Wort zum Sonntag

Friede ist ausgebrochen. Es ist ein Wohlgefallen. Pflegen wir ein wenig den Bildungsbürger. Da kommt uns der Leipziger Kantor Bach gerade recht.

Die Kantate BWV 201  gehört vielleicht nicht zu den epochalen Werken des großen Johann Sebastian, auf jeden Fall aber finden wir reichlich Scherz, Ironie und tiefere Bedeutung.

Welche ganz neuen Dimensionen dieses Wettstreits das XX. Jahrhundert („Zeitalter der Extreme“, Hobsbawm) an den Tag brachte, kann man aus Franz Fühmanns Erzählung „Marsyas“ erfahren (für Leseratten hier). Fühmann, ein Schriftsteller, den der Westler eher nicht kennt (obwohl, wer einen Ehrendoktorhut der Rostocker Uni trägt, auf Fühmann gestoßen sein könnte), war einer der großen deutschen Literaturarbeiter und -meister des XX. Jahrhunderts. Er war entschiedener Antifaschist (geworden), wie alle DDR-Autoren von Rang.

Ob er einverstanden wäre angesichts heutigen Streits dem Marsyas versuchsweise den Namen Fritz L. zu verleihen, mag gut möglich oder doch eher zu bezweifeln sein. Nicht den geringsten Zweifel aber habe ich, daß er heute für Gott Apoll einen ganz heißen Kandidaten hätte.

Ich wünsche allen

viel Vergnügen beim Hören von Bachs Kantate

und von Fühmanns Erzählung … ein wenig Angerührtsein.

Dieser Beitrag wurde unter Bewußtheit, bloggen, Demokratie, Faschismus alt neu, Krieg, Kunst, Leben, Literatur, Mensch, Musik, Realkapitalismus, Realsozialismus, Widerstand abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Wort zum Sonntag

  1. annie b. schreibt:

    Danke für die schöne Anregung und die Erinnerung an Franz Fühmann!
    Da lege ich „Der gute Mensch von Sezuan“ doch gleich wieder zur Seite …
    Der Schluss ist aber schon immer wieder gut:

    „Verehrtes Publikum, jetzt kein Verdruß:
    Wir wissen wohl, das ist kein rechter Schluß.
    Vorschwebte uns: die goldene Legende.
    Unter der Hand nahm sie ein bitteres Ende.
    Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen
    Den Vorhang zu und alle Fragen offen. […]
    Vielleicht fiel uns aus lauter Furcht nichts ein.
    Das kam schon vor. Was könnt die Lösung sein?
    Wir konnten keine finden, nicht einmal für Geld.
    Soll es ein andrer Mensch sein? Oder eine andre Welt?
    Vielleicht nur andere Götter? Oder keine?
    Wir sind zerschmettert und nicht nur zum Scheine!
    Der einzige Ausweg wär aus diesem Ungemach:
    Sie selber dächten auf der Stelle nach
    Auf welche Weis’ dem guten Menschen man
    Zu einem guten Ende helfen kann.
    Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluß!
    Es muss ein guter da sein, muß, muß, muß!“

    (zit. nach: „Die Stücke von Bertolt Brecht in einem Band“, Frankfurt/Main 1978, S.641)

    Liken

  2. Reinhold Schell schreibt:

    @annie b. Danke für Ihren Beitrag. Zum Schluß sage ich immer Amen.

    Liken

  3. Reinhold Schell schreibt:

    @ Kranich 05 Ihr Kommentar ist hier unheimlich wichtig. Oh.. Gott Oh Gott.. wie konnte ich bloß…
    hoert man auch ab und zu…

    Schwamm drüber und lmaA sind auch geläufig.

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s