den Herrn Gustl Mollath, dass er vermutlich niemals in der Anstalt ausgerastet ist. Allerdings unfein war sein Verhalten schon, dass er erst dann als seine Frau sich von ihm trennen wollte mit dem Anprangern von ihren krummen Finanzgeschäften begonnen hat. Wenn mein Ehepartner unsaubere Sachen machen würde, würde ich auf der Stelle dagegen halten und ihn davon abhalten. / Trotzdem sieben Jahre Freiheit verlustig werden, das kann nicht mit Geld ausgeglichen werden! Was hätte der Mann in den Jahren für ein Einkommen gehabt? Sicher mehr als einen Stundenlohn pro Tag!

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  2. gast schreibt:

    Ja, es bestürzend, wie eine doch recht deutliche und differenzierte Auskunft (die übrigens auch an einigen Stellen nicht stimmt) in ungelenker ‚Kindersprache‘ weitergebraucht wird und verkümmert, als wären etablierte Personen nicht mehr zur Introspektive fähig.
    Herauskommt Küchenpsychologischer Sprech – Salami(Taktik`)(*1) und Cola(-Automat)(*2)

    Herr Prof. Nedopil – falls Sie mitlesen: Soweit reicht dann das Verantwortungsgefühl dann doch nicht, (*1&*2)Einspruch – und zwar vehement nachhaltig(!) – zu erheben, gegen die sich abzeichnende verkürzte und sinnentstellende Anwendung seitens Richterin/Staatsanwalt.

    Zu dieser dümmlich-intelligente Anwendung von “’Psychologie“‘ gesellt sich auch noch ein stupider amtsarroganter Stolz. Frau Richterin: Sie sind immer noch ein Mensch und unter ihresgleichen.

    Als ob es Tucholsky nie gegeben hätte – und man kein natürliches Rückgrat habe. Man hält zu Recht wenig von amtsinflationärer Aufwertung der eigenen Person, Sache, Raum etc.
    Bitchläufe und Schwulenparaden – aber ein T-Shirt muss des Saales verwiesen werden.

    Dazu sollte sich Prof. Nedopil einmal äußern: paranoider Angstwahn mit Selbstüberschätzungstendenz und kompromisslose Penetranz.

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    • kranich05 schreibt:

      Danke, besonders auch für den Rössing.

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    • Dian schreibt:

      Danke, Herr Nowak, insbesondere für: „Was ist mit den Ärzten, den Psychiatern in diesen psychiatrischen Anstalten? Haben die nicht mitbekommen, daß Mollath dort fehl am Platze ist, er ein ganz normaler Mensch ist, wie jetzt amtlich festgestellt wurde? Da gibt es nur zwei Möglichkeiten, entweder sie wußten es, da sie ja als betreuende Psychiater täglich mit ihm zutun hatten, unternahmen aber nichts, daß er dort entlassen wurde, dann müßten die auch vor den Kadi kommen, oder sie wußten es nicht, diagnostizierten bei ihm, daß er verrückt sei, dann müßten sie wegen Unfähigkeit entlassen werden.“
      Die Amtskirche, die althergebrachte Form der Inquisition, wollte womöglich – vor allem ihr eigenes Tun – durch bekannten Spruch „entschuldigen“: Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Ich halte es da eher mit der irdischen Gerechtigkeit: Unwissenheit schützt nicht vor Strafe.

      Wenn Sie, Herr Nowak, äußern wollten, ich sei verrückt, dann wollte ich Ihnen wahrscheinlich nicht widersprechen 😉 , weil ich hoffend bin, dass weder Sie selbst mir damit Menschenrechte absprechen wollten, noch dass sich weitere Menschen durch Sie dazu veranlasst sähen. Wahrscheinlich würden Sie dies gar nicht tun, dies gar nicht mit Ihrem Welt- und Menschenbild vereinbaren. Ja, eine große Verletzung Ihrer Persönlichkeit durch mich oder gar Ihrer selbst könnte Sie vielleicht dazu provozieren, sozusagen als Gegenwehr. Sie wären so außer sich, dass Sie gestresst und affektiv handelten.

      So ungefähr stelle ich mir das Herangehen der Psychiater und mittlerweile auch nicht weniger – systemkonformer – Ärzte an Begutachtungen vor. Abgesehen davon, dass in jedem Menschen eine gute Seite zu finden ist, und deshalb in ein wirkliches Gutachten zunächst(!) erst einmal alles(!) „Gute“ gehörte, dann wahrscheinlich also ein Roman zu schreiben wäre, gehen solche „Weißkittel“ ganz anders herum heran: Sie haben einen Auftrag, sie sollen eine „Fehlerprüfung“, eine Normabweichung feststellen und beschreiben. Damit ist zunächst ihr Stressor allein durch Arbeitsanforderung hinlänglich bedient. Nun kommt gewöhnlich noch die (tiefgreifende) Verletzung des Gutachters durch den zu Begutachtenden hinzu, indem er sich z. B. „erlaubt“, sich widerwillig oder auch nur mit eigener Sicht auf seine Normabweichung zu präsentieren, oder sogar die „Exploration“, seine Seelendurchleuchtung untergräbt, gar boykottiert. (Ich glaube es ist Allgemeingut, dass Psychiater gesellschaftlich eher gemieden werden, weshalb von deren dauerhafter Stressung allgemein auszugehen ist.)

      Bin ich bei Ihrem „Gutachten“, Herr Nowak, „hochgradig verrückt“ hoffentlich noch relaxt, so dürfte es mir nicht egal sein, wenn ein Arzt oder auch Psychiater dies auch nur leise äußerte. (Was einmal in einer ärztlichen Akte steht, bekommt man – wenigstens in Deutschland – nicht mehr getilgt!) Allein aus diesem Grund ist es wichtig, dass jeder(!) durch http://www.patverfue.de/ vorsorgt. Denn der wesentliche Unterschied zwischen Ihrer Überzeugung, Herr Nowak, und der ärztlichen Meinung ist des Arztes Approbation, seine staatliche Beauftragung, gern auch Anerkennung genannt. Sie müssten Ihre – wohlunterlegte – Überzeugung vor Gericht unter Beweis stellen, der Arzt hat immer Recht, von Staats wegen. (Dafür ist gerade im Fall Mollath die Ränke um das „Attest“ bester Beweis.)

