Wir Schweizer – (?)

65% der Abstimmungsteilnehmer in der Schweiz habe die „Volksinitiative 1:12“ abgelehnt. Es ging darum, die Deckelung der Managergehälter eines Unternehmens beim 12-fachen des einfachen Arbeitslohnes in diesem Unternehmen in der Verfassung festzuschreiben.

Wie viele der „kleinen Leute“, die da mit 1500 Euro (in der Schweiz Franken) nach Hause gehen, haben das Recht ihrer Bosse verteidigt, oberhalb des Hungerlohns von 12.000 Kröten vergütet zu werden? Maxime: „Wenn ich schon auf keinen grünen Zweig komme, sollen wenigstens Andere sich eine goldene Nase verdienen.“  Oder weniger masochistisch: „Leistung soll sich lohnen. Wenn ich erst richtig durchstarte, geht auch mein Einkommen durch die Decke.“ Bedingungslose Solidarität aller Leistungsträger, aller Selbstoptimierer, all der zahllosen Ich-AGler und Start-Up-Helden. DSDS; auch Du kannst es schaffen!

Die Sorge der kleinen Leute, dass es den Großkopfeten gut gehen möge! Ein Phänomen, das nicht auf die Schweiz beschränkt ist. Dabei sind die Manager, die in der Schweiz ebenso wie in der BRD durchschnittlich das 50- bis 60-fache des Arbeiters verdienen, noch lange nicht die wahren Mächtigen. Das sind bekanntlich die Superreichen, das GGG. Die zu dieser Kaste gehören (auch Klatten, auch Piech, wohl bald auch Maschmeyer), schöpfen wenigstens das tausendfache des Durchschnittsmanagers ab!

Warum das Fragezeichen in der Überschrift? Wir sind doch genauso ignorant und erpressbar wie 65% der Schweizer, wenn es um die Bändigung der Mächtigen geht. Doch immerhin haben die Schweizer Fortschrittskräfte geschafft, eine solche Frage zur Volksabstimmung zu stellen und mehr als ein Drittel aller Bürger hat ihnen zugestimmt. Wenn das nicht doch fast ein Aufflackern der Weltrevolution war? Man hört, dass auch bei uns die Opas bereits mobilisieren.

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6 Antworten zu Wir Schweizer – (?)

  1. Lutz Lippke schreibt:

    Es stellt sich in der Tat die Frage, wieviel Mehrleistung möglich ist. Derzeit ist die Alimentation allerdings nicht an der eigenen Leistung orientiert, sondern „angeblich“ am Marktwert. Das Marktwert-Phänomen lässt sich gut bei Fussballern, Schauspielern und Formel-1-Fahrern beobachten. Deren Marktwert können wir in Grenzen immerhin mitbestimmen. Wir können auch deren Leistung sehen.
    Anders dagegen in den oberen Etagen der Wirtschaft. Der dortige Personalmarkt ähnelt wohl eher einer geschlossenen Gesellschaft. Die volkswirtschaftliche Leistung (Produkte, Dienstleistungen) die dem Manager zugeschrieben wird, offenbart sich über die Leistung der Belegschaft, inklusive den Leiharbeitern, Minijobbern und unbezahlten Praktikanten. Die unternehmerische Leistung der Manager in Großunternehmen ist meist abgekoppelt von Produkten und Dienstleistungen und wird in davon unabhängigen Charts und Werten gemessen. Motto: Wer profitabel Versicherungen verkaufen lässt, betreibt auch profitabel Pflegekonzerne, Banken oder Autokonzerne oder wickelt emotionslos Beschäftigungsabbau ab. Bei wirtschaftlichen Flops sind Manager kaum von Verantwortung und Konsequenzen betroffen. Ein fröhlicher Stuhltanz, denn ab und zu muss schon Einer gegen einen fürstlichen Trostpreis aussteigen und taucht bald wieder auf.
    Angenommen jeder Managerjob in Deutschland würde maximal 500.000 € einbringen, oh, das gebe aber eine Abwanderung unserer Managereliten ins Ausland. Wer würde dann noch diese harten Jobs übernehmen. Sicher nur vollkommen überforderte und ungeeignete Möchtegerne. Wie sollen die denn intellektuell die Herausforderungen der Globalisierung von Profitstreben und Ausbeutung meistern. Die würden doch samt ihrer Belegschaft umgehend von den ausgewanderten Managern im Alleingang platt gemacht und aufgekauft. Also besser die paar unproduktiven Vortänzer auf der virtuellen Kommandobrücke fürstlich entlohnen, in der Hoffnung, dass sie nicht gegen kleines Geld die Leistung des produktiven Unternehmensteils an die nächstbeste Heuschrecke verscherbeln. Außerdem wer sollte sonst Staat, Kultur und Medien sponsern und kontrollieren oder sollen das auch noch die 500.000er-Manager übernehmen?

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    • kranich05 schreibt:

      Ihre Überlegungen finde ich ziemlich stimmig: Wenn wir ein globales Maximum an Profitstreben und Ausbeutung erreichen wollen, können wir uns keinesfalls mit den 500.000,-€-Knalltüten begnügen.
      Mit Piech und Klatten kriegen wir ordentliche Autos und keine CO2-Reduzierung. Die Autos brauchen wir. Die CO2-Reduzierung braucht niemand – stoisch-holzköpfig, wie Ernst Jünger.

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  2. Pingback: Kashama Sawants Weltrevolution | opablog

  3. Frieder Kohler schreibt:

    http://www.schwaebische-post.de/ueberregional/politik/10386686/ – ich mußte darauf antworten, hatte ich doch noch den Ruf von Jean Ziegler im Ohr:“ Marx, wir brauchen Dich!“

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    • kranich05 schreibt:

      Den Beitrag von Herrn Schneider hab ich überflogen. Ich finde ihn beachtenswert, weil er alles sehr einfach ausdrückt – grausam in seiner Dummheit bzw. bewußten Dummmachung, grausam in einigen Wahrheiten. Man müßte ausführlicher darauf eingehen.

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