Stimmen im Streit – Rainer Ruis

Dies ist nun die dritte „Stimme im Streit“. Ich danke den (bisher) Dreien, daß sie mir erlaubt haben, ihre Statements zu veröffentlichen. Keiner und Keine hat die Wahrheit gepachtet, aber Menschen, die differenzierend und kenntnisreich, verantwortungsvoll und achtsam an diesen Streit herangehen – und im Kern geht es um das großartige aber nicht von Mängeln freie, monate- und jahrelange Handeln verantwortlicher Mollathunterstützer – werden in diesem Blog immer Platz finden, sich zu erklären.
Daß ich nicht jede Einschätzung teile, die hier formuliert wurde oder wird, sei angemerkt. Mir geht es darum zu begreifen, was mit den Mollathunterstützern, der Mollathunterstützung geschieht.
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„Lieber Gustl Mollath, lieber Herr Strate, liebe Mitstreiter,
 
grundsätzlich wurde von Frau Heucken und Herrn Hofmann in einer diplomatischen und anständigen Form alles gesagt und ich hätte ein Einlenken von Herrn Strate erwartet. Rudi Sponsel hat inzwischen einen Gang zurückgeschaltet und hat einen sehr vernünftigen Vorschlag vorgelegt. Postiv ist, dass dieser Vorschlag bereits von Herrn Strate akzeptiert wurde.
 
Man musss aber hier die Kirche im Dorf lassen. Dass Gustl aus der Klinik entlassen wurde ist nicht nur ein Verdienst des Herrn Strate, sondern in erster Linie ein Verdienst  der „Macher“ im Unterstützerkreis. Dazu zähle ich in erster Linie die Dörner, Heindl und vor allem Reiner Hofmann. Ich selbst war zwar im engeren UK und bei fast allen vielen Besprechungen zugegen, aber aufgrund eines eigenen Rechtsstreites nur Hinterbänkler und kann die Vorgänge aus einem anderen Blickwinkel wie folgt in Kurzform schildern:
 
Der engere UK bestand nur aus ca. 8 Mitgliedern, die sich regelmäßig trafen. Eine Strukturierung war wegen der Verschiedenheit der Mitglieder und der geringen Mitgliederzahl nicht möglich. Wir waren kein Verein und keine Organisation, sondern ein „Haufen Gleichgesinnte“ mit der gleichen Zielrichtung und so sollte es auch bleiben. Es galt bei Abstimmungen die Mehrheitsentscheidung der Anwesenden und es wurde immer versucht GM mit einzubinden.
 
Bei größeren Meinungsverschiedenheiten, die es leider immer wieder gab, raufte man sich mit einer Zielrichtung immer wieder zusammen. Bei größeren Differenzen haben wir auch schon Personen von außen, wie Frau Heucken, erfolgreich eingebunden.
 
Irgendwann kam der UK zu dem Ergebnis, dass es sinnvoll wäre, Spendenaufrufe zu schalten. Mit dem Geld sollte eine anwaltschaftliche Vertretung möglich werden. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir weder einen Anwalt noch hatte Herr Braun Kontakt zu GM. Für jedem im engeren UK war es klar, dass Spendengelder nur in Absprache mit GM zu 100 % für seine Freilassung verwendet werden. Man kann uns und auch mir Vorwürfe machen, dass wir in der Spendenverwaltung oberflächlich waren. Wir sahen damals keine Notwendigkeit und keinen Ansatzpunkt hier tätig zu werden. Keiner von uns hatte ein Zeitfenster sich um Spendenverwaltung zu kümmern oder Erfahrungen mit Spendenverwaltung.
 
