Post von Dr. Weinberger

Mitte August 2013. Gustl Mollath war befreit; auf die Straße der Freiheit gesetzt. (Entschuldigt hatte sich bei ihm keiner der Verantwortlichen.) Es war eine gewisse Neuorientierung der Mollathunterstützer nötig. Dem Stachel, daß da ein Unschuldiger unentwegt Monat für Monat, Jahr für Jahr mitten unter uns seiner Freiheit beraubt wird, war die Spitze gebrochen. Die aktivierende und integrierende Wirkung dieses schändlichen Zustands auf eine wachsende Zahl von Menschen fiel weg.

Ich habe damals begonnen, nicht zuletzt einen von Mollath selbst betonten Schwerpunkt aufgreifend (aber auch unter dem Eindruck der verdienstvollen, leidenschaftlichen Aktivität von Nina Hagen), mich intensiver den Mißständen im Umkreis der Forensik zuzuwenden, besonders dem, was mit psycho-justitiellem Unrechtssystem umschrieben wird. Davon zeugen etliche Posts im opablog seit 11. 8.2013 (eine Auflistung hier). Recht schnell wurde mir die enorme Komplexität der Problematik bewußt, und damit wurde auch klar, welchen Aufwand eine qualifizierte Bearbeitung verlangen würde. Eine Ende August einsetzende, nicht schwere Krankheit, die mich dennoch annähernd drei Wochen blockierte, war Anlaß zur Besinnung, zu einer „Draufschau“ auf den Gang und Fortgang des Mollathskandals. Das machte mir zugleich meine Grenzen deutlich:

Der Mollathskandal würde seine akute Phase hinter sich lassen. „Eigentlich“ müßte jetzt die vertiefte (im Grunde gesellschaftspolitische) Bearbeitung seiner verschiedenen Dimensionen zum Hauptthema werden, mit dem Ziel, auf den jeweiligen Gebieten tiefer greifende Veränderungen herbeizuführen. Ob aus dem bisherigen Unterstützerkreis (mit seinen informellen Wortführern) das dazu notwendige Potential aufgebracht würde, mußte sich erweisen.

Aus verschiedenen Gründen setzte in der „Mollathszene“ eine recht intensive Bearbeitung des Problemkreises Psychiatrie/Forensik ein, die mich zu dem Entschluß führte (und laufend darin bestärkte), zwar auch künftig keine der wesentlichen Seiten des Skandals völlig zu ignorieren, mich selbst aber von diesem Problemkreis zurückzuziehen. Meine Kraft und Konzentration gilt seitdem, ausgehend von dem Problem „Bankenkriminalität“, den macht- und herrschaftsstrukturellen Aspekten des Skandals und soll letztlich zu Überlegungen fundamental systemkritischer Art hinführen. So verfahre ich seit dem 14.9.2013, wie nicht zuletzt an den Postings „Jetztzeit“ zu verfolgen ist.

So gesehen könnte man davon sprechen, daß mich eine Mail von Dr. Weinberger „auf dem falschen Fuß“ erwischt hat. Dr. Weinberger verwies auf die „heftigen, öffentlich ausgetragenen Kontroversen… Ich bin nicht unglücklich darüber. Kommt dadurch vielleicht doch der Kern der Flunkereien in der Psychiatrie, damit auch der stattgehabten und weiter möglichen Psychiatriemißbräuche endlich ins Visier der Öffentlichkeit.“ und er fuhr mit der Anregung fort, die ich als ehrend empfinde: „Es wäre schön, wenn Sie auch dieser Weiterung aus dem Mollath-Skandal nähere Aufmerksamkeit zuwenden würden.“ Eine Darstellung der Kontroversen aus Sicht Dr. Weinbergers ist hier zu finden, die Kontroverse selbst fand in der breiten Diskussion im Blog von Gabriele Wolff statt.

Die oben erläuterte Schwerpunktsetzung meines Blogs werde ich nicht ändern. Doch gerade aus diesem Interesse einige Anmerkungen:

Jenseits des mancherorts beliebten Spiels wer denn nun der größte Mollathbefreier sei, halte ich fest, daß Dr. Weinberger mit seinem Gutachten vom 30.4.2011 gegen eine Phalanx renommierter Gutachter und kooperierender Juristen als erster uneingeschränkt die geistige Gesundheit Gustl Mollaths bestätigt hat. (Nein, das Mollath ebenfalls volle Geschäftsfähigkeit bestätigende verdienstvolle Gutachten von Dr. Simmerl, vom 26.9.2007, habe ich nicht vergessen. Es konnte aber behauptet werden, daß es von minderer Reichweite sei, weil es in der Tat „nur“ im Rahmen eines Betreuungsverfahrens erstellt wurde.) Kann es verwundern, daß alle die angegriffenen Helden des Gutachter- und Justizwesens gegen Weinberger gifteten und sein Gutachten für irrelevant erklärten? Die, wie inzwischen erwiesen, mit „Karikaturen von Gutachten und wissenschaftlichen Expertisen“ nicht nur im Fall Mollath (zu Kröber z. B. hier oder gleich hier), dazu beitrugen, daß Unschuldige jahrelang hinter Gittern saßen oder sitzen, haben bis heute nichts dazu beigetragen, die Fehlentwicklungen aufzudecken und künftig unmöglich zu machen.

Trotzdem entfaltete die Tatsache des Weinberger-Gutachtens ihre Wirkung; genauso, wie andere „Meilensteine“ der Mollathunterstützung hervorgehoben werden müssen. Die hochbrisanten Informationen vom internen Revisionsbericht der Bank erreichten etwa ein halbes Jahr nach Weinbergers Gutachten die Öffentlichkeit.

Und noch ein anderer Aspekt des Wirkens Dr. Weinbergers und anderer Mollathunterstützer verdient besondere Aufmerksamkeit. Ich meine den Schritt in die Öffentlichkeit. Mehrere solche Veranstaltungen wurden in dem Monat vor Mollaths Freilassung durchgeführt. Sie alle hatten eine geringere Massenwirkung als sich die Veranstalter wünschten. Möglicherweise aber hatten sie eine größere Wirkung als die Mollathunterstützer ahnen. Es gelang den virtuellen Protest auf die Straße zu tragen. Es wurden solide und zugleich radikale Statements öffentlich verkündet. Die Öffentlichkeit reagierte zwar nicht aktivistisch-zustimmend aber sie reagierte mit Interesse und vielfältiger Sympathie. Und es gab etliche Zeichen, daß die für die Friedhofsruhe im Lande professionell Zuständigen sehr wohl alarmiert waren. Dr. Weinberger hat manche dieser Ereignisse aktiv mitgestaltet.

Muß ich darüber beckmessern, ob jede Äußerung Weinbergers schön abgerundet ist? Wenn wir die Impulse aus dem Mollathskandal, die ex- wie die impliziten, für unsere Gesellschaft fruchtbar machen wollen, müssen wir da erst die Größe oder Grenzen von Sigmund Freud ausloten? Ich bezweifle es.

Weinberger formuliert „psycho-justitielles Unrechtssystem“; vermutlich für manche ein rotes Tuch, diese Formulierung. Ja, darin steckt wohl auch Lust an der Provokation aber zugleich viel mehr als nur ein Körnchen Wahrheit. Martin Deeg schrieb in diesem Sinne im Blog von Gabriele Wolff (Hervorhebungen von mir):

„Man muss das höher hängen! 

Was hier im “Fall Mollath” an Amtsmissbrauch und Zusammenwirken der Beteiligten stattfindet, ist empörend! 

Es ist aber auch der übliche Standard in der fränkischen Provinz. Deshalb endlich Schluss mit dieser Einzelfall-Empörung. Es gibt zahlreiche Geschädigte IN der Forensik, die nur keinen Dr. Strate haben, der die Vergehen der Verantwortlichen auflistet. 

Verantwortliche Dienstaufsicht für die Justiz hat  Frau Merk, für die Polizei der Innenminister Herrmann. Wie Betroffene belastet und “Täter” konstruiert in Franken werden, ist völlig egal, offenkundig. Wie ist das möglich? Ich verstehe auch nicht, weshalb die Süddeutsche Zeitung nicht langsam Berichterstattung über die ausufernden und jahrelangen Rechtsbrüche unter der Ägide “führender” Juristen bringt. 

Über einen Lückemann kann ich inzwischen ein Buch schreiben….

