Ein Briefwechsel mit dem ZDF

15.04.2014

 Joachim Bode

XXXXXXXX

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ein großer Wunsch an Sie: Behalten Sie bitte den Mitarbeiter Armin Coerper in Ihrem Ukraine-Team, sind seine Arbeitsergebnisse doch hervorragend geeignet, Manipulationen und Fälschungen in der ZDF-Berichterstattung deutlich zu machen.

Er macht sich um die “Aufklärung” der Bevölkerung verdient.

Allerdings bleiben seine Helfershelfer noch zu sehr im Hintergrund. Das könnten Sie ändern.

Mit freundlichen Grüßen

Joachim Bode

 

16.04.2014 

Sehr geehrter Herr Bode,

 

vielen Dank für Ihre E-Mail an das ZDF. 

Die Bilder des russischen Oberstleutnants, der das Polizeirevier in Gorlowka besetzte, sind am 14. April im „heute-journal“ und praktisch allen Nachrichtensendungen des Abends gezeigt worden. Diese aktuellen Bilder stammen von der Agentur Reuters, die deren Inhalt aber nicht unmittelbar bestätigen konnte, da sie diese nur übernommen hat.

 

ZDF-Korrespondent Armin Coerper verfolgt die hier http://de.ria.ru/politics/20140414/268274460 angegebene Spur zum Stadtrat von Odessa, um sich dessen Aussage gegenüber der russischen Agentur RIA bestätigen zu lassen. Anne Gellinek hat tags darauf dazu recherchiert und dabei aus zuverlässiger ukrainischer Quelle erfahren, dass der gezeigte russische Oberstleutnant angeblich ein lokaler Bestattungsunternehmer sei, der sich einen Scherz erlaubt habe – eine Köpenickiade.

 

Den ukrainischen Behörden sei das letztlich äußerst peinlich. Bei dem gezeigten Mann handele sich jedenfalls mit Sicherheit nicht um einen russischen Oberstleutnant. Im „heute-journal“ hat Claus Kleber am Dienstagabend auf die Bilder Bezug genommen und eine Korrektur und Entschuldigung formuliert, die auf der Köpenick-Variante basierte, andere Erklärungsversuche aber nicht ausschloss.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre ZDF-Zuschauerredaktion

 ————————————————————-

Herr Bode stellte mir diesen Briefwechsel zur Verfügung und gab mir zugleich die Anregung, ein paar Begleitzeilen zu schreiben. Darauf antwortete ich wahrheitsgemäß:

„Begleitzeilen fallen mir auf die Schnelle nicht ein, schon allein deshalb, weil ich als seltenst-Fernsehgucker den Vorgang nicht wirklich mitgekriegt habe.
Imponierend aber immer wieder, wie diese Art Institutionen Entschuldigungen immer so schwurbelig formulieren, dass man sich am Ende entschuldigen möchte,sie angemeckert zu haben.“

Darauf antwortete Herr Bode (und ich unterstelle stillschweigend, dass er nichts dagegen hat, dass ich seine Mail ungefragt veröffentliche):

„Hallo Herr Kurch, es lohnt sich, in der ZDF-Mediathek die gestrige heute-journal-Sendung – die angebliche Berichtigung – anzusehen: Die Lüge wird durch eine neue Lüge ersetzt. Danach soll eine Köpenikiade durch einen Russen (!!!) stattgefunden haben. Wie man auf „Russen“ kommt, weiß offensichtlich nur das ZDF. Aber ist es nicht schon eine „Unverschämtheit“, wenn „unser“ Hauptmann von Köpenik ausgerechnet von einem Russen(!!!) plagiiert wird????…“

Und zum guten Schluß noch ein schöner Link zu der diesmal mißglückten ZDF-Propagandaleistung:

http://propagandaschau.wordpress.com/2014/04/14/ukraine-groteske-propaganda-geschichte-entlarvt/

Dank an Herrn Bode!

