Erkenntniswege zu den Superreichen (Jetztzeit 7)

Den Superreichtum, die Verhältnisse der Superreichen, zu erforschen, ist alles andere als trivial. Bekanntlich hat jeder Mensch Anspruch auf Schutz seiner Privatsphäre, und da dem Superreichen tendenziell ALLES gehört, wird der Mantel der Verschwiegenheit über ALLES gebreitet. Da kann die Öffentlichkeit noch so sehr auf ihr berechtigtes Informationsinteresse pochen. Der Vorwurf, Sozialneider würden nur ihre voyeristische Neugier befriedigen wollen, liegt in der Luft.

Ein einfaches Schema, Ringmodell genannt, veranschaulicht die Stellung des Superreichtums in der Gesellschaft.

Quelle: H-J-Krysmanski: „Power Structure Research und das Ringmodell der Machteliten“.

Das Zentrum, „ein schwarzs Loch“, bildet die absolute Geldelite, 400 bis 500 Personen/Familien in den USA, vielleicht 3000 weltweit. Superreiche unterscheiden sich dadurch von minderen Reichen, daß ihre Vermögen so riesig, so verzweigt, so diversifiziert sind, daß sie diese durch keinerlei Krisen der kapitalistischen Reproduktion verlieren können. Vorm „Absturz“ sind sie nach allem menschlichen Ermessen gefeit. Es ist ein neue Art von „Gottesgnadentum“ oberhalb bestimmter Kapitalverwertungsprozesse. Eine der Hauptfunktionen besteht in  der gleichsam transkapitalistischen Kapitalvernichtung zwecks Verhinderung von Machtkonkurrenz. Diese Gruppe ist der Souverän.

Aufs Engste mit diesem Kern verbunden sind die Spitzen (COEs, Chief Executive Officers) der Konzern-, Finanz- und Militäreliten. In ihrer engsten Verflechtung bilden beide Gruppen den „magischen Zirkel“ (Krysmanski) der oberen Zehntausend. Diese Zahl ist seit langer Zeit relativ konstant. Funktion dieses Geflechts ist die Sicherung der Aneignung von Superprofit durch Produktion und Umverteilung.

Die nächste Sphäre im Ringmodell bilden die politischen Eliten, nicht nur PolitikerInnen im engeren Sinne, sondern alle, die die Politik gestalten, nicht zuletzt Medienleute.. Sie haben zwischen den oberen Zehntausend und der übrigen Gesellschaft, „unseren Menschen“ (Merkel), zu vermitteln. Unablässig aktiv sichern sie die Stabilität des Systems, organisieren die politischen Formen in denen die Umverteilung nach oben erfolgt, realisieren aber auch das unvermeidliche Minimum von Verteilungsgerechtigkeit.  Auf C. W. Mills geht die Beschreibung sog „politischer  Direktorate“ zurück, rel. kleine Gruppen von vielleicht 50 Leuten, die executive Entscheider sind. Unter den Bedingungen der Globalisierung verkompliziert sich die Struktur der politischen Sphäre, jedoch bleiben „politische Direktorate“ erkennbar.

Die Funktions- und Wissenseliten bilden das Millionenheer der Berater, Helfer, Dienstleister aus allen Bereichen der Gesellschaft. Hier trifft das Fußvolk von den Höfen der Superreichen, die Vertreter der „Think Tank Class“, niedere Funktionäre der Herrschaftsinstitutionen aller Art auch auf Kritiker, Aktivisten der Opposition, Solidaritätsbewegte gegen schreiendes Unrecht in der Gesellschaft.

Gewiß, das Ringmodell ist statisch, es vereinfacht stark, es sagt nichts über die Kernzone, es hat viele Mängel. Doch es erlaubt eine grobe Orientierung und regt zu Forschungsfragen an.

Als eine vielversprechende Methode zur Analyse der Verhältnisse und Wechselbeziehungen (nicht nur) der Superreichen erweist sich in neuerer Zeit die Netzwerkanalyse. Besonders erfreulich finde ich, daß diese Methode sich zur Anwendung in der Graswurzel-Forschung eignet. (Während ihrer Hoch-Zeiten kam die Mollathdiskussion gelegentlich bis an die Netzwerkanalyse heran.) Es ist mir ein Bedürfnis an dieser Stelle einmal mehr auf Mark Lombardi hinzuweisen.