Mit Rechtsstaat hat das alles nichts mehr zu tun. Da ich selbst aufgrund eigener Erfahrungen – mit persönlichem Polizeihintergrund – aber schon seit 2006 versuche, hierfür öffentliches Interesse zu wecken (und mich zu dem Zweck 2007 als OB- Kandidat in Würzburg bewarb, was Häme aber auch erheblichen Zuspruch einbrachte), was die Beteiligten 2009 zur Keule “Forensik” – DIE “Waffe” gegen Kitiker – mittels Fehlgutachten greifen ließ, kann ich mich nur noch bedingt über all diese wenig überraschenden Rechtsbrüche durch einen POK Groetsch oder einen Richter Eberl empören. 

Es geht doch inzwischen längst darum, aufzuzeigen, in welchem Klima so ein “Rechtsverstaendnis ” zur Selbstverständlichkeit wird und warum diese Täter im  Amt immer noch im Amt sind, wieso ein Dr. Leipziger immer noch in seiner  Position in der Forensik ist, etc.etc..

Zur Webseite von Martin Deeg – Materialfülle, Sachlichkeit, Aufklärung – geht es hier.

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Soweit für diesmal. Für mich ergibt sich ein enger Zusammenhang meines Interesses für Machtstrukturforschung mit den großen Sorgen, die über den Bereich des Psycho-Justitiellen existieren. Freude und Stolz über die Befreiung Gustl Mollaths sind berechtigt, deshalb den „Sieg des Rechtsstaats“ auszurufen, scheint mir dennoch unangemessen.

Update 10.10.2013:

Bezüglich Freud hat Dr. Weinberger eine Ergänzung formuliert und mir geschickt, die auch im Zusammenhang des neuen GEP-Rundbriefes (Oktober/November) erscheinen soll:

„Mitunter kommt auch die Frage auf: Braucht es im Kampf gegen Psychiatriemißbräuche die Ausein­andersetzung um Freud? Antwort: Ja, es braucht sie – einmal, weil wir hierzulande nicht hinter in­ter­natio­nalem Wissensstand zurück­bleiben sollten, zum anderen weil niemand eine men­schen­rechtliche Herausforderung nützen darf, Schwindel zu stützen, und schließlich, weil im nicht seltenen Fall des Ver­sa­gens einer Psychoanalyse (s. RB 2/07,6.6) niemand der Verzweiflung anheim fallen soll, er/sie sei ein hoffnungsloser Fall, weil „die beste, am längsten schon „anerkannte“ Psychotherapie ihm/ihr nichts nützte.“ 

 

 

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63 Antworten zu Post von Dr. Weinberger

  1. Beate N. schreibt:

    Transparent auf der Kundgebung von einer Gruppe von Anwälten für Gustl Mollath:
    „Ene mene Staatsgewalt, Brixner in die Haftanstalt“ http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/demo-anwaelte-mollath-100.html und nach Kriminaldirektor Geier könnte man auch mal schauen…Fall Ulvi Kulac und Co

  2. Pingback: Post von Dr. med. Friedrich Weinberger | Gustl ...

  3. ohmeiohmei schreibt:

    Ein Seufzer der Erleichterung geht durch die Etagen des Bayerischen Justizministeriums:
    Horst meinte gerade, Beate solle jetzt die Europaministerin geben.

    Wenn sie da Unfug treibt, ehrlich, dann ist mir das völlig egal.

    Servus,
    Euer
    oneofnine

    • kranich05 schreibt:

      Warum ist das völlig egal, wenn sie da Unfug treibt?

      • ohmeiohmei schreibt:

        Weil die politische Umsetzung des Europagedankens sowieso meist Unfug ist. Da fallen die zu erwartenden Slapsticks dieser Politikerin überhaupt nicht auf. Vorausgesetzt natürlich, sie wird in ihrem neuen Amt spürbar tätig – was ich bezweifle.

        • kranich05 schreibt:

          Ob es nicht in den langen Korridoren der Brüsseler Macht besonders viel Gemauschel gibt und ob dort Frau Beate Merk mehr (und außerhalb des Blicks der Öffentlichkeit) anrichten kann als uns lieb ist?

      • Beate N. schreibt:

        Und zwar zusammen mit Monika Hohlmeier…

    • ernestof schreibt:

      Nobelpreis für Horst Seehofer

      Wie gerade aus Oslo gemeldet wurde, hat das Nobelpreis-Komitee den bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer für den Physik-Nobelpreis
      nominiert. Die offizielle Begründung der noblen Jury :
      Es sei Seehofer perfekt gelungen, für seine Parteifreundin Beate Merk das kleinste
      Ministerium der Welt zu erfinden.
      Dieses Ressort ist so winzig, dass man es mit bloßem Auge, ohne technische Hilfsmittel,
      gar nicht mehr wahrnehmen kann. Beate Merk erhielt deswegen gleichzeitig mit ihrer
      Amtseinführung eine beleuchtete Leselupe überreicht, damit sie nach dem ersten Schock ihr Europaministerium auch wirklich finden kann.
      (Auszug aus der Glosse “ Ganz nebenbei…“ von Harald Baumer von den Nürnberger
      Nachrichten)

      Spaß beiseite, die Entfernung von Beate Merk aus ihrem bisherigen Ressort war Seehofers beste Tat bei der Kabinettsneubildung. Das unheilvolle Wirken von B. Merk und
      die Einflußnahme auf die ihr unterstellten Generalstaatsanwälte in Nürnberg und München
      in der causa Mollath zu dessen Nachteil bleibt unvergessen.
      Übrigens : Über den Klageerzwingungsantrag des RA Strate vom 15.08.2013 an das OLG
      München wurde bis heute nicht entschieden.
      Dagegen war die Staatsanwaltschaft Augsburg mit ihrer Verfügung vom 26.02.2013 über
      die Nichteinleitung eines Ermittlungsverfahrens ausgesprochen fix……
      Dem neuernannten bayerischen Staatsminister für Justiz sei ein aufmerksames Studium
      der Strate-Dokumentation empfohlen :
      http://www.strate.net/de/dokumentation/index.html
      Und dann, wenn er seine Aufgabe ernst nimmt, ein entsprechendes Handeln und Aufräumen. Um nicht zu sagen, ein Ausmisten des bayerischen Augiasstalles Justiz.

      • kranich05 schreibt:

        „entsprechendes Handeln und Aufräumen. Um nicht zu sagen, ein Ausmisten des bayerischen Augiasstalles Justiz.“ – bei dem ihm der oberste Stallpfleger Horst Seehofer mit unerschöpflich vielen „besten Taten“ zur Seite stehen wird.

      • ernestof schreibt:

        Folgende Kapitel-Überschriften stammen nicht aus einem Roman von Franz Kafka, sondern aus der neuesten Strate-Dokumentation

        http://www.strate.net/de/dokumentation/Mollath-Klagerzwingung-2013-09-19.pdf

        a) Die Erfindung einer nicht angeklagten Tat der Sachbeschädigung

        b) Die Erfindung einer Rechtsanwältin Greger als Scheidungsanwältin von Petra Mollath

        c) Die Erfindung einer Verhaftung durch den Gerichtsvollzieher Hösl

        d) Unterdrückung entlastender Aussagen des Zeugen Thomas Lippert sowie Verfälschung von Tatzeit und Tatort der zu Lipperts Nachteil
        begangenen Sachbeschädigung

        e) Weglassung der gutachterlichen Würdigung der Sachbeschädigungsakte durch Dr. Leipziger

        f) Die Erfindung eines gleichartigen Modus operandi und der Gefährlichkeit der Sachbeschädigung

  4. Sie schreiben:

    „Ich verstehe auch nicht, weshalb die Süddeutsche Zeitung nicht langsam Berichterstattung über die ausufernden und jahrelangen Rechtsbrüche unter der Ägide “führender” Juristen bringt. “

    Erklärung:
    SZ-Chefredakteur Heribert Prantl ist JURIST. Er wird nie etwas über jahrelangen Rechtsbrüche seiner Kollegen schreiben, auch wenn es der Wahrheit entspricht. Sie können ja mal Prantl fragen, warum er nicht darüber berichtet, dass in NRW seit 2002 ein Rechtsanwaltskollege mit dem Richteriprivileg STRAFFREI gestellt worden ist? Ich musste deshalb aus Deutschland flüchten, weil Juristen nach ihrem eigenen gutdünken die Gesetze „verbiegen“. Und der Jurist Prantl weiß das !! Deshalb schweigt er dazu !! Aus standesrechtliches Gründen und aus Gildenzwang !!