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8 Antworten zu Ein Briefwechsel mit dem ZDF

  1. Joachim Bode schreibt:

    Respekt, Frau Krone-Schmalz!
    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/media/zapp7411.html#

    Ja, das ist die Frau Schmalz, die jahrelang TV-Korrespondentin in Moskau war.
    Ich habe sie noch in Erinnerung, wie sie west-östliches Freund-Feind-Denken eher unterstützt als bekämpft hat. Heute hört sie sich ganz anders an.
    So kann man sich auch entwickeln! Respekt!

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  2. Klaus P. schreibt:

    Hallo Herr Bode,
    schön, dass Sie auf die klugen Ausführungen der Frau Krone-Schmalz im NDR hinweisen. Sie tun ihr aber Unrecht, wenn Sie behaupten, sie habe seinerzeit in Moskau „west-östliches Freund-Feind-Denken eher unterstützt als bekämpft.“ Manche denunzierten sie schon damals als Russland- Agentin. Ich habe in einem hier veröffentlichten Beitrag „Der Ruf nach Kooperation – oder doch Unterwerfung?“
    (https://opablog.net/2014/02/20/usa-und-eu-konnen-ihre-macht-in-der-ukraine-nur-mit-hilfe-der-faschisten-errichten/#comment-13658)
    beschrieben, dass die heutige „Berichterstattung“ über Russland selbst bezüglich der Olympischen Spiele als anti-russische „Frontberichterstattung“ verstanden wurde, – und zwar nicht nur von „Katrin Müller-Hohenstein, (und) Rudi Cerne, also wahren Geistesriesen!“, sondern auch von Anne Gelinek (ZDF) oder Ina Ruck (ARD):
    „Deshalb mussten „Putins Spiele“ i m m e r auch von „freiheitsbewussten“ PolitkommisarInnen bewertet werden, heißen sie nun Anne Gelinek (ZDF) oder Ina Ruck (ARD), die mit erbärmlich wenigen und extrem selektiven „Sachinformationen“ ihren Dienst an der (Freiheits)-Front gegen die Russen tun. (Ein Frau wie Gabriele Krone-Schmalz, die für die ARD während der Umbruchzeit bis Anfang der 90ger Jahre aus Moskau mit dem Bemühen um – auch eigenes – Verstehen berichtete, wäre heute undenkbar.)“
    Im Übrigen lässt sich feststellen, dass nicht nur die von Ihnen vorgeführten ZDF-Figuren Hetze betreiben. Denn bereits die F r a g e s t e l l u n g e n der Kleber, Miosga, Atalay etc. enthalten noch v o r allen verfälschten „Sachberichten“ brutalste Parteinahmen für die (notfalls auch mit Faschisten durchzusetzende) „freiheitliche Sache des Westens“. Sie haben zwar nie einen längeren Text von Putin gelesen oder gar über ihn nachgedacht, gehen aber n a t ü r l i c h davon aus, dass ihre „Frage“, ob man „diesem Autokraten“ überhaupt trauen könne, super berechtigt ist. Wissen oder Gesinnung? Gesinnung natürlich.

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    • kranich05 schreibt:

      Beispiele für die erwähnte undiskutable Art der Fragestellung gibt ja auch Frau K.-Sch. im Interview.

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    • Joachim Bode schreibt:

      Frau Krone-Schmalz war damals sicherlich genau so wenig „objektiv“ in ihrer Berichterstattung wie auch mein Eindruck davon. Wer und was ist schon objektiv?
      Sie hob sich aber sicherlich ziemlich wohltuend von den üblichen Scharfmachern ab, ohne dabei ihre klare Sympathie für die westliche Seite zu verbergen. Das meinte ich mit der Einschätzung, „eher“ ein Freund-Feind-Denken bemerkt zu haben. Ohne eine solche Einstellung wäre sie wohl kaum länger als nur wenige Tage vom bundesdeutschen TV in Moskau gehalten und bezahlt worden :-), oder?
      Sie ist heute als Professorin an einer privaten Lehranstalt möglicherweise unabhängiger als im damaligen und heutigen Tendenzbetrieb Öffentl.-Rechtl.-TV. Entfernt von der damals noch kalte-kriegs-geprägten Berichterstattungs-Front und finanziell abgesichert kann man sich dann erlauben, den gewonnenen Durchblick auch bekannt zu machen.

