Ich hab da ’ne Idee II

„Zurück auf Anfang.“ klingt gut.

Gerade gibt es die neuesten Arbeitslosenzahlen. Drei, vier, fünf Millionen, die gern arbeiten möchten, haben keine Arbeit. Wir hatten schon einmal eine deutsche Gesellschaft ohne Arbeitslosigkeit, ohne Wohnungslosigkeit (jetzt: 200.000? 300.000? 400.000? Keiner weiß es.) Schluß mit Arbeitslosigkeit – ist das der Anfang?

Nein, ICH – erinnert ein wenig Robinson Crusoe – stehe am Anfang:

Ich habe eine wirtschaftliche Idee und setze mein privates Eigentum ein, um diese Idee umzusetzen. Ich trage das Risiko und investiere meine persönlichen Ideen, Energie, Besitz. Das Ergebnis ist im Erfolgsfall produktives Kapital. Dies zu enteignen wäre ungerecht. Wo setzt man die Grenze zwischen zulässigem Privateigentum und zu enteignendem Produktivkapital?“

Ich habe eine Idee -wer noch? Wer nicht? Worin besteht die Idee? Sein Eigentum, worin „setzt er es ein“? Was will der Ideenhaber am Ende? Will er die Verwirklichung einer Idee genießen oder geht es ihm – Idee hin oder her – um das, „was hinten rauskommt“, cash flow, maximale Vergrößerung seines Kapitals?

Ich wohne in einem Haus mit Garten drumherum. Immer wieder habe ich Ideen, auch wirtschaftliche. Schnell bin ich verliebt in eine Idee. 1. Regel: Über meine Idee spreche ich mit meiner Frau, versuche sie dafür zu gewinnen. Im besten Fall erwärmt sie sich dafür, macht ihrerseits Vorschläge. Es gibt Beratungen, Auseinandersetzungen, einen Prozess. Am Ende haben wir eine gemeinsame Idee, fast schon ein Konzept. So reifte unser Entschluss, unser Haus ausschließlich mit Holz zu heizen und zwar mit einem Grundofen, den ich selbst aufbauen würde und mit Holz, dass ich selbst im Wald „werben“ würde (Förstersprache).

Um das zu verwirklichen haben wir/habe ich nun „Ideen, Energie, Besitz“ eingesetzt. Den gegenständlichen Erfolg kann man hier oder hier oder hier besichtigen, den psychologischen auch; denn ich bin stolz wie Bolle.

Was aber bei allem Erfolg KEIN Ergebnis war: „produktives Kapital“. „Produktiv“ mag man den Ofen ja nennen, denn er produziert die gewünschte Wärme. Aber Kapital ist er nun wahrlich nicht. Er ist ein Gebrauchswert, den wir für unsere Lebensbedürfnisse maßgeschneidert haben und fleißig benutzen; ist ja unser persönliches Eigentum. Natürlich hat er auch eine wirtschaftliche Bedeutung für uns. In einer durchschnittlichen Heizsaison verbrauchen wir 8 Raummeter Holz. Die kosten uns zwischen 150 und 300 Euro, eigene Arbeitszeit nicht bewertet.

Meine Idee, die zu unserer Idee wurde, war nicht darauf gerichtet, unser Geldvermögen zu vergrößern, sondern unser Leben leichter, schöner und ökologischer zu gestalten. Die Benutzung des Ofens, des hergestellten Gebrauchswerts, bestätigt unseren Erfolg. Die Frage der Zulässigkeit, gar einer Enteignung, tritt nicht auf.

Natürlich kann man einwenden, dass das Beispiel hinkt und große Besonderheiten aufweist, die im normalen Arbeits- und Wirtschaftsleben nicht gelten. Es geht hier nicht darum, den Lebensunterhalt zu sichern, denn wir sind beide Rentner. Doch glaube ich, dass das Beispiel auch für die Betrachtung des Erwerbsalltags Anregungen gibt.

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7 Antworten zu Ich hab da ’ne Idee II

  1. Lutz Lippke schreibt:

    Erstmal meine Anerkennung für das ökologische Projekt. Ich bin ein Anhänger der lokalen Energiegewinnung und von enthusiastischen Eigenleistungen. Nachbarschaftshilfe auch sehr gut.
    Zurück zur Natur, Entschleunigung, Abrüstung in allen Facetten sind toll.
    Ein wenig wurde meine Argumentation allerdings missbraucht und verkürzt. Auch wenn Profitmaximierung das Übel unserer Zeit ist, wir Städter müssen (zunächst) mit Arbeitsteilung, Mietwohnungen und Geld gegen Konsum leben. Alle sofort aufs Land und Ökobauern werden, ob das gut geht?
    Und war das etwa der Fehler des DDR-Sozialismus? Hätte man sich mehr an Rumänien orientieren sollen? Das ist wohl nicht ernst gemeint. Darüber müssen wir reden. Dann kann ich mich auch gleich mal am antikapitalistischen Ofen wärmen. Bin nämlich gerade in der Gegend.
    Wo ist denn hier die Klingel? Ist jemand zu Hause? Klopf, klopf, der Aprilscherz vom Opablog ist da…;-)

