„Jetzt ziehen wir die Samthandschuhe aus!“

Das sagte Netanjahu.

Was war geschehen? Drei israelische Jugendliche waren entführt und ermordet worden. Danach wurde ein palästinensischer Jugendlicher entführt und ermordet.

Zwei  schwere Kriminalfälle, die in jedem zivilisierten Land mit dem erforderlichen hohen Polizeiaufwand verfolgt werden müssten. (Es ist so gut wie klar, dass beide Ereignisse Teil des jahrzehntealten Krieges zwischen Israel und Palästina sind. Diese allgemeine Einschätzung erlaubt aber keineswegs die willkürliche Zuordnung der aktuellen Taten zu bestimmten militärischen Kräften der Seiten.)

Israel beschließt, dass die polizeiliche Verfolgung nicht ausreicht und dass eine 8militärische Aktion erfolgt. Israel antwortet mit Krieg auf ein unaufgeklärtes zivilgesellschaftliches Verbrechen. Israel erklärt (ohne Beweise) die Hamas zum Schuldigen. Mit schweren Waffen geht Israel vor, nicht exakt gegen die Hamas, denn die ist schwerer zu treffen, sondern gegen ein breites Bewohnerumfeld in Richtung Hamas.

Im Effekt: Israel führt Krieg gegen unbewaffnete, wehrlose Zivilisten. Die Opferzahlen beweisen es. Das Kriegsziel Israels ist nicht primär die Bekämpfung der Hamas, sondern die Erzeugung von maximaler Angst. Dieses Ziel ist ein terroristisches. Es wird nur durch die Vernichtung einer großen Anzahl unschuldiger Menschen zuverlässig erreicht. Wir erleben also nicht nur eine Politik gewalttätiger staatsterroristischer Bedrohung, sondern eines tödlich-realen Staatsterrorismus, der planmäßig lebensunwertes Leben definiert und vernichtet.

Die eigene Macht terroristisch und unter Vernichtung lebenunwerten Lebens durchzusetzen, ist ein klassisches Kriterium des Faschismus. Dieses Kriterium ist natürlich auch heute gültig und natürlich auch dann, wenn es anders verbalisiert wird („Samthandschuhe“) als einst.

Nehmen wir zu den israelischen Handlungen die Handlungen der ukrainischen Machthaber hinzu, vor allem (aber nicht nur) in der Ostukraine, die unter strikter Ägide der Weltmacht USA laufen, so sind wir gegenwärtig Zeugen eines massiven mörderischen Vormarschs des Faschismus zugleich an mehreren Fronten. Absehbar führt dieser Vormarsch, zumal in der Ukraine, zur staatlichen Konsolidierung des Faschismus in der Ukraine und weiteren Ländern Osteuropas. Nicht zuletzt damit (weitere Konfliktfelder kommen hinzu) wird die geostrategische Konfrontation auf eine höhere Ebene gepresst, die einen großen Krieg wahrscheinlich macht, ja, bis er unausweichlich ist. Wird die restlose Vernichtung des russischstämmigen Widerstands in der Ostukraine zugelassen (bzw. kann sie nicht verhindert werden), findet sich ein ultimativer Auslöser für diesen Krieg im Bereich der Krim.

Eine Chance zur Entschärfung der Situation ist mit der weitsichtigen realistischen Politik Russlands gegeben. Die Chance kann zur Geltung kommen, wenn erreicht wird, dass ausreichend starke Kräfte in der EU begreifen, dass sie in diesem Krieg nur verlieren und die USA nur gewinnen können, und wenn sie dieser Einsicht gemäß zu handeln vermögen. (Eigentlich eine bodenlose Ironie, dass unsereins darauf hofft, dass paar europäische Kapitalisten-Groβkopfete ihre Taschenrechner ausreichend qualifiziert bedienen und dann endlich den in Europa regierenden KnechtseelInnen in den Hintern treten, damit die von ihrem Selbstmordkurs abrücken.)

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Begrifflich zu „Faschismus“:

* Ich halte es für dringend geboten, eine inhaltsleere, nur formale, äusserliche Sicht auf Faschismus und Faschistisches zu überwinden. Heute ist oft „Faschismus drin“, wo nicht explizit „Faschismus draufsteht“. Bestes Beispiel Timoschenko: Ihre bekanten Auslassungen am Telefon zu Putin und Russland sind reiner Faschismus. Das zählt und nicht, ob sie einer formal faschistischen Partei angehört.

* Zur inhaltlichen Bestimmung des Faschismus heute zähle ich mindestens:

– Er ist terroristische Herrschaft.

– Er definiert (nicht immer explizit) Menschen/Feinde als lebensunwert und vernichtet sie nach Möglichkeit (Massaker von Odessa.)

– Er ist terroristische Herrschaft im Zeichen des Imperiums.

– Es geht nicht um irgendein Imperium, sondern um das realkapitalistische, hochimperialistische des gegenwärtigen Mono-Imperialismus der USA.

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4 Antworten zu „Jetzt ziehen wir die Samthandschuhe aus!“

  1. Joachim Bode schreibt:

    Welche Samthandschuhe?
    Der N. hatte doch nie welche an….

    Gefällt mir

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