Mark Lombardi - Kunst und Konspiration

Quelle: hier.

Mark Lombardi, Pionier großformatiger dokumentarisch-ästhetischer Diagramme der offenkundigen und auch verdeckter, krimineller Aktivitäten der oberen Zehntausend; er starb im März 2000 mit 49 Jahren, Suizid, wie es offiziell heißt.

Hier das Beispiel einer Netzwerkanalyse im politischen Bereich. Breit angewandt wurde Netzwerkanalyse in der Studie „Meinungsmacht“ von Uwe Krüger, um den Einfluß von Eliten auf Leitmedien und sog. Alpha-Journalisten nachzuweisen.

Potential sehe ich in der Verbindung bzw. Verschmelzung von Ringmodell und Netzwerkanalyse.

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11 Antworten zu Erkenntniswege zu den Superreichen (Jetztzeit 7)

  1. expert schreibt:

    Zitat:

    „Hier das Beispiel einer Netzwerkanalyse im politischen Bereich. Breit angewandt wurde Netzwerkanalyse in der Studie “Meinungsmacht” von Uwe Krüger, um den Einfluß von Eliten auf Leitmedien und sog. Alpha-Journalisten nachzuweisen.“

    Wenn Opa die Atikel gelesen hätte, dann wäre ihm aufgefallen, dass der Artikel von Uwe Krüger zwar einen gewissen Einblick in die Verstrickung von Superreichen und Medien gibt, aber die angelinkte „Netzwerkanalyse im politischen Bereich“ sich nur an äußerlich sichtbaren Strukturen orientiert und darauf zielt, das Bild einer verantwortungsvollen und sauberen Politikerkaste an die Wand zu malen.

    Opa, erst lesen, dann verlinken!

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  2. Friedrich Leinweber schreibt:

    Ein sehr interessanter Beitrag ! Diese Netzwerkverbindungen lassen sich doch gerade in der
    heutigen Zeit gerade im Euroraum und im transatlanischen Bündnis nachweisen.
    Da bewegen sich Hunderte von Billionen Euro und Dollars innerhalb der Bankensysteme,, Weltweit
    hin und her. Und da wo das Geld am nötigsten gebraucht wird, in den einzelnen Mitgliedsstaaten
    verkommen die Infrastrukturen. In Deutschland müssen in den nächsten Jahren 30.000 Brücken
    saniert werden. Das Geld soll dann eine Maut Einbringen, Lächerlich!!
    Die Superreichen werden in den nächsten Jahren die Superdeppen sein, weil sie es versäumt
    haben, das Geld Unter die Leute zu bringen! Geld vermehrt sich automatisch, je mehr die
    Bevölkerung daran beteiligt wird. Kaufkraft, Investitionen, Plus eine bessere Versorgung
    wären Erfahrbare Analysen!!

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  3. Klaus G. Stölzel schreibt:

    Lieber Opa,

    vielen Dank für Ihren Hinweis auf „Mark Lombardi“,
    wobei Lombardi die nahe Netzverbindung der Familie
    „Bush“ zu der Familie „Bin Laden“ in seinem Netzwerk-
    plan transparent und damit beispielhaft als einen un-
    glaublichen „Widerspruch“ für den Betrachter seines
    Werkes darstellt.

    Dem „Ringmodell“ fehlt m. E. nicht nur der der „Kern“,
    sondern auch die 3. Dimension. Der „Kern“ (Spitze im
    Kegelmodell) können nicht die „Superreichen“ sein,
    dafür ist die Gruppe zu heterogen, zu groß und zu
    materiell, eben deswegen nur der (neue) „Geldadel“
    genannt.

    Aus der geschichtlichen Entwicklung heraus, kann sich
    das „Know how“ für dieses „Kegelmodell“ nur aus einer
    langen Tradtion heraus entwickelt haben. Also aus
    dem kirchlichen Welt-Adel heraus, also wer die Fäden
    der kirchlichen und weltlichen und materiellen Macht
    einer Macht schon lange in einer Hand hat, nur der oder
    die kann daraus ein „Spinnennetz“, auch „Ringmodell“
    oder „Kegelmodel“ genannt, dann machen bzw. halten.

