Strafanzeige wegen wochenlanger Fixierung in Taufkirchen

NN-28.1.2014

Martin Heidingsfelder stellte dieses Foto der Nürnberger Nachrichten vom 28.1.2014 zu Verfügung.

Der Artikel von Hans Peter Reitzner informiert darüber, dass Herr Heidingsfelder, Gustl Mollath und eine weitere Person bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth eine Strafanzeige wegen des Verdachts auf Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit erstattet haben. Es geht um eine achtwöchige Zwangsfixierung des Gefangenen R. im Klinikum Taufkirchen. Nach bereits wochenlanger Fixierung teilte das Amtsgericht Erding mit, dass keine gerichtliche Genehmigung der Fixierung notwendig sei.

Martin Heidingsfelder schreibt des weiteren in einer Mail zu dem ganzen Vorgang:

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute ist ein Artikel in den Nürnberger Nachrichten von Hans-Peter Reitzner erschienen, der leider noch nicht im Netz verfügbar ist, aber in meinen Augen eine öffentliche Reaktion erfordert. Ein Foto des Artikels finden Sie im Anhang. 

Zu den Fakten:

Die Patientin R. wurde am 4.10.2011 um 10 Uhr fixiert und am 2.12.2011 gegen 12 Uhr „abfixiert“. 

Zitat aus dem Artikel: „Im November teilte das Amtsgericht Erding den Ärzten mit, eine gerichtliche Genehmigung der ‚mechanischen Beschränkung‘ sei nicht erforderlich.“ 

Mich macht es sprachlos, dass so etwas nüchtern, sachlich und unkommentiert in einer Zeitung steht. Deshalb bitte ich Sie persönlich gegenüber der Bayerischen Staatsregierung, dem Justizministerium, den Nürnberger Nachrichten und der Öffentlichkeit Ihre Meinung zu solchen Richtern und solchen Ärzten deutlich mitzuteilen. 

Wenn Sie die menschenverachtenden Einträge des physischen Zustandes in den letzten Tagen vor der „Abfixierung“ lesen und den Überlebenskampf von R. nachempfinden können, Ihnen die Tränen in den Augen stehen, dann würden Sie sich ekeln vor diesen Richtern, Ärzten und Pflegern. 

Ab welchem Tag ist eine Dauerfixierung eigentlich versuchter Mord?

Wo beginnt hier „unterlassene Hilfeleistung“?

Was wäre passiert, wenn Patientin R. nach 2,4,6 oder 9 Wochen gestorben wäre? 

Schreiben Sie mir gerne Ihre Meinung auch persönlich, damit ich meine Worte wieder finde. Gerne weise ich darauf hin, dass Patientin R. kein Einzelfall von über mehrere Tage andauernden Fixierungen ist.

 Was noch nicht thematisiert wurde, wer alles von diesem Vorfall schon lange wusste und untätig blieb…. 

Martin Heidingsfelder

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8 Antworten zu Strafanzeige wegen wochenlanger Fixierung in Taufkirchen

  1. Klaus G. Stölzel schreibt:

    Tja, wie schon von mir öfters formuliert,
    ist die „Bundesrepublik“ die Fortsetz-
    ung des „Dritten Reiches“ nur mit
    anderen Mitteln und deswegen, den
    „Skandal“ in Taufkirchen, den dann,
    nur noch wenige Bürger
    als einen echten Skandal wahrnehmen.

    MfG.

    Klaus G. Stölzel

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  2. Dian schreibt:

    Mein Mitgefühl gehört der Strafgefangenen R.
    Ich danke für die Veröffentlichungen Herrn Heidingsfelder, Opa und NN.
    Der Mut der Anzeiger ist eine weitere Nagelprobe für die oft gescholtene „Einäugigkeit“ der Staatsanwaltschaften. Mein Anfangsverdacht: es ist schwer den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben.
    Die DGPPN will aktuell mit Unterstützung des Bundestages im Paul-Löbe-Haus, Berlin Glauben machen, die als Euthanasie bezeichnete Ermordung von Tausenden, Kindern zu vorderst und durch ihre „ehemaligen“ Kollegen endete 1945: http://www.bundestag.de/besuche/ausstellungen1/parl_hist/erfasst_verfolgt_vernichtet/index.jsp
    Wie die Psychiatrie-Geschichte ab 1945 verdrängt und zurechtgebogen wird kann man auch in Berlins wahrscheinlich größter Folterhöhle, ihrer dortigen Ausstellung ermessen: https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik#1945_bis_1990
    R. litt und leidet mutmaßlich aus mangelnder Angepasstheit, Unbequemlichkeit, gar „Aufmüpfigkeit“ – auch für uns. Dies ist mir Verpflichtung R.s Kampf zu unterstützen, mit Worten …
    Was kann ich tun?

