Streit um Ken? II

Das Thema beschäftigt mich nicht zum ersten Mal. Siehe hier oder hier.

Der Streit um Ken Jebsen hat paradoxe Züge. Um viele Streitgegenstände und -anlässe, die K. J. liefert, wird keineswegs gestritten. Um andere Themen, die er, zumindest aktuell, kaum erwähnt, gibt es ein Riesenbohei.

Beispiele: K. J. äußert sich nachdrücklichst zur Kriegsgefahr und insbesondere zu den Kriegsgefahren der Ukrainekrise. Er läßt keinerlei Zweifel, dass er nicht bereit ist, die deutsche Kriegspolitik zu unterstützen und betont auch die Verantwortung, die er und alle Angehörigen der Elterngeneration dafür haben, dass die Kinder in einer friedlichen Welt leben können. Angesichts der Tatsache, dass Minister der Groko (+ Staatspräsident) die Bereitschaft der BRD zu kriegerischer Interessenvertretung lauthals verkünden, UND angesichts dessen, dass diese Regierung ja von sehr Vielen gewählt wurde (wenn auch nicht von einer Mehrheit der Bürger), müßte man erwarten, dass der Pazifismus des Ken Jebsen attackiert wird. Jedem Kriegshetzer müßte der Ken doch quer im Rachen liegen. Aber komisch, kaum ein Kriegshetzer streitet offen mit ihm.

Anderes Beispiel: K. J. geißelt die Manipulations- und Verdummungsfunktion, die die MSM erfüllen. Er beweist und prangert an, wie die Wahrheit ignoriert, unterdrückt und verfälscht wird (Ausnahmen läßt er gelten.) und damit dem naiven Medienkonsumenten ein zutreffendes Bewußtsein der gesellschaftlichen Zusammenhänge unmöglich wird. Er verlangt kurz und bündig: „Glotze aus!“ und hält zugleich zur selbständigen Bildung an: Lies! Nutze Bibliotheken! Mach Dir deine eigenen Gedanken! Schreibe sie auf! Das sind Kens Appelle in bester aufklärerischer Tradition zur „Befreiung aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“. Da liegt der Fehdehandschuh, aber alle großen Medien sind peinlich darauf bedacht, ihn NICHT aufzunehmen. Manche Randmedien stottern dann etwas von „Antisemitismus“ oder „Verschwörungsideologie“ (?).

Drittes Beispiel: K. J. polemisiert heftig gegen das, was ich das „demokratische Stimme-Abgeben“ nennen möchte. Behalte Deine Stimme! ruft er. Nur Du hast die Kompetenz für Dich zu entscheiden, niemals irgendwelche Repräsentanten! Diese sind stets, selbst wenn sie mit besten Absichten angetreten sind, der Übermacht der Korruption ausgesetzt. Ein leidenschaftlicher Appell für direkte Demokratie, für deren praktische Ausgestaltung K. J. mit dem Internet neuartige materielle Grundlagen entstanden sieht. Millionen von Repräsentanten und Bürokraten müßten sich angegriffen fühlen und ihre  Privilegien verteidigen. Hat sich schon einer geäußert?

Nur drei Beispiele. Viele weitere bestätigen denselben Eindruck: Ken (und manch andere Montagsdemonstranten) treffen ganz bös ins Schwarze. Die Gegenreaktion scheint eher nicht offen zu sein, fällt aber vielleicht umso heftiger aus. Und sie wird sich natürlich Schwachstellen von K. J. (und der Montagsdemos) zu nutze machen. „Antisemitismus“ oder „Verschwörungsideologie“ zu solchen Schwachstellen zu erklären, ist eher etwas für Dummies. Doch ich glaube schon, dass es Schwachstellen gibt (und finde das bei solch „jungen Akteuren und Aktionen“ auch gar nicht tragisch). Viel hängt davon ab, welche Lernprozesse in Gang kommen.

K. J. und die wenigen bekannten Organisatoren der Montagsdemonstrationen lassen bisher nicht ausreichend erkennen, ob sie es für notwendig halten, sich auf ein schlüssiges Gesellschaftskonzept zu stützen und wenn ja, auf welches. Knappe Verweise auf das Geldsystem und die Rolle des Zinseszins werfen mehr Fragen auf, als dass sie Antworten geben. Desgleichen die in den Vordergrund gerückte Rolle der amerikanischen FED. Hier und an etlichen weiteren Punkten sehe ich reichlich Anlass für produktiven Streit und wünsche ihn mir.

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3 Antworten zu Streit um Ken? II

  1. Lutz Lippke schreibt:

    Es gibt viel zu tun. Akut geht es doch wohl um den Erhalt des Friedens, der Informationsrechte, der Meinungsfreiheit und den primären Schutz vor Ausbeutung. Dies eben nicht als Lippenbekenntnisse, Absichtserklärungen oder geduldiges Stück Papier, sondern real und verlässlich. Die Zumutungen und Offenbarungen der letzten Jahre haben uns die realen Defizite erneut aufgezeigt.
    „Viel hängt davon ab, welche Lernprozesse in Gang kommen.“
    Genau! Wir werden lernen müssen, auf welchen konkreten Ursachen und Zwängen die erstarrten gesellschaftlichen Verhältnisse des Gegeneinander (Anti-) beruhen und wie diese in einen Entwicklungsprozess zu einem Mit- und sogar Füreinander (Pro-) verändert werden können. Sicherlich kein schnurgerader Weg und ohne Widersprüche. Die Herstellung und Sicherung der oben genannten Ziele und die allgemeine Abkehr von Verlogenheit, Intriganz und maximaler Vorteilsnahme sind aber Grundvoraussetzungen, die der großen Mehrheit erst die Entwicklung eigener Interessen und die aktive Mitwirkung ermöglichen. Ist das Bewusstsein dafür erst einmal reaktiviert, genügt schon ein Tag um einen großen Schritt zu gehen und daran zu lernen.

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  2. Pingback: Streit um Ken? III Wofür oder Wogegen? | opablog

  3. walterfriedmann schreibt:

    Hat dies auf Walter Friedmann rebloggt und kommentierte:
    Streit um Ken Jebsen (2)

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