Etwa zeitgleich mit dem ersten Eingang von Spenden suchten wir auch einen Rechtsbeistand. Von Herrn Schlötterer, der vom UK und von GM sehr geschätzt wird, wurde uns Frau ELL empfohlen. Diese übernahm dann auch die Vertretung. Ich konnte mich überzeugen, dass sich Frau ELL in kürzester Zeit in den Gesamtvorgang eingearbeitet hatte. Besonders gut an ihr hat mir gefallen, dass sie uns vom Anfang an erklärte, dass sie zwar keine erfahrene Anwältin ist, aber mit ihrem Engagement alles versuchen wird, die Entlassung von GM durchzusetzen. Aus meiner Sicht war Frau ELL eine ausgezeichnete Anwältin, die für den UK rund um die Uhr zu sprechen war. Bis zur Übernahme durch Herrn Dr. Strate hatte sie zusammmen mit den vielen Blogs und „Zuarbeitern“ vorzügliche Arbeit geleistet. Allerdings hatten wir keine Zauberin, sondern nur eine Rechtsanwältin engagiert. Sie lief genauso, wie später Herr Strate, unzählige Male gegen eine von der Justiz geschaffene Wand. – Der UK hätte die Einsetzung eines Rechtsbeistandes auch ausschreiben können. z.B. „mittelloser Unterstützerkreis sucht Rechtsvertreter für Justizskandal – pausenloser Einsatz garantiert“.
 
Mit Frau ELL konnte GM und der UK mehr als zufrieden sein. Wie von Frau Heucken festgestellt, hat sie lediglich eine Aufwandsentschädigung erhalten. Vergleichbare
Leistungen werden bei anderen Anwälten mit dem Vielfachen vergütet. An dieser Stelle nochmals Dank und Anerkennung an Frau ELL.
 
Herr Strate wurde zwar angeblich von GM gebeten für ihn tätig zu werden. In solchen Fällen ist es aber üblich sich mit der bereits eingesetzten Rechtsvertretung
vorher abzuzusprechen, was nach meinem Kenntnisstand nicht geschehen ist. Diese Übernahme war mit Sicherheit nicht die feine englische Art. Trotzdem war der
UK glücklich, dass wir hier einen sehr erfahrenen Rechtsanwalt gewinnen konnten. In der Schlussphase ging es weniger um die strafrechtliche Abklärung, sondern
um Strafverfahrensrecht. Hier war natürlich Herr Strate der Spezialanwalt und konnte auch entsprechend punkten. Er hat sich hier mit Sicherheit viel erreicht.
 
Gleichwohl stellt sich die Frage, was wäre ohne den Einsatz von Herrn Strate passiert. Ich behaupte, dass durch den vom UK und den Medien erzeugten öffentlichen Druck
nicht eine juristische, sondern eine politische Entscheidung getroffen wurde. Man hat mit Sicherheit lange vor uns die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes  gekannt und musste handeln. Das ganze schmälert die Leistung des Hernn Strate nicht, aber zeigt auf, dass Herr Strate ein wichtiges Rad im Getriebe war und nicht
mehr und nicht weniger.  GM hat seine Freiheit nicht Herrn Strate, sondern einem riesigen Personenkreis engagierter Menschen zu verdanken.
 
GM bedankte sich nach seiner Freilassung in aller Form mustergültig bei diesem Personenkreis und es ist ihm hier nichts nachzusagen. Was mich aber störte, war die
Tatsache, dass er keinerlei Kontakt zu den „Machern“ im Unterstützerkreis suchte. Man wollte ihn natürlich fragen, ob hier der Unterstützerkreis weiter für ihn tätig
werden soll und wie die Übergabe der Spendengelder erfolgen soll. Jeder dieser „Macher“, einschließlich Frau ELL musste den Eindruck gewinnen „der Mohr hat seine
Schuldigkeit getan…..“
 
Ich habe ferner keinerlei Verständnis, dass man in der Spendensache nicht den UK um Abklärung bat. Vor der Freilassung von GM wusste jedermann , dass Reiner Hofmann für alle Klärungen immer ein zuverlässiger Ansprechpartner war. Nach der Freilassung von GM hatte ich den Eindruck Reiner Hofmann ist ein Unbekannter. Man
vergisst hier, dass Reiner Hofmann der Unterstützer ist, der in der Sache Mollath, insbesondere mit seiner Internetseite, den größten Zeitaufwand leistete und noch heute leistet.
 