    • Winfried Sobottka schreibt:

      Prantl ist auch Rotarier. Hinweise darauf, dass dem Zivilisationsmenschen eine Hälfte der biologischen Hochzeit ausgetrieben wurde, um die Ehen als soziale Keimzellen der Gesellschaft auf breitester Front schwer zu beschädigen, damit eine sozial entwurzelte, aber gerade deshalb leicht beherrschbare Gesellschaft („Divide et impera!“) herzustellen, führen stets dazu, dass Leserkommentare auf der SZ unterdrückt werden.

      Ich glaube nicht, dass die SZ und ihr Prantl eine menschliche Gesellschaft wollen. Ich denke, der Fall Mollath sollte uns vorgaukeln, dass zumindest Teile der Medien noch kritisch operieren; ich gehe allmählich von einer großangelegten Verarsche aus, womöglich dadurch in Gang geraten, dass einigen Leuten bewusst war, dass der Veröffentlichungsdruck im Fall Mollath (Dank Schlötter, Lorenz-Löblein und einiger anderer) so groß war, dass das Internet es auch allein geschafft hätte (wenn auch nicht unbedingt so schnell) – völlig unkontrolliert von den wahren Machthabern. Da erschien es dann wohl besser, eine „kontrollierte Sprengung“ vorzunehmen….

  5. Sabine schreibt:

    Hat eigentlich der Zeitpunkt der Einigung der Finanzminister wegen der Europäischen Bankenunion im Dezember 2012 etwas mit dem Fall Mollath, bzw. den Artikeln von SPON und Zeit zu tun? Wer sind die wahren Nutznießer der beiden Artikel?

    • kranich05 schreibt:

      Es gibt wirklich gute Fragen. Auch wenn vielleicht der erste Antwortversuch nicht besonders überzeugend erscheint. Die Frage erweitert sich für mich sogar noch: Wie ist der „Fall Mollath“ als Fall der Mainstreammedien einzuschätzen? Mir scheint, daß die Aufklärung dieser Seite besonders unentwickelt ist.
      Ob da ein Typ wie Seeßlen mal genau hinschauen sollte?

  6. Euler Hartlieb schreibt:

    Mit Sigmund Freud sollte man deutlich respektvoller umgehen. Er hat sehr viel zum Guten in Gang gesetzt und wohl mehr verstanden als ein Gros der Psychologen und Psychiater, die mir bisher ueber den Weg gelaufen sind. Und wer die besseren Modelle zum Verstaendnis des Unbewußten hat, das waere zu erlaeutern. Das bezueglich Traum, Sexualitaet und Aggressivitaet einige versteckte Kraefte im Menschen lauern, wird wohl keiner bestreiten wollen. Wer hat die besseren Erklaerungen als Freud? Oder wollen wir auf die Analyse des Verdraengten lieber ganz verzichten? Oder gar desssen Existenz?

    • Winfried Sobottka schreibt:

      Ich habe bessere Erklärungen als Freud. Beginnen wir mit den Sexualtrieben des Menschen: Es gibt einen sexuellen Unterwerfungstrieb und einen sexuellen Selbstbehauptungstrieb.

      Der Begriff „Unterwerfungstrieb“ steht dabei nicht für eine totale Unterwerfung nach dem Dominus-Sklaven-Prinzip, sondern dafür, dass man für jemanden da sein will, sich für jemanden einsetzen will, jemanden lieben will (eine Form partieller Unterwerfung).

      Der sexuelle Selbstbehauptungstrieb treibt dazu, infolge des sexuellen Unterwerfungstriebes nicht unterzugehen. Vereinfacht gesagt: Ein Liebender fühlt sich nur dann wohl, wenn er ebenso „zurück“ geliebt wird.

      Die biologiosche Hochzeit des Menschen besteht aus zwei Teilen:

      1. Die Frau erfüllt den sexuellen Unterwerfungstrieb des Mannes und damit zugleich ihren sexuellen Selbstbehauptungstrieb, indem sie ihn dazu bringt, sie lustvoll zu „vernaschen“ („…die würde ich gern einmal vernaschen…!“). Dabei gelangt der Mann zum Lustrausch und wird dadurch sexuell auf die Frau fixiert, so dass sie sich sicher sein kann, dass er zu ihr stehen wird. Von da an liebt der Mann die Frau wie sich selbst (kommt das nicht bekannt vor?).

      2. Nachdem der Mann auf die Frau fixiert ist, wird der Spieß umgedreht, erfüllt er den sexuellen Unterwerfungstrieb der Frau und damit zugleich seinen sexuellen Selbstbehauptungstrieb. Nur dieser Akt ist bekannt: Missionarsstellung, Mann bringt Frau zum Orgasmus, bleibt selbst dabei kühl im Kopf. Durch den Orgasmus wird die Frau sexuell auf den Mann fixiert – und liebt ihn von da an so, wie sich selbst….

      Unter dem Strich sorgt die biologische Hochzeit des Menschen, richtig ausgeführt, also dafür, dass beide sexuell aufeinander fixiert (und damit garantiert einander treu!) sind, und auch dafür, dass jeder den anderen liebt wie sich selbst. So wird die optimale emotionale Basis für das Eheleben hergestellt, die durch nichts anderes hergestellt werden kann.

      So einfach funktioniert menschliche Sexualität. Freud tat nur eines: Er stiftete Verwirrung, sorgte dafür, dass Menschen sich selbst nicht mehr verstanden.

      Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka, UNITED ANARCHISTS

    • Horst Pachulke schreibt:

      Ich finde die Hochnäsigkeit einiger Vertreter des Psychologie-/Psychiatriefachs auch degoutant. Unbestreitbar hat Freud – als Kind seiner Zeit – auch viele Dinge verbreitet, die heutzutage nichts als Kopfschütteln verursachen, andere auf seinem Mist gewachsene Konzepte haben auch zu seinen Zeiten berechtigtes Kopfschütteln hervorgerufen. Ganz zu schweigen von seiner Arroganz, alles besser zu wissen und als „Experte“ schon zu wissen, wie der Patient sich in Wahrheit fühlt.

      Allerdings wurden viele grundlegende Konzepte von ihm (mit-)entwickelt, auf denen die heutige Psychologie und Psychiatrie fußt. Einige seiner eher philosophischen Konstrukte ermöglichen einen Zugang zu einer Welt im Innern eines jeden Menschen. Dass dieser nicht vollkommen ist, verwundert angesichts der Koplexität des menschlichen Geistes wenig.
      Interessant ist auch sein Ansatz, dass psychische Schwierigkeiten dadurch gelöst werden können (sic), dass der Betroffene sich klar wird, was die geistige Ursache dieser Schwierigkeiten ist – seine Vorstellung, dass auch noch nicht bewusst erlebte Zwischenfälle in früher Kindheit einen Einfluss auf das Verhalten eines Menschen im Erwachsenenalter haben kann, ist hierbei durchaus zutreffend. Auch ist es sicher kein Fehler, sich die Beziehung eines Menschen zu seinen Eltern genauer anzusehen.
      Schön ist es, wenn es gelingt, das nicht ganz so dogmatisch zu tun wie Freud.

    • federleichtes schreibt:

      Sie sind auf einem „guten“ Weg.
      Und ich möchte sie auf zwei Problematiken hinweisen dürfen.
      Das Unbewusste benennt eine Ebene im System Mensch (und Gesellschaft – s. a. Massenpsychologie), die inhaltlich reaktiv-sensibel, und strukturell relativ undurchschaubar ist, weil sie (eben) Teil des Unbewussten ist …,
      Womit wir beim zweiten Problem sind: … und bleiben muss, um die „Kräfte“, die die Auflösung des unbewussten (feindseligen) energetischen und informativen Potenzials kontrollieren, nicht zu stören.
      Leben serviert/e uns durch seine (intelligente) Dynamik die traumatisch behüteten (existenzfeindlichen) Informationen in verträglichen Portionen. Die sich auf vielfältige Weise manifestierten. Aber es ist schon fast unmöglich Menschen zu erklären, dass Herrschaft aus Informationen des Unbewussten entstanden ist.

      Danke für den würdigenden Blick auf Siegmund Freud. Sie werden verstehen, warum das eigentliche Wesen seines „Werkes“ im dunklen bleiben und der Kern seiner Entdeckungen mit allerlei Verwirrendem verkleistert werden musste.

      Herzliche Grüße an Sie.
      Wolfgang Jensen

      Nachsatz
      Die Analyse des „Verdrängten“ ist in vollem Gange, auf einer Ebene, die mir der traumatischen vergleichbar scheint. Analyse, Diagnose – und dann?