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  2. Dietmar Nisch schreibt:

    Bin der Meinung, dass das Kamin-Heizen als „Intervall-Heizen“ immer noch das Beste wäre: Tagsüber die Klumpen verbrennen und Allabendlich sich für das nächtliche Heia vorbereiten. Ein Schlafraum oberhalb dem (Wohn-)Heizraum wäre optimal, weil keine Beheizungs-Notwendigkeit, da Daunen ausreichend warm halten. Bei winterlich kaltem Morgen den Frühsport beginnen: Kamin säubern, Holzscheiten legen etc.. Viel Heizen müßte man tagsüber eigentlich auch nicht, denn dicke Pullover und Socken eignen sich für Heizkosten-Reduzierung. Der einzige Raum, wo man damals in strengen Wintern arg gefroren hatte, war das Stille Örtchen außerhalb des Hauses, aber niemand ist dort verstorben. Dies war früher so und warum nicht auch für den nächsten Winter?

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    • Dietmar Nisch schreibt:

      Ach, übrigens, eine gewöhnliche Familien-Wohnung so um die 80 m2 mit Heizkörpern bedingt Heizkosten pro Grad Celsius von rund 50 EURo/anno. Der vergangene Winter „lieferte“ keine Kälte von Minus 10 GC, und somit wären diese auch rund 500 EURo Heizkosten-Ersparnis. Hatte vor 20 Jahren ein altes Diesel-Aggregat mit 35 KW-Generator zur Vefügung und wollte Elektr. Nachtspeicher-Öfen beheizen. Nicht wie sonst üblich, diese von 22 Uhr bic 6 Uhr morgens zu betreiben, um bereits am späten Nachmittag zu frieren, sondern morgens und nachmittags für ein paar Std. den Generator zu betreiben. Erst viel später kam die Industrie auf die Idee mit 30 – 40 KW „Blockheizkraftwerken“.

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    • kranich05 schreibt:

      „Heiz-Philosophien“ gibt es verschiedene. Wir haben uns fürs 1x/Tag-Heizen entschieden mit Speicherung der Wärme in einem massigen Grundofen. Das „Dauerheizen“ mit kleiner Flamme über den ganzen Tag ist mir nicht so sympathisch. Der Grundofen steht mittig und heizt das ganze Haus, auch das Obergeschoss, wo sich die Schlaf- und Arbeitsräume befinden. Die Wärme steigt nach oben über die offene Treppe und über Aussparungen an der Durchführung des Schornsteins durch die Decke bzw. den Boden. Übrigens produzieren zwei PC, die viel laufen, ganz schön viel Zusatzwärme. An mindestens 90% der Heiztage heize ich 1x am Tag. Nur wenn es kälter ist als -15° und auch noch sehr windig ist, dann heize ich am Abend nochmal, damit es morgens nicht zu sehr ausgekühlt ist.

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      • Lutz Lippke schreibt:

        Kapitalismus – Made by do-it-yourself?
        Transformieren wir die Idee auf eine Reihenhaussiedlung und ein kleines Blockheizkraftwerk, einen gemeinsamen Gerätepark und Car-Sharing. Ein Kümmerer organisiert und optimiert Alles. Die Anderen genießen und geben gerne den notwendigen Obulus. Wollen die lieber nur die Nutzung bezahlen oder sich auch an den Investitionen beteiligen? Der Kümmerer kümmert sich wirklich hervorragend und betreibt das Geschäft sehr effizient. Wie viel ist seine (Zusatz-) Mühe wert? Gibt jeder was er kann? Soll er nachweisen, wie viel er zum Leben braucht? Reicht Mindestlohn? Muss er trotz Effizienz und günstiger Preise Überschüsse zurückgeben? Was passiert, wenn Einkaufspreise steigen, Nutzer wegfallen oder Reparaturen und Investitionen anstehen? Zahlen die Nutzer dann mehr? Verpflichten sie sich auf Dauer? Darf der Kümmerer das Modell in einer anderen Reihenhaussiedlung kommerziell fortführen? Wäre das dann schon böser Kapitalismus?
        Man kann natürlich auch Genossenschaften, Eigentümergemeinschaften oder Vereine gründen, Satzungen und Verträge abstimmen und beschließen. Alles schön und gut, man muss es halt gemeinschaftlich wollen und fertig bringen. Ist die kommerzielle Verbreitung für den Verein dann grundsätzlich tabu? Wer bestimmt wie die Grenze zum bösen Kapitalismus?

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  3. Dian schreibt:

    „… niemand ist dort verstorben“, auf dem „Stille[n] Örtchen außerhalb des Hauses“!? – Es war der Tod beim Sturz in die (damals) notwendige Jauchegrube ein gar nicht so seltener im ländlichen Raum, gerade auch unter Kindern!

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