Das Verhalten von Fritz Letsch kann ich nicht abschließend beurteilen. Es wäre Sache des UK gewesen hier für Aufklärung zu sorgen. Erst nach dieser Aufklärung hätte man zusammen mit GM und Herrn Strate entscheiden können, wie weiter zu verfahren ist und nicht umgekehrt. Hier sehe ich einen massiven Vertrauensbruch. Wie kann ein erfahrener Anwalt hier die Karten in aller Öffentlichkeit der Gegenseite zuspielen?
 
Die geplante Zusammenkunft hätte vor der öffentlichen Anzeigeerstattung und nicht danach stattfinden sollen. Das Kind ist in den  Brunnen gefallen und ist nicht mehr zu retten. Es geht nur noch um vernünftige Schadensbegrenzung.
 
Wahrscheinlich wäre es vernünftig den UK aufzulösen. Man sollte aber bedenken, dass man Leute, wie Reiner Hofmann mit seinem Internetauftritt, nicht nur in der Vergangenheit gebraucht hat, sondern auch in der Zukunft brauchen wird. Alles was bis jetzt ereicht wurde ist nur ein Teilerfolg. Der entgültige Erfolg wird sich erst dann
einstellen, wenn es zu Verurteilungen der Verantwortlichen kommt. Für dieses Vorhaben ist Herr Strate der richtige Mann und hier wünsche ich ihm auch sehr viel Erfolg.
 
viele Grüße
 
 Rainer Ruis
(Hinterbänkler)“
.
.
Zu Rainers Beitrag gibt es zwei korrigierende Ergänzungen von Reiner Hofmann, die ich aus Versehen nicht mit eingestellt hatte. Hier sind sie:
Hallo Rainer,

 (…) 
In ein, zwei wichtigen Punkten möchte ich dich korrigieren:
 
Nach meiner Erinnerung hatte Edward Braun in der Zeit zwischen dem ersten Kasperowitsch-Artikel (Oktober 2011) und und dem Einstieg von Erika Lorenz-Löblein durchaus Kontakt mit Gustl Mollath, danach auch, bis heute. 
 
Und es stimmt auch nicht, dass Gustl Mollath sich nicht um einen Kontakt um Teile des Unterstützerkreises bemüht hat, er hatte meines Wissens Gespräche mit Edward Braun und Robert Lindner, und auch bei mir hatte er zweimal angerufen und ein Treffen in Nürnberg am Bayern-Wahl-Sonntag vorgeschlagen, leider hat er mich nur am AB erreicht, und ich hatte keine Rückrufnummer von ihm hinterlassen bekommen. Auch hatte er mehrere Gespräche mit Erika Lorenz-Löblein, allerdings wohl nur kurz angebundene, ebenso mit Fritz Letsch.
 
Aktiv von unserer Seite aus, gab es aber wirklich kaum bis keine Möglichkeit direkt mit ihm in Kontakt zu treten, was u. a. die einvernehmliche Abwicklung der Spendensache erschwert hat.
 
Viele Grüße vom Reiner“
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16 Antworten zu Stimmen im Streit – Rainer Ruis

  1. ThomasM schreibt:

    Pardon, aber das ist dann doch etwas viel Geschichtsklitterung.

    Wenn man schon den politischen Druck anführen möchte, dann wurde dieser in erster Linie durch die Berichterstattung (vor allem SZ und Report Mainz) erzeugt. Dass es zur Berichterstattung kam, ist natürlich zu einem Großteil auch dem UK zu verdanken. Politisch gab es nur eine einzige Entscheidung zugunsten Mollaths: die Anweisung an die StA, offenbar von Seehofer persönlich und nur weitertransportiert von Merk, einen WA-Antrag zu stellen.