    Die Spur ist eindeutig und führt direkt nach London
    in den Buckingham Palast. Dort hält sich dieses
    „Alleinstellungsmerkmal“ der absoluten Macht schon
    mind. seit dem Jahre 1577, wörtlich: “ Und so wird
    sich der Ruhm, das Ansehen, die Wertschätzung
    und Liebe und die Furcht vor diesem britischen
    Mikrokosmos über das ganze weite Erdenrund rasch
    und sicher ausbreiten“, so John DEE, die Britische
    Monarchie 1577.

    Die „Britische Demokratie“ ist deswegen die älteste
    „Scheindemokratie“ der Welt.

    MfG.

    Klaus G. Stölzel

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    • kranich05 schreibt:

      Hallo, Herr Stölzel,
      daß das „Ringmodell“ nur ein Schema ist, daß es stark vereinfacht, ist klar. Dennoch scheint es mir nützlich auch über den „Kern“ weiter nachzudenken. Daß die Superreichen nicht den Kern bilden könnten, weil „die Gruppe zu heterogen, zu groß und zu materiell“ sei, überzeugt mich nicht. Woran messen Sie „zu groß“, „zu heterogen“? Eine Gruppe von wenigen tausend Personen/Familien als Kern eines globalisierten Gesellschaftssystems möchte ich klein nennen. Ihre Heterogenität – ja es sind Vertreter sehr langer Tradition darin und ebenfalls Vertreter des „neuen Geldes“ – betrachte ich als Ausdruck von Lebendigkeit im Sinne der engen Kopplung an reale Gesellschaftsprozesse. Was meinen Sie mit „zu materiell“? Ihre reale Macht wurzelt in ihrer Materialität. Oder meinen Sie Materialität im Sinne der Abwesenheit von ideeller Qualität? Ich würde die geistigen Potentiale, die den Superreichen zur Verfügung stehen, nicht unterschätzen.
      Im übrigen stelle ich mir vor, wie ein Mark Lombardi wohl das System „FJS“ dargestellt hätte oder auch nur das Teilsystem „Mollath im Bankennetz“.
      MfG
      kranich05

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      • expert schreibt:

        Mir ist auch nicht klar, mit welcher Berechtigung jemand die Superreichen der Welt zu einer Gruppe machen will. Zweifellos gibt es verschiedene „Clans“, die zum Teil Gleiches wollen, was dann auf Bilderberger-Konferenzen u.Ä. abgeklärt wird, die ansonsten aber durchaus Konkurrenten sind. Tatsache aber ist, dass die „Clans“ der Superreichen insgesamt die Regierungen der Welt beherrschen.

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        • kranich05 schreibt:

          „mit welcher Berechtigung jemand die Superreichen der Welt zu einer Gruppe machen will“? Z. B. mit der Berechtigung, diejenigen zu benennen, die „insgesamt die Regierungen der Welt beherrschen.“

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      • expert schreibt:

        Ja, kumulativ beherrschen sie die Regierungen der Welt, gemeint war, dass sie nicht gemeinsam als Weltregierung fungieren.

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      • Klaus G. Stölzel schreibt:

        S. g. Herr Dr. Kurch,

        Ich habe mit dem Bild eines „Kegel- oder Pyramidenmodell“,
        auf der einen Seite das „Kreis- o- Ringmodell“ dimensionieren
        wollen, also wie breit das „Fundament“ bzw. wie eng es in
        der „Spitze“ ist und auf der anderen Seite, dass damit ein
        Unten und ein Oben entstanden ist. D.h., das läuft m. E. auf
        eine Person in der „Spitze“ zu. Im Mittelalter in Europa,
        genauer hier als ein Beispie genanntl: „Im heiligen römischen
        Reich Dt. Nation gab es den Papst und den Kaiser und
        diese traten meistens als Gegenspieler auf bzw. an. Des-
        wegen gab es in diesem „Reich“ keine Einheit oder ein
        sichtbares einheitliches Handeln, wie in Frankreich oder
        in England damals schon vorhanden war.
        D. h., ohne die Fäden in einer Hand, gibt es kein einheit-
        liches Handeln in der „Einheit“.
        Bismarck hat die Problematik einer „Mehr Mann o. mehr
        Frauen Spitze“ erkannt und deswegen unbedingt 1871 die
        Fäden der Macht auf eine Person zu laufen lassen. Also,
        Deutscher Kaiser durfte nur die Einzelperson aus seiner
        Funktion, als Preußischer König heraus, dann werden.
        Der Dt. Kaiser war damit nicht nur das Oberhaupt aller Dt.
        Protestanten, sondern auch oberster Kriegsherr, ohne
        sich mit den Ländern seines „Schutzbundes“ abstimmen
        zu müssen, wenn er den Kriegsfall zu erklären hatte,
        also aus seiner Sicht nötig geworden ist.

