Chaotisierung

Ich habe keine Ahnung von Chaostheorie. Mir dämmert, dass das ein Mangel sein könnte. Anscheinend gibt es Chaosstrategie oder -strategien von Bedeutung.

Schockstrategien hat Naomi Klein untersucht. Mittels eines Schocks (der verschiedene Ursachen haben kann) wird die tradierte gesellschaftliche Organisation zerstört, „tabula rasa“ erreicht und ein völlig neues Regime errichtet. Chaosstrategie geht insofern einen Schritt weiter, als sie KEINE neue (Gesamt)-Ordnung errichtet. Die Macht, die das Chaos hervorrufen konnte, hält das ehemalige, jetzt zerstörte System dauerhaft im Chaos, reguliert oder strukturiert allenfalls einzelne begrenzte Zirkel, Sphären oder Linien und beutet diese aus. Letzteres kann ökonomisch, politisch, militärisch geschehen. Viele asymmetrische Kriege und „Siege“ der USA tragen seit geraumer Zeit das Siegel der Chaotisierung.

Auf Grund solcher Erfahrungen erschien mir bisher ein Konzept der Chaotisierung im Kontext geostrategischer Absichten „der einzigen Weltmacht“ plausibel und auch nachweisbar.

Nachdem ich in jüngster Zeit etwas näher Bekanntschaft mit Facebook mache (im Zusammenhang mit den neuen Montagsdemonstrationen), stelle ich mir die Frage, ob dieses Internetinstrument, wenn es schon keine Methode der sozialen Chaotisierung per se sein sollte, einen ausgeprägten Doppelcharakter hat? Facebook „ergreift“ die vielen vereinzelten Individuen und eröffnet einerseits Wege, sie über Scheinbeziehungen und  Scheinbindungen in noch tiefere Vereinzelung zu treiben (!). Aber FB könnte andererseits wohl auch zur Gestaltung wirklicher sozialer Beziehungen der bisher Vereinzelten beitragen. Das hieße wohl, dass die Individuen sich in realen sozialen Beziehungen VERMITTELN würden.

Eine spannende Problemstellung. Ich sehe bisher nicht, dass sie angemessen reflektiert wird.

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3 Antworten zu Chaotisierung

  1. fritzletsch schreibt:

    Die Chaosforschung ist bei so komplexen Systemen wie Menschen in Staaten und Parteien ein schönes Feld, und wenn so Instrumente wie Internet. Mail uns Facebook dazukommen, mischen sich kulturelle Verhaltensweisen, Abhör- und Überwachungstechniken mit unseren Fähigkeiten, andere Kulturen, Sprachen und Menschen zu verstehen: Das hatten wir verschieden gut gelernt.

    Da kommen Leute aus dem Dorf, deren Großeltern mit ein paar Hundert Menschen kommunizierten, andere reisten durch hunderte Länder und finden es normal, an Tausenden von Menschen vorbeizuziehen.

    Vor hundert Jahren waren viele Leute quer durch Europa unterwegs, bis ein paar Regenten die Grundstücke und Besitzverhältnisse gewaltsam ändern wollten, die Bürger wurden sortiert, gezählt und gegeneinander aufgestellt.

    Nun stellen wir uns nach Ideologien und Religionen selber auf, das Chaos wird aber nicht weniger, weil die jeweiligen geheimen Dienste für besondere Gelegenheiten andere Fahnen dabei haben und auch Theater spielen lernten.

    Verkehrte Nachrichten und Behauptungen gab es in jedem Streit und Krieg, und wem das jeweilige Gas oder Öl, Gold oder Erz gehören soll, wer wen schützt und dann doch ausnimmt, geht nach offiziellen Spielregeln, die aber auch wieder vermogelt werden können.

    Das Chaos der Montagsdemonstrationen versucht, unsere Kommunikation ohne Fahnen und FestrednerInnen, von Mensch zu Mensch neu zu organisieren. Facebook und die Parteien werden uns dabei noch gehörig kirre machen, und Leute, die von Liebe und Mensch sein reden, sind schon komisch: Worin liegt dann der Kapitalertrag?

    Da kommen neue Zeiten, die den kalten Krieg sehen, aber nicht mehr so ernst nehmen, die das Nationale als primitiven Reflex abtun und der bezahlten Presse und den GEZ-Anstalten ihre Manipulationen vorhalten. Chemische Elemente strukturieren sich selbst, aber Menschen?

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  2. Sepp schreibt:

    Hi Fritz: Wir (Menschen) sind von der Anlage her halt keinem Pavlov´schen, zu konditionierenden Hunde. Sondern vernunftsbegabte und autoreflexive Wesen, die lernen können. Auch ich seh die Lernblockaden im und durchs Netz und als Hauptproblem beim Heine´schen Langen Lümmel, vulgo Volk genannt: wir sind (zu) oft enttäuscht worden, haben uns, Illusionen anhängend, täuschen lassen, müssen uns also wieder mal neu aufrappeln. Soweit mal unter uns. Die übliche Blogo-Geschwätzigkeit besorgen hier eh die Lippkes;-) Gruß, Sepp

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  3. Pingback: Neue #Montagsdemo in #München: Warum die Bürger-Treffen so irritierend sind und die Linken herausfordern - Eine Welt Netz

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