    Entscheidend dafür, dass Gustl Mollath endlich wieder in Freiheit ist, waren aber nur die Gerichte – und hier vor allem das BVerfG, dem nur im allerletzten Moment noch ein bayerisches OLG zuvorkam, um die allergrößte Blamage zu verhindern nach all den Fehlleistungen anderer bayerischer Gerichte und Staatsanwälte zuvor.

    • Winfried Sobottka schreibt:

      „Wenn man schon den politischen Druck anführen möchte, dann wurde dieser in erster Linie durch die Berichterstattung (vor allem SZ und Report Mainz) erzeugt.“

      => Exakt. Die Petition verlief lausig, bis es dann in kurzer Folge zu zwei Fewrnsehsendungen kam, erst eine auf BR 3, dann eine in der ARD kam. Ich hatte stets begründet moniert, dass nicht hinreichend effizient gekämpft wurde, was PR-Resultate angeht, für mich war der UK eine mit Maulwürfen durchsetzte Freizeittruppe.

      Allerdings: Ohne Leute wie Dörner, Heindl und ELL wäre es nicht dazu gekommen, dass BR 3 und ARD letztlich mit überzeugenden Berichten eingestiegen wären. Aber ich finde es traurig, dass man zur Beseitiugung von Systemunrecht auf Teile des Systems angewiesen war – anstatt allein aus Bürgerkraft den Protest so hoch zu tragen, dass man erfolgreich gewesen wäre.

      Es war die Chance gegeben, die Kraft des angeblichen Souveräns zu beweisen und damit die ersten Schritte auf dem Wege zu gehen, den angeblichen Souverän zum wahren Souverän zu machen. Diese Chance wurde verpasst; dem UK fehlte praktisch alles, was nötig gewesen wäre, um sie zu nutzen.

  2. Dian schreibt:

    Danke Herr Ruis, danke Opa Kranich.

    Eine gute Ergänzung zu: „ist Herr Strate der richtige Mann“, scheint mir hier gegeben: http://www.ein-buch-lesen.de/2013/10/gustl-mollath-spendengelder-und.html?showComment=1382365260535#c7034864400824613947

    Der dortigen Erklärung folgend ist für mich fraglich, ob Dr. Strate Rechte Gustl Mollaths am Spendenaufkommen überhaupt geltend machen kann, weil deren Existenz mir noch nicht ersichtlich sind. Ferner bedurfte die anwaltliche Geltendmachung wenigstens ebensolcher Legitimation oder wenigstens Versicherung. Herr Dr. Strate, hat Sie Gustl Mollath mit seiner Vertretung gegenüber dem UK, den Spendensammlern oder aber nur gegenüber Herrn Letsch beauftragt? Welche mutmaßlich verletzten Rechte G. Mollaths gegenüber den Genannten bestehen?

    Ihre vermeintliche Strafanzeige gegen Letsch betreffend: Sollten Sie die Antworten zu vor genannten Fragen schuldig bleiben, so steht für mich zu befürchten, dass auch Sie ein strafrechtlicher Vorwurf treffen könnte, so zum Beispiel die der §§185-187 StGB.

  3. Deali schreibt:

    „Herr Strate wurde zwar angeblich von GM gebeten für ihn tätig zu werden. In solchen Fällen ist es aber üblich sich mit der bereits eingesetzten Rechtsvertretung
    vorher abzuzusprechen, was nach meinem Kenntnisstand nicht geschehen ist. Diese Übernahme war mit Sicherheit nicht die feine englische Art.“
    Was diesen Teil angeht frage ich mich warum sie so schlecht informiert sind. Herr Strate ist auf Mollath zugegangen, von wem die Initiative stammt ist nicht genau klar. Mollath hatte aber nicht sofort unterschrieben sondern wollte erst mit Frau Erika Lorenz-Löblein darüber reden.
    Also besser wäre es nicht gegangen.

