Schulmedizin

Viermal hab ich in meinem Leben mehrwöchig im Krankenhaus gelegen.

1982 viereinhalb Monate im Klinikum Berlin-Buch in der Klinik für Physiotherapie mit schier unerträglichen Schmerzen von der Lende bis zum Nacken und wieder zurück.

2005 mehrere Wochen wegen Harnröhrensteinen, die teils operiert, teils mit Schlinge entfernt wurden, im Uniklinikum Jena.

2007 etliche Wochen wegen Bypassoperation am Herzen im Uniklinikum Jena (plus anschließender Reha).

Und jetzt, 2014, zwei Wochen im Helios-Klinikum in Berlin-Buch wegen arteriitis temporalis, die zwar noch nicht sehr weit vorgeschritten war, aber bei Nichtbehandlung fast zwangsläufig den bekannten schweren Verlauf nimmt.

Immer war ich also, ein für Naturheilverfahren aufgeschlossener Mensch, massiv auf die Schulmedizin angewiesen. (Wobei die auch an Kneipp orientierte Klinik für Physiotherapie von 1982 wohl eine Sonderstellung einnahm.)

Bei allen diesen Erfahrungen und also über unterschiedliche Eigentumsverhältnisse der Krankenhäuser, ja über Gesellschaftsordnungen hinweg, hatte ich immer das Gefühl mit großer Kompetenz umsorgt zu sein. Ich fühlte mich nie als entseeltes Anhängsel einer Maschinerie. Ich habe immer mit Freude und Staunen zur Kenntnis genommen, mit welcher Sorgfalt, Gründlichkeit, Fachlichkeit und Geduld und auch Systematik um meine Gesundheit gerungen wurde. Am Ende immer mit Erfolg.

Wahrscheinlich bin ich ein relativ angenehmer Patient, bin (im Krankenhaus mehr als sonst) kooperativ, kommunikativ, nicht wehleidig, sondern aktiv und recht diszipliniert. Wie sollte ich anders sein, da ich doch dankbar bin?

Und mit Angst komme ich selbst einigermaßen klar. (Seelsorge habe ich nie gebraucht.)

Ich bin auch jetzt, wenn ich nun morgen entlassen werde, all den vielen Menschen dankbar, die hier so viel für mich getan haben. Da schließe ich selbst die freundlichen, rücksichtsvollen Mitpatienten mit ein.

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5 Antworten zu Schulmedizin

  1. Dian schreibt:

    Wo Ärzte und Apotheker fehlen, da sterben die Leute gewöhnlich an Altersschwäche. (spanisches Sprichwort – ohne „gewöhnlich“, so also „meine“ Interpretation)
    Ärzte (und Psychiater) sind Errungenschaften menschlicher „Zivilisation“, eigentlich Sozialisation. Auch mir halfen sie schon, meine ungesunde Lebensweise „unbeschwert“ fortzusetzen. Ich bin ihnen dankbar.
    Ein guter Arzt dürfte mehr Seelsorger als Chirurg sein.
    Ich wünsche Dir, lieber Opa Kranich, weitere erfolgreiche Genesung und die Wiedererlangung Deiner vollen Tatkraft!
    Mit herzlichem Gruß
    Dian

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  2. mal wieder da schreibt:

    Lieber Opa Kurch,
    entweder du gehörst zu den privat versicherten Menschen im Lande oder du hast viel Glück gehabt. Ich habe da schon ganz andere Berichte gehört.
    Wenn du für Naturheilverfahren aufgeschlossen bist, dann schaue dir mal das Krankenhaus an der Havelhöhe http://www.havelhoehe.de/ an. Mir haben einige berichtet, dass es da dort super gewesen sei … aber vorerst: Gutes Einfinden zu Hause, weiterhin gute Besserung
    schöne Grüße
    mal wieder da

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    • kranich05 schreibt:

      Das Krankenhaus „Havelhöhe“ ist mir ein Begriff.
      Bevor mich diesmal mein Hausarzt (der durchaus auch alternativer Behandlung aufgeschlossen ist) nach Buch überwies, machte ich ihn auf „Havelhöhe“ aufmerksam. Seine Reaktion: „In Ihrem konkreten Fall keinesfalls!“
      Privatversichert bin ich nicht.
      Es mag sein, dass ich von der „Magie des Doktortitels“ profitiere, obwohl meiner kein medizinischer ist.
      Danke für die guten Wünsche.

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  3. Lutz Lippke schreibt:

    Zunächst Glückwunsch für die guten Erfahrungen und alles Gute für die weitere Genesung. Es freut mich auch wirklich Positives zu den „Arbeitern“ im Gesundheitssystem zu hören. Ich selbst arbeite als Techniker im nichtmedizinischen Bereich eines Krankenhauses, habe trotzdem viele Eindrücke vom Pflegealltag. Die Systemprobleme sind bekannt und haben gewiss ihre Auswirkungen. Dies muss dringend angegangen werden. Sicher werden nicht Wenige Opfer von systematischen Unzulänglichkeiten und falscher Orientierung des Gesundheitswesens. Unabhängig davon, geht es mir bei eigenen Beobachtungen auch oft so, dass ich erstaunt bin, dass trotz aller Sorgen und Belastungen auf beiden Seiten achtungsvoll zwischen Medizinern und Patienten umgegangen wird. Dies ist vor allem eine Leistung der Persönlichkeiten, die sich ihre Menschlichkeit trotz der Mühlen des Systems nicht nehmen lassen. Oft wird dies durch ein anerkennendes Wort, ein Scherz, etwas Großzügigkeit und auch verbindliche, respektvolle Kritik sehr unterstützt. Falls auch ich mal wieder selbst auf medizinische Hilfe angewiesen bin, werde ich mich genau daran orientieren.

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