        Dies haben bekanntlich die Preußen von Ihren Angel-
        sächischen Verwandten mit deutschen Wurzeln, also
        von der alten „Britischen Monarchie“ abgeguckt.

        Damit ist die kirchliche und weltliche Macht in einer Hand
        der Hauptmacht Preußen in Deutschland gewesen. Be-
        kanntlich ist die anglikanische Kirche namens Church
        of England in der Hand der „Queen“, als Staatsoberhaupt
        der Briten, auch heute noch.

        Mit „materiell“ meine ich echtes Vermögen aus Haus und
        Grund und Bodenschätzen und wertschöpfenden Produkt-
        ionen die einen realen Nutzen darstellen. Die „Queen“
        gilt als die reichste Frau der Welt, weil sie dort ihr Vermögen,
        als ein echtes Vermögen besitzt. Vom Geldvermögen und
        Wertpapierkram halte ich nichts, weil es sich um Giralgeld,
        also um Buchgeld ohne Gegenwert handelt. Deswegen
        sind „Schulden“ auf dieser Basis keine „Schulden“ im
        „Echtwert oder Realwert Sinne“. Da werden wir alle, m. E.,
        von den Banken getäuscht.

        D. h., wenn die „Queen“ ihr Barvermögen oder Giralgeld
        auf den Konten der Banken verliert, dann bleibt die
        Queen weiter superreich, wie Sie in Ihrem Aufsatz be-
        merkt haben, also unberührt. Sicher auch andere Super-
        reiche unterhalb der „Queen“.

        Deswegen halte ich einen Personenkreis von mehr als
        einer Person, als eine heterogene Gruppe, weil so etwas,
        wird heute gerne als eine „Doppelspitze“ in den polit-
        ischen Kreisen genannt, die meistens in die „Hose“
        gehen, wenn sie Realität ist. Also laufen solchen Mehr-
        Macht-Funktionen auf eine Person, wie sie Frau Merkel
        oder Herr Seehofer, jeweils als Regierungs- und Partei-
        chef/in inne haben, zusammen.

        Darüberhinaus bin ich auch der Meinung, dass es klug
        wäre, einen Netzwerkplan a` la Mark Lombardi, der nicht
        nur ein technisches Werk, sondern auch ein künstlerliches
        Meisterwerk sein sollte, bewerkstelligen zu lassen. Das
        fränkische Bermudadreieck „Nürnberg-Bayreuth-Bamberg“
        zeigt in der Spitze des Dreiecks, dann nach unten, also
        Richtung Süden, also nach München und verknüpft die
        Personen, wie Beckstein, Denzler, usw., zu einem Spinnen-
        netz nicht nur zum Nachteil von Herrn Mollath.

        MfG.

        Klaus G. Stölzel

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  4. Die Berechtigung die Wahrheit zu wissen steht doch wohl jedem Menschen zu.
    Vice versa haben insbesondere Politiker, als Dienstleister ihrer jeweiligen Bürger KEINE Berechtigung die Wahrheit zu verfälschen.
    Tun sie es trotzdem, brechen sie das proklamierte Recht und machen jedes Rechtsystem zur Farce.
    Die Marionettenspieler sind eine Gruppe, ob man das nun sehen will oder nicht.
    Das übergeordnete gemeinsame Interesse dieser Gruppe ist sicherlich eben gerade nicht exakt erkannt und beleuchtet zu werden, da False Flag Aktionen und Finanzbetrügereien dann schwerer als bislang zu verheimlichen wären….

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  5. Pingback: Geheim – Überlegungen zur Kernzone (Jetztzeit 8) | opablog

  6. Pingback: Der Fall Mollath kanalisiert – (Jetztzeit 11) – Update 14. 11. 2013: Nachbemerkung | opablog

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