    Deali

  4. tom schreibt:

    Interessant, wie sich manche eine Entmündigung von Herr Mollath durch gegebene Hilfsleistungen rechtfertigen.

    Warum stellt sich ein Herr Leipziger nicht hin und bringt zur Geltung, er hätte als Arzt Herrn Mollath immer nur helfen wollen – weswegen sich eine sachlich Kritik schon per se verbiete. Hier jedenfalls würde solch eine Argumentation durchgängig ausreichen; recht peinliche Argumentation – nichts gelernt. Auf solche Weise unterstützen Leute nur zufällig das richtige.

    Lächerlich ist die Diskussion um Wert und Rang verschiedener Unterstützer. Ich glaube, dass Herr Mollath die Hauptbürde von fremd-begangenen Unrecht erlitten hat. Mollath-Unterstützer haben den Stall des Staates(!) und nicht des Herrn Mollath ausgemistet, und die Unterstützer-Arbeit ist für den Staat getan worden; jedenfalls wurden dadurch keine Aktien auf die Marke Mollath erworben. Vielleicht sollte hier manche einfach nochmal nachdenken.

    Stimmen im Streit. Da erwartet man eigentlich beide Seiten und Ansichten. Warum nicht die ehrliche Benennung: Einseitige Stimmen im Streit?

    Interessant ist auch, dass nicht nur keine Abwägung zur Sache passiert, sondern auch noch die Sache selbst dermaßen verstellt wird – durch “’differenzierte“‘ Einseitigkeitsstimmenserien, die tunlichst den Kern der Auseinandersetzung vermeiden.

    Als hätte Mollath nicht mehr das Recht nach freiem unzurechtfertigendem Gutdünken seine Anwälte zu wählen. Das unreife Getue erinnert an Eltern, die die Freiheit ihrer Kinder einbremsen und vermeiden wollen, weil sie doch so viel Gutes getan haben.

    Dieser menschliche Komödienstadl kommt auch nicht an das professionelle Niveau heran, das von vielen Unterstützern an den Tag gelegt wurde (übrigens auch von Herrn Strate), nämlich um Missstände des Staates zu beseitigen, in deren Folge dann ein Mollath oder X, oder Y freigelassen werden.

    • Frankenstein schreibt:

      Richtig erkannt (@Tom).
      Ich würde aber nicht so viel schreiben. Die deutsche Sprache ist eindeutig.
      Stand beim Spendenaufruf „ehrenamtlich“, so muss der gesamte Betrag an Herrn Mollath überwiesen werden oder an die Spender zurück gezahlt werden.
      Stand beim Spendenaufruf „in Sachen für …. e.V.“, so haben die Spender an die eingetragene Vereinigung gezahlt.
      Alle anderen Rechtfertigungen beleidigen die Intelligenz des Lesers.

  5. elfi schreibt:

    Kommentar zu „Stimmen im Streit“

    was sich hier abspielt ist ein richtiggehendes Trauerspiel. Über Jahre hinweg engagieren sich
    Unterstützer für die Freilassung von Gustl Mollath in einer Weise, die beispielhaft ist. Und das heutzutage, wo Zeit Mangelware und kaum einer bereit ist, einen solchen Einsatz auf lange Sicht zu erbringen.

    Der Turm zu Babel ist erbaut und schon sind die Sprachen verwirrt. Letztlich gibt es inzwischen
    etwas zu verteilen. Reiner Hofmann formulierte vollkommen richtig, dass ein persönliches Treffen aller Beteiligten den gordischen Knoten zumindest hätte lösen können.