      Der Umstand, dass wahrscheinlich auch Ihnen, Herr Nowak, kein Arzt bescheinigen wird, dass Sie normal sind, sollte kein Grund zur Besorgnis sein, denn eigentlich gibt es einen normalen Menschen auch gar nicht. Vielleicht haben wir ein Bild von menschlicher Norm, dann grenzten wir aber selbst die außerhalb dieser befindlichen Menschen aus. In diesem Sinn sind also auch Hitler und Stalin normale Menschen. Normal hätte dann den Sinn, die Menschenrechte zu beanspruchen.

      „Haben die nicht mitbekommen, daß Mollath … ein ganz normaler Mensch ist“? Das hat nicht einmal das Gericht, denn u. a. die zwangsweise Exploration durch Nedopil ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte, erst recht seine gerichtsöffentliche Schmähung. Da hat auch Dr. Strate nichts dran geändert, – nichts ändern können!?

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  3. Steve Geshwister schreibt:

    http://www.linophil.de/logisch/
    Die Zeichnung habe ich gemacht, als der Fall Mollath noch nicht lange an der Öffentlichkeit war.
    Deshalb ist auch der Leipziger darauf zu sehen. Ich hätte nie gedacht dass sie inhaltlich auch nach Abschluß des Wiederaufnahmeverfahrens noch gilt bzw. aktuell sein wird.

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  4. Lutz Lippke schreibt:

    Auf jeden Fall kann Mollath sich diesbezüglich nicht auf die Verletzung des rechtlichen Gehörs berufen. Ob man sein Friedens-Engagement im Falle einer Entlastung für ihn berücksichtigt hätte, darf bezweifelt werden. Dann hätte das Gericht dazu sicher nichts erwähnt und Mollath hätte die Verletzung des rechtlichen Gehörs rügen können. Vermutlich jedoch unzulässig, denn das BVerfG entschied zum rechtlichen Gehör:
    „Das Gebot des rechtlichen Gehörs legt den Gerichten die Verpflichtung auf, die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Kenntnis zu nehmen und in Erwägung zu ziehen (BVerfGE 47, 182 ; 86, 133 ). Eine Verletzung dieses Gebots ist jedoch nur anzunehmen, wenn sich im Einzelfall klar ergibt, dass das Gericht dieser Pflicht nicht nachgekommen ist. Denn grundsätzlich ist davon auszugehen, dass das Gericht das Vorbringen eines Beteiligten zur Kenntnis genommen und in Erwägung gezogen hat. Zudem sind die Gerichte nicht verpflichtet, sich mit jedem Vorbringen in den Entscheidungsgründen ausdrücklich zu befassen, namentlich nicht bei letztinstanzlichen, mit ordentlichen Rechtsmitteln nicht mehr angreifbaren Entscheidungen (BVerfGE 86, 133 ). Deshalb müssen, damit das Bundesverfassungsgericht einen Verstoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG feststellen kann, im Einzelfall besondere Umstände deutlich machen, dass das Vorbringen eines Beteiligten entweder überhaupt nicht zur Kenntnis genommen oder doch bei der Entscheidung nicht erwogen worden ist.“
    Soviel zur „letzten Bastion“ des Grundrechtsschutzes. Dieser Passus wird von Gerichten gern und viel zitiert, u.a. selbstreferenziell in http://www.bverfg.de/entscheidungen/rk20100303_2bvr269609.html

    Dient Rechtsprechung als das Kleingedruckte zum Superangebot Gesetz?

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    • Dian schreibt:

      „Dient Rechtsprechung als das Kleingedruckte zum Superangebot Gesetz?“ Sehr interessanter Ansatz! Nicht, dass ich die „rechtsprechenden“ Richter vor Ihrer Herabsetzung mit „Kleingedruckte[m]“ schützen wollte (dies liegt mir fern), jedoch gilt Selbiges im Werbeflyer immer nur für dessen Angebote selbst. Die Rechtsprechung als Normative dürfte mehr noch mit nicht aushängenden AGBs vergleichbar sein, die aber dennoch, ganz nach Belieben des Gerichts gelten. 😉
      „Superangebot Gesetz“, nun ja. Superangebote sollen doch (auch) Käufer anlocken, die mit schmalerem Geldbeutel auskommen müssen. Dazu im Gegensatz sind Gesetze doch von den Herrschenden nicht für die Benutzung durch den einfach Betuchten gemacht worden, sollen ihn nicht zu dessen Einforderung „verleiten“, sondern dienen lediglich zum ordnenden Beherrschen, zum Manifestieren von oben und unten, reich und arm.
      Immer wenn ich ins Gesetz, die Bestimmung eines Paragraphen schaue, frage ich mich, welches Urteil dieses wenigstens „relativiert“, wenn nicht gar für im Speziellen als unzutreffend, als „konkurrierend“ zu einem „höherwertigem“ Recht „festlegt“ und damit ins Leere laufen lässt.
      Ich wollte die Rechtsprechung, das Richterrecht in Deutschland als die „verdeckten und wahlweisen(!) AGBs des Rechts“ bezeichnen.

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  5. Joachim Bode schreibt:

    Die Redlichkeit verlangt, dass ich auf die soeben gelesene FAZ-Notiz (15.8.14. Print-Ausgabe) ergänzend hinweise, aus der sich ergibt, dass die Vorsitzende Escher das Friedensengagement Mollaths „begrüßt“, aber nicht in dem von Mollath gezeigten Maße…. Das ändert an der Aussage meines obigen Beitrags nicht viel, erinnert mich aber an das Lied: „Ein bisschen Frieden….“

    Die Redlichkeit verlangt aber auch, darauf hinzuweisen, dass die Vorsitzende Escher die Fernbegutachtung Mollaths durch verschiedene „Gutachter“ zwar als völlig ungeeignet ablehnt, für sich selbst und ihre Kollegen in der Strafkammer aber in Anspruch nimmt, die sich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht berufende Nebenklägerin Petra Maske fernbegutachtend als glaubwürdig einstufen zu können, obwohl deren aktenkundigen Aussagen an vielen Stellen nachweislich von Lügen geprägt sind. Petra Maske hat sich in Regensburg durch einen Anwalt vertreten lassen und ist selber nicht erschienen – offenbar aus ganz durchsichtigen Gründen!

