HaBE an Jutta Ditfurth

Offener Brief an eine Mitstreiterin gegen die Kriegstreiber, die jetzt die MontagsFriedensDemos denunziert

HaBE eine Vorbemerkung: die Beschwerde Volker Bräutigams wegen der Ukraine-Desinformations-Berichterstattung bei NDR/ARD wurde auf meiner WebSite heute 1500 Mal abgerufen, mein offener Brief an Jutta Ditfurth 27 Mal. (bis 17 Uhr). Das Hickhack zwischen ein paar Linken oder Halblinken geht wohl sehr vielen am Arsch vorbei. Trotzdem stört es wirkungsvoll die Mobilisierung von Antikriegsaktionen in Deutschland. Sehr zur Freude der Oberkriegstreiber aus der Mitte der sogenannten Volksparteien, aus der heraus die größten aktuellen Verbrechen gegen die Menschheit organisiert werden.

Wer beginnt, zunächst auf der Ebene der Erscheinungen, der unmittelbaren Erfahrungen den Kapitalismus zu kritisieren und seine Kritik zunächst an Personen und greifbaren Institutionen festzumachen ob nun Weltbank, FED oder IWF, Goldman-Sachs oder Black-Rock und namentlich bekannten Finanzkapital-Akteuren, riskiert als mindestens tendenzieller Antisemit eingestuft zu werden auch dann, wenn es sich um christliche, hinduistische, buddhistische, muslimische, konfessionslose Akteure handelt … So wird Denken und Weiterdenken tabuisiert.

Liebe Jutta,

da ich Dich telefonisch so gut wie nie erreiche und Du auf meine Mails seit langem nicht mehr antwortest (kann sein, dass ich Dir zu viel und zu oft schreibe!), sende ich Dir jetzt diesen offenen Brief. Offen deshalb auch, weil ich in der Regel so viel wie irgend möglich öffentlich tue, wie meine öffentlichen Widerstands-Lesungen und –Schreibungen auch. Ich freue mich immer, wenn ich Dich gelegentlich in EZBankfurt im Nordend beim Einkaufen treffe, auch wenn uns da kaum Zeit für längere Auseinandersetzungen bleibt. In EZBankfurt hat man eben nie genug Zeit.

Ich weiß nicht, was Dich in die Hände des Zentralen Dumm Funks mit seiner sogenannten „Kulturzeit“, im ZDF-Kanal für  3sat(te)Besserverdienende und BILDungsbürger  getrieben hat.   (Der Allgemeine Regierungsnachrichten Dienst mit seinem arte-igen  EinBildungkanal ist auch nicht besser.) Mag sein, dass Du dort versuchst den Tiger zu reiten, so wie Du es schon immer  probiert hast und was Dir auch schon oft gelungen ist. Du bist bei Deinen Main-Stream-Auftritten  in der Regel nicht von unserer gemeinsamen Linie abgewichen: antimilitaristisch, antikolonialistisch, antiimperialistisch, antikapitalistisch, antipatriarchalisch, antirassistisch, antisexistisch … ökolinx eben, wie sich Dein kleiner aber feiner Wahlverein in EZBankfurt nennt.

Nur bei der Sendung „Kulturzeit“, ( http://www.mmnews.de/index.php/politik/18019-montagsdemo-neurechts ) (( wer den Jürgen Elsässer nicht lesen will (mit dessen Positionen ich mich hier näher befasst HaBE)), soll sich auf das KenFM-Video beschränken, oder noch bessser hier die schriftliche Stellungnahme von Ken Jepsen nachlesen: http://kenfm.de/blog/2014/04/29/klarstellung/

bei der 3sat- “Kulturzeit” – da lässt Du Dich vor den Teile und Herrsche-Karren, die Desinformationsstrategie der NATO-embeddeten, staatstragend gleichgeschalteten Mainstream-Medien spannen, so sehe ich das.  Und nach Deinem Auftritt legt der Berliner Tagesspiegel noch eins drauf und zeiht nach Deiner Vorlage Ken Jepsen des Antisemitismus. Hier reitest Du nicht mehr den Tiger, hier wirst Du instrumentalisiert. Kann sein, dass solche Auftritte die verkaufte Auflage Deiner Bücher erhöht, was wegen ihres Inhalts hauptsächlich sehr gut ist. Aber ist es das wert. Überwiegt hier nicht der Schaden den Nutzen? Wem nutzt es, wenn Du mit fragwürdigen Andeutungen und Hinweisen auf Verlinkungen Ken Jepsen rufmordest ? Deine Publicity-Geilheit habe ich anderen gegenüber immer als unserer gemeinsamen Sache sehr nützlich verteidigt. Ich habe Dir auf Anfrage immer geholfen, wenn Du Material  gegen die Kriegspolitiker und Wendehälse wie Fischer, Cohn-Bendit, Gerd Koenen, Götz Aly, Kraushaar und Konsorten brauchtest. Du durftest aus meinen Texten seitenweise zitieren in Deinen Büchern. Klar, das hat ja auch meiner Eitelkeit gedient…meine Publicity gefördert. Man wurde doch gerne von Dir zitiert …