      • raben2013 schreibt:

        Die Psychoanalyse ist überflüssig. Wenn es störende Einstellungen gibt (irrationale Ängste, Verkelmmtheiten usw.), dann kann man diese durch entgegegengerichteten Gefühlsdruck ein für alle Male überwinden. Dabei ist es egal, wodurch jene falschen Einstellungen jemals entstanden sind. Allerdings: Man braucht dafür ein entsprechend starkes Zugmittel (Liebe, z.B.), und man muss es entgegengesetzt zur Wirkung der störenden Einstellungen einsetzen können.

        Ich habe so etwas selbst einmal als Zeuge miterlebt, und zwar rein zufällig. Ein Junge hatte panische Angst davor, mit dem Aufzug zu fahren, lief tatsächlich lieber 10 oder 15 Etagen im Treppenhaus nach oben und unten. Doch dann gab es eine Situation, in der andere Kinder, darunter ein Mädchen, das er sehr mochte, im Aufzug waren und nach oben fahren wollten. Man konnte es in seinem Gesicht sehen, dass zwei Kräfte miteinander kämpften: Die Angst davor, mit dem Aufzug zu fahren, und der Wunsch, gemeinsam mit dem Mädchen zu fahren. Plötzlich sprang er in den Aufzug. Seitdem ist Aufzugfahren für ihn so normal wie für die meisten anderen.

      • raben2013 schreibt:

        Ashoka, ein ursprünglich grausamer Kriegsherr, wurde offensichtlich durch ein Schlüsselerlebnis imm Handumdrehen ein anderer:

        Wie lange hätte Freud den Ashoka wohl analysieren und therapieren müssen, um ein vergleichbares Ergebnis zu erzielen? Er wäre wohl eher geendet wie Seneca!

        Opa, Freud weist in die falsche Richtung. Und auch das Geld ist der falsche Anknüpfungspunkt: Willkürjustiz und Psychiatriemissbrauch gab es im ganzen Ostblock, gibt es in den urkapitalistischen Ländern USA und GB, gibt es in Norkorea und China usw. usf.!

        Die wahre Psychologie weist den Weg, und wahr ist sie, wenn sie korrekte wenn-dann-Aussagen machen kann.

      • raben2013 schreibt:

        Bekehruzng Ashokas im Video: ab Minute 17, Sekunde 28 !

      • Euler Hartlieb schreibt:

        Auch wenn ich mit den Kommentaren dazu nicht viel anfangen kann (korrekte wenn-dann Aussagen in der Psychologie – was fuer ein Horror?), finde ich den Film ueber Ashoka sehr sehenswert. Von der indischen Entwicklung, Buddhismus, Hinduismus, dem Verhaeltnis zu Natur, Kreislauf, Pazifismus, auch religioeser Toleranz, (trotz Kasten) den moralisch ethischen Werten, dem „Streben“ laesst sich sehr viel mehr lernen, als wir wissen. Ist noch mehr ueber diese verlorene Schrift bekannt (wie alt, Buchstaben, wieviele konnten schreiben etc.?)

      • raben2013 schreibt:

        @ Euler Hartlieb: Wenn Sie keine Psychologie wollen, die korrekte wenn-dann-Aussagen macht, dann heißt das, dass Sie keine wissenschaftliche Psychologie wollen. Ich finde Ihre Offenheit an der Stelle sehr beachtlich.

  7. Euler Hartlieb schreibt:

    @horst paschulke : Genau. Nicht dogmatisch ist ja immer besser. Und dass die Wissenschaftsglaeubigkeit, in vieler Hinsicht ja Fortsetzung von Religion, nach Dogmen verlangte, um Anerkennung zu bekommen, ist unstrittig. Da sehr viele anderen „Wissenschaftler“ ja eher das reine Blut der deutschen Rasse rational zur Ideologie entwickelte (auch weil das Blut Chrisi und das alte Kreuz an Wirkkraft einbuessten), ging es fuer ihn als Juden natuerlich auch darum, einen Gegenpol gegen diese Gemeinschaft national vereinten saekularisierten Wissens zu schaffen. Dass Sexualitaet nicht nur Suende des Fleisches sein muss, und einen wichtigen „natuerlichen“ Faktor darstellt (Whats on a mans mind?), war auch keine Marginalie. Ohne die brutale Sexualunterdrueckung und –verdraengung und die verbunenen Schuldgefuehle und Perversionen dieser Zeit, mit einem klareren Bewußtsein oder Akzeptanz dazu, waeren die perversen Kriege, Morde, Shoa, Euthanasie, NS-Zeit und andere Sublimationen sicherlich weniger „attraktiv“, lustbesetzt und weniger leicht durchsetzbar gewesen.
    Oder waren es keine „Perversionen“, das was damals die Mehrheitsgesellschaft dachte, machte und hinterher verheimlichen wollte? Hatten die zig Millionen irre geleiteten gar nur falsches Bewußtsein? das Unbewußte war irrelevant?
    Die Aggressionen, die aus der damaligen gesellschaftlichen Organiation, Hierarchien und Unterdrueckung ruehrten, waren auch ins Unbewußte verdraengt (dort unterdrueckt) und wurden dort oft in fuer die Mitmenschen gefaehrlicher Art verarbeitet.
    Wieweit Penisneid, Vatermord und Oedipus nun Verkuerzungen, Spezifika, Phantasien, Projektion, oder verallgemeinerbar waren und sind, ist dagegen sekundaer.
    Das muendliche Gespraech, dass zusaetzlich zu Liebeswuenschen, Konflikten, Sexualitaet und Aggression auch Phantasien, Traeume, Verbotenes, Verschaemtes, Wirres und Ungeordnetes, sowie entartete Kunst, Musik und Archetypen ernst nahm, statt der vorgegebenen spaeter toedlichen und falschen verordneten, dann auch „wissenschaftlichen“ Ordnungen, war ein riesiger Fortschritt.
    Kritisieren kann man dann auch vieles, wie bei allen „Vaetern“, wenn man dies und einiges andere bei Freud ersteinmal thematisiert, verstanden und angesprochen hat.
    @Winfried Sobottka : Ich buche das obige unter Scherzeinlage!?!

    • Winfried Sobottka schreibt:

      Euler Hartlieb, Sie schreiben:
      „@Winfried Sobottka : Ich buche das obige unter Scherzeinlage!?!“

      => Ich frage mich, wie Sie den eindeutig sehr sachlichen Beitrag als Scherzeinlage deuten können:

      1. Wollen Sie bestreiten, dass es im Menschen einen Trieb gibt, zu lieben?

      Selbst der deutsche Schlager hat diesen Trieb zigfach aufgegriffen: „Ich tu‘ alles für dich, denn ich liebe nur dich, Mica-e-la…“ /“ „Für Gabi tu‘ ich alles…“ usw. usf.

      2. Wollen Sie bestreiten, dass es im Menschen einen Trieb gibt, geliebt zu werden?

      Wenn Sie beides nicht bestreiten wollen – was wollen Sie dann infrage stellen? Werden Sie doch bitte konkret, dann kann ich konkret Stellung beziehen! Sie können sich ganz sicher sein, dass ich das dargestellte Schema gegen jede Kritik zu verteidigen weiß! Meinetwegen können Sie auch alle Freudianer der Welt einladen!

      Winfried Sobottka, UNITED ANARCHISTS

      • kranich05 schreibt:

        aber nich auf opa sein blog 😉

      • Dian schreibt:

        Ich wünsche mir mehr von Opa Kranichs Großzügigkeit, seiner Toleranz, und von Herrn Sobottka die Erklärung, warum gerade das wahrscheinlich empathischste aller Gefühle ein Trieb, ein von Geburt an innewohnender Zwang sein soll. Bitte bedenken Sie, dass es leider Menschen gibt, die als sehr arm an Liebesfähigkeit oder gar als der Liebe unfähig (zum Teil von sich selbst) betrachtet werden, und diesen es meines Wissens nach ausnahmslos der mütterlichen oder auch elterlichen Liebe im weiteren von Anfang ihres Lebens an mangelte. „Jeder Mensch kann nur so viel Liebe geben, als er selbst erhielt.“, scheint mir eine fatalistische Auslegung dessen zu sein. Zufällig alles Exemplare „verkümmerter“ Triebe?

        • kranich05 schreibt:

          Nur zur Erläuterung: Herr Sobottka hat seit Letztem zu etlichen, immer wilderen, „Erklärungen“ angesetzt, die ich allesamt in den Müll geschmissen habe. Er hat ja ’ne eigene Website und wird dort sicher reichlich Erklärungen in seiner, ich sag mal „entfesselten Art“ liefern.