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    • Lutz Lippke schreibt:

      Ja Herr Bode, der Einfluss von eigenen politischen Überzeugungen der Richterin wird damit deutlich. Zur Bewertung von Gutachten und der Anmaßung eigener Sachkunde durch Richter habe ich auch einige Erfahrung machen müssen. Als absicherndes, unterstützenden Mittel kann ein psychologisches Gutachten vollkommen ok sein. Viel mehr können Psychologen nicht leisten. Irgendwo las ich, dass Richter nicht oder nur mangelhaft in Beweiswürdigung und Psychologie geschult sind. Die Sachkunde käme demzufolge allein aus der Amtsinhabe und der Selbsteinschätzung, die ja per Definition immer selbstkritisch ist. Denn so geht es immer gleichlautend aus der Rechtsprechung zu Befangenheitsanträgen und Gehörsrügen hervor. Richter kontrollieren sich demnach am besten selbst.

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      • Richter kontrollieren sich niemals gegenseitig und schon gar nicht selbst! Selbstherrlich waren die Zivilrichter, die ich kennen lernen musste. Niemals hätte ich gedacht, dass Menschen so gleichgültig mit Rechtsvorschriften umgehen, die unsere Gesetze vertreten sollen!

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        • Lutz Lippke schreibt:

          Doch, doch Frau Schwabe. Sie kontrollieren sich gegenseitig im Sinne des Selbstverständnisses und der Obrigkeit. Dabei sind eine „Prädikatsjuristen-Überheblichkeit“, Hierarchie- und Staatsmachtgläubigkeit, vorauseilender Gehorsam, Aufstiegsstreben, Begünstigung und Mobbing ein Fundus an Gründen, die neben der Einwirkung von oben und außen, der Vorteilsnahme, der Erpressung, dem Betrug und Amtsmissbrauch stehen.
          Deswegen braucht es nur eine entsprechende „Justizkultur“ und „juristische Kunst“ statt eines 100% durchorganisierten Systems. Es ist also ein strukturelles und personenbedingtes Problem, dass uns noch große Schwierigkeiten bereiten wird.

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  6. Stefan Stickler schreibt:

    Tja, der Logik von Richterin Escher folgend war also Adolf Hitler ein geistig völlig gesunder Mensch und Mahatma Ghandi ein geistesgestörter Psychopath…

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  7. langsam ver2felnder schreibt:

    Kann es nicht ganz einfach so sein, dass jedes sich für frei haltende Volk letztlich diejenigen Politiker, Ärzte, Richter, Banker, Beamte etc. hat, die es verdient??? Oder sollte das Volk vielleicht gar nicht so frei sein, wie ihm immer wieder mit neuen Darstellern vorge-Gauck-elt wird???

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  8. tokchii schreibt:

    Habe eben auf beckblog beim Prof. Müller gepostet, dass ich mich darüber wundere, weshalb Herr Strate immer von Pro Bono Arbeit für Mollath spricht und nie nix zum von ihm geführten Spendengeldkonto sagt. Nicht einmal hat er sich bei den Spendern bedankt! Finde das mehr als intransparent.
    Übrigens hat Herr Strate auch schon einen neuen GGG Mandanten: Maschmeyer.

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    • kranich05 schreibt:

      Hat er den wieder bzw. erneut? Quelle dazu?

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    • Lutz Lippke schreibt:

      Hallo tokchii,
      natürlich kann man spekulieren und meinen ohne Ende. Die Verfahren gegen Mollath waren getragen von Spekulationen der StA, der Gutachter und Richter. Sahnehäubchen des speziellen Falls sind Verstrickung honoriger Leute in Betrügereien und jetzt das Bedürfnis der Justiz nach einer weißen Weste.
      Die hat Strate mit seiner Verteidigung allerdings durchaus verhindert. Die Nachbereitung hat erst begonnen. Dass es noch besser gegangen wäre, sollte man nicht zu großmäulig behaupten. Meine Erfahrungen mit dem Justizsystem zeigen einen erschreckend begrenzten Rahmen für Korrekturen durch Mandant und Anwalt in einem Verfahren. Ansonsten sollte hier wahrgenommen werden, dass Strate Anwalt im System ist, der allenfalls seine Profession mit den zulässigen und noch geduldeten Mitteln des Systems innerhalb dieses Systems umsetzen kann oder will. Er kann auch die poltischen und gesellschaftlichen Aufgaben nicht anstelle vieler Juristen, Politiker und Bürger in einem WA-Verfahren erledigen. Das sollte man berücksichtigen, bevor man ihn spekulativ verdächtigt. Ich kann den Frust von Mollath verstehen, ich kann den Frust von Strate verstehen. Ich kann auch die allgemeine Enttäuschung zur Begrenztheit der Offenbarungen verstehen und teile sie. Die Spendengeschichte halte ich für gegessen, sei es nur aus Pragmatismus, weil sich keine Seite mit Ruhm bekleckert hat. Und das Strate auch Schlitzohren gegen Schlitzohren gegen gutes Geld vertritt, um es mal niedlich zu formulieren, kann man ja beobachten. Macht aber noch lange keinen schlechten Anwalt oder Menschen aus ihm. Mit Spekulationen unterstützt man m.E. ein System, dem Mollath hilflos ausgeliefert war, bevor Viele mit persönlichen Stärken und Schwächen, Bürger, aber auch Juristen, Journalisten, Politiker und Psychologen in geeigneter Arbeitsteilung mit Substanz gegen das Justizsystem antraten. Vielleicht oder sogar sicher brauchen wir Strate noch. Denn Reform oder Revolution, eine Justiz mit Juristen wird es wohl weiterhin geben. Ein schwerer Brocken und nicht nebenbei zu bewältigen. Denken Sie bitte drüber nach.

