Ein Jahr Zeit hatte „DIE ZEIT“

Ein Mailwechsel zwischen Prof Dr. Andreas Wittmann und Frau Blasberg, DIE ZEIT:

I

Gesendet: Freitag, 08. Februar 2013 um 17:39 Uhr
Von: Anita.Blasberg@zeit.de
An: andwitt@web.de
Cc: Sonja.Bahlk@zeit.de
Betreff: Ihr Leserbrief/ Ein Kranker wird Held (ZEIT vom 13.12.2012)
Lieber Herr Wittmann,haben Sie vielen Dank für Ihren Leserbrief zu unserem Artikel „Ein Kranker wird Held“ in der ZEIT vom 13. Dezember 2012. Für uns ist es immer auch interessant, Rückmeldungen von Lesern zu erhalten, die eine gänzlich andere Auffassung haben als jene, die im Blatt vertreten wird. Wir haben Ihre inhaltliche Kritik zur Kenntnis genommen, auch wenn wir anderer Meinung bleiben. Ihre handwerklichen Vorwürfe hingegen weisen wir entschieden zurück.Sehen Sie uns nach, dass wir mit Ihnen nicht in eine weitergehende Diskussion einsteigen können – ansonsten würde die ZEIT nicht jede Woche gefüllt werden. Wir hoffen, dass Sie uns dennoch als (kritischer) Leser gewogen bleiben.Mit besten Grüßen,
Anita Blasberg

II
Gesendet: Donnerstag, 12. Dezember 2013 um 15:55 Uhr
Von: andwitt@web.de
An: Anita.Blasberg@zeit.de
Betreff: Aw: Ihr Leserbrief/ Ein Kranker wird Held (ZEIT vom 13.12.2012)
Liebe Frau Blasberg,
ein Jahr ist es nun her, dass Sie mit Ihrem Artikel „Ein Kranker wird Held“ in die Geschichte eingingen.
Anbei finden Sie einen Brief an Sie und Ihre Kollegeinnen, der heute auch auf den Postweg geht.
Ich hoffe, Sie haben mittlerweile erkannt, dass die meine Vorwürfe, Sie hätten „handwerklichen Fehler“ begangen nun nicht mehr von der Hand zu weisen sind.
Eine Missbilligung durch den Presserat kommt bei der Zeit sicher nicht alle Tage vor.
Der Artikel wird damit in die Analen eingehen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Andreas Wittmann
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„Ein Kranker wird Held“ vom 13.12.2012 – Ein offener Brief ein Jahr danach
von Prof. Dr. Andreas Wittmann an DIE ZEIT, z.H. Frau Rückert, Frau Kohlenberg, Frau Blasberg:  

Sehr geehrte Frau Rückert, sehr geehrte Frau Kohlenberg, sehr geehrte Frau Blasberg,

vor fast genau einem Jahr erschien in der Printausgabe der ZEIT vom 13.12.2012 Ihr Artikel „Ein Kranker wird Held“, der den Fall des Nürnbergers Gustl Mollath von einer anderen Seite beleuchtete, als das in den zur gleichen Causa bislang auch in der ZEIT veröffentlichten Artikeln der Fall war.

Innerhalb weniger Tage waren auf dem Onlineportal der ZEIT über 600 Diskussionsbeiträgen, in denen die Leser heftigen Widerspruch zum Ausdruck brachten und Zweifel an dem Wahrheitsgehalt des Artikels äußerten.

Mittlerweile ist es erwiesen, dass manches in diesem Artikel nicht ganz richtig, ja vieles sogar falsch dargestellt wurde (z.B. die nicht erfolgte Erteilung des Mandats an Herrn Strate).

Nicht nur der Tenor, auch der Ton des Artikels hat, meiner Meinung nach zu Recht, heftige Kritik ausgelöst.

Da sich damals niemand von der ZEIT bemüßigt fühlte auf die vielen Diskussionsbeiträge und auch auf direkte Anfragen an die Redaktion per Telephon, per Email und auch per Brief zu reagieren, hatte ich den Entschluss gefasst, die Verfehlungen des Artikels beim deutschen Presserat zu melden.

Meiner ersten Beschwerde folgte eine weitere, die ich gemeinsam mit anderen Interessierten verfasste.