      • raben2013 schreibt:

        Opa, die wilden Erklärungen des Winfried Sobottka sollten Sie zur Abschreckung veröffentlichen! Und auch deshalb, damit niemand meinen kann, Sie würden sachliche Beiträge unterdrücken!

        @ Dian: Sobottka scheint sich bei Prem auch zum Thema Sexualität äußern zu dürfen:

        http://www.ein-buch-lesen.de/2013/09/sexualkundeunterricht-pharmazeutische.html?showComment=1381495422819#c4238463850242406850

        Zerreißt diesen Größenwahnsinnigen doch endlich mit Argumenten! Was Opa und Wolff mit ihm machen, scheint ihm doch nur recht zu geben.

  8. b.schmid-oertel schreibt:

    Aus meiner Perspektive „lauern“ diese unbewussten Anteile des menschlichen Wesens nicht irgendwo, sondern schwingen bei Allem was erlebt und getan wird unterschiedlich stark mit – auch bei Allem, was NICHT getan wird….
    Bewusstsein – Seele -Geist -physischer Körper bilden das Wesentliche und jeder Teil wirkt selbstverständlich lebenslang auf alle anderen Teile ein und auch auf das jeweilige Feld in dem sich Menschen bewegen.
    Für mich war es stets völlig unverständlich, wie „man“ sich in Bayern mit seiner Pseudo – Christlichkeit, seinem bierdimpfligen volkstümelnden „Brauchtum“ und seiner abstossenden Verfilzung wohlfühlen kann, ohne sich bewusst davon zu distanzieren.
    Ohne Psychohygiene läuft man doch permanent Gefahr davon vereinnahmt zu werden und um die eigene Empathiefähigkeit nicht aufgeben zu müssen ist spirituelle Verankerung sicherlich angebracht ….

  9. kranich05 schreibt:

    Als ich Dr. Weinbergers Bemerkung zu Freud einstellte war mir klar, daß das weitere Meinungsäußerungen anregt. Nicht zuletzt angesichts des unendlichen Freud-Hin- und Hers im Wolffblog (in meinem Posting verlinkt) hatte (und habe) ich daran kein wirkliches Interesse.
    Freud, dem dürften die meisten zustimmen, ist eine recht widersprüchliche Figur. Was liegt näher als daran die widersprüchlichsten Meinungen anzuknüpfen. Im schlimmsten Fall, verteidigt Jeder/Jede im Brustton heiliger Empörung seine/ihre Festung.
    Ich finde es witzlos, an den Heroenstatuen der Vergangenheit zu meißeln und zu polieren. Obwohl Jeder/Jede die eigenen Wurzeln kennen und sorgfältigst mit ihnen umgehen soll (zuerst im stillen Kämmerlein aber auch in dafür geeigneten anderen Räumen/Kreisen). Gut, wenn dann die Einsicht folgt, daß wir verteufelt wenig wissen. Daß wir eigentlich fürchterlich ratlos sind! (Deswegen auf Schritt und Tritt der Rückgriff auf Pseudoreligiöses.) Und noch besser, wenn wir uns dann aufmachen und das anschauen, was unmittelbar vor uns liegt, es in die Hand nehmen und drehen und wenden. Begreifen.
    Natürlich haben wir damit zu kämpfen, daß uns beim Be-Greifen ständig unser Meinen begleitet. Wir sind nunmal meinungsstark und werden ja auch ständig damit vollgestopft.
    Es mangelt, MEINE ich, grundsätzlich an der Sorgfalt des Be-Greifens.
    Wenn ich nicht begreife, bleibt mein Gartenland ein unwirtlicher Ort.

    Im „Mollathprozess“ haben Viele nach vielen Fakten gegriffen, haben sie hin- und hergewendet. Viele Einzelheiten wurden zu Bildern, besser gesagt: Bildfragmenten, zusammengesetzt, patchwork. Man könnte daranbleiben. Es wäre ein Mißverständnis (oder Schlimmeres), jetzt die Spielwiese zu wechseln.

    • Bert schreibt:

      … man kann ja geradezu die Verzweiflung von Herrn Dr. Weinberger heraushören, dass eben nicht weiter drangeblieben wird, an ihren jahrzehntelangen Bemühungen, was sehr stark daran liegt, dass im Fall Mollath stets ein greifbarer juristischer Fahrplan vorgegeben war, anhand dem die Empörung immer wieder fokussiert und (an)geleitet wurde.
      Das Problem bei der Kritik von Herrn Dr. Weinberger scheint mir eben auch diese „Spielwiese“ von (zu) allgemeiner Kritiken zu sein, ohne greifbar an einem roten Faden durchexerziert werden zu können.
      Was der GEP nun zu fehlen scheint, ist eine fächerübergreifende Organisation. Überall liest man von Einzelgeschichten, Einzelgänger, die alleine natürlich ohnmächtig gegen eine Struktur anlaufen, und natürlich unterliegen.
      Es wäre interessant, ob ein Versuch, eine smart gehaltene fachübergreifende(!) Organisation zu etablieren, dieselbe tragfähige Struktur (mit Wahrung der Einzelinteressen) wie im Falle Mollath herausbilden könnte.

      Die Erkenntnisse, wo was wie faul läuft (z.B. hier und jetzt: Superreichtum), finden sich ja wirklich zur genüge, aber jeder kocht sein eigenes Süppchen.
      Und da man nicht zu einer greifbaren Tat (wie Herr Strate) greifen kann, mobilisiert man emotionale Energien auf „Spielwiesen“ in der Hoffnung Motivation/Anhänger/Einsicht zu schaffen, und auf dieser Wiese stehen dann verschiedene „Heroenstatuen“ mit denen sich dann ein Dr. Weinberger rumschlagen muss, als ginge es im wesentlichen wirklich um Freud…
      Natürlich geht es im Verständnis dessen, was zu kritisieren ist, tatsächlich auch um Freud, bzw. um eine zu naiv ausgelegte Hörigkeit der Kritik-Unfähigkeit und Selbst-Entmündigung, aber in Wirklichkeit, wenn es um die Umsetzung nach der Kritik geht, kann es egal sein, ob auf Privataltären Heroengestalten stehen, solange diese keine tabuisierende Wirkmacht mehr beanspruchen.

      In Ermangelung dieses Netzwerk, welches im Fall Mollath zusammengetreten und zusammengewirkt hat (und zwar trotz verschiedenartigster Motivationen/Heroen), ist der Brief von Herrn Dr. Weinberger. ein Hilferuf, diese fokussierte Struktur zu erhalten.

      Die Frage, die sich (mir) hier stellt ist: müsste man jetzt, zufällig-private Strukturen/Energien in öffentliche Strukturen überführen, ist soetwas planbar, oder ist es unabwendbar, dass mit dem verschwinden eines Kristallisationspunktes/Gravitation eines Einzelfalles die Teile in Einzelteile zerfallen.

  10. Winfried Sobottka schreibt:

    „Natürlich haben wir damit zu kämpfen, daß uns beim Be-Greifen ständig unser Meinen begleitet.“

    => Wir haben auch damit zu kämpfen, dass bestimmtes Wissen um jeden Preis unterdrückt werden soll. Um das sicherzustellen, sind allein im Internet Horden von Agenten der Mächtigen tätig, die zumeist als Staatsskritiker aufreten. Können Sie sich das vorstellen, Kranich05?

  11. gabrielewolff schreibt:

    Um es abschließend zu meinen: des einen Freud, des anderen Leid. 😉

  12. b.schmid-oertel schreibt:

    Hmmm….wenn die enormen Einflüsse bestimmter Theorien und daraus abgeleiteter Erkenntnisse als Basis für kommunikativen Austausch benannt werden, ob das nun Freud, Marx oder Foucault ist, dann geht es mir nicht um das „Herummeisseln an Heroen“ sondern um Klärung jeweiliger Positionen im „Meinungsaustausch“.
    Ich empfinde es durchaus als hilfreich, nicht jedesmal das Rad neu erfinden zu müssen….

  13. Sabine schreibt:

    Ich stelle fest, dass die lebhaftesten Diskussionen in den verschiedenen Blogs zum Fall Mollath sich um andere Themen als den für mich wahren Kern der Geschichte – das Vorgehen der Banken – drehen.
    Zur Frage der Psyche: Was sind das eigentlich für Menschen, die dafür bezahlt werden, andere Menschen zu manipulieren? Gibt es solche im Fall Mollath? Und wenn ja, wo? Wer könnte einen Auftrag an wen gegeben haben?

