Der Diskurs und die Not

Vielleicht so:

Haben sie eigentlich ihre DynamitNobelpreise, die Habermas und Foucault? Für Frieden oder Wirtschaft oder Medizin oder wenigstens Literatur? Sie waren es doch wohl, die auf diesen segensreichen Dreh mit der Diskursgesellschaft gekommen sind. Das perfekte Gesellschaftsspiel unserer Zeit, erst recht alternativlos seit der Neuen Sozialen Marktwirtschaft.

Die GeistLeistungsträger glänzen in den Salons bei dünnem Tee. Auf den Brettern, die die Welt bedeuten, lassen sie ihre Florette blitzen. Beglückt spendet Publikum Beifall ob all des Scharfsinns, der Brillanz, des hohen Mutes, ja wertebasierter Noblesse. Deutschland sucht nicht, es ist selbst Superstaat; der Aufklärung, der Menschenrechte, gar erst der Freiheit, wie Jockel unermüdlich gakt.

Nichts wäre ohne unsere Diskurskultur („schleimlösende Dialektik“ dichtete einst Peter Rühmkorf). Köpfe schlägt man woanders ein (KSK dabei), Absaufen wiederanders (FRONTEX dabei), Menschenjagd ist uns ein fernes Schauspiel. Hunger und Durst zählen wir nicht; wir können nicht überall sein. Unsere Diskurskultur im geschützten Raum. Vorm Spiegel bewundert der Fechter seine zierlichen Paraden. Ungezählte Kommentare für die Welt, doch bitte unnützliche.

„Was soll das?“, fragt meine Frau, „was ziehst Du den Diskurs ins Negative?“. Ja, was ist eigentlich? Und was ist eigentlich zu sagen?

Verdienstlich – darf ich es so nennen? – nehmen juristische HochkaräterInnen (und MittelkaräterInnen) eine Spionageaktion analytisch auseinander. Ein über viele Seiten gestricktes Essay glänzt, Kommentare hundertfach polieren nach. Wahrheit (und zwar wasserdicht!) können die HeldInnen am Ende präsentieren. Ein schönes Ergebnis. Der Diskurs freut sich.

Aber die Not bleibt. Wie heißt der Demokrat, der den Vertrag mit den Faschisten bestätigt? Vertragsfaschist oder doch nur Faschistenvertragler? Wie heißt der Demokrat, der treu zu den Faschisten hält, nachdem diese den Vertrag gebrochen haben? Übervertragsfaschist? Wenigstens das wissen wir: Für „Demokrat“ gilt „Steinmeier“.

Wie heißt eine Demokratin, die eine tapfere Gesinnungsfaschistin mit ihrer Huld umgibt? „Faschismuskonforme Demokratin“ oder doch nur „Faschistinnenfreundliche“.  Von der demokratiekonformen Merkel ist die Rede.

Wie nenne ich Bundeswehrangehörige, die zusammen mit ukrainischen Faschisten oder zumindest von ukrainischen Faschisten Beauftragten auf „Feindfahrt“ gehen? Kurz und knapp „Wehrmachtsangehörige“? Und ihre Befehlsgeber oder Befehlsgeberin?

Und welcher Staatsanwalt (Es darf auch eine Staatsanwältin sein.) ermittelt? Jenseits aller Diskursfreudigkeit. Oder darf er/sie nicht und sehnt stattdessen den „begnadeten Ankläger“ herbei? Auf welcher Bühne?

Wie kann der so ausgreifende Diskurs so viel Not unberühren?

Und was bleibt der Not?

Dieser Beitrag wurde unter Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Demokratie, Faschismus alt neu, Krieg, Krise, Machtmedien, Mensch, Realkapitalismus, Widerstand abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Der Diskurs und die Not

  1. Frieder Kohler schreibt:

    Die Not ist groß: „Steuerungerechtigkeit mit System – Warum werden nur die Reichen immer reicher?“ so die Frage bei Anne Will in der ARD zu später Stunde! Meine Antwort muß ich unterdrücken, der Herr Staatssekretär Kampeter ist mit seinem Herrn Minister unangreifbar, seit sie mit sicherer Hand die BRD durch die oder in die Finanzkrise geführt haben! Die frühen Warner über die „Reichen und die Superreichen“ Ferdinand Lundberg (1968) und Michael Jungblut (…in Deutschland 1971/Hoffmann und Campe) wären erstaunt über Inhalt und Verlauf der o.a. Sendung und würden wieder auf „das älteste und primitivste Mittel der politischen Auseinandersetzung hinweisen: das Comeback der Gewalt!
    Abschalten mit Andre´Comte-Sponville gelang leider nicht! Schon im Vorwort zur „Ermutigung zum unzeitgemäßen Leben (Rowohlt)“ führten mich die Sätze „Denken über die Tugenden ist Bewußtmachen der Entfernung von ihnen. Denken über ihre Vorzüge ist Denken über unsere Unzulänglichkeit oder unsere Erbärmlichkeit“ zu einem Artikel in der Badischen Zeitung zurück, der auch etwas aussagt über den Zerfall der (moralischen und/oder politischen) Werte:
    http://www.badische-zeitung.de/schavan-wird-neue-botschafterin-im-vatikan

    Gefällt mir

  2. fritzletsch schreibt:

    Dr trockene Witz in der ANSTALT „Wir haben nur die eine“ gilt für Kanzlerin, Bundesregierung, Presse und Kriegswirtschaft in diesem Land. Woher sollte eine eigenständige Staatsanwaltschaft kommen? Alle loben und geloben sich gegenseitig Treue. Wie lang wir dem als Volk dienen?
    http://youtu.be/qOzd8ZgVdNE Die Anstalt zeigt die Mechanik heutiger Einbettung

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s