    Umso bedauerlicher, dass sich Unterstützer frustriert zurückgezogen haben, weil kein Kontakt
    zu Mollath möglich ist. Weiter bedauerlich ist, dass Mollath offensichtlich keinen Kontakt
    zu den Machern nach seiner Entlassung suchte, was nicht zu den Interviews passte, bei denen
    er seinen Dank zum Ausdruck brachte. Andererseits scheint es angezeigt, sich in Ruhe neu zu
    orientieren und alle möglichen, eventuell unbedachten Fallen, die erneut Probleme aufwerfen könnten auszuschließen.

    Noch ist das Wiederaufnahmeverfahren nicht abgeschlossen, ebensowenig die Klärung einer Entschädigung, Verantwortliche nicht zur Rechenschaft gezogen. Das Ganze ist bis jetzt ein Teilerfolg!

    Dass hier wertvolles Porzellan zerschlagen wurde ist in gewisser Weise tragisch. Man fühlt, wie die Sympathie für Gustl Mollath dadurch Schaden zu nehmen beginnt. Nicht gut für ihn!

    Ohne den unermüdlichen Einsatz der Unterstützer würde Gustl Mollath anwaltlich heute u.U. nicht so bevorzugt da stehen. „mittelloser Unterstützerkreis sucht Rechtsvertreter für Justizskandal – pausenloser Einsatz garantiert“, um Rainer Ruis zu zitieren.

    Würde sich der UK auflösen, demzufolge berechtigterweise auch der Internetauftritt von Reiner Hofmann würde man der Sache nach dem Teilerfolg einen Bärendienst erweisen. Allerdings kann einzelnen verständlicherweise die Luft ausgehen. Sehr gut für die gegnerische Seite.

    Nachdem der UK-Kreis nun offiziell durch eine voreilige Veröffentlichung der nicht ausgegorenen Spendenabwicklung zum Skandalfall wurde, beginnt sich manches zu verwischen, sich gegeneinander aufzuheben.
    Menschen vergessen Inhalte, Details häufig sehr schnell. Was war da mit dem einen oder anderen Gegner usw…?

    Bevor man schießt sollte man sich überlegen, welches Ziel man treffen möchte. Bei dieser Vorgehensweise hat es mit Verlaub im Wesentlichen die falschen getroffen. Operation geglückt, Patient tot. Ein Wiederbelebungsversuch sollte zumindest unternommen werden.

    • Winfried Sobottka schreibt:

      „Bevor man schießt sollte man sich überlegen, welches Ziel man treffen möchte.“
      => Das wird man wohl getan haben.

      „Bei dieser Vorgehensweise hat es mit Verlaub im Wesentlichen die falschen getroffen.“
      => Das ist eine Frage der Perspektive. „As head is tail, just call me Lucifer…“ (Mick Jagger in: „Sympathy for the Devil“).

      Ja, nun wird nicht mehr über die verbrecherische Psychiatrie und die verbrecherische Justiz geredet, sondern über die Spenden-Betrugs-Affäre der Unterstützer. Diese Lage und zugleich die Trennung Mollaths von seinen bisherigen Unterstützern herbeizuführen – das war / ist kein Zufall. Daran wurde und wird gedreht. Von denen, die Verschwörungen generell bestreiten.

      Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka, UNITED ANARCHISTS

  6. Josef schreibt:

    Bitte, bitte werdet alle etwa langsamer. Oder wie schon Laotse sagte: Wer Halt zu machen versteht, gerät nicht in Gefahr. Hier meines Erachtens die Gefahr der Selbstzerfleischung – oder der Zersetzung – und jedenfalls der Aufdeckung von Interna, die weitere Angriffspunkte darstellen.

    Wichtig ist zum Einen zu wissen: Der Rechtsanwalt Strate versuchte mit seiner Veröffentlichung dem Druck zweier Journalisten zuvorzukommen, dem altbekannten „Otto Lapp“ vom Nordbayerischen Kurier sowie der ZEIT-Journalistin Kerstin Kohlenberg, die schon an der gegen Gustl Mollath gerichteten Medienkampagne um den 13.12.2012 herum (s. http://www.zeit.de/2012/51/Mollath-Bankenskandal-Steuerhinterziehung ) beteiligt war. Wie der Ablauf aus Sicht des Rechtsanwalts Strate war, kann unter http://gabrielewolff.wordpress.com/2013/09/19/der-fall-mollath-die-irrwege-der-psychiatrie-1/comment-page-2/#comment-27667 nachgelesen werden.