    • raben2013 schreibt:

      Neudeutsche Wortschöpfungen wie „Bankster“ lassen keinenZweifel daran, wie Banken und Banker mittlerweile eingeordnet werden, damit sind die Geldschiebereien an sich nichts Besonderes aus Sicht der Öffentlichkeit. Für viele, die den Fall ‚Mollöath verfolgten, war es aber überraschend, dass Psychiater und Justiz der BRD ein Verhalten zeigten, dass man eher mit dem 3. Reich oder der DDR assoziieren kann als mit einem aufgeklärten Rechtsstaat. Für manche war das eine traumatische Erfahrung.

      Entsprechend verwundert es nicht, dass dieser Komplex (zurecht!) mehr Aufmerksamkeit und Interesse erzeugt als Geldschiebereien.

      Ob es im Fall Mollath Menschen gibt, die dafür bezahlt werden, andere zu manipulieren? Ja, sind Ihnen denn die Namen Patrick Guyton, Beate Lakotta, Sabine Rückert, Anita Blasberg, Kerstin Kohlenberg und Otto Lapp nicht bekannt?

      Wer da den Auftrag gab? Tatsache ist jedenfalls, dass Tagesspiegel, SPIEGEL, ZEIT und Norbayerischer Kurier voll und ganz dahinter gestanden haben müssen.

      Und sicher ist wohl auch, dass es darüber hinaus noch viele andere gibt, die sich dafür bezahlen lassen, aus Sicht der Verfechter des Unrechts zumindest das Schlimmste zu verhindern: Dass der Fall Mollath in eine Bewegung mündet, die erfolgreich für grundsätzliche Änderungen kämpft (Richterwahl auf Zeit durch das Volk, einwandfreie Dokumentation und Transparenz in Gerichtsverfahren und Gutachten).

      • Helmut Karsten schreibt:

        Das System gehoert auf’m Muell. Es war NUR dazu gedacht, einen demokratischen Rechtsstaat VORZUGAUKELN !!!
        Die Schuld/Nichtschuld – Frage ist von einer Jury aus zwoelf Personen, willkuerlich aus dem Volk gewaehlt, zu beantworten/klaeren. Der Richter, der auf Zeit gewaehlt ist, hat die Aufgabe, zu ueberwachen, ob Verfahrensfehler gemacht werden oder beabsichtigt (!) sind.

        Als Hilfsmittel – auch fuer den Richter – sind in ALLEN Juryverhandlungen die Prozess-Wortprotokolle eingebracht. Die Begutachtung(en) duerfen, mit beidseitigem Einverstaendnis, VOR der Hauptverhandlung erstellt warden. Aber auch nur dann.

        Im Falle eines Schuldspruchs, kann dann auf Antrag von jeweiliger Seite, eine Psych.-Begutachtung, auch zur Ermittlung des anzuwendenden Strafrahmens, oder/und der Bestrafung oder Therapiefrage, vorgenommen werden.

        Waere es derart abgelaufen, dann gaebe es den ‚deutschen Fall Mollath‘ garnicht……..

    • Euler Hartlieb schreibt:

      @Sabine
      „Was sind das eigentlich für Menschen, die dafür bezahlt werden, andere Menschen zu manipulieren?“ Das sind die normalen Opportunisten.m.E.. Die zuhause, in der Schule oder bei der Arbeit gelernt haben, das man ohne eigene Meinung, besser faehrt.
      Und das man fuer Geld ziemlich vieles ungestraft tun darf und dabei auch noch materielle Vorteile hat. Das Gewissen ist, wenn man aufpasst, dass man nicht erwischt wird o.s.aehnlich. Meistens eher traurige Gestalten, die wenig Respekt vor sich selber haben und wenig anderes haben, was sie gluecklich macht. Ohne Prinzipien, außer „eigener Vorteil“. Oder? Dazwischen stehen ja noch die Verlage, Chefredakteure…
      „Wer wohl den Auftrag, die Auftraege gegeben hat?“
      Das weiss opa besser. Ob das so einfach ein Auftrag ist, oder indirekt, informell per Zuruf? Banken, Pharma, Politik, Rotary, Maske & Co – die ueblichen Verdaechtigen, die etwas zu verlieren hatten?
      Und die Banken, die hinter dem Schlamassel stehen? Ja da hast Du recht.
      Die sind fein aus dem Schneider bei der Diskussion.
      Was schlaegst du vor?

      • raben2013 schreibt:

        Euler Hartlieb, ich sehe da einiges anders. So manche IMs halten sich besonders schlau und reden sich ein, dass sie doch gar nichts Schimmes tun. Und die Bezahlung? BAT – bar auf Tatze, fürt so manche ein lukrativer Internet-Job von zu Hause aus. Man schreibt z.B. mit bestimmten Intentionen in Foren und Blogs, tut dabei sogar so, als ob man andere Verhältnisse wolle. Im Falle Mollath sind ganze Rudel von IMs aktiv, um zu verhindern, dassder Fall unkontrollierte Formen annehmen kann.

        Ich werde umfassend über diese Dinge berichten, dann auch das Raster vorstellen, das es ermöglicht, solche Schurken zu entlarven.

        • Helmut Karsten schreibt:

          Endlich spricht einer aus, was ‚Tango‘ ist. DANKE ! Lass‘ uns mehr hoeren……. Ob’s was hilft, weis ich nicht. Ich darf (schmarrn: MUSS, leider) Deine Ausfuehrung nur bestaetigen.

      • b.schmid-oertel schreibt:

        Ja, was sind das eigentlich für Lehrer, die Kinder „dumm halten“ , durch ihr eigenes schlechtes Vorbild zu Opportunisten verstümmeln und sich dabei auch noch Pädagogen nennen ?
        Was sind das für Eltern, die dies wissen und dulden, dass diese Leute auch noch dafür bezahlt werden ?
        Was sind das für „Christen „, die in Kirchen bleiben, die über Jahrtausende hinweg die eigenen Missstände nicht beheben können und wollen und zusehen, wie Steuergelder dafür verschwendet werden ?

  14. Breitenbach schreibt:

    Bei sämt­lichen Ab­wehr- und Stör­ma­nö­vern be­züg­lich der zwecks ei­ner drin­gend be­nö­tig­ten Um­ge­stal­tung der ei­ne wach­sen­de Zahl von Men­schen schwer be­nach­tei­li­gen­den, in blind-anar­chi­scher Wei­se he­ran­ge­reif­ten ge­sell­schaft­li­chen Macht­struk­tur zu­vor zwin­gend er­for­der­li­chen gei­sti­gen Durch­drin­gung in­di­vi­du­al- und ge­sell­schafts­hi­sto­ri­scher Ab­läu­fe tritt – wie ein Freu­dia­ner he­raus­fand – stets ei­ne ge­wis­se Po­la­ri­tät auf, die »Po­la­ri­tät des Wi­der­stands«.

    In mei­nen ein­fa­che­ren Wor­ten: Wenn zwei Frak­tio­nen, hier: sich auf Freud be­ru­fend, sich streiten, freut sich ei­ne völlig an­de­re Frak­tion, die, Freud aus macht­kon­for­men Gründen zu­rück­wei­send, die Gren­zen sei­ner Wis­sen­schaft zu de­ren Dis­kre­di­tie­rung aus­nut­zen will statt die­se ele­gan­ter ma­chen zu wol­len – was in tech­ni­scher Hin­sicht, nicht zuletzt hinsichtlich der Er­kennt­nis­se der mo­der­nen Bio­lo­gie, kei­ne un­über­wind­li­chen Schwie­rig­kei­ten auf­wirft.

    • federleichtes schreibt:

      Ja, Widerstand.
      Vor vielen Jahren las ich eine „Verschwörungstheorie“, die die Ursache für den ersten (und auch den zwiten) Weltkrieg erklärt mit: … eine nicht-zeitgemässe aufklärerische Aktivität zu stoppen. Siegmund Freud wollte die Weltmenschen und die Menschenwelt heilen und bohrte dazu mit einem mächtigen Bohrer an einem mächtigen Fass – ziemlich weit, anfangs sehr mutig, zunehmend ängstlicher werdend. Vielleicht hing das zusammen mit dem Inhalt des Fasses.

      Gruß
      Wolfgang Jensen

  15. citisite schreibt:

    Dr. Weinberger. Sophie Freud. Oberstaatsanwältin Wolff. Dora – Ida Bauer.

    Opa. Mit Vorsatz oder / und aufgrund kognitiver delays Weinberger mails ausblendend. Nichtmal bei Miss Wolff kommt man man mit „recomended “ comments durch. Orginal Text …

    Liebe Oberstaatsanwältin Frau Wolff a.D.

