Mollathskandal – Stricken an der Mediensaga

Im MAINSTREAM diesmal Christian Bommarius:

„Justizfarce“, „kollektiver Alptraum“, „unvermeidlich, dass Gerichte… immer mal wieder ins Stolpern geraten“, „… sind Richter, Staatsanwälte und Gutachter … reihenweise in die Knie gegangen“, “ als Justizfarce begonnen“, “ Alptraum für alle Beteiligten“, „… hat sich später herausgestellt…“, „Es hat sich auch herausgestellt…“, „Vielleicht hätte das Landgericht mit der Einweisung Mollaths in die Psychiatrie gezögert …“, „Zweifel… in den Medien immer lauter“, „Beate Merk (CSU) die Staatsanwaltschaft angewiesen hatte…“, „tat die bayerische Gerichtsbarkeit… Nichts“, „…das Oberlandesgericht Nürnberg dem Skandal ein Ende machte…“, „… überforderte damalige bayerische Justizministerin…“, „etwas Gutes… Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) kündigte Reformvorschläge an…“, „Hätte das schon für  Mollath gegolten, wäre niemals ein Fall daraus geworden.“

Das ALTERNATIVMEDIUM aber heißt „gustl-for-help“. Das gibt mit Sorgfalt den Presseschwulst weiter. Aber nicht nur. Voller Neid gestehe ich ein: Investigation wird weiter groß geschrieben – mit der mehr oder weniger messerscharfen, 173. Analyse des Dr. Leipziger-Gutachtens von Mutti Wolff.

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2 Antworten zu Mollathskandal – Stricken an der Mediensaga

  1. Erich Stephany (Menschenrechtler) schreibt:

    Die P r ä g u n g, die der S e e l e n a r z t , Herr Dr. Klaus Leipziger in der Familie eines evangelischen S e e l s o r g e r s erhalten kann dazu beitragen, den Fall Mollath aufzuklären. Dr. Leipziger ist der Sohn des evangelischen Pfarrers, Dr. Karl Leipziger und der sozial sehr engagierten Marianne Leipziger. Der Vater war von 1962 bis 1971 Leiter der Nürnberger Stadtmission, von 1971 bis 1986 Landespfarrer, gleichzeitig Geschäftsführer der bayerischen Diakonie und von 1978 bis 1995 Mitglied im bayerischen Senat (eine zweite parlamentarische Kammer). Seine Mutter gründete den Verein „Stehaufmännle“, der sich erfolgreich um entlassene Patienten aus der Psychiatrie engagierte und aus dem dann der Sozial-psychiatrische Dienst wurde.
    Klaus Leipziger besuchte u.a. das sehr bekannte evangelische Gymnasium in Windsbach, aus dem
    der berühmte Windsbacher Knabenchor stammt.

    Nachzulesen unter nuernbergwiki unter Karl Leipziger

    Herr Dr. Leipziger wurde dementsprechend als Kind und bis in das Erwachsenenalter intensiv vom christlichen Glauben geprägt, mit der protestantischen Ethik und sicherlich über seine Mutter auch mit dem Leid psychisch kranker Menschen konfrontiert.
    Ich bin fassungslos, wie es für Dr. Leipziger menschlich, emotional möglich ist, sich als Seelenarzt
    und Leiter der Forensik sich diametral zu den christlichen Geboten zu verhalten, Gustl Mollath keinerlei Empathie entgegenzubringen, sich so destruktiv zu verhalten und G.M. existenziell
    in dieser Weise zu schaden und zu gefährden.

    Prof. Kröber ist durch die evangelischen Bodelschwingschen Anstalten geprägt worden, bei denen
    sein Vater als Psychiater tätig war. Er selbst bezeichnet sich als „militanten Lutheraner“……
    Dieser Widerspruch zwischen christlicher Sozialisierung und tatsächlichem Verhalten ist es wert,
    reflektiert zu werden.
    Seit Martin Luther geheiratet hat, war die protestantische Pfarrers-Familie ein Vorbild für die
    Gesellschaft. Es stellt sich die Frage, ob sie dies wirklich war und in vielen Fällen nicht das Gegen-
    teil bewirkt hat. Gudrun Ensslins Vater war Pfarrer. Ulrike Meinhof wurde von einer Theologie-Professorin aufgezogen. Es gibt die Redewendung „Die Kinder des Popen, sind die Enkel des
    Teufels“. Tiefenpsychologisch gedeutet, bedeutet dies: die Töchter und Söhne leben das nicht gelebte „Böse“, den Schatten aus, den die Pfarrers-Eltern nicht ausleben konnten, sich nicht bewusst
    gemacht und verdrängt haben. Das kann sehr fatal, destruktiv und sehr unbewusst sein.
    Bei dieser christlichen Erziehung musste man ja „gut“ sein (was den Kindern vielfach noch weniger gelang als den Eltern). Aber man glaubt vielfach noch als Erwachsener daran, „gut“ und deswegen
    auch „etwas besseres“ zu sein und sich ethisch zu verhalten und rechtfertigt sein Tun, seinen Dienst am Menschen, an der Gesellschaft als tatsächliche Hilfe, auch wenn sie unmenschlich ist.
    Diese Gespaltenheit, diese Heuchelei dringt bei Menschen mit dieser Sozialisation vielfach nicht einmal ins Bewusstsein. Nach Außen wirkt man integer, honorig. Menschen mit dieser Sozialisation
    bestärken sich und sichern sich gegenseitig ab. So ist auch u.a. zu erklären, dass mehrere Vertreter
    der Evang. Kirche nicht bereit waren, mutig, die Missstände in der Forensik anzusprechen und
    Gustl Mollath konkret zu helfen.
    Alle Psychiater sollten eine Art Lehranalyse absolvieren müssen, wie Psychoanalytiker oder zumindest ausreichend Selbsterfahrungsgruppen besuchen müssen oder noch besser sich vor der Zulassung zum Facharztstudium einem Gremium stellen müssen, das die persönliche Eignung prüft.

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    • Lutz Lippke schreibt:

      Eigentlich ist mir ja das Herumforschen im Elternhaus und der Sozialisation von Fremden eher verdächtig. Es tendiert immer zu Vereinfachungen und stereotypen Erklärungen. So werden z.B. DDR-Bürger (wie ich) gern für demokratieunfähig erklärt.

      In diesem Fall führt die selektive Betrachtung der einzelnen Herkünfte zu einer interessanten Hypothese. Einmal mehr bestätigt sich für mich, nicht die Verlautbarung (Ziel) sondern das Tun (Weg) prägen die Persönlichkeit. Der Weg ist das Ziel.
      Die Vorschläge zur Eignungsprüfung würden aber vermutlich selbst an den dargestellten Problemen scheitern.

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