Zionistischer Siedlerkolonialismus

Zur aktuellen Entscheidung der israelischen Regierung weitere 1500 Siedler-Wohnungen auf besetztem Boden zu bauen, die zu der erwartbaren, rituellen und folgenlosen Kritik etwa der EU-Außenbeauftragten Ashton führte, setzt ein Buch der Arabistin und Islamwissenschaftlerin Petra Wild einen bemerkenswerten Kontrapunkt. „Apartheid und ethnische Säuberung in Palästina. Der zionistische Siedlerkolonialismus in Wort und Tat“, Promedia Verlag, Wien 2013.

Ich wurde auf dieses Thema aufmerksam durch ein ausführliches Video-Gespräch, das Ken Jebsen mit der Autorin führte. Beiläufig: Es gibt den gründlichen Journalismus, den tatsächlich von den Interessen des Großen Geldes und der Herrschaft unabhängigen, der die heißen Eisen anfasst. Es gibt ihn zu wenig. Aber er nimmt zu. KenFM leistet Hervorragendes.

Welcher politisch interessierte Mensch beschäftigt sich nicht mit dem „Nahostkonflikt“, mit dem seit Jahrzehnten andauernden Konflikt auf dem Boden des historischen Palästina. Die Widersprüche, die dort zum Ausdruck kommen, gelten als besonders verknäuelt und sind es wohl auch. Und auf dem Boden der geografischen und machtpolitischen Tatsachen, die widersprüchlich genug sind, erhebt sich zusätzlich ein gewaltiger Überbau an Ideologie, an Mythen, Fiktionen, historischen Bezügen, religiösen Ansprüchen usw. usf.

In dieser Gemengelage vermittelte mir das Insistieren von Petra Wild auf das (europäische) Kolonialismusproblem ein Aha-Erlebnis. Der Zionismus, die Vor-Israel-Zeit Palästinas, der israelische Gründungsmythos, die tägliche, „vergessene“, Apartheid in Israel, die ethnische Säuberung (einmal galoppierend, einmal schleichend) als konstituierendes Element israelischer Politik, der Friedensprozeß, der keiner ist, bis hin zur Gretchenfrage des Tages – „Zwei-Staatenlösung“, „Einstaatenlösung“ –  all das wird besser begreifbar. Der verzweifelt-chaotische Tanz im scheinbar endlosen blutigen Drama verliert seine Wahnkraft wo arabische Israeli, jüdische Israeli, nichtisraelische Palästinenser, Flüchtlinge und Verfolgte der verdeckten kolonialistischen Grundstruktur ihres „nahöstlichen Seins“ auf die Spur kommen. Quellengesättigt, unprätentiös in der Darstellung, trägt Petra Wilds Arbeit dazu bei, diese Spur freizulegen.

Dies ist keine Rezension. Ausführliche Diskussionen zu dem Buch sind hier zu finden.

Dieser Beitrag wurde unter Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Demokratie, Faschismus alt neu, Kirche, Krieg, Krise, Machtmedien, Materialismus, Realkapitalismus, Widerstand abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Zionistischer Siedlerkolonialismus

  1. Joachim Bode schreibt:

    Ich verstehe bis heute nicht, warum die israelischen Mauerbauer beim Fall der Berliner Mauer nicht zugegriffen haben: So billig wären sie sonst nicht an eine langjährig bewährte Anlage gekommen!

    Liken

  2. Pingback: Protest gegen den “Israel-Kongress” heute, 10.11.2013, in Berlin | opablog

  3. hopferwieser schreibt:

    Rassismus in Israel

    Die Verfolgung Afrikanischer ImmigrantenInnen im Heiligen Land

    Seit 2006 kamen zirka 60.000 afrikanische ImmigrantenInnen nach Israel, die vor den Unruhen in ihren Ländern flohen. Nach ihrer Ankunft in dem angeblich demokratischen Land, werden sie massiver Verfolgung ausgesetzt und von rechtsgerichteten Politikern und Aktivisten als „Eindringlinge“ verketzert.

    *****************************************************************************************************************
    Die beiden im linken Lager beheimateten israelischen Journalisten Max Blumenthal und David Sheen, riskieren mehr als ihre Gesundheit um auf das UNRecht und die Scheinheiligkeit hinzuweisen. Schreckliche Szenen…

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s