Mittlerweile ist beim Presserat der Instanzenweg ausgeschöpft:

Sowohl der ZEIT, als auch dem Onlineportal zeit.de wurden vom Presserat zu Recht eine Missbilligung ausgesprochen, die Persönlichkeitsrechte von Herrn Mollath wurden mit dem Artikel massiv verletzt (Ziffer 8 des Pressekodex).

Leider führten die von den Beschwerdeführern vorgebrachten Verstöße gegen  die Ziffern 1, 2 und 3 des Pressekodex zu keiner Maßnahme, obwohl wir massive Verfälschungen der Wahrheit, die zum Zeitpunkt des Erscheinens des Artikels den Autorinnen bekannt hätten sein müssen festgestellt haben. Diese wahrheitswidrigen Behauptungen der ZEIT wurden teilweise auch in der Begründung des Beschwerdeausschusses gewürdigt, jedoch nicht für so gravierend gehalten als dass der Presserat diese mit einer Maßnahme belegt hat.

Daher möchte ich Sie an Ziffer 1 des Pressekodex erinnern, in dem es heißt: „Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.“

Weiterhin heißt es unter Ziffer 2 des Pressekodex „Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben.“

Ziffer 3 des Pressekodex lautet: „Veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen, insbesondere personenbezogener Art, die sich nachträglich als falsch erweisen, hat das Publikationsorgan, das sie gebracht hat, unverzüglich von sich aus in angemessener Weise richtig zu stellen.“

Liebe Autorinnen,

zum Zeitpunkt, als der beanstandete Artikel verfasst wurde, wurde in den Medien bereits die Richtigkeit des Urteils in Frage gestellt.

Viele Unrichtigkeiten in der Urteilsführung waren also der Öffentlichkeit bereits bekannt und hätten auch Ihnen zum Zeitpunkt des Verfassens schon bei einfachster Recherche zur Verfügung gestanden. Eine Richtigstellung der erwiesenermaßen falschen Darstellungen ist ebenfalls bis heute nicht erfolgt.

Die Verneinung eines Verstoßes gegen die Ziffern 1 und 2, wie vom Beschwerdeausschuß des Presserates vorgenommen, mit der Begründung, die sie hätten sich mit Recht auf das Skandalurteil des Richters Brixner vom 8.8.2006 berufen dürfen sollte Sie eigentlich als Vertreter der schreibenden Zunft betroffen machen: Sollten derartige Begründungen für die Einstufung einer Beschwerde als „unbegründet“ in Zukunft die Regel sein, empfehle ich dem Deutschen Presserates die ersatzlose Streichung der Artikel 1 und 2 des Pressekodex.

Richtigstellungen erfolgten ebenfalls nicht, sogar das falsche Geburtsdatum von Herrn Mollath (1965 ist falsch, geboren wurde Mollath 1956, wie aus dem Ihnen vorliegenden Urteil unschwer hervorgeht) wurde bis heute (12.12.2013) in der Online-Ausgabe noch nicht geändert.

Ja, nicht einmal die vom deutschen Presserat tatsächlich beanstandeten Passagen, in denen Sie die Persönlichkeitsrechte von Herrn Mollath verletzt haben wurden von Ihnen entschärft oder berichtigt!

Auch frage ich mich, weswegen eine renommierte Wochenzeitung, derartige Fehler nicht eingesteht oder korrigiert.

Betrachtet man den Zeitpunkt, zu dem Ihr Artikel erschien, flankiert von Artikeln ähnlichen Tenors in Spiegel-Online und Tagesspiegel steht noch eine weitere Frage im Raum, nämlich die ob die Presse hier Handlanger übergeordneter Interessen war, der Artikel „Ein Kranker wird Held“ also eine Auftragskommunikation mit vorgegebenen Ziel war, also das was man als „Public Relation“ bezeichnet.

Nicht nur für mich besteht seit dem Erscheinen des Artikels der Verdacht, dass die ZEIT leider nicht immer das ist, was sie vorgibt, nämlich unabhängig!

Ihr

Andreas Wittmann

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Eine Antwort zu Ein Jahr Zeit hatte „DIE ZEIT“

  1. Lutz Lippke schreibt:

    Ich gucke nur noch BILD. Da weiß man, woran man ist.

    Liken

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