    Ade, du mein schön gedachter Beitrag im Spam, zur Korrespondenz zwischen Opa & Dr. Weinberger. Letzterer ist der, der das Bundesverdienst-Kreuz hat – das Kreuz, die Menscheit über „freudianische Psychonanalyse“ aufzuklären.

    http://citisite.wordpress.com/dr-weinberger-sophie-freud-oberstaatsanwaltin-wolff-dora-ida-bauer/

    Hab den an Sie bzw. „Opa“ gerichteten „comment“ jetzt hierhin verfrachtet, den Freudianischen Vernichtungsschlag, den sogar Sophie Freud unterstütze. Ich gebe Ihnen das copyright, den „Dora-SEX-Artikel“ kostenfrei auf Ihrer Seite zu veröffentlichen.

    🙂

    WARNUNG. Nicht für Jugendliche geeignet. 18 +
    Gruss an Dr. Weinberger.

  16. Euler Hartlieb schreibt:

    Ich sage es nochmal ganz einfach:
    A. Die oft schmerzhafte Verdraengung und Unterdrueckung der „inneren Natur“ (ins und im Unbewußten) korreliert mit
    B. der schmerzhaften Verdraengung und Unterdrueckung der „aeusseren Natur“ und beide mit
    C. schmerzhafter Verdraengung und Unterdrueckung von natuerlichen Menschen durch Menschen.

    Fuer mich ist A, B, C zentraler Teil des politischen Ein x Eins!

    Um Probleme von Bank, Macht, Krieg, Fortschritt, Milliardaeren, Geld, Wahlen, Historie, Information, Medien, Religion, Demokratie und Armut meinetwegen auch „wissenschaftlich“ und „objektiv“ zu verstehen, transzendieren und analysieren zu koennen;
    auch so, dass darin ein wenig von einer anderen und besseren Welt anklingt.

    • kranich05 schreibt:

      Ja, jede Art von Verdrängung und Unterdrückung steht dem Menschenrecht und jeder Wissenschaft vom Menschen entgegen.
      Seinen Stoffwechsel mit der Natur (darum kommt er nun einmal nicht herum), den der Mensch gesellschaftlich betreibt, möge er lernen ohne schmerzhafte Verdrängung, Ausbeutung und Unterdrückung zu gestalten.

  17. b.schmid-oertel schreibt:

    Faszinierend ist doch, wie zum Beispiel Rudolf Steiner klar vorweggenommen hat, inwiefern Wissenschaft in unterschiedlichen Bereichen verschiedenen Kriterien genügen muss *!*

    “ In einem Aufsatz aus dem Jahre 1922 äußert sich Rudolf Steiner über den Gegenstand der anthroposophischen Wissenschaft und das Erfordernis einer anderen Denkungs- bzw. Anschauungsart, als wie sie für das Physische oder Chemische angemessen ist:

    „Dass der wissenschaftliche Materialismus überwunden werden müsse, ist seit Jahrzehnten schon die Überzeugung vieler Menschen geworden. Wenn in dieser Richtung Meinungen ausgesprochen werden, dann hat man die Denkungsart im Sinne, welche im neunzehnten Jahrhunderte in weiten Kreisen von wahrer Wissenschaftlichkeit für untrennbar gehalten worden ist. Diese Denkungsart hielt es für unwissenschaftlich, von Geist und Seele als von Wesenheiten zu sprechen, die selbständig, unabhängig von ihren materiellen Bedingungen betrachtet werden dürfen. Man fühlte sich auf wissenschaftlichem Boden nur sicher, wenn man auf materielle Vorgänge blicken konnte. Geist und Seele sah man im Gefolge der materiellen Vorgänge sich entwickeln; und man glaubte, für die Wissenschaft das einzig Mögliche getan zu haben, wenn man auf Materielles deutete, das sich abspielt, während Geistiges oder Seelisches erscheint.“

    (GA 36, S. 254. , 1922)

    • kranich05 schreibt:

      Pech für Herrn Steiner, daß sich die bösen Materialisten die Dialektik zugelegt hatten, übrigens bereits Jahrzehnte vor seinen Behauptungen und sich also nicht so recht angesprochen fühlten.

      • b.schmid-oertel schreibt:

        Na ja…die „bösen Materialisten“ bauten ja auch auf dem *Idealisten* G.W.F. Hegel auf und der wusste schon :

        “ Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen. Es ist von dem Absoluten zu sagen, dass es wesentlich Resultat, dass es erst am Ende das ist, was es in Wahrheit ist; und hierin eben besteht seine Natur, Wirkliches, Subjekt oder Sichselbstwerden zu sein. „

  18. Breitenbach schreibt:

    Für Freud – wie für je­de gei­stes­ge­schicht­li­che an­de­re Größe auch – gilt die Fra­ge: Wer hat ihn ge­le­sen (und nicht et­wa nur das ei­ne oder an­de­re aus der aufs Un­über­sicht­lich­ste an­ge­wach­se­nen Se­kun­där­li­te­ra­tur  ü b e r  ihn und sein Werk)? So­dann: Wer hat ihn, ohne das Wich­tig­ste (bei Freud zwei­fel­los die Er­klä­rung von Ent­ste­hung und sub­jek­ti­vem Be­har­rungs­ver­mö­gen der Re­li­gi­on) aus­zu­spa­ren, ge­le­sen? Und schließ­lich: Wer hat ihn kom­plett stu­diert?

    Diese Fra­ge be­rührt selbst­ver­ständ­lich auch Aka­de­mi­ker. Wer un­ter ih­nen hat et­wa »nur« Desch­ners »Kri­mi­nal­ge­schich­te« durch­ge­ackert und die Lek­tü­re bis zu En­de durch­ge­hal­ten? Für Marx und En­gels ge­stal­tet sich die Auf­ga­be noch un­gleich schwie­ri­ger als für Freud, ihr Werk ist um ein Viel­fa­ches um­fang­rei­cher als das sei­ni­ge; für den Durch­schnitts­le­ser »fast« nicht mehr zu be­wäl­ti­gen. Und erst  d a ­n a c h  wä­re ein Stu­di­um der über­reich­lich an­ge­häuf­ten Se­kun­där­li­te­ra­tur leid­lich »sinnvoll« (näm­lich, um die Spreu vom Wei­zen ih­rer An­hän­ger zu tren­nen [man soll­te da­zu wis­sen, daß bei Freud – ähn­lich wie bei Marx und En­gels – Se­kun­där­li­te­ra­tur in den ehe­ma­li­gen West­block­staa­ten vor­nehm­lich aus pfäf­fi­scher bis pfäf­fisch in­spi­rier­ter Quel­le stammt]). Auch heut­zu­ta­ge bei­na­he aus­ge­stor­be­ne Le­ni­ni­sten, die nicht nur so tun als ob, müs­sen sich fra­gen las­sen, ob sie die wich­tig­sten Schrif­ten Trotz­kis, Le­nins »rech­ter Hand« zu Re­vo­lu­tions­zei­ten, ken­nen, der in der DDR selbst bis zur Schluß­pha­se selt­sa­mer­wei­se nicht er­hält­lich war (in An­be­tracht der auf­grund wi­dri­ger hi­sto­ri­scher Um­stän­de un­sy­ste­ma­tisch ge­blie­be­ner Samm­lung der­sel­ben und so­mit schwie­ri­ger Quel­len­lage muß an­stands­hal­ber auf die For­de­rung nach Voll­stän­dig­keit von des­sen Lek­tü­re ver­zich­tet wer­den).

    Aber, ach; das Pro­blem ist viel tie­fer­lie­gend und völ­lig an­ders ge­wich­tet. Wenn es doch nur um das sog. »ad fon­tes«-Prob­lem bzw. ums »Büf­feln« bzw. Aus­wen­dig­ler­nen dies­be­züg­li­cher Da­tensät­ze gin­ge! – Doch weit ge­fehlt …

    Es ist so: Der Durch­schnitts­deut­sche kauft 1 Buch pro Jahr. Egal, wel­ches. Un­ter­stel­len wir wohl­wol­lend ru­hig ein­mal, daß er es – schon um sei­nen Kauf­preis zu recht­fer­ti­gen – ir­gend­wann auch liest. Gleich­zei­tig sieht er je­doch über 4 Std./Tag fern – dies könn­te er zu sei­nem Vor­teil un­be­scha­det un­ter­las­sen. Be­rufs­be­dingt büf­feln zu­min­dest Aka­de­mi­ker ge­wöhn­lich viel (auch wenn sich selbst die Ge­frag­te­sten un­ter ih­nen meist nur im Flug­zeug ganz un­zu­läng­lich auf ih­re am lau­fen­den Band statt­fin­den­den »Po­wer point«-Vor­trä­ge vor­zu­be­rei­ten pfle­gen und die von der Na­tur des Ge­gen­stands er­for­der­te Lang­fri­stig­keit von For­schungs­pro­jek­ten nicht sel­ten schon an der Be­fri­stung von Ar­beits­ver­trä­gen zu schei­tern droht). – Doch ver­ste­hen sie das Ge­büf­fel­te des­halb auch?