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  3. Blaumeise schreibt:

    Solche Foltermethoden wie in Taufkirchen passieren, haben auch das Ziel der Abschreckung.
    Es geschieht nicht in China, Indien oder Russland, wo uns gerne das Böse gezeigt wird. Schaue ich mir unsere eigene Vergangenheit und die Gegenwart an, da kommt mir das Grausen.

    Die begangenen Greueltaten zu dem die Deutschen fähig und sogar Weltmeister sind, sind gerade mal 70 Jahre her.
    Würde ich in einem unserer Nachbarländer leben, hätte ich eine Höllenangst vor diesem Volk.

    http://www.sueddeutsche.de/politik/blockade-von-leningrad-im-zweiten-weltkrieg-als-die-menschen-leim-und-ratten-assen-1.1872865

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    • Joachim Bode schreibt:

      Um „Höllenangst vor diesem Volk “ zu haben ist es nicht nötig, in einem unserer Nachbarländer zu leben.
      Der Nazi-Terror hat sich in unverminderter Stärke auch vieler deutscher – inländischer – Minderheiten „angenommen“, wobei neben den jüdischen Mitbürgern auch die Kommunisten, viele Sozialdemokraten, Sinti und Roma und Zeugen Jehovas und andere betroffen waren – mehrheitlich tödlich.
      Das ging natürlich nicht lautlos über die Bühne, genau so wie die Zerstörung vieler Städte, die folgerichtig ein Ergebnis des herbeigejubelten „totalen Krieges“ war und symbolisch für die grundlegende moralische Erschütterung, unter deren Folgen große Teile des deutsche Volkes – zumeist ohne sich darüber bewußt zu sein – heute noch leiden.

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  4. Pingback: Rechtlos im Rechtsstaat | opablog

  5. Dietmar Nisch schreibt:

    „Was wäre passiert, wenn Patientin R. nach 2,4,6 oder 9 Wochen gestorben wäre?“: Dann wird als Todes-Ursache notiert: „Herstillstand“. Vor 1945 war diese Vorgehensweise bei Euthanasie-Opfern nicht viel anders. Ein probates Mittel dazu, um alles zu vertuschen, ist, den Angehörigen zur Erinnerung eine Urne zu überlassen.

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  6. Pingback: Austausch forensische Psychiatrie in Hessen Vitos Kliniken Haina Kloster, Gießen, Maburg, Hadamar, Eltville und Riedstadt Einsatz für Menschenrechte im Maßregelvollzug – Austausch forensische Psychiatrie in Hessen Vitos Kliniken Haina Kloster, Gi

  7. Sven Thom schreibt:

    Die körpernahe Fixierung mit Gurten ist zwar nicht sehr angenehm und sieht für außenstehende auch sehr rückschrittlich aus, aber in der sogenannten „modernen Psychiatrie“ kennt man nur eine alternative und das sind Psychopharmaka. Wer sich mal die Mühe macht und sich die Beipackzettel durchliest, wird mit grausen feststellen, das durch diese Mittel die Lebenszeit des Betroffenen vorsätzlich verkürzt wird, das heißt sein gesamter Organismus wird so in Mitleidenschaft gezogen, dass er daran definitiv früher zu Grunde geht, dass bedeutet der Betroffene wird ohne jegliche Aussicht auf Heilung vergiftet und somit ermordet. Das ist eine unwiderlegbare Tatsache und zeigt was moderne Psychiatrie bedeutet. Von außen kann keiner etwas sehen, alles scheint in Ordnung, aber tatsächlich herrschen die Zustände vom Dritten Reich. T4 mal anders.

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