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  3. Vernon schreibt:

    Fehlinformatinen, Falschpropaganda, Verteufelung einer anderen Regierung/ eines anderen Volkes, Verschweigen von Tatsachen und Gegendarstellungen: unter Umständen eine „Vorbereitung eines Angriffs-Krieges“? Wann klagt einmal einer beim Verfassungsgericht?

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  4. Joachim Bode schreibt:

    Fortsetzung des Briefwechsels mit dem ZDF:

    Liebe ZDF-Zuschauerredaktion,
    Danke für Ihre prompte Reaktion und den Versuch, die „Welt wieder in Ordnung“ zu bringen.
    Ihr Verweis auf die von Herrn Kleber offensichtlich nur sehr widerwillig und ärgerlich versuchte Korrektur und Entschuldigung ist wiederum für mich recht ärgerlich, weil sein Unterfangen doch in den Anfängen stecken geblieben ist. Schauen Sie sich die Sendung an, und Sie wissen, was ich meine.
    Und im Prinzip hat sich danach doch nichts geändert, wenn man nur Herrn Klebers persönlich gefärbten Anfangs- und Schlußworte zu fast jedweder „Berichterstattung“ zum Thema Ukraine/Russland etwas aufmerksam verfolgt.
    Wieso ist es eigentlich für einen gelernten Journalisten so schwierig, Berichterstattung von Meinung zu trennen?
    Herr Kleber soll und darf doch seine Meinung zu den Russen oder anderen Leuten haben, wie er will, aber die dem öffentlichen Fernsehen übertragene Aufgabe zur Übermittlung von Nachrichten im Rahmen einer Nachrichtensendung darf dadurch doch nicht beeinträchtigt werden!
    Falls Herr Kleber das nicht schafft, ist er fehl am Platze. Vielleicht kann er ja „Wetten dass“?
    Mit freundlichen Grüßen
    Joachim Bode

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  5. Breitenbach schreibt:

    Hier ein Ar­ti­kel, der mir – wie neu­er­dings so vie­le – aus dem Her­zen spricht (den An­hang von »km« frei­lich aus­ge­nom­men): http://zeit-fragen.ch/index.php?id=1766

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  6. Klaus G. Stölzel schreibt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    was heißt „ZDF“ ?

    Antwort:
    „Zensiertes Deutsches Fernsehen“ !

    Was, das wußten Sie nicht ?

    Bekanntlich hatte „Konrad Adenauer“ die Idee
    ein „2. deutsches Fernsehen“ als ein reines
    Regierungspropaganda-Fernsehen, also das
    „Adenauer-Fernsehen“ im Sinne der „West-
    Alliierten“ einzuführen.

    Sehen Sie ! Ich war in den „Siebzigern“, also gegen
    Ende dieses Jahrzehntes, an der „Städt.Fach-
    oberschule-FOS“, die seinerzeit als „Nürnberger
    Kommunisten-Schule“ verschrien war und deswegen
    von der CSU und Beckstein & Co so n noch beschimpft
    wurde.
    Die damalige „Städt.FOS“ war damals so „Links“,
    daß damals die „SPD“ sogar als eine rechtsradikale
    Partei gegolten hatte.
    Als „Gegenstück“ war die Staatl. FOS, auch „CSU-FOS“
    damals in Nürnberg genannt. Wir haben die Schüler dort,
    als christliche „Weihnachtsmänner“ verspottet !

    Aus dieser Zeit kannte ich noch den wahren „Begriff“
    für das ZDF“, als wir seinerzeit das Thema „ZDF“ in
    dem Fach „Sozialkunde“ besprochen hatten. Also
    dessen wahren „Hintergrund“, also, das dann verdeckt,
    als dieses „Adenauer-Fernsehen“ namens ZDF, dennoch
    eingeführt wurde.

    „Nürnberg“ hatte wirklich einmal eine sehr gute und
    echte „Linke Szene“ und gute Lehrer, die eine echte
    „Bildung“ ihrer Schüler vornahmen.

    MfG.

    Klaus G. Stölzel

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