    Dies hängt mei­nes Er­ach­tens vom durch­schnitt­lich in der Be­völ­ke­rung vor­han­de­nen Bil­dungs­stand ab. Und  d e r  kann heu­te so­zu­sa­gen gar nicht tief genug ge­hängt bzw. an­ge­sie­delt wer­den. Ge­nau da­ran ha­pert bis schei­tert häu­fig das Ver­ständ­nis von »Klas­si­kern« von Marx bis Freud, selbst wenn man von Be­rufs we­gen aufs Büf­feln an­ge­wie­sen ist und an­son­sten er­folg­reich da­zu dres­siert wer­den konn­te. Ge­sell­schafts- und na­tur­ge­schicht­li­che Da­ten feh­len heu­te teils völ­lig oder sind – falls den­noch ge­gen äuße­re Wi­der­stän­de zu­min­dest ru­di­men­tär er­wor­ben – fast nie mit über­grei­fen­der Zu­sam­men­schau ge­paart oder auch nur kom­pa­ti­bel. Dies rührt da­her, daß über­ge­ord­ne­te Zu­sam­men­hän­ge in­fol­ge pro­pa­gan­di­sti­scher Dau­er­be­rie­se­lung durch star­ke Sen­der bis zur Un­kennt­lich­keit ver­wischt wer­den und dies un­fehl­bar auch dann noch Wir­kung zeigt, wenn die m.o.w. an­stren­gen­de Be­reit­schaft zum Be­grei­fen vor­han­den und nicht be­reits in Kin­der­jah­ren nach­hal­tig ge­stört wor­den sein soll­te – ob­wohl beim selbst‑in­du­zier­ten Ka­pie­ren ge­rade auch so­zia­ler Ab­läu­fe ge­mein­hin kei­ne so­zia­le Un­ter­stüt­zung er­fahr­bar sein wird. In die­sem heut­e na­he­zu als ob­li­ga­to­risch an­zu­se­hen­den Fall glimmt im Kopf be­sten­falls ein schwa­ches oder gar kein Licht. Nur im ent­ge­gen­ge­setz­ten besteht nach wie vor die Mög­lich­keit, sich mit Freud, Marx oder sonst ei­nem spät- oder früh­bür­ger­li­chen Auf­klä­rer auf kon­struk­ti­ve Wei­se aus­ein­an­der­zu­set­zen. Sonst eben nicht.

    • kranich05 schreibt:

      Nach diesem Statement krieg ich Lust, mal aufzulisten, was ich alles NICHT gelesen habe (und das, obwohl ich seit gefühlt 100 Jahren „Leseratte“ bin).
      Interessant auch die Frage: Mit wie wenig Büchern kann ich „Durchblick“ kriegen (oder gar „weise“ werden)?

  19. Euler Hartlieb schreibt:

    Naja, ist die alten Schinken sind ja auch viel Schnee von gestern. Die Berichte ueber die Fabrikarbeit in England und Kaempfe in Russland tut sich heute in der Laenge keiner mehr an. Dazu gibt es genug leichtere Kost ueberall. Diejenigen, die da was gelesen haben, muessen schon die wichtigsten Erkenntnisse und was sie heute noch fuer relevant halten konkret vermitteln und zusammenfassen. Warum soll das sonst jemand anders sich antun. Ich hatte ja schon den einen oder anderen Anlauf zu Marx gemacht.
    Und ist ja vielleicht auch wirklich vieles nicht mehr aktuell und richtig in der Form. Wer heute Lohnarbeit in einer europaeischen Fabrik hat, profitiert doch vielmehr von der billigen Lohnarbeit in anderen Laendern als das er selber ausgebeutet wird. Das wovon, wie worauf er lebt ist doch laengst das geronnene Kapital vergangener Zeiten. Und da die Eigentumsverhaeltnisse im produktiven Bereich schneller sich verschieben als man gucken kann, ist da auch niemand mehr erkennbar, dem man die „Ausbeutung“ ansehen kann. Und die Fabrik- und Firmenbesitzer gehoeren laengst dem Finanzsektor und da ist es noch undurchschaubarer. Die Dummen sind heute andere, die Ausbeuter, die Produktionsstaetten und auch die Probleme.
    Aus den Schinken kann man doch eher nur die Prinzipien ableiten, wie man auch heute Dinge verstehen kann. Und da muessen dann die Marx-, Lenin-, und Hegel- und Trotzkikenner mal sagen, was denn heute noch gilt und richtig ist… und auch was falsch ist davon heute.
    Sonst wird das Gebrabbel von alten Maennern, die sich ein bisschen zurueckerinnern.
    Das gleiche gilt natuerlich fuer Freud, da muss man auch schauen, was gilt noch, was nicht, was waren seine dauerhaft gueltigen Ideen und so weiter. Steiner, manches war Stuß, manches auch sehr vorwaertsweisend. Wenn man nicht sagt, was man gelernt hat, und was man noch heute angewendet sehen, gewußt wissen will ist das doch eher entmutigend mit den Namen und den Waelzern. Und natuerlich ist es auch ein Problem, das nicht mehr gelesen und gedacht wird.
    Was mich konkret interessieren wuerde, wie war denn Freud eigentlich in der DDR angesehen?

    • federleichtes schreibt:

      Seine Ideen, die eines Menschenfreundes, wurden würdigend aufgegriffen auf dem russisch-kommunistischen Feld. Gott sei dank kamen dann andere, eher zeckenartige Freunde, auch Heuschrecken und Parasitäres. Die, nach wie vor, meinen, es gäbe für sie keine Ordnung.

      Freuds Geist kann man nach meiner Einschätzung nicht mal eben so in einem Blog ausbreiten. Muss jeder für sich erfahren, was er da im Wesen-ntlichen anschob, teils, deutlich, teils verklausuliert, teils etwas neben der „Spur“ interpretierte. Und dann natürlich seine Ergebnisse um sein Persönliches bereinigen, und seine (ihm damals möglichen) Benennungen auf den Stand der Zeit bringen. Darüber zu sprechen bringt die Raben auf die Bühne. Nein, nicht, weil Freuds Thema nach wie vor brisant wäre. Einfach so, aus Freude am Destruktiven, dem Entwürdigen – einer Art Leichenfledderei, gell. Es lebe die Vielfalt.

      Freud als der Eine lässt sich besser, vielleicht auch nur, verstehen im Kontext mit Anderen, die das Wesen des Traumatischen (dazugehörte auch Marx) beleuchteten, und zwar nicht im Lichte eines Aufzugs. Wer eine mir nicht allein vorbehaltene Auffassung teilt, in der Psyche gestalte sich das Lebendige als Offenbarung von Problemen, kann sich in vielfältigen Themen informierend belesen auf „Faszination Mensch“.

      Allen einen guten Tag.

      Wolfgang Jensen

    • kranich05 schreibt:

      Immer wieder geht es ja ums richtige Maß.
      Weder möchte ich pauschal von „den alten Schinken“ abraten, noch möchte ich, daß uns hier eine „Spezialdiskussion“ aus dem (hohlen) Bauch zu Marx, Lenin, Freud oder wem auch immer die Zeit klaut.
      Wer einen Standpunkt vertritt und dabei einen Bezug (je konkreter, umso besser) zu einer Geistesgröße der Vergangenheit herstellt – kein Problem.
      Wenn es darauf eine Replik gibt – auch kein Problem.
      Unfruchtbar sind nur die sich ewig verbreiternden (aber nicht vertiefenden) Polemiken.
      Da greife ich schon mal ein, ohne lange um Erlaubnis zu fragen.
      Ein anderer der großen Alten sagte: Ein Blick ins Buch und zwei ins Leben.
      Ja, sich dem täglichen Leben zuwenden – ohne Rücksicht auf Beifall, genau, sorgfältig, gründlich (also radikal). Dem Menschen freundlich. Feindlich allem Schwammigen und Irrationalen.

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