KenFM ist  vielleicht genauso publicity-geil wie Du – hat jetzt zu Deinen Vorwürfen und Mutmaßungen Stellung genommen (http://www.mmnews.de/index.php/politik/18019-montagsdemo-neurechts  undhttp://kenfm.de/blog/2014/04/29/klarstellung/) und er setzt seine Fähigkeiten als Journalist sehr gut erkenntnisfördernd ein und das weiß man in den oberen Etagen in „unserem Staate“ bei den Herrschenden beim Hochfinanzkapital und seinen geschäftsführenden Ausschüssen. KenFM  ist unabhängig und sehr populär, eine für die herrschende Klasse unerträgliche Kombination. Für mich ist er in Teilen die journalistische Entsprechung zur Band die „BANDBREITE“ und deshalb stehen der und die BANDBREITE auch auf der Abschuss-Liste.  Und jetzt schießt Du mit auf ihn. Bei der BANDBREITE hast Du ja schon bei ihrem Auftritt im Club Voltaire in Frankfurt vor ein paar Jahren nicht für sie Partei ergriffen und so die Position der BAK-Shalom-Israel-Fans und Kriegstreiber  gestärkt.  Du hattest damals den Sexismus-Vorwurf gegen die BANDBREITE ungeprüft bestätigt….  Nun , das ist Schnee von Gestern, aber Dein „Kulturzeit“-Auftritt ist brandaktuell. Dein Vorwurf der Rechtslastigkeit und antisemitischen Ausrichtung der neuen Friedensbewegung und der Montagsdemos wirkt genau in der Zeit, wo es darauf ankommt , die vorhandene Mehrheit in der Bevölkerung gegen die Kriegshetzereien zu aktivieren.. weit über den Tellerrand der Linken hinaus.

seit ich meinem Ausschluss aus dem KBW 1979 durch Austritt und Gebrauch des eigenen Kopfes zuvorgekommen bin , haben wir uns stets auf der Seite der Unterdrückten, Ausgebeuteten, der Entrechteten immer wieder gefunden und zusammen gearbeitet, beim Anti-Atom-Seminar Anfang der 80er, wo wir gemeinsam noch vor Tschernobyl gegen das Atomprogramm der BRD, der DDR, Frankreichs usw.  wie das der UdSSR gestritten haben so klar, dass uns sogar der damalige sowjetische Botschafter (ich glaube es war damals noch Falin) in der Nähe von Grohnde persönlich damit drohte, man könne auch Teile der Anti-AKW-Bewegung unterstützen, die unsere Maximalforderungen nicht befürworten….. (mag sein, dass er dabei an die Realos um Fischer und Cohn-Bendit dachte, oder auch an Gerhard Schröder, den späteren Gasmann)…

Liebe Jutta, bitte zeige hier Souveränität und Größe, gestehe ein, dass Du einen Fehler gemacht hast, so wie es Konstantin Wecker bezüglich Syrien auch geschafft hat, als er seine Unterschrift bei „Adopt a Revolution“ zurückgenommen hat. Und für einen solchen Schritt muss man auch nicht seine Kritik an Positionen zurücknehmen, die bei den Montagsdemo gelegentlich geäußert werden. Ich weiß, dass Vergleiche immer leicht hinken, aber der BVG-Streik 1932 in Berlin war doch nicht deshalb antisemitisch, rechtslastig weil dort Josef Goebbels gesprochen hat. Es sollen ja NPD-Mitglieder bei den Montagskundgebungen gesichtet worden sein. Nun wenn das so ist, dann kann ich hier ja auch berichten, dass bei der letzten großen Veranstaltung mit Sarah Wagenknecht in Langenselbold mindestens vier mir bekannte NPD-Mitglieder anwesend waren und zwei davon haben an verschiedenen Stellen des Wagenknecht-Vortrags auch geklatscht. Spricht das gegen Sarah Wagenknecht? War diese LINKEn-Veranstaltung deshalb rechtslastig und tendenziell antisemitisch ?

Ganz herzlich

Hartmut

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Ich teile die Position von HaBe und möchte ihre Verbreitung unterstützen. Zugleich werde ich mich bemühen, die Auseinandersetzungen um die Montagskundgebungen möglichst wenig an Personen festzumachen und mehr auf Inhalte auszurichten. In diesem Sinne hier eine vernünftige linke Wortmeldung.

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2 Antworten zu HaBE an Jutta Ditfurth

  1. walterfriedmann schreibt:

    Hat dies auf Walter Friedmann rebloggt und kommentierte:
    HaBE an Jutta Ditfurth

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  2. Lutz Lippke schreibt:

    Bürgerechte, Demokratie, Weltoffenheit und ökologische Nachhaltigkeit waren und sind für mich die wesentlichen Prinzipien meiner politischen Orientierung. Daher ist mir die Politikerin Jutta Dittfurth durchaus noch ein Begriff. So wie die Grünen insgesamt, hatte ich sie aber zuletzt aus den Augen verloren. Sie macht einen wachen Eindruck. Was ich bei Kulturzeit von ihr als Handlungsweise präsentiert bekam, hat unabhängig von der Zielrichtung mit den genannten Prinzipien aber nichts mehr zu tun. Es ist eine Offenbarung, für die es keine Relativierung oder entlastenden Argumente gibt. Wer so agiert, schießt sich in Bezug auf demokratische Prinzipien selbst ins Aus. Dass die Moderatorin dem nichts entgegen setzte, bestätigt meinen Eindruck von dieser und ähnlichen Sendeformaten. Ausschließlich die typische Körperhaltung (meist leicht verdreht stehend, mit der Karteikarte an der Hüfte) und eine deutliche Betonung bilden bei der Moderation von Kultur- und Politmagazinen das journalistische Handwerkszeug aus der Kaderschmiede. Wer da wem in die Arme getrieben wurde oder gefallen ist, interessiert mich eigentlich nicht mehr. Mehr Schein als Sein.

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