Haben die deutschen Linken zwei Parteien oder drei oder keine? Und ist es vorläufig vielleicht am besten so, wie es ist?

Unter Linken im Sinn obiger Frage verstehe ich Leute, die den Kapitalismus überwinden wollen, also kapitalistische Produktionsverhältliche als Basisstruktur der Gesellschaft und die entsprechenden politischen Machtverhältnisse. Dass so verstandene Linke eine dezidiert antiimperialistische Politik machen (zu der natürlich auch Antizionismus gehört) versteht sich von selbst.

Die Partei „Die Linke“ ist keine Partei der Linken. Sie ist eine politische Organisation, die dankenswerterweise eine Reihe demokratischer und humanistischer Positionen vertritt, meist aus dem Blickwinkel der Schwachen in unserer Gesellschaft. Zugleich ist sie – und das ist vielleicht ihre Hauptfunktion – ein Verein, der alles potentiell Systemkritische sammelt, kanalisiert und systemkonform entschärft/integriert.

Neben weiteren Linksorganistionen, die Ich Im Rahmen meiner obigen Frage nicht betrachte, kônnte die DKP als eine Partei der Linken gelten. Obwohl ich für die DKP gewisse Sympathien habe, weil ich glaube, dass es ihr mit ihrer grundsätzlichen und kompromisslosen Feindschaft zu Realkapitalismus und Imperialismus ernst ist, halte ich sie bisher nicht für eine zukunftsträchtige Partei der Linken. Ich fürchte, dass die DKP einen Rattenschwanz überlebter, für ewig gehaltener, „marxistisch-leninistischer Erkenntnisse“ mit sich schleppt (identitätsheischend hochhält), was sie vom lebendigen Prozess der Gesellschaft trennt und sie sektiererisch blockiert. Ausserdem scheint mir die Kultur des innerparteilichen Lebens wenig überzeugend. Doch davon weiss ich wenig und werde versuchen, etwas mehr zu erfahren.

Vorläufiges Fazit: Es gibt keine eine und keine zwei Parteien der Linken. Gibt es eine dritte?

Ich denke an die sich in jüngster Zeit anscheinend versteifende Opposition innerhalb der Linkspartei. Die verschiedenen „kritischen Strömungen und Plattformen“ in der Linkspartei existieren seit langem. Ich sehe sie (vielleicht etwas vergröbert) als Bestandteil des innerparteilichen Schachers. Die jüngste Kontroverse Dagdelen – Gysi/Kipping/Riexinger geht wohl über Schacher hinaus. Doch kann ich in keinster Weise erkennen, dass eine Schärfe und VOR ALLEM THEORETISCHE TIEFE der Auseinandersetzung erreicht sei, die zu einer Spaltung mit der Perspektive einer wirklich zukunftsträchtigen Sozialistischen Partei führen kann.

Fazit: Es gibt derzeit keine dem gesellschaftlichen Entwicklungsstand UND GESELLSCHAFTLICHEN LEBENSBEDÜRFNISSEN adäquate Partei der Linken. (Das trifft auch über Deutschland hinaus zu.) Solange eine solche Partei nicht wenigstens in den Grundzügen inhaltlich bestimmt werden kann, ist ihre Nichtexistens folgerichtig und kein Beinbruch. Doch Ich meine, dass die Zeit herangereift ist, dass sozialistisches Denken aus seiner „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ heraustritt und wieder (aber anders als im 20. Jahrhundert) geschichtsmächtig wird. Bald dazu ein paar unmassgebliche Gedanken von mir.

 

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2 Antworten zu Haben die deutschen Linken zwei Parteien oder drei oder keine? Und ist es vorläufig vielleicht am besten so, wie es ist?

  1. gast schreibt:

    Die Linke ist nicht wirkmächtig, weil sie frigide ist. Sie spricht über ‚Sex‘, das Leben hoch-emotionalisiert-emotionalisierend und hoch-analysiert-analysierend und sie macht ziemlich viel *richtig*, konstruiert das üppige Leben in völliger *Korrektheit* und *Wissenschaftlicher Attitüde* – nur macht es einen nicht heiß, es bleibt perfekte unerrotische Hülle.
    Klar, dies und das, die blondierten Kopf, den Tanga, das Schriftstück und Artikel, die Haltung und Bewegung, die Demonastrationen und wohlgeformte Reden – alles richtig und korrekt, hinsichtlich der Einzelteile, richtig und passend auch hinsichtlich des Ganzen; dennoch bleibt es frigide.

    Es gibt solche Menschen, Schauspieler, sogar Pornostars – Wissenschaftler, Künstler, etc. Die Linke definiert sich aber gerade darin, frigide zu sein. Man hat gute, richtige, überzeugende, gerechte Gründe, aber keine Lust. Man hat eher –Verbitterung–, daher die Unlust, daher die Frigidität.

    Der Urkern der Linken ist bei aller Richtigkeit ihrer Erscheinung ein im Wesentlichen unschöpferischer, unlustvoller und unliebsamer, in der peripheren Form aber höchstproduktiv.

    Es zeigt sich ganz oft, dass über Menschlichkeit geredet wird, aber wenn der Mensch dann in den Blick genommen werden soll, dann klappt das nur über eine distanziert höchstfrigiden Außenbeschau, selten aber in einer inneren Beschau, als würde die Linke deswegen soviel vom Sozialen und Menschlichen reden, weil sie selbst die am entwurzelste und entfemdeste Ansammlung von Einzelmenschen ist, die jeder für sich eine Ausbeutung durch Missbrauch, Ideale, Ideologien erfahren hat – aber dies um Gottes Willen, nie untereinander zugeben könnten, weil das alles ihr Hineingeworfensein zerstören könnte. Lieber Stärke zeigen anstatt sich zum ‚Opfer‘ zu machen.

    Deswegen ist die Linke im Innersten blockiert, auch wenn sie sich noch so hübsch auf’dresst‘.

    • Lutz Lippke schreibt:

      Den jetzt häufigeren Gast-Kommentaren ist doch ein eigener Stil anzusehen. Lieber Gast, wollen Sie sich nicht mal einen „richtigen“ Namen geben? Es muss ja nicht Ihr eigener sein.

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