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      • tokchii schreibt:

        Sie haben weitestgehend recht. Mehr Transparenz die Spenden betreffend hätte ich mir aber gewünscht. Ob nun vonseiten Strate oder auch Mollath selbst. Ich kann nicht verstehen, warum Mollath noch ohne Feste Bleibe und Strate ohne Bezahlung ist, trotz Spenden.
        Aber letztendlich ist das das Schicksal aller Spender: abgesehen vom guten Gefühl, etwas für einen guten Zweck gegeben zu haben, haben sie keinerlei Kontrolle oder Gewissheit über die Verwendung ihrer Spende. Zumal auch die staatliche Kontrolle des Spendenwesens eher rudimentär ist. Lediglich das DZI prüft auf Antrag auf das kostenpflichtige Spendensiegel die Rechnungslegung auf den Anteil der Verwaltungskosten, der 20% der Gesamtausgaben oder Einnahmen nicht überschreiten darf, damit das Spendensiegel verliehen wird.
        Und die Beziehung Strate Mollath ist wohl jetzt ohnehin nicht nur zerrüttet sondern beendet.
        Würde mich also nicht stören, wenn Opa meinen Kommentar löscht.
        Die Intransparenz in Sachen Geld macht mich trotzdem stutzig. Wo doch sonst so sehr auf Transparenz geachtet wurde.
        Und ein abschließender Dank an die Spender bzw. eine Party für die Unterstützer hätte es schon sein können.
        A propos abschließend: Die Linke hat kürzlich eine Dokumentation ihrer Veranstaltung „Psychiatrie ohne Zwang – was ist das?“ publiziert, sehr empfehlenswert. Ich bedaure bis heute, dass ich nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnte, aber ich war just in diesem Zeitraum reiseunfähig erkrankt……

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    • gelegentlich hier schreibt:

      Wie kann Strate von pro bono Arbeit sprechen, wenn er doch Pflichtverteidiger wurde? Und die Kosten fallen sowieso der Staatskasse zur Last. Ich verstehe das so, dass die alles zahlt, was an Kosten angefallen ist.
      Irgendwo habe ich gelesen, es werde etwas mit der Sixt-Entschädigung verrechnet. Was war jetzt bitte pro bono?

      Die Freien Wähler haben ihm anfangs für das Gutachten auch etwas bezahlt. Streibl hatte ja darauf gedrungen, dass Strate einsteigt, zumindest hatte er das in einem Interview angeblich mal gesagt.

      Was hat Strate jetzt eigentlich bewirkt?
      Wie wäre wohl ein Wiederaufnahmeantrag der Staatsanwaltschaft ausgefallen, wenn es keinen Antrag der Verteidigung gegeben hätte?
      Wie gross wäre des Volkes Empörung gewesen, wenn in dem Wiederaufnahmeantrag nur wenige Gründe enthalten gewesen wären?
      Da war doch Strate der Retter der Justiz …

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      • tokchii schreibt:

        Sixt habe ich auch gelesen. Hier:
        „Insgesamt habe er 1.400 Stunden am Fall Mollath pro bono gearbeitet, sagte Strate Focus. Hinzu kämen 50.000 Euro Unkosten, die er zum Teil mit einer Summe verrechne, die Mollath als Schadenersatz vom Autovermieter Sixt bekommen habe. „Die eigentliche Arbeitszeit und ein großer Teil der Unkosten werden unbezahlt bleiben.“ Er gehe „nicht davon aus“, dass er von Dritten oder von Mollath noch Geld erhalten werde. Darauf habe er aber auch nicht spekuliert.“

        http://mobil.wochenblatt.de/nachrichten/regensburg/regionales/art1172,258930

        Wahrscheinlich wird das aber auch an anderer Stelle publiziert worden sein, war wohl durch die Presse gegangen.

        Dabei war doch sonst öffentlich, zumindest soweit ich es verfolgen konnte, die Rede davon, Mollath hätte auf eine Entschädigung verzichtet….und es war auch die Rede von Transparenz, dabei war mir überhaupt nicht klar, dass ein Verfahren gegen Sixt stattgefunden hat! Davon steht nix auf strate.net

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        • tokchii schreibt:

          Vielmehr gab Herr Strate in einem Interview folgendes zum Besten:

          „ZEIT: Warum beschweren Sie sich dann über die Anzeige des Autovermieters Sixt? Der hatte gleich nach Mollaths Freilassung mit dessen Bild geworben, dazu die Zeile „Wenn hier jemand verrückt ist, dann der Sixt mit seinen Preisen“. Das dürfte Sie nicht wundern, Sie haben ja selbst dazu beigetragen, dass Mollath zu einer Ikone wird, zu einem Märtyrer.

          Strate: Werbefachleute sind clever. Die haben erst mal gedacht, das ist ein absoluter Knaller, jetzt mit einem Foto von Mollath, als Sympathieträger, auf den Sixt-Autoverleih hinzuweisen. Ungehörig und unsauber war, dass das Ganze präsentiert wurde als wörtliches Zitat von Mollath.

          ZEIT: Wir dachten auch, er sei dafür bezahlt worden.

          Strate: Exakt das ist der Punkt. Da steht als Quelle drunter: Gustl Mollath. Das suggeriert: Mollath ist draußen, und schon hat er mit Sixt eine Vereinbarung über 60.000 Euro.

          ZEIT: Hat er?

          Strate: Natürlich nicht. Wir haben peinlichst darauf geachtet, keine Interviews zu geben, wo auch nur ein Cent Honorar gezahlt wird. Bei Beckmann ließ es sich nicht vermeiden. Die haben eine Aufwandsentschädigung von 1.000 Euro bezahlt, aber wir haben sonst keinerlei Vereinbarung getroffen. Auch für die nächste Zeit nicht.

          ZEIT: Auch der stern hat nichts gezahlt?

          Strate: Keinen Cent. Längerfristig ist es aber schon so, dass Herr Mollath an seine Existenz denken muss, auch müssen gewaltige Kosten beglichen werden, die bisher unbezahlt geblieben sind. Natürlich für die Verteidigung, aber auch für Unterstützer, die unter großem zeitlichem Einsatz gearbeitet haben. Sie alle will Mollath entschädigen. Da denken wir an Buch- oder Filmrechte.“

          Irgendwie widersprüchlich ist das schon….

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          • Lutz Lippke schreibt:

            Mein Gott, Mollath musste über 7 Jahre aushalten, bis wir ihm geholfen haben, gegen unser Justiz- und Psychiatriesystem anzukommen. Er setzt gerade den Fuß vor die Tür und schon soll er alle Puppen reparieren und Tränen trocknen. Ich fand es toll, dass er an seinem Urteilstag noch zur Freilassung von Frau Haslbauer erschien. Ob nun mit Ferrari oder Jute-Beutel am Arm, ist doch was für die yellow-press. Und Strate ist Anwalt, ein Advokat. Mein Best-Anwalt (leider verstorben) fragte mich mit ahnungsloser Verwunderung vor Jahren zu einem Kauf eines Familienautos bei Betrügern: „Was für so ein Auto haben Sie soviel Geld, soviel kostet ja nicht mal mein Jaguar vor der Tür“. In kürzester Zeit hatte ich mein Geld, ein Vorschuss von 2000, wieder. Einen Jaguar hatte ich vor der Kanzlei nie gesehen. Was soll ein Anwalt außerdem eigentlich noch leisten?

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          • tokchii schreibt:

            Interessant auch die Ansicht Strates zur Seriosität der Unterstützer:
            „ZEIT: Aber Sie werden nicht bedroht…

            Strate: Es ist auch eine Belästigung, glauben Sie mir. Und ich bin im Moment umgeben von unendlich vielen unschuldigen Mollaths. Wer sich in solch eine Auseinandersetzung begibt, sollte die Nerven behalten. Und wenn es richtig Verrückte sind, kann man sich dagegen schützen. Der Kreis der Unterstützer ist völlig disparat. Es gibt etwa die Leute, die das Blog der Staatsanwältin Gabriele Wolff mit Beiträgen bedienen. Das ist ein absolut seriöser Kreis.“

            Er erwähnt Frau Wolffs Blog als eine seriöse Quelle, vergisst aber dabei, dass noch bevor Frau Wolff auch nur einen einzigen ihrer nicht enden wollenden Beiträge zum Thema verfasste, Herr Prof. Dr. Müller sich des Themas annahm. Ihn und den Beck Blog als seriöse Quelle zu benennen wäre von daher geschickter gewesen, als für eine ehemalige Staatsanwältin und deren Blog Schleichwerbung zu betreiben. Zumal wenn man bedenkt, zur welcherlei Attacken gegen z. B. Opa sie sich im Nachgang dieses Interviews hatte hinreißen lassen. (Siehe ca. 8. November plus Minus ne Woche oder zwei)

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          • Horst schreibt:

            Im Beck-Blog gab es einen Beitrag, da stand was von der Person von S. 7 aus dem Bericht und von der Bayerischen Landesvermögensverwaltung. Die Diskussion ist ja beendet, aber der Beitrag ist erst danach verschwunden.
            Wurde der im Nachhinein wegen unbequem gelöscht oder war es der Fluch der Technik?
            Und kann es eine Bedeutung haben, dass Herr Strate jetzt gegen die Sarazin-Bank vorgeht?
            Dagmar Wöhrl war doch mal als Person von S. 7 im Internet im Gespräch.
            Es scheint ja jetzt wieder einige zu interessieren, wer hinter der Person von S. 7 steckt. Warum wurde die Suche eigentlich (zumindest öffentlich im Internet) eigentlich damals eingestellt?
            Wurde an jemanden Schweigegeld bezahlt?Und wenn ja, wer an wen?
            Welche politischen Hintergründe hat der Fall eigentlich?
            Und warum wurde jetzt die SAPOR-Geschichte ausgegraben?
            Dient der Bastler in Straubing mit oder ohne Absicht politischen Zwecken?
            Soll durch die Skandale die Nachfolgeregelung von Seehofer zu Gunsten von Söder entschieden werden?
            Oder soll es in dem schwarzen Bayern tatsächlich einen Regierungswechsel geben?

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  9. tokchii schreibt:

    @Lutz Lippke

    Im Fall Mollath hätte ich mir von seinem Anwalt gewünscht, dass er an Tag 1 der neuen Hauptverhandlung beantragt, dass auf ein psychiatrisches Gutachten und die Anwesenheit eines Gutachters während der Verhandlung verzichtet wird. Auch hätte ich mir die Aufklärung der Steuerhinterziehungsvorwürfe gewünscht. Selbst wenn dies nur medial geschehen wäre, da ja von allen Seiten behauptet wird, die Hauptverhandlung hätte das nicht leisten können (was ich übrigens für absurd halte, ist es doch das einzige Argument, das Mollath zur Erklärung seines Verhaltens anführt und wegen des rechtlichen Gehörs eben auch zur Sache gehörend). Auch hätte ich insofern Loyalität gegenüber dem Mandanten erwartet, als dass Streitigkeiten nicht an die Öffentlichkeit getragen werden, eher hätte ich eben von einem völlig transparent arbeitendem Anwalt Transparenz hinsichtlich der Spendengelder erwartet.
    Aber ich weiß ebenso gut, dass man niemals Erwartungen an Menschen stellen sollte, da dies meist nur zu Enttäuschungen führt.

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    • Lutz Lippke schreibt:

      Tokchii und das ist jetzt wirklich nicht böse gemeint:
      Wir wollen immer sehr viel, vor allem von Anderen und fordern allgemein Gelöstes ein. Auch wollen wir, dass unser eigenes Engagement gewürdigt wird und nicht spekulativ verrissen. Wir überschätzen uns und unterschätzen die Leistung Anderer oft dabei. Nicht das es in einer kooperativen Umgebung ein Problem wäre, dort würde Aktivität erst dann freundlich ausgebremst, wenn mit einem die Pferde durchgehen. Aber in einem dekonstruktiven Umfeld werden Spekulationen, Befindlichkeiten und Anspruchshaltung genutzt, um Misstrauen, Spaltung und gegenseitige Herabwürdigung zu sähen. Sie geben dem derzeit Nahrung, das sage ich in dieser kooperativen Umgebung des opablog. Ihre Aktivität im beckblog ist mir unverständlich, ablenkendes Gezerre, wie Sie in einem anfänglichen Kommentar selbst anderen Kommentatoren vorwarfen. Ich weiß nicht wohin Sie wollen, was Ihnen wichtig ist und was Sie konkret beitragen wollen. Transparenz um jeden Preis? Ich empfehle (nicht wirklich) eine Webcam in ihrem Klo. Das ist doch wie mit den Menschenrechten. Man fordert und verteidigt sie am besten anderswo. Dann muss man sich nicht selbst hinterfragen und ist aus dem Fokus. Ich bin mir sicher, dass Ihnen nicht bewusst ist, wer derzeit von Ihnen profitiert. Es sind die, die Transparenz in der Justiz und Justizpolitik fürchten und Aktivisten, zu denen Mollath und Strate derzeit gehören, gern beschädigen wollen.

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      • kranich05 schreibt:

        @ tokchii und Lutz Lippke,
        ich verfolge Ihren Dialog, auch Wenn ich dazu kaum etwas zu sagen habe; höchstens diesen Gemeinplatz: Wir unterliegen ganz entschieden der Gefahr einer unzulässigen Komplexitätsreduktion (Im Fall Mollath und weit darüber hinaus). Wenn wir uns nicht den gegensätzlichsten Faktoren zuwenden, Wenn wir nicht das Zueinander der disparatesten Ebenen denken, kurz, Wenn wir nicht die Einheit der Gegensätze denken, bleiben wir hilflos.
        Übrigens wäre es aus heuristischen Gründen interessant, bezüglich Strate mal die Perspektive zu wechseln und sein Agieren als ziemlich überschaubar und oft ziemlich belanglos zu betrachten. 🙂

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        • Lutz Lippke schreibt:

          Man könnte auch sagen, der Paketbote, der das Paket wirklich noch an der Türe abliefert, macht etwas belanglos Selbstverständliches. Das dafür heutzutage eigentlich schon das Bundesverdienstkreuz (oh Gott wofür wurde und wird es noch) verlíehen werden müsste, liegt nicht allein an den Paketboten. Sicher ist es übertrieben, seinen Paketboten einen Star-Paketboten zu nennen, weil er es meist bis zur Tür schafft. Vor allem, wehe wenn es dann mal nicht klappt, er stolpert oder kurz angebunden ist, dann ist er wegen der Vorschusslorbeeren erst recht unten durch. Die Paketzustellung als Logistiksystem würde uns wohl mehrheitlich überfordern. Alle Fehler in diesem System zu finden erst recht. Ich glaube Paketboten werden unterschätzt. Ich bekomme eigentlich fast nie Pakete. Das passt. Am unbedarftetsten lässt es sich über Dinge schwätzen, die man nur vom Hörensagen kennt.

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    • Lutz Lippke schreibt:

      Nachtrag: Der Anwalt
      Ich nenne bewusst nicht einen Bestimmten, sondern einen vermeintlich guten Selbstgewählten. Der Anwalt ist zunächst wie er ist. Er braucht eine Beziehung zum Mandanten, genaugenommen viele zu vielen Mandanten, davon lebt er. Seine Aufgabe ist es, den Mandanten bestmöglich, eigentlich sogar nur auf dem sichersten Weg durch das Mandat zu führen. Es gibt häufig einen Konflikt, denn der Mandant ist Auftraggeber, gibt die Ziele vor, ist aber nur eingeschränkt weisungsbefugt. Der Anwalt hat neben denen des Mandanten seine eigenen Interessen, Ziele, Vorgehensweisen und Anschauungen. Man stellt sich vor, ein guter Anwalt geht strikt analytisch vor und steht immer für das Gute ein. Das ist im Grundsatz falsch, leider. Wäre Jura analytisch, hieße sie/er/es mathematische Logik oder analytische Philosophie. Gut wenn ein Anwalt davon etwas versteht und akribisch dokumentieren und analysieren kann. Er braucht aber auch Bauchgefühl und Erfahrung für die Situation. Es ist wie mit Standup, dem Witz oder Kommentar spontan immer zur richtigen Zeit. In der nachträglichen Analyse wird man immer auch Widersprüche finden, die der Schlagfertige auf die Schnelle mit dem Bauchgefühl nicht vollständig aufgelöst oder unbewusst im Interessenkonflikt entschieden hatte. Ein guter Anwalt sichert auch die Rechte der Schlechten (Mandanten). Erstens, weil es seine Aufgabe ist und in jedem Schlechten auch Gutes steckt. Zweitens, weil mancher Schlechte sich noch als Guter herausstellt. Genaugenommen sollte ein Anwalt diese Kategorien gute und schlechte Menschen gar nicht kennen, es geht für ihn vor allem um durchsetzbare Rechtsansprüche und Vermeidung von Rechtsfolgen für seinen Mandanten, den er nicht immer selbst aussuchen und erziehen kann. Wie umgekehrt.
      Mehr ist von einem Anwalt im Broterwerb nicht zu erwarten. Wer mit dem Menschen hinter dem oder im Anwalt in Beziehung steht, kann den Rest auf dieser Ebene ausmachen.

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    • Joachim Bode schreibt:

      @tokchii

      Strate hat am 1. Tag der Hauptverhandlung den von Ihnen vermissten Antrag gestellt.

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  10. Lutz Lippke schreibt:

    Zur Urteilsverkündung http://www.strate.net/de/dokumentation/Mollath-Hauptverhandlung-2014-08-14.pdf
    Ich befasse mich eigentlich nicht so sehr mit den Details. Aber hier stockt einem doch der Atem.
    Ich zitiere:
    „Nun zum Anklagepunkt 1, zum Vorfall vom 12.08.2001.
    Die Kammer ist davon überzeugt, dass am 12.08.2001 gegen
    15:00 Uhr in der gemeinsamen Ehewohnung Volbehrstraße 4
    in Nürnberg der Angeklagte seine damalige Ehefrau Petra
    Mollath an den Oberarmen festhielt, mit der Faust schlug und
    sie trat, wobei er Hausschuhe oder Mokassins trug, sie in den
    rechten Unterarm nahe des Ellenbogens biss, sodass die Nebenklägerin
    eine zumindest bis 14.08.2001 deutlich erkennbare
    Wunde mit Abdruck von Unter- und Oberkiefer erlitt, sie entweder
    bis zur Bewusstlosigkeit würgte oder aber diese durch
    das Würgen zumindest in einen Zustand zwischen klarem Bewusstsein
    und vollständigem Bewusstseinsverlust geriet und
    Petra Mollath durch die Faustschläge und Tritte des Angeklagten
    Hämatome an der rechten Schläfe, an Armen und Beinen
    und im Bereich des linken Beckenkamms davontrug und dass
    sie durch das Würgen Würgemale in Form von flächigen Hämatomen
    beiderseits des Halses erlitt, wobei das Würgen geeignet
    war, das Leben der Nebenklägerin ernsthaft zu gefährden.“
    Ein Motiv zur Falschbeschuldigung schließt das Gericht aus. „Die Situation zwischen den Eheleuten war damals noch nicht dermaßen eskaliert, dass ein Falschbezichtigungsmotiv nachvollziehbar wäre.“
    Ein Motiv der „einseitigen Taten“ ohne Ablauf und konkreten Tatort finde ich in der Urteilsbegründung nicht. Offensichtlich hat Jemand schlägtbeissttrittwürgtmotivlos oder würgtbeisstmotivlostrittschlägt oder beisstwürgttrittmotivlosschlägt oder oder und friedensverrückt ist er auch noch.
    Abgesehen von der Frage von Belastungseifer von Zeugen und der Möglichkeit innerhalb von 2 Tagen diese Szenerie (blaue Flecken und Striemen am Hals, Beissabdruck, Prellungen) zu erzeugen, stelle ich mir einfache Fragen zur Überzeugung des Gerichts zum Motiv des Täters und zum Tatablauf.
    Gibt es einen konkreteren Tatort (Küche,Flur, Schlafzimmer etc.)? Wie entstand die Situation (einseitig, beidseitig)? Wie war die Abfolge der Taten? Welche Gegenwehr, Ausweichreaktionen gab es? Sind die Taten rekonstruierbar, nachstellbar?

    Hab ichs übersehen?
    Ich bin nicht überrascht, aber trotzdem schockiert über die Einfalt richterlicher Überzeugungsbildung und juristischen Kunst der Urteilsbegründung. Und dann kommt es: „Ganz entscheidend war es, die einzelnen erhobenen Beweise in ihrer Gesamtschau zu würdigen.“
    Der skandalöse Fall zum Lehrer Arnold lund viele andere lassen grüssen.
    „Gesamtschau“ – ein allgemeiner Lackmus-Test für zukünftige Urteilsüberprüfungen und Hinweis auf Rechtsbeugungsverdacht?

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    • Dian schreibt:

      Zum Begräbnis der Wahrheit gehören viele Schaufeln.

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    • Lutz Lippke schreibt:

      Vielleicht kann mir das jemand erklären?
      Gericht sieht kein Motiv für Falschbezichtigung. Zitat:
      “Die Situation zwischen den Eheleuten war damals noch nicht dermaßen eskaliert, dass ein Falschbezichtigungsmotiv nachvollziehbar wäre.”
      -> bedeutet das, dass eine Prüfung auf Manipulation unterbleiben kann?
      Hat denn das Gericht ein Motiv zur gefährlichen Körperverletzung geprüft? Wenn ja, wo steht das?
      Wenn nein, warum nicht? Gibt es keine Analogie zu Falschbezichtigung?
      Würde nicht das Abstreiten des Tatumfangs und der Rückgriff auf Notwehr erfordern, das Motiv, Tatablauf und Tatumfang genauer ermttelt werden muss?
      Annahme: Es kam zum Streit mit Beleidigungen, Drohungen und Handgreiflichkeiten.
      Das ergibt genauso ein Motiv für gefährliche Körperverletzung, wie für Falschbeschuldigung. Hat das Gericht dies nachweislich gegeneinander abgewogen?
      Annahme (des Gerichts): Der Streit bringt einen Streitenden in Ausnahmesituation, so dass dieser möglicherweise schuldunfähig gefährliche Körperverletzung bis hin zum Bewusstloswürgen begeht.
      Gegenannahme: Die gegenseitigen Handgreiflichkeiten verursachen möglicherweise leichte Prellungen und Druckstellen durch Abwehrhandlungen und Gegenstände (Tisch, Stuhl etc.). Einen Streitenden veranlasst die Wut über den Streit, die Drohungen und Kalkulation möglicher Vorteile im weiteren Verlauf dazu, eine Anzeige wegen Körperverletzung vorzubereiten. Die Verletzungsmerkmale werden als nicht ausreichend angesehen, so dass noch nachgeholfen wird. Wurde diese Möglichkeit vom Gericht überhaupt erwogen und sicher ausgeschlossen?
      Wenn nicht, würde das doch bedeuten, dass die Glaubhaftigkeit der Tatbezichtigung ohne Motiv und Tathergang auskommt, der Vorwurf der Falschbezichtigung bzw. Manipulation jedoch mit Motiv und Tathergang bewiesen werden müsste. Ein Bestreiten der Tat lag vor und reichte offensichtlich nicht.
      Nun sind gefährliche Körperverletzung und Falschbeschuldigung der gefährlichen Körperverletzung gleichermaßen Straftaten. Ist in einem Fall Motiv und Tathergang entbehrlich, im anderen Fall nicht?
      Wenn nichts weiter ermittelt werden kann und beide Seiten Aussagen verweigern, wäre dann eine Einstellung wegen fehlenden Erkenntnissen zu Motiv und Tathergang nicht zwingend?
      Was habe ich übersehen oder schätze es falsch ein?

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      • Dian schreibt:

        In der Mitschrift der (vorerst mündlichen) Urteilsbegründung las ich, dass die Richterin sinngemäß vorschützte, es lägen die vermeintlichen Taten so lange zurück. Deshalb und Ihnen, Lutz Lippke zur Hilfe, sei von Samuel Butler (1612-1680) ein Aphorismus zitiert: „Der Unterschied zwischen Gott und den Historikern besteht hauptsächlich darin, dass Gott die Vergangenheit nicht mehr ändern kann.“
        Bitte, Lutz Lippke, Sie stellen zweifellos richtige Fragen. – Nur sie „helfen“ dem Gericht jetzt auch nicht mehr. 😉

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  11. langsam ver2felnder schreibt:

    Wer immer sich hier echauffiert unterliegt m.E. nur einem Missverständnis. Er/Sie geht von der – irrigen – Voraussetzung aus, dass das Recht und das dazugehörige Personal den Zweck hätten, der puren, nackten Macht etwas „Anstand“ entgegen zu setzen. Das ist ein Denkfehler. Das Recht ist längst erbeutet und inzwischen nur noch ein Tarnungswerkzeug der Macht und das Personal sind schlichte „s.t.a.o.-Darsteller“. * s.t.a.o. = so tun als ob. Das ist aber inzwischen in fast allen Bereichen unserer westlichen „s.t.a.o.-Gesellschaften“ so. Wie in Politik, Wirtschaft, Gesundheitswesen, Medien, etc. Immer geht es nur noch darum, wer am geschicktesten dem Schwächeren SEIN X für ein U vormacht. Also – so what…

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  12. Lutz Lippke schreibt:

    @ Dian und langsam ver2felnder
    Vielen Dank für Ihre Kommentare. Und sie haben gewiss auch irgendwie recht.
    Aber wohin führt Fatalismus? Ist es richtig, das Unrecht allgemein und hoffnungslos zu beklagen?
    Gibt man damit nicht auch den Anspruch zur Veränderung auf?
    Viele in meiner Umgebung tun das, mitunter ein Kommentar: „ja man müsste …“ und dann wenden sie sich wieder ab. Vielleicht bin ich deswegen noch illusioniert, weil ich mich dem vermeintlich Faktischen nicht ergeben will. Nur weil die intriganten Heuchler nach jeder Enttarnung dreist Stärke demonstrieren, kann ich die unbezwingbare Macht noch nicht erkennen. Sollten wir aufhören, sie bei den Heucheleien zu stellen, in der Hoffnung auf mildere Strafe? Sind wir denn stärker, wenn wir uns als hilflose, ausgelieferte Opfer einer Übermacht definieren? So gesehen finde ich es auch wieder abstrus und lächerlich von nackter Macht der Stärkeren zu reden. Dann wäre es wohl eher die Bequemlichkeit und Ausrede der potentiellen Opfer, solange es sie noch nicht erwischt hat. Ich möchte zugunsten einer aktiven Hoffnung darauf verzichten, mit negativer Wahrsagung auf die selbsterfüllende Prophezeiung zu pokern. Die Befreiung wird wohl nicht weniger mühselig, wenn wir auf den Zusammenbruch warten.
    Also nichts für ungut, ich wäre dankbar, wenn ich zu meinem obigen Kommentar auch Konkretes erfahren könnte.
    https://opablog.net/2014/08/14/wer-sind-die-wirklich-geistesgestorten/#comment-34603

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    • langsam ver2felnder schreibt:

      Sie fragen: „Aber wohin führt Fatalismus? Ist es richtig, das Unrecht allgemein und hoffnungslos zu beklagen?“
      Ich möchte mal gegenfragen:
      „Wo endet Realismus und beginnt Fatalismus“? Was ist „Unrecht“? Wer definiert es, nach welchen Kriterien“? Sie möchten zu Ihrem obigen Kommentar etwas Konkretes. Hier ist es, es nennt sich „Gelassenheitsgebet“: den Mut zu ändern, was du ändern kannst; die Kraft, geduldig zu ertragen, was du nicht (mehr) ändern kannst; und die Weisheit zwischen beiden zu unterscheiden.

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      • Lutz Lippke schreibt:

        Das „Gelassenheitsgebet“ ist mir natürlich bekannt. Ich wende es durchaus auch desöfteren an, allerdings eher instinktiv.
        In konkreter Sache geht es aber nicht darum, dass ich das wohl feststehende Urteil mit meinem Nachfragen noch irgendwie kippen will, sondern argumentativ für die Zukunft und die weitere Aufklärung die „Denkgesetze“ und „juristische Kunst“ analysieren und hinterfragen möchte. Wie viele andere auch. Denn es wird nicht das letzte Urteil sein und gewiss nicht das schlimmste. Vielleicht hilft es meine Motivation zu verstehen, wenn ich etwas verkürzt behaupte, man kann nie von vorn oder neu anfangen. Es hängt immer der unbewältigte Rattenschwanz dran, was schon begrifflich schon sehr gut passt.
        Zuletzt entschuldigen Sie mir die aufkommende aber nicht bös gemeinte Ironie, vielleicht ist die Gelassenheit des möglicherweise vorauseilenden Ertragens (oder auch Gehorsams) die Ursache für langsames ver2feln. Mollath ist in den 7 Jahren sicher auch desöfteren verzweifelt, aber das Gelassenheitsgebet galt ihm vermutlich nur zur Überwindung einer Unpässlichkeit. Wer hätte vor 7 Jahren die Weisheit und den Mut gehabt an seinen und auch unseren Erfolg zu glauben.

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    • Dian schreibt:

      @Lutz Lippke: Mein Augenzwinkern, „nur sie ‚helfen‘ dem Gericht jetzt auch nicht mehr“, ist sicher missverständlich aber – doppelbödig – gemeint. (Erklärung meinerseits gibt’s [bei Bedarf] frühestens nach Vorliegen der schriftlichen Urteilsbegründung.)

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  13. Stefan Elbel schreibt:

    „Für eine Störung Mollaths würden viele Punkte sprechen: Der Angeklagte sei geprägt von einer einer hohen Empfindsamkeit, davon zeuge auch sein vehementer Einsatz für Frieden.“

    Jeder der sich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzt bzw. Zivilcourage zeigt ist als gestört?????
    Warum hat Frau Maske – vormals Frau Mollath – nicht vor Gericht ausgesagt?
    Mollath wollte konkret und zielbewusst etwas gegen die „Schwarzgeldgeschäfte“ unternehmen. Er wollte konkret und zielbewusst etwas gegen die falsche Verurteilung unternehmen.
    Ist das Fatalismus? nein. Fanatismus? nein. Es ist genau das, was vielen Menschen verloren gegangen ist, die alles so hinnehmen wie es ist, „die machen doch sowieso was sie wollen, da kann man nichts machen“ ist der allgemeine Tenor.
    Viele haben nicht einmal mehr die Courage, ihre Meinung mit ihrem Namen zu unterschreiben.

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