    Danach wurde Strate von der ZEIT-Journalistin, was sicher nicht deren offizielle Aufgabe ist und angesichts der an sich wenig bedeutsamen Sache verwundert, zeitlich massiv unter Druck gesetzt und hierbei mit (angeblichen) Zitaten von Fritz Letsch konfrontiert.

    (Dieser behauptet in der Pressemitteilung von heute bzw. gestern:

    „In Meldungen von dpa wurden gezielt unwahre Behauptungen und in Artikeln der ZEIT falsche und Sinn-entstellende Zitate meiner Aussagen verbreitet, die Unruhe und Zwietracht in die Unterstützenden von Gustl Mollath bringen sollten.“

    http://fritz-letsch.blog.de/2013/10/21/pressemitteilung-zusammenschluss-bayrischer-bildungsinitiativen-zbb-e-v-vorwuerfen-betrug-steuerhinterziehung-spendenbetrug-16638597/
    Wir werden sehen, ob dies zutrifft, denn eine solche Behauptung macht nur Sinn mit der zugleich Einleitung presserechtlicher Schritte durch Herrn Letsch – vielleicht ja vertreten durch den Anwalt Strate. 😉 )

    In diesem, von außen gesetzt, sehr knappen Zeitrahmen war eine weitergehende Abstimmung mit anderen Beteiligten vor einer Veröffentlichung durch den Rechtsanwalt Strate kaum mehr möglich.

    Gabriele Wolff schreibt (s. http://gabrielewolff.wordpress.com/2013/09/19/der-fall-mollath-die-irrwege-der-psychiatrie-1/comment-page-2/#comment-27617) zu dem in der Printausgabe erschienen ZEIT-Artikel von Kerstin Kohlberg:

    Am 17.10. erschien der ausführlichere Print-Bericht, in dem Kerstin Kohlenberg zu Beginn deutlich macht, wie sie auf die Sache gekommen ist: weil ihr aufgefallen war, daß das Spendenkonto auf der gfh-Seite fehlte. Das war seit dem 17.9.2013 der Fall. Danach hat sie recherchiert, durch Anfragen bei Dr. Weinberger, RA Strate und Fritz Letsch, die jeweils “auf Anfrage der ZEIT” antworteten. Hinsichtlich des ersten Interviewpartners mußte sie erst einmal alte Website-Versionen aufrufen, um nachzuvollziehen, wann der Kontowechsel erfolgte.

    Demnach wäre die ZEIT-Journalistin Kohlenberg von sich aus, nämlich über Beobachtung der Gustl-for-Help-Seiten auf das Fehlen des Spendenkontos gekommen!? Haben die denn bei der ZEIT im Ressort Investigativ ( http://community.zeit.de/user/kerstin-kohlenberg ) nichts anderes zu tun, als „alle Zeit der ZEIT“ darauf zu verwenden, irgendetwas zu finden, was Gustl Mollath schadet? Aber andererseits: Die dort stellvertretende Leiterin ist wirklich gut: Alleine über diese Information, die Löschung des Spendenkontos, kommt sie auf die drei einzig relevanten Interviewpartner. Respekt! Und mit Otto Lapp hatte sie sicher keinen Kontakt. Der hat das ganz unabhängig davon in gleicher Weise herausgefunden. Praktisch zeitgleich. Morphogenetische Felder vermutlich. Ist ja auch ein wirklich auffallendes Ereignis, wenn die am Rande erfolgte Angabe eines Spendenkontos auf einer Internetseite verschwindet!

    Mann, oh Mann! Lieber Opa, was denkst Du denn: Hätten sich die damaligen ostdeutschen „geheimen Freunde“ mit einer solch billigen „Legende“, die illegale Ausforschungsmethoden gegenüber dem Anwalt nahelegt, zufrieden gegeben?

    • kranich05 schreibt:

      @ Josef,
      danke für Ihre interessanten Ausführungen, die ich in bedeutenden Punkten nicht teile (in andern aber ja).
      Danke auch für Ihre letzte Frage, die ich nicht beantworten kann, noch nicht einmal beantworten will, die aber wohl den entscheidenden Fingerzeig für ALLES gibt: Stasi.

  7. wkeim schreibt:

    Ich könnte mir wünschen, dass der Vertrag der Mollath vorgelegt wurde, sowie die Antworten von Letsch hier bewertet werden. Beides ist ja bei Strate.net dokumentiert. Gibt das nicht ein anders Bild?

    • annie b. schreibt:

      Warum sollten Vertrag und Antworten hier bewertet werden?
      Weil etwas dokumentiert ist? Also das Maß aller Dinge ist?
      Für das Juristische gibt es eine andere Adresse.
      Und welches Bild sich ergibt, hängt ganz vom Blickwinkel ab.
      Warum nicht den Stimmen einfach zuzuhören, ggf. ergänzen, korrigieren, sie mit anderen Stimmen vergleichen?

      • zyniker schreibt:

        weil das sonst einfach bloßes projiziertes Blabla bleibt, luftiges Spekulieren eigener Bedürfnisse und somit eben total an der Sache (soweit dokumentiert) metaphysisch vorbei geht. Kann doch nicht so schwer sein, oder?
        Ansonsten rege ich mich jetzt über ihre rot-gün-blaue Frisur auf – was nun wirklich zu weit geht, für meinen Geschmack. Der nächste ärgert sich, dass sie die Haar hochgesteckt haben, der übernächste stört sich an der Kürze auf. Wir wollten doch alle nur ergänzen und Zuhörer. Und ein ihnen unbekannter kann mich gerne bzgl. über ihre Haare korrigieren – aber am einfachsten wäre es, einfach ein aktuelles Bild zur Verfügung zu haben, und dann stellt sich heraus, sie tragen eine Hut, und alles Blabla war umsonst. Also wirklich. Genug von dem Käse?

        Märchenstunde oder Psycho-Erzählungen kann jeder für sich privat auf der Couch erledigen – wem es nach Zuhöre(r)n ist.

        Allerdings, da fällt mir ein, wenn ich mein Bild von Ihnen umdrehe, dann haben sie doch wieder keinen Hut auf, und die Farben verlaufen geradezu andersherum.

      • annie b. schreibt:

        Na ja, so lange es den Hausherrn nicht stört …
        Ihm habe ich sogar schon einmal ein Rilke-Zitat-Zitat zugemutet und das war sicher viel schlimmer: viel Blabla über das Umgehen mit Fragen.
        Trotzdem danke für die Ermahnung zur objektiven Betrachtung!

  8. aussenseiterstimme schreibt:

    Meiner Meinung nach hat Herr Mollath gar nicht die Wahl, seine Unterstützer und Freunde zu treffen.

    Als man seinen Aufenthalt wusste, wurden angeblich Bekannten oder Anrainern die Reifen zerstochen.
    Um das Auftreten ähnlich schlimmer Vorfälle in seinem jetzigen Umfeld zu vermeiden, muss er seinen Aufenthaltsort verbergen und Kontakt zu Freunden meiden. Er kann nur spontan anrufen, es anders zu machen wäre eine Einladung an seine Gegner.

    Seine wichtigste Aufgabe ist jetzt, sein Leben bis zum Prozess zu schützen.

    Halten sie alle durch!

  9. Pingback: Update 27.10.2013 (13:20 Uhr) – Mollath und der verknotete Spenden-Salat